enttausend

am

Leben 816 – Mittwoch, 07.03.12

 

enttausend

 

 

Ich weiß nicht, wie Du das machst. Ob Du die „wertvollen“ Dinge schonst. Für besondere Anlässe. Oder ob Du sie im Alltag nutzt, damit sie Dir auch von Wert sind.

 

Ich mach mal ein Beispiel, was ich meine.

 

Du kannst Deinen Tee aus einer 08/15 Tasse trinken. Eine Tasse, von der noch 5 andere, gleiche hast. Eben eine aus Deinem „Alltags“-Service.

 

Oder Du trinkst ihn aus einer einzigartigen Tasse, eine, die nur einmal in Deinem Haushalt vorhanden ist. Eine, die Dich an Mallorca, Mainz oder ans Allgäu erinnert. An London oder Öland. An gute Stunden und Begegnungen. Dich für Momente in eine zauberhafte Stimmung versetzt. (Du kannst natürlich auch warten, bis Du in Rente bist, bis Du wieder in Urlaub fährst, bis jemand Besonderes zu Besuch kommt, um erst dann diese Stimmung teilen zu wollen.)

 

Ja, und dann passiert, was passieren muss.

 

Du ahnst es.

 

Beim Abspülen, Abtrocken, Aufräumen oder einfach nur beim Benutzen geht Dir dieser erinnerungsträchtige Gegenstand entzwei. Oder entdrei. Oder enttausend…

 

Jetzt frage ich Dich: Wenn es mir gelänge, einen identisch aussehenden Ersatzgegenstand zu beschaffen, würdest Du ihm, diesem Ersatzdingensbums auch gestatten, Dich wieder in die zauberhafte Stimmung zurückzuversetzen? Oder würdest Du, um den Verlust des Originals wissend, den Ersatz immer als solchen betrachten?

 

Ja natürlich, ich trinke meinen Tee gerade aus einer anderen, erinnerungsträchtigen Tasse. Nehme mir vor, besser aufzupassen. Aber ich werde auch weiterhin nicht darauf warten, dass die Rente, der Urlaub oder Besuch kommt.

 

© Ulf Runge, 2012

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gabaretha sagt:

    Das gefällt mir sehr, lieber Ulf. Es gibt ja nur jetzt 😉
    Vielen Dank für den schönen und positiven Gedanken zur Nacht.
    Alles Liebe – jetzt und hier, besser und besser,
    Gaba

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  2. Maria H sagt:

    Lieber Ulf,
    Du hast Recht…ich warte auch nicht bis ich in Rente bin, Urlaub habe, oder Besuch bekomme. Alles was ich habe, ob selbst gekauft oder geschenkt, benutze ich auch, jeden Tag wenn möglich. Meine beiden besten Freunde haben mir ein wunderschönes Teekännchen mit Tasse geschenkt. Zusammensetzbar für eine Person. Das benutze ich jeden Tag und habe große Freude daran. Wenn mir mal ein Missgeschick passieren sollte, werde ich alles daran setzen um einen identischen Ersatz zu bekommen. Und diesem „Ersatzdingensbums“ erlaube ich auch, mich in dieselbe Stimmung zu versetzen, weil ich es nicht als Ersatz betrachte, sondern für immer das ganz spezielle Geschenk bleiben wird!
    Es kommt doch nur auf die Betrachtungsweise an. Und das Gefühl!!
    Liebe Grüße
    Maria

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  3. Ulf Runge sagt:

    Liebe Gaba,
    danke für Deine Gedanken, die Du soeben geschrieben hast.
    Und die ich jetzt lesen darf.
    Und zu einem anderen Jetzt wirst Du diese meine Antwort lesen.
    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Maria,

    das hast Du sehr schön ausgedrückt. Wir dürfen unsere Erinnerung mit allem verbinden, was wir wollen. Und wenn es „nur“ ein Ersatz für ein unwiederbringliches Original ist.

    Betrachtungsweise und Gefühl, genau!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. ladidaladida sagt:

    Hallo zusammen,

    Maria hat vollkommen recht- es geht um die Erinnerung, nicht um die Frage, ob es nun wirklich das Originalstück ist.

    Ich versuche auf Dinge, die mir viel bedeuten, sehr aufzupassen. Gleichzeitig versuche ich, mich mehr an die Erinnerung, die mit den Dingen verbunden ist, als an das Ding selber zu klammern, aus dem einfachen Grund, weil schon vieles in diesem Haushalt zu Bruche gekommen ist. 😥

    Ich versuche mich zu trösten, dass die Erinnerung, die Stimmung und die Leute, die mit den Dingen in Verbindung gebracht werden, immer noch da sind. Man kann ja schliesslich neue Dinge und neue, toller Erinnerungen sammeln, nicht?

    Gruß,

    LL

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe ladidaladida,

    Du hast recht, die Erinnerungen bleiben uns auch ohne die schönen Gegenstände, die uns den Impuls geben, noch einmal an schöne Stunden und Situationen zurückzudenken.

    Ja, und stündlich haben wir Gelegenheit, neue Erinnerungen zu schaffen, ans JETZT…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. andrea2110 sagt:

    Lieber Ulf, ich kann Dich sooo gut verstehen, ich bin eine Tee-Tassen-Sammlerin und ich mag sehr die Erinnerungen, die daran hängen… Und dann ging meine allerliebste Tasse kaputt, die hohe blaue Tasse mit dem Leuchtturm, die ich auf Juist gekauft hatte, meiner absoluten Lieblingsinsel und die ich dick eingepackt vorsichtig als Handgepäck auf der Fähre auf dem Schoss transportierte, die einen Umzug in ein anderes Land miterlebte und mir auch hier wunderschöne Tee-Minuten schenkte… huuuuhhh, war ich traurig… ich bin drüber weggekommen und habe jetzt eine neue Lieblingstasse, die ich auch nicht schone:-). Ähnlich-Fühlende liebe Grüsse zu Dir, Andrea

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  8. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    es ist auch eine Übung, sein Herz nicht zu sehr an liebgewonnene Dinge zu hängen. Es hat einen Grund, warum genau in einem Moment etwas , was einem viel bedeutet, zerbricht. Dieses Zeichen zu erkennen und loslassen, was einem so wichtig war, das ist auch eine Lernaufgabe, wenn auch schwierig mitunter.. Was nicht mehr zu ändern ist, nehme ich an. Erinnerungen kann man ja trotzdem haben. …… Und die können bleiben und nicht zerbrechen, ich kann sie jederzeit in meinen Gedanken herbeiholen und genießen…..
    Liebe Grüße
    Erika

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea, ich sehe Deine Juist-Leuchtturm-Tasse direkt vor meinen Augen, obwohl ich noch nie auf Juist war…

    Es ist einfach schön, aus einer Tasse zu trinken, mit der man angenehme Gefühle verbindet…

    Auf ein herzilches Aufpassen auf unsere Lieblingstassen,
    liebe Grüße,
    Ulf

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  10. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    Deinen klugen Worten kann ich nichts hinzufügen.
    Ja, alles hat Sinn und Tiefe, es erschließt sich nicht immer sofort.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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