Minutiöse Minuten – Der Beschluss

Leben 750 – Donnerstag, 15.09.11Minutiöse Minuten – Der Beschluss

 

Gestern früh – die 1. Minute

Sie wohnt immer noch da! Ungläubig, ja plötztlich sogar starren Blickes, verlieren sich Lothars Augen auf Ihrem Anblick. Nur kurz. Dann ist es auch schon vorbei. Wie immer. Wie früher.

Als habe die Zeit Still gestanden, als habe es diese Unterbrechung nicht gegeben. Ist ihr Leben einfach weitergegangen. Lother kneift sich. Doch, doch. Er ist wach.

Gestern Abend – die 2. Minute

 

In Gedanken vergaß er völlig nach ihr zu schauen. Lothar bemerkte nicht einmal, dass er nicht an sie gedacht hatte.

Heute früh – die 3. Minute

Lothar beschloss, den kurzen Augenblick mit voller Aufmerksamkeit nutzen zu wollen. Heute war sie nicht zu sehen. Neue Vorhänge hatte sie, längsgestreifte Schals an den Seiten ihrer Fenster. Der Lichteinfall war „gut“ heute, auf der Spüle erkannte er jede Menge Geschirr. Ziemlich durcheinander, als sollte mal jemand abwaschen. An diesen Anblick konnte er sich beileibe in all den Jahren nicht erinnern. Ob die Spülmaschine wohl kaputt war?

Das Bild war schon weg, nur noch in Lothars Kopf, als er sich ernsthaft zu fragen begann, was ihn denn an dieser Person faszinierte. Er konnte nicht einmal sagen, dass er sie schön fand oder so, dafür hatte er sie ja noch nie wirklich nahe genug gesehen. Er wusste nur eines, etwas beeindruckte ihn an ihr. War es tatsächlich sie? Oder müsste er sich gegenüber zugeben, der kleine Voyeur zu sein, nichts Böses im Schilde führend, einfach nur beobachtend am Leben anderer Teilhabender?

Lothar wollte Klarheit. Beschloss, seine Beobachtungen minutiös aufzuschreiben. Minutiöse Minuten. Herausfinden, was es war, was ihn da anzog.

Donnerstag, 15.09.11.2011, 17:43 – die 4. Minute

 

Ihre Balkontür steht auf, das Küchenfenster ist auf Klapp gestellt. Keine Bewegungen erkennbar. Auf dem Balkontisch steht ein Blumenstrauß, in Geschenkpapier eingewickelt. Ob sie heute wohl noch auf einen Geburtstag gehen wird. Oder gerade heimgekommen ist, noch keine Zeit hatte, den Blumenstrauße auszupacken. Den man ihr vielleicht für 10 Jahre Betriebszugehörigkeit geschenkt hatte?

Lothar betrachtete seine Aufzeichnungen von gestern und heute. Ja, so hatte er sich das heute früh gedacht. Beobachten. Und sich die Frage beantworten, warum sein Blick an immer wieder ein und der selben Stelle von ihr eingefangen wurde.

© Ulf Runge, 2011

 

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    interessante Geschichte und Gedanken. Danke dafür..
    „Donnerstag, 15.11.2011 „Lothar scheint sogar der Zeit voraus zu sein *lach*
    Ich würde Lothar den Tipp geben, einmal sein Bauchgefühl aufzuschreiben und sein Herz abzuhören…. zu welchem Ergebnis er dann wohl kommen würde ?
    Liebe Grüße
    Erika

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Erika,

      danke für diesen außerordentlich wichtigen Hinweis. Es sollte in der Tat der 15.09. nein. Ich habe eine smarte Korrektur vorgenommen, aus der noch erkennbar ist, welche Verfehlung auf der Zeitachse hier stattgefunden haben mag.

      Bauchgefühl? Warte mal ab. Lächel.

      LG Ulf

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  2. Irmi sagt:

    Lieber Ulf,
    eine sehr interessante Geschichte. Warum fasst Lothar sich niht einmal ein Herz und sspricht sie an. Villeiht erght es ihr ebenso? Weiss man es?
    Einen schönen Sonntag wünscht Dir
    Irmi

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Irmi,

      es ist viel schwieriger als Du vermutest. In der nächsten Folge wirst Du eine Ahnung bekommen, warum….

      Liebe Grüße,
      Ulf

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