Halb

Leben 781 – Dienstag, 15.11.11

 

Halb

 

 

Halb. Was ist das schon?

 

Halbzeit. Wen interessiert denn bitte schön über den Tag hinaus der Halbzeitstand? Dass Deutschland 1996 4:2 von England besiegt worden ist, das wissen die älteren Fußballinteressierten noch alle. Aber den Halbzeitstand? Wer will den noch wissen?

 

Halbgares. Entweder richtig gekocht. Oder roh. Oder gar nicht. Halbgares, wer mag das schon?

 

Halbmond. Beim Halbmond interessiert Dich doch die Frage, ob er zunimmt oder abnimmt. Und dass Du Dir das einfach nicht merken kannst, dass eine sich öffnende Klammer ( aussieht wie abnehmender Mond. Und eine schließende Klammer ) wie ein ein zunehmender Mond ist. Aber Vollmond. Den guckt man sich gerne an. Im Gegensatz zur Sonne darf man ihn stundenlang ohne Reue betrachten. Träumerisch. Oder rekapitulierend, dass er die Meere bewegt und die Babys aus dem Bauch der Mütter lockt.

 

Es heißt ja, manche Ärzte würden sich aufspielen wie Halbgötter in Weiß. Über die meisten Ärzte, die ich bisher kennen gelernt habe, habe ich eine gute Meinung. Mit fundiertem, weitergebildeten Wissen, erfahren oder bereit, dazuzulernen, sorgfältig, engagiert, einfühlsam.

 

Aber es gibt auch manche. Denen ich wünschen würde, nicht Halbgötter sein zu wollen. Auf dass sie nicht nur halb, sondern möglichst alles vom Göttlichen haben.

 

Gott hat neben das Dogma die Zweifel gestellt. Vor die Erfahrung die Lernbereitschaft. Und gegenüber dem Herablassenden die Demut.

 

Nachdem mir heute von einem Arzt die erbetene Diagnostik verweigert wurde, weil nicht könne, was nicht sein kann, und man werde alle Untersuchungen durchführen, die man aus ärztlicher Sicht für notwendig halte, aber auch nur die, da habe ich in meinem Ausgeliefertsein und meiner Traurigkeit in mich hineingehorcht. Und lange nichts gehört. Bis ich jetzt weiß, was ich diesem Arzt wünsche: Mehr Zweifel, mehr Lernbereitschaft, mehr Demut.

 

Einfach mehr Nähe zu Gott.

 

© Ulf Runge, 2011

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    danke für Deine Offenheit in Deinem Beitrag, der mich sehr berührt. Halb , da fällt mir auch „halbvoll“ und „halbleer“ ein bei dem Halben Glas. Ich wünsche Dir, dass Deine Traurigkeit halbwegs verwandelt werden kann in neues Vertrauen. Es gibt hoffentlich noch andere Ärzte, die vielleicht diese Erfahrung wieder in ein anderes Licht rücken . Ich wünsche, dass Dir Gott auch nahe ist und auch den Ärzten .
    Liebe Grüße
    Erika

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  2. andrea2110 sagt:

    Lieber Ulf, in meinem Job hab ich zur Zeit sehr viel mit Ärzten zu tun; bei manchen sträuben sich mir die Haare, von manchen würde ich mich vertrauensvoll behandeln lassen… Ich hoffe, dass DU gesund bist und bleibst, falls es in der genannten Diagnose um Dich gegangen sein sollte… Mit dem Wort „halb“ hab ich auch so einige schöne Assoziationen, wenn ich noch die Hälfte des Urlaubes vor mir habe, habe ich auch schon Urlaub genossen; ein schöner Moment; dasselbe mit einem Stück Schokolade und einem köstlichen Essen oder Getränk: ich habe schon etwas davon genossen, habe aber auch noch etwas vor mir…:-). Alles Liebe für Dich, liebe Grüsse Andrea

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  3. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    danke für Deine Anteilnahme. Ich bin ja sonst eigentlich sehr positiv eingestellt, aber diesmal „musste es raus“.

    Alles wird gut.
    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,
    es ging nicht um mich. Was die Sache nicht wirklich besser macht.
    Trotzdem danke für die guten Wünsche.

    Zu halb fällt mir noch ein: Man soll nie etwas zeigen, wenn es halb fertig ist; etwa einen halbfertigen Blogbeitrag. Geht in die Hose.

    Gut dass alles halb so doppelt ist.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    danke, sie kam von Herzen …
    alles ist gut
    auch das Rauslassen ist manchmal sehr wichtig. Verdrängen bringt Unwohlsein. Spüren , was in einem vorgeht und die Gefühle wahrnehmen und zulassen, das habe ich auch gelernt. Alle Gefühle sind erlaubt, weil alle Gefühle Leben sind. Nur nicht von ihnen beherrschen lassen , anschauen und loslassen. Einfach SEIN im Hier und Jetzt. Das schreibe ich grade auch für mich selbst, sorry.
    Liebe Grüße und alles Gute
    Erika :-‚)

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  6. Maria H sagt:

    Liebe Erika,
    das hast Du sehr schön und treffend geschrieben. Gefühle sind Leben, ja. Oft wird man aber von seinen Gefühlen überschwemmt und kann nichts rauslassen, weil niemand da dem man sich mitteilen könnte. Dann wird man von ihnen beherrscht!
    Liebe Grüße
    Maria

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika, liebe Maria,

    das habt Ihr beide sehr schön formuliert.

    Ich danke Euch und fühle mit Euch.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Hase sagt:

    Liebe Maria, lieber Ulf
    danke
    ich wünsche Euch eine gute Nacht
    🙂 🙂

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  9. Ulf Runge sagt:

    Ich wünsche Euch beiden und ganz Bloggerland eine gute Nacht
    lg ulf

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