Scheiß Wodafon!

am
Leben 740 – Mittwoch, 03.08.11

Scheiß Wodafon!

Oder so ähnlich. Flucht der Herr mir gegenüber, in der Hand sein Handy, dessen Dienste ihm gerade nicht zu seiner Zufriedenheit gereichen. Mal abgesehen von den negativen Wellen, die dieser Herr momentan im S-Bahn-Waggon verbreitet, genieße ich sein plötzlich eingetretenes Schweigen. Das wiederwahltasteseidank leider nicht lange anhält.

Sie seien unterbrochen worden, meint er zu seinem Gesprächspartner.

‚Das wirst Du gleich wieder werden!’, denke ich so bei mir, da der Zug nun Anlauf in den Tunnel nimmt. Und die Einfahrt in den selbigen hat noch kein Telefonat überlebt.

Er schickt sich gerade wieder an, sein ach so wichtiges, geschäftliches Gequatsche in den Äther zu schicken, als ich (genüsslich, ich gebe es zu) ein weiteres „Scheiß Wodafon“ vernehme.

Nein, ich werde hier und jetzt keine Hasstiraden über die Achsowichtigtelefonierer vom Zaun ziehen.

Ich werde auch keine Vermutungen äußern, ob es „bessere“ Netzanbieter gibt als den seinen.

Aber ich denke, wenn er „Wodafon so scheiße“ findet, warum wechselt er dann nicht? Oder sagt seinem Chef, dass er der Meinung ist, dass er `nen anderen Provider braucht.

Oder ist „Scheiß Wodafon“ nicht anderes als „Scheiß Ampel“ oder „Scheiß Stau“ oder „Scheiß Penner da vorne“ oder „Scheiße, die anderen sind Schuld“?

Ich sag mal, ohne die anderen Menschen wäre es ganz schön leer wäre hier für mich. Das gilt wohl für uns alle.

Und unseren Tag können wir auch nicht beliebig voll packen. Es lohnt sich, Dinge vor- und nachzubereiten. Und es lohnt sich erst recht, auch mal nichts geplant zu haben. Und nichts zu tun. Das können wahrhaft kreative Momente sein. Schöne Momente. In denen man spürt, dass man lebt.

Ich genieße voller Dankbarkeit und Demut, dass ich so unendlich viel mehr Freiheitsgrade durch so umfassend verfügbaren Mobilfunk gewonnen habe. Ich genieße voller Dankbarkeit und Demut, dass das System „Öffentlicher Nahverkehr“ auf wundersame Weise jeden Tag so toll funktioniert. Hm, und ich bin dankbar und demütig, dass selbst die „Scheiß“-Dinge in unserer Welt was taugen. Und wenn es nur ein Anstoß für einen Blogbeitrag ist…

© Ulf Runge, 2011

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