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Archive for November 2011

Drei 11 und Fünf 02

29. November 2011 16 Kommentare

Leben 786 – Dienstag, 29.11.11

Drei 11 und Fünf 02

Bei 3:11 war ich nicht mehr unbeteiligt. Musste akzeptieren, dass meine Bauch Oberhand gewonnen hatte. Konnte mir ein leichtes Blubbern nicht verkneifen.

Bei 5:02 war ich mitten drin. Infiziert vom Urkomisch-Virus. Gespannt auf den Augenblick, an dem ALLE LOSLACHEN WÜRDEN. UND ICH MIT.

Danke an Erika und Maria, ohne die dieser Link hier nicht gepostet worden wäre: http://youtu.be/udlNOIF_HKk

© Ulf Runge, 2011

Ein bisschen

26. November 2011 35 Kommentare

Leben 785 – Samstag, 26.11.11

 

Ein bisschen

„Ein bisschen Mett, bitte!“ sagt der Herr vor mir. „Was ist bei Ihnen ‚ein bisschen’?“ fragt die Verkäuferin zurück. „150 Gramm!“ vernehme ich als Antwort.

Endlich weiß ich, was „ein bisschen ist“. Zumindest für den mir unbekannten Herrn direkt vor mir.

Wenn ich zukünftig am Bahnsteig die Anzeige „Wenige Minuten später“ lese, dann stelle ich mir einfach den 150-Gramm-Herrn vor, dann frage ich die Anzeigetafel, „Was ist bei Ihnen ‚wenige’?“ und hoffe, dass ich dann lese: „Achtung: Zug fährt ein.“

Oder wenn ich den Laden betrete und aus dem Nachbarraum die einzige Bedienung rufen höre: „Ich komme gleich!“, dann werde ich zukünftig rufen: „Prima! Was ist bei Ihnen gleich?“

(Nee, das werde ich nicht, denn allein die Vorstellung, dass ich so „ein bisschen“ frech sein könnte, zwingt mir ein Lächeln auf die Lippen.)

© Ulf Runge, 2011

Erfolg

22. November 2011 11 Kommentare

Leben 784 – Dienstag, 22.11.11

 

Erfolg

 

In einem der Gespräche, die ich vor kurzem führte, fiel des Öfteren der Begriff “Erfolg”.

 

Als ich dann wieder alleine mit mir war, dachte ich mir, woran mache ich eigentlich fest, ob ich erfolgreich bin oder nicht?

 

Weil ich ein dickeres Auto fahre als jemand, der nicht so erfolgreich ist? Weil ich eine verantwortungsvollere, vielleicht auch besser bezahlte Position habe als jemand anders?

 

Wir haben alle gelernt, das erfolgreiche Menschen immer “besser” sind als. Und zwar als andere.

 

Und hier liegt die Wurzel für ein gravierendes Missverständnis. Warum vergleichen wir uns mit anderen? Bei denen wir gar nicht die Umstände oder Voraussetzungen kennen, warum sie “besser” oder “schlechter” sind als wir.

 

Wenn wir Erfolg messen wollen durch einen Vergleich, warum betrachten wir da uns nicht selber? Die Person, die wir vor einiger Zeit waren, mit der Person von heute. Die Person, die gestern Bedürfnisse geäußert und Wünsche vorgebracht hat, die gestern Ziele formuliert hat, die sie bis zum Tag X erreicht haben möchte.

 

Wenn Du Dich mit dieser Betrachtungsweise anfreunden kannst, dann stellen sich eigentlich nur die folgenden Fragen, damit Du ein erfolgreicher Mensch sein kannst:

 

Bist Du bereit, die Augen zu schließen und nach dem großen “Warum” in Deinem Leben zu fragen?

Kannst Du daraus präzise Ziele für Dich formulieren? SMARTe Ziele? (Speziell für Dich formulierte Ziele, messbare Ziele, erreichbare (achievable) Ziele, realistische Ziele und terminbezogene Ziele)

Bist Du bereit, an Dich zu glauben?

Bist Du bereit, Dich mit Ausdauer und Disziplin auf den Weg zu machen, der Dir einige Umwege abverlangen kann…

 

Dann hast Du für mich alle Attribute eines erfolgreichen Menschen. Weil es Deine Ziele sind, die Du erreichen möchtest.

 

Bevor ich diese Zeilen schrieb, hatte ich mir vorgenommen, wenn alles geschrieben ist, was ich zu diesem Thema schreiben will, auch mal Steve Pavlina nachzusehen, was er dazu schreibt.

 

Und freue mich, einen ganz wichtigen Hinweis hier loswerden zu dürfen. Nachdem Steve Pavlina aus Gründen bemerkenswerter Selbstlosigkeit auf sein Copyright verzichtet hat, werden immer mehr seiner Artikel auf der Seite www.stevepavlina.de ins Deutsche übersetzt.

 

Und unter der Rubrik “Erfolg” finden sich viele hilfreiche Artikel. Interessanterweise habe ich keinen entdeckt, der die Frage nach dem Erfolg so radikal wie ich heute reduziert auf die Frage des Vergleichs mit sich selber: Wo komme ich her? Wo bin ich jetzt? Wo will ich hin?

 

© Ulf Runge, 2011

Neues aus Schloss Kensington: Tassenentwendungsschutz

18. November 2011 14 Kommentare

Leben 783 – Freitag, 18.11.11

Neues aus Schloss Kensington: Tassenentwendungsschutz

Dies ist ein Laptop. Mein Laptop. Mein dypsilon (wir berichteten darüber).

So wie Du ihn hier siehst, kann er leicht gestohlen werden.

Deshalb wurde das Kensington-Schloss erfunden. So sieht es aus:

So sieht es aus, wenn das Kensingtonschloss um einen Laternenpfahl oder etwas Ähnliches gebunden wird. Da hat der Dieb keine Chance.

In diesen Schlitz am PC wird es gesteckt:

So sieht es aus, wenn das Kensington-Schloss montiert ist:

Das ist eine Tasse. So ähnlich sieht meine Werbegeschenktasse aus.

So wie Du sie hier siehst, kann sie leicht gestohlen werden.

Weiterlesen…

Eigentum verpflichtet

16. November 2011 6 Kommentare

Leben 782 – Mittwoch, 16.11.11

 

Eigentum verpflichtet

 

Eigentum verpflichtet. Mit dieser inzwischen zur Phrase verkommenen Formulierung haben die VäterInnen des Grundgesetzes versucht, der hässlichen Fratze des Kapitalismus ein soziales Anlitz überzuschminken.

 

Das mal als Vorwort.

 

Meine Welt hat sich gedreht heute. Seit heute ist nichts mehr wie es gestern war. Nein, nein, ich habe nicht im Lotto gewonnen. Ganz anders.

 

Während ich in den vergangenen Wochen in meinem neuen Büroumfeld von Tag zu Tag immer mehr genossen hatte, dass ich mich um  keine (un)gespülten Kaffee- oder Tee-Tassen kümmern muss, weil da irgendwann in der Nacht fleißige Heinzelmädchen die Spülmaschine ein- und ausräumen, ist jetzt Schluss mit Lustig.

 

Was ist passiert? Seit heute bin ich aufgrund der selbstlosen Nettigkeit und Freundlichkeit eines externen Kollegen (stolzer!) Besitzer einer Tasse. Ein Werbegeschenk seiner Firma. Formschön, schlicht, klassisch.

 

Sollte ich jetzt nicht voller Freude hierüber berichten statt schlimmstes Trübsal zu blasen? Wie soll das gehen, frage ich Dich? Ich bin sicher, du pflichtest mir bei, wenn Du meinen Bericht gelesen hast.

 

Morgens.

 

Früher: Rein in die Firma, gleich rüber zur Teeküche, Tasse aus Küchenschrank, zur Espressomaschine, mit duftig dampfenden Heißgetränk an den Arbeitplatz: Arbeitstag, Du kannst beginnen.

 

Heute: Rein in die Firma, erstmal an den Arbeitplatz, Rollboy aufschließen, um die kostbare Tasse vorsichtig in meine Hände zu nehmen, werde womöglich schon von jemanden angesprochen, was denn mit dieser oder jener E-Mail und überhaupt. 15 Minuten später schaffe ich dann den Absprung Richtung Teeküche, spüle meine Tasse, die ich eigentlich gestern Abend gereinigt hätte haben wollen, aber da hat’s pressiert, sonst wär mein Zug ohne mich, und jetzt stehe ich hier und spüle die etwas hartnäckigen Reste des gestrigen Kaffees aus meinem neuen Schatz heraus. Eine gefühlte Ewigkeit später als sonst trinke ich meinen ersten Schluck lebenserhaltenden Elixiers.

 

Du hast Dich bestimmt schon gefragt, warum ich die Tasse in meinem Rollboy einschließe? Nun, sie gehört mir. Wenn sie mir gehört, sollte ich es doch sein, der aus ihr trinkt? Und sie wurde mir geschenkt, damit ich schätze. Wertschätze. Dann passt man doch auf sie auf. Dass sie nicht, sagen wir mal in „falsche“ Hände gerät. Dass sie nicht verwechselt wird mit identisch aussehenden Tassen von KollegInnen, die sich ebenfalls stolze Besitzer einer Werbegeschenktasse nennen dürfen.

 

Abends.

 

Früher: Die schmutzige Tasse zur Teeküche gebracht. Dann zum Ausgang. Und tschüss.

 

Heute: Die schmutzige Tasse zur Teeküche gebracht. Handgespült. Zurück zum Arbeitsplatz. In den besagten Rollboy eingeschlossen. Zum Ausgang. Zwei Minuten zu spät. Zug verpasst. Oder wie oben geschildert alternativ die schmutzige Tasse in den Rollboy eingeschlossen. Zum Ausgang. Zug gekriegt.

 

Du hast vermutlich keine Idee davon, dass ich nachts nicht mehr schlafe. Ich stelle mir dann vor, dass ich vergessen habe, den Rollboy abzuschließen. Und der Tassendieb durch die Büros schleicht, an den Rollboys rüttelt, schließlich merkt, dass meiner heute Nacht unverschlossen ist, gierig nach meiner Tasse greift und diese unbemerkt entwendet. Worauf ich am folgenden Tag von meinem Kollegen bestimmt gefragt werde, ob ich denn immer noch glücklich darüber sei, Besitzer der von ihm geschenkten Tasse zu sein. Was meinst Du, was ich dann antworten kann?

 

Oder noch wahrscheinlicher. Ein Kollege aus einer anderen Abteilung kommt zu Besuch. Meint beim Weggehen, dass er seine Kaffeetasse mit hierher gebracht hat, greift sich keiner Schuld bewusste seine meine Tasse, und weg ist sie. Dramen sind das, wovon ich nachts träume.

 

Oder noch schlimmer. Ich bin unachtsam. Die Tasse fällt zu Boden. Entzwei. Irreparabel kaputt. Jetzt Du! Was ich sage ich dann meinem Werbetassenschenker?

 

Früher war ich frei. Vorausgesetzt der Schrank war nicht leer, was bisher noch nicht wirklich vorkam, hatte ich die freie Wahl zwischen MickyMaus-Tassen, der Skyline von Frankfurt, phantasielos karierten Werbetassen, vermeintlich witzigen Comic-Aufdrucken und einer Tasse für Mami oder Papi mit den Fotos der Kinder. Eine Tasse, die Mami oder Papi vermutlich beim Wegzug aus diesem Haus abhanden gekommen ist.

 

Heute bin ich Werbegeschenktassenbesitzer. Besitze und benutze selberspülenderweise genau diese eine Werbegeschenktasse.

 

Eigentum verpflichtet!

 

© Ulf Runge, 2011

Halb

16. November 2011 9 Kommentare

Leben 781 – Dienstag, 15.11.11

 

Halb

 

 

Halb. Was ist das schon?

 

Halbzeit. Wen interessiert denn bitte schön über den Tag hinaus der Halbzeitstand? Dass Deutschland 1996 4:2 von England besiegt worden ist, das wissen die älteren Fußballinteressierten noch alle. Aber den Halbzeitstand? Wer will den noch wissen?

 

Halbgares. Entweder richtig gekocht. Oder roh. Oder gar nicht. Halbgares, wer mag das schon?

 

Halbmond. Beim Halbmond interessiert Dich doch die Frage, ob er zunimmt oder abnimmt. Und dass Du Dir das einfach nicht merken kannst, dass eine sich öffnende Klammer ( aussieht wie abnehmender Mond. Und eine schließende Klammer ) wie ein ein zunehmender Mond ist. Aber Vollmond. Den guckt man sich gerne an. Im Gegensatz zur Sonne darf man ihn stundenlang ohne Reue betrachten. Träumerisch. Oder rekapitulierend, dass er die Meere bewegt und die Babys aus dem Bauch der Mütter lockt.

 

Es heißt ja, manche Ärzte würden sich aufspielen wie Halbgötter in Weiß. Über die meisten Ärzte, die ich bisher kennen gelernt habe, habe ich eine gute Meinung. Mit fundiertem, weitergebildeten Wissen, erfahren oder bereit, dazuzulernen, sorgfältig, engagiert, einfühlsam.

 

Aber es gibt auch manche. Denen ich wünschen würde, nicht Halbgötter sein zu wollen. Auf dass sie nicht nur halb, sondern möglichst alles vom Göttlichen haben.

 

Gott hat neben das Dogma die Zweifel gestellt. Vor die Erfahrung die Lernbereitschaft. Und gegenüber dem Herablassenden die Demut.

 

Nachdem mir heute von einem Arzt die erbetene Diagnostik verweigert wurde, weil nicht könne, was nicht sein kann, und man werde alle Untersuchungen durchführen, die man aus ärztlicher Sicht für notwendig halte, aber auch nur die, da habe ich in meinem Ausgeliefertsein und meiner Traurigkeit in mich hineingehorcht. Und lange nichts gehört. Bis ich jetzt weiß, was ich diesem Arzt wünsche: Mehr Zweifel, mehr Lernbereitschaft, mehr Demut.

 

Einfach mehr Nähe zu Gott.

 

© Ulf Runge, 2011

Üble Nummer

13. November 2011 26 Kommentare

Leben 780 – 13.11.11

 

Üble Nummer

 

Es ist das zweite Mal, dass ich hier bin. Wobei, heute ist es etwas anders als beim ersten Einkauf. Ich habe zwar meine Waren aufs Band gelegt und den leeren Einkaufswagen so hingestellt, dass ich die gescannte Ware gleich wieder in ihn hineinladen kann, als die Kassierin mich bitte, den Wagen anders hinzustellen. Wie, das bedeutet sie mir mit ihrer Hand und ihren Augen. Sie brauche die Wagennummer.

 

Wagennummer? Ich bin ja schon einiges gewohnt. Immer wieder werde ich nach der Postleitzahl gefragt. Habe da auch schon Typen gesehen, die das verweigert haben. Und dann trotzdem ihre Ware bezahlen durften.

 

Aber Wagennummer? Sie steht von ihrem Kassenstuhl auf, beugt sich über das Band, um augenblicklich zurückzuschnellen und etwas auf der Tastatur einzutippen. Vermutlich die Wagennummer.

 

Ich blicke amWägelchen hinunter. Entdecke besagte Wagennummer ganz unten bei den Rollen, die den Wagen erst zum Wagen machen.

 

Ich denke mir, da war jemand ganz fleißig. Hat gemerkt, dass das Kassenpersonal den Arsch (sorry!) nicht hochkriegt und nicht konsequent kontrolliert, dass der Wagen vollständig auf das Band geleert worden ist. Und dann lassen sich, ich wette mal männliche, IngenieurInnen diese tolle Erfindung einfallen, die Wägelchen so mit Nummern zu markieren, dass die Damen und bisweilen auch Herren an der Kasse sich fast aufs Band und auch auf die Ware legen müssen, um die Nummer abzulesen und nachfolgend einzutippen.

 

Übel!

 

Ich sage der freundlichen Kassiererin, dass ich das jetzt lieber nicht kommentiere. Sie spürt meinen empörten und mitleidigen Blick. Lächelt verlegen.

 

Ich denke mir, dass sich die Erfindung des Spiegels noch nicht zu allen Supermarktketten durchgesprochen hat. Und wann die Damen und Herren an der Kasse etwas gegen Bewegungsmangel tun wollen, sollte man Ihnen selber überlassen. Oder?

 

P.S.: Ich berichte darüber in meinem Umfeld. Doch, doch, das sei in ihrem Supermarkt auch schon seit Jahren genauso. Auf die Nachfrage, warum die Wagennummer erfasst werden müsse, habe man die Antwort “Aus statistischen Gründen” bekommen. Gröhl!

 

© Ulf Runge, 2011

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