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Just the 2 o’ bus

3. Juli 2011 31 Kommentare
Leben 732 – Sonntag, 03.07.11

Just the 2 o’ bus

 

Außer der Realität, was auch immer das sein mag, schließlich haben wir ja alle unsere eigene Realität, soll es ja auch Parallelwelten geben. „Das Netz“ ist eine davon, oder?

Da „kennt“ man sich bisher nur vom Netz, und dann steht man plötzlich voreinander. So hat es sich ergeben, dass ich gestern Erikas Einladung zum „Open Air“ Konzert nach Guntersblum gefolgt bin.

Nach einem kurzen herzlichen „Hallo!“ musste sie dann auch ganz schnell zu ihren MitsängerInnen, und mir blieben noch wenige Minuten, einen trockenen rheinhessischen Dornfelder zu ergattern. Die Bänke auf dem weinfestartig gestalteten Innenhof des Weinguts „Burghof Oswald“, vor allem die Bänke in Nähe der „Bühne“ waren gut besetzt. Was mich nicht daran hinderte, beim Tisch mit dem besten Blick auf die Bühne zu fragen, ob denn da am hinteren Ende noch ein Plätzchen für mich frei sei. Wenn mir das reiche, und die Dame die das sagte hatte einen „Mir würde das nicht reichen Blick“ drauf, also wenn wir das reiche, dann könne ich mich gerne neben sie setzen. Und habe mich den ganzen Abend über gefreut, an einem Tisch mit so freundlichen Menschen gelandet zu sein.

Beim ersten Auftritt der Swinging Voices war ich noch so mit Platznehmen und überhaupt beschäftigt, so dass es mir nicht vergönnt war, den Chor „von hinten“ zu fotografieren. Zeigte das Ensemble dem Publikum doch tatsächlich die „kalte Schulter“, über die allerdings liebe kleine Stoffmünder zum Begrüßungslieder auf- und zuklappten. Muppets time! (Frage mich bitte niemand, wie das Lied hieß, das ist mir total durch die Lappen gegangen. Und: Ich bin ja auch nicht von der Presse. Grins.)

Dann endlich: Die Gesichter! Erika lächelt freudig herüber. Half a minute (Matt Bianco, 1984). So heißt der nächste Song, den ich am liebsten mitträllern würde, weil ich ihn einfach so schön rhythmisch finde. Wunderbar, wie der Chor diesen Song am Ende in immer leiser werdenden Wellen ausklingen lässt. Mit einer einzelnen, witzig pointierenden Männerstimme, die immer wieder noch einmal „half a minute“ fordert!

Nach einem weiteren lateinamerikansichen Ohrwurm ein Sprung an ein ganz anderes Ende der musikalischen Facette, bei der das Tänzerische zurücktritt und dem gesungenen Wort Raum gibt: Zwei Songs von den Wise Guys: Jetzt ist Sommer und Wie kann es sein?.

Only you von The Platters ertönt (1955). Hm. Schmelz.

Und dann ein besonderes Schmankerl. In den Radios leider viel zu selten gespielt heutzutage: The Carpenters, Close to you (1970). Zum Träumen schön.

Wir gehen noch etwas mehr zurück in der Zeit, Blue Moon. Wikipedia hat mich davor gerettet, mal vorschnell einen Interpreten zu nennen, dieser Song hat in der Tat Geschichte. Anschließend genieße ich, Ray Charles‘ einfühlsames Georgia on my Mind in einer anmutigen Interpretation von Chor und Solistin wiederhören zu dürfen. Ja, auch hier belehrt mich Wikipedia eines Besseren, nämlich dass der Song viel älter ist als Ray Charles‘ Interpretation.

Ja, das nächste Lied, da helfen mir weder Wikipedia noch Youtube. Das ist etwas Selbstkomponiertes. Der Chor, seine MitgliederInnen, die kommen alle irgendwie aus Guntersblum. In Rheinhessen. Oder aus der Umgebung. Oder vielleicht auch etwas weiter weg. Und aus all diesen Ortsnamen, die sich ergeben, wenn jede und jeder seinen Herkunftsort angibt, daraus haben die Swinging Voices einen witzigen Ortsnamen-Song gemacht, der einvernehmlich in RHEINHESSEN!!! mündet.

An dieser Stelle möchte ich auch auf die dezente, aber immer präsente Begleitung auf dem Piano und der Bongo (Bongo? Ich hoffe mal, dass das ein ist…). Dezent und präsent gilt ebenso auch für die den Chor und das Publikum mitreißende Chorleiterin.


Vor der Pause ertönen noch Manhatten Transfers Tuxedo Junction. Ja, ich weiß, auch dieser hat eine umfassendere Historie. Boo pap boo pap!!! Zu guter letzt werden die Herren von den Damen des Chores mit Hit a road jack von der Bühne herunterkomplimentiert.

Pause. Erika und ich haben Gelegenheit für einen netten Gedankenaustausch. An dessen Ende ich mich bei ihr entschuldigen muss, dass ich aufgrund einer anderweitigen Terminvereinbarung das Konzert leider nicht bis zum Ende besuchen kann.

Stevie Wonders Sunshine of my life erklingt. Mal ehrlich, so langsam denkst Du Dir, Du wärst auch gerne dabei gewesen, oder?

Axel Hacke hätte mit Freuden vernommen, dass ich vergeblich bei Youtube und Wikipedia nach einem meiner Lieblings-Mitsing-Lieder gesucht habe. Dem Zwei-Uhr-Bus, der also immer um 14:00 Uhr an der Haltestelle abfährt. „Just the 2 ‘o bus“. Nun, den gibt es gar nicht. Grüße nach Wumbaba-Land! Ein glücklicher Umstand hat mich veranlasst, dem Google-Vorschlag „Just the two of us“ mal zu folgen. Treffer versenkt!

Als dann Bill Withers Just the two of us erklingt, geht es mir erneute wie am Anfang mit “Half a minute”. Möchte am liebsten mitsingen. So bleibt nur das „mitswingen“. Lächel. (Wäre auch peinlich geworden, wenn ich den Zwei-Uhr-Bus herausgesungen hätte.)

Als „Die Schöne und das Biest“ und „Gabriella“ aus den Disney-Themen-basierten Musicals verklungen sind, schleiche ich mich davon. Winke Erika zu, der ich für die Einladung danke. Mein Dank geht an die liebe Tischgesellschaft, die mich so freundlich aufgenommen hat. Und erst recht dem gesamten Chor „Swinging Voices“ sowie dem gastgebenden „Burghof Oswald“.

Wirklich anspruchsvolle Musik, Stimmen, die mit viel Freude, Musikalität und Volumen diesem Anspruch gerecht wurden, und eine bezaubernde Stimmung, das nehme ich gerne von diesem Konzert mit.

Ich bin sicher, dass ich noch viele gute Interpretationen versäumt habe. Auf ein anderes Mal!

© Ulf Runge, 2011

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