Taschengeldbearbeitungsgebühr

Leben 734 – Mittwoch, 20.07.11

 

Taschengeldbearbeitungsgebühr

Man hüte sich vor Verallgemeinerungen! Und doch wird etwa der englische Humor im allgemeinen als schwarz und makaber eingestuft. Der norddeutsche Humor, und ich glaube zu diesem Allgemeinplatz greifen zu dürfen, hat ebenfalls etwas Eigenes. Kurz, knapp und rustikal, diese Attribute fallen mir hierzu ein.

Ich bringe einen leeren Wasserkasten zurück zum Getränkemarkt. Ich bedeute dem Herrn an der Kasse, dass ich heute nur Leergut zurückbringe. Keinen Einkauf tätigen will.

„Taschengeld für den Herrn?!“ lacht er mich an. „Hier bitteschön, 3 Euro 30!“, die er mir in die Hand drückt, um mir anschließend noch einen schönen Tag zu wünschen.

Tage später bringe ich wieder nur Leergut zurück. Wobei, um hier keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Zwischendurch habe ich auch mal wieder Getränke eingekauft. Aber heute eben bin ich ein weiteres Mal ohne Kaufabsicht hier und stelle mein Leergut neben die Kasse. Heute bedient mich ein anderer Herr, aber das ist auch egal. Ich greife den Spruch vom ersten Kassenmenschen auf und lächle den heutigen Kassenmenschen mit „Heute nur Taschengeld, bitte!“ an.

Er zählt die Kästen und die einzelnen Flaschen, deren Gegenwert er in die Kasse eintippt, macht dann allerdings eine gedehnte Pause, an deren Ende er mich fragt: „Ist der Herr denn mit 3 Cent Bearbeitungsgebühr einverstanden?“

Ich sehe ziemlich verduzzt aus (schreibt man das so?), denn so etwas habe ich beim Getränkemarkt bisher noch nicht erlebt. Aber wir sind in Norddeutschland, und überhaupt, also denke ich mir, den Joke mache ich mit. „Drei Cent Bearbeitungsgebühr? Hm. Wenn Sie mich so freundlich anlächeln, kann ich ja nicht anders!“

Er schweigt. Ich auch. „Nun, dann hätte ich die drei Cent jetzt gerne!“ meint er.

Ich bin sichtlich irritiert. „Sorry, ich habe mein Portemonnaie im Auto gelassen. Ich gehe jetzt mal die drei Cent holen.“ Gesagt, getan. Und frage mich, was für ein Spiel er mit mir spielt.

Wieder drinnen, zähle ich ihm die drei Cent in die Hand. „So, bitteschön, drei Cent Bearbeitungsgebühr!“ Mein Blick fällt auf das Kassendisplay: 5 Euro 97 Pfand hätten mir zugestanden. Und jetzt?

Sagt der Getränkemarktkassenmensch doch fettgrinsend: „Jetzt kann ich Ihnen auch 6 Euro geben, ohne dass ich viel zählen muss!“

© Ulf Runge, 2011

13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Elisabeth sagt:

    OMG 😉 Warum nicht gleich, nicht wahr, lieber Ulf!? 😉

    Aber dann hätte er ja nur den halben Spaß gehabt 😉 und du nicht extra Bewegung gemacht und er dann nicht weniger Arbeit gehabt… *ggg*

    Sehr nett, danke dir für den feinen Morgengrinser 🙂
    Liebste Grüße,
    Elisabeth

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  2. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    danke !

    Taschengeldbearbeitungsgebühr (TGBG nach § 1 TGBGG)

    schon wieder ein schöner Beitrag von Dir, der mich zum Lächeln brachte. 😉
    Ich dachte zuerst, dass Du eine Gebühr verlangst für das Taschengeld-Verwalten !!!
    Wie oft erlebe ich es, dass ich kleines Geld zusätzlich gebe, damit ein glatter Betrag rückzuzahlen ist. Aber nicht ALLE kommen damit zurecht. Manchmal behalt ich es dann doch im Portemonaie. Bei Deiner Geschichte war es umgekehrt. Sehr schön……
    Fasst ist es, als ob man dabeigewesen wäre, ich kann mich Dich ja jetzt richtig bildlich vorstellen dabei …..*lach*
    Liebe Grüße
    Erika 🙂

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  3. Hase sagt:

    P.S. habe grade auch Leergut kästen- und Flaschen abgegeben und an der Kasse schmunzeln müssen, weil ich dabei an Deinen Beitrag gedacht hab 😆 Ich hab aber wieder was mitgenommen und da musste ich noch bezahlen. Einmal dachte ich bei drei Kästen Wasser im Angebot , ich müsste nichts draufzahlen , weil ich doch die leere kästen dabei hatte (normalerweise ist mein Mann für Getränke zuständig). Da sagte die Kassiererin, ja geschenkt bekommen sie das nicht, es wird ja wieder Pfand mitgerechnet….. Oh, das war eine schwierige Rechenaufgabe für mich…… 🙂
    sorry, jetzt wurde P.S. gleich ein halber Beitrag …..

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  4. andrea2110 sagt:

    Lieber Ulf, bei Dir wird sogar Getränke-Kisten-Abgeben zum lustigen Erlebnis:-) Vielen Dank für einen Schmunzler am Morgen, liebe Grüsse Andrea

    p.s. wo im Norden warst Du denn?

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  5. Uta sagt:

    Lieber Ulf,

    das Schmunzeln noch im Gesicht, beschäftigt mich ein Wort aus Deinem Text, das ich in letzter Zeit immer häufiger lese: „Allgemeinplatz“. Kam es doch in meinem Wortschatz so bisher nicht vor, und ich hege den Verdacht, dass es aus dem Englischen eingedeutscht ist. Vielleicht mag ich es auch einfach schlicht und ergreifend nicht? Gibt es so etwas überhaupt, dass einem manche Wörter unsympathisch sind? Wie auch immer, jetzt steht die Reflektion zu diesem Wort hier. Vielleicht weißt Du mehr über dessen Hintergrund?

    Liebe Grüße,

    Uta

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  6. Uta sagt:

    Lieber Ulf,

    das Schmunzeln noch im Gesicht, beschäftigt mich ein Wort aus Deinem Text, das ich in letzter Zeit immer häufiger lese: „Allgemeinplatz“. Kam es doch in meinem Wortschatz so bisher nicht vor, und ich hege den Verdacht, dass es aus dem Englischen eingedeutscht ist. Vielleicht mag ich es auch einfach schlicht und ergreifend nicht? Gibt es so etwas überhaupt, dass einem manche Wörter unsympathisch sind? Wie auch immer, jetzt steht die Reflektion zu diesem Wort hier. Vielleicht weißt Du mehr über dessen Hintergrund?

    Liebe Grüße,

    Uta

    P.S.: die Suche in Wikipedia führte mich in interessante Differenzierungen des Wortes Gemeinplatz: Floskel, Trivialität, Phrase, Plattitüde (der deutschen Rechtschreibung „sei Dank“ nun mit dreifachem „t“, kopfschüttelnd)

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  7. Maria H sagt:

    Spaß mit Wortspielen im Getränkemarkt!! Das ist doch mal ne Abwechslung und hat dem Kassenmensch bestimmt viel Freude gemacht. Lächel….

    Liebe Grüße
    Maria

    P.S. ich würde verdutzt schreiben

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Elisabeth,

    sei ehrlich, der Getränkemarktkassenmensch hätte Chancen, meinen (leider nicht mehr für mich präsenten) Brötchenmann Konkurrenz zu machen, oder?

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    wenn mich ein Mensch an der Kasse nicht anblickt, statt dessen aber, ohne gesehen zu haben, ob ich passend zahle oder nicht, schon mal das vermutete Wechselgeld zusammenzählt, dann kann ich sogar ein bisschen teuflich werden und so lange in meinem Geldbeutel rumsuchen, bis ich es passend habe. 🙂

    Und ein voller Artikel ist mein Beitrag natürlich, wenn alle, die ihn gelesen haben, IMMER im Getränkemarkt an diese Begebenheit erinnert werden.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  10. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    schön, dass Dich die Begebenheit zum Schmunzeln gebracht hat.
    Ich war in der Nähe von Brasilien und Kalifornien.
    (Das ist kein Joke…)

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  11. Ulf Runge sagt:

    Liebe Uta,

    ich gebe zu, Allgemeinplatz ist nicht wirklich Teil meines aktiven Wortschatzes. Vermutlich habe ich es hier zum ersten Mal verwendet. Weil ich glaubte, es könnte passen. Grins.

    Ich war bis eben der Meinung, dieses Worte könne synonym zu Verallgemeinerung gebraucht werden. Nun machst Du mich stutzig.

    Ich gehe also mal auf Suche:
    Wikipedia gibt mir mächtig eins auf die Finger (siehe ebenda).
    Der Allgemeinplatz existiert wohl nicht wirklich. (Keine Ahnung 🙂 )
    Der Gemeinplatz – aus dem Lateinischen entlehnt – steht mit negativem Beigeschmack für eine Redewendung.
    Von Verallgemeinerung keine Spur.

    Wie sagt der Deutsche? You’ve got me!

    Lächelnde Grüße,
    Ulf

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  12. Ulf Runge sagt:

    Liebe Maria,

    das hat dem Getränkemarktmenschen absolut Spaß gemacht!!! 🙂

    Und mir auch!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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