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Archive for Juni 2011

Dongi

27. Juni 2011 2 Kommentare
Leben 730 – Montag, 27.06.11

Dongi

Die Sonne hatte den ganzen Tag unerbittlich gebrannt, Wolken waren heute Mangelware, und ganz selten spielte der kühlende Wind mit Dongis faltendurchfurchter Haut. Seine Wasservorräte waren seit ein paar Stunden erschöpft, und selbst wenn Dongi ein Handy gehabt hätte, er hätte nicht gewusst, wen anrufen.

Menschenseelen und Autos in dieser einsamen Gegend anzutreffen, erschien Dongi fast wie ein Sechser im Lotto, nachdem er den ganzen Tag auf noch niemanden getroffen war.

Da! Ein Rauschen. Aus dem seitlich gelegenen Wald drang ein Geräusch, das sich ganz schnell als ein Bach voll rauschendem, kristallklaren Wasser entpuppte. Dongi stillte seinen Durst und setzte seinen Weg voller Zuversicht fort. Irgendwann musste ja auch einmal ein Auto durch diese Gegend fahren.

Und in der Tat, wenig später sah er in der Ferne die Silhouette eines Kleinwagens, der langsam näher kam. Es war ein Cabrio, das sich da näherte…

~~~

Nora war schon lange unterwegs, als sie Dongi am Wegesrand winken sah. Ja, natürlich könne er gerne mitfahren, er sehe ziemlich müde aus, meinte sie.

Dongi hatte gerade auf dem Beifahrersitz Platz genommen, als Nora noch die folgenden Wortfetzen aus dem Autoradio vernahm: „entflohen. Neben Sie auf keinen Fall Anhalter mit. Ich wiederhole: Nehmen Sie auf keinen Fall Anhalter mit!“

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Endorphine pur

26. Juni 2011 2 Kommentare
Leben 729 – Sonntag, 26.06.11

Endorphine pur

Das Festzelt, in dem in den kommenden Tagen eher volkstümliche Musik zu hören sein wird, dieses Festzelt also ist noch nicht wirklich gefüllt, der Lärmpegel allerdings hoch. So hoch, dass die verlorenen Gestalten auf der Bühne einem etwas Leid tun können, wollen sie doch jetzt ernsthaft mit ihrem Konzert beginnen.

In den kommenden gut drei Stunden wird Amokoma beweisen, wie man aus einem drögen Festzelt ein kochendes Inferno herbeizaubert. Amokoma haben dabei so viel Spaß, dass sie erst eine halbe Stunde nach Mitternacht mit ihrem Live Act aufhören.

Wer Soul-Music mag, gerne zu Funky Rhythmen tanzt und mit Rhythm ´n` Blues was anfangen kann, der ist bei Amokoma bestens bedient. Ich will jetzt auch nicht meine beiden bisherigen Berichte hier wiederholen, sondern nur ansprechen, was mich für die Hilites gestern waren:

Black Eyed Peas – Where is the love – Es ist zwar nicht neu, dass Daniel D. in diesem Song auf einmal den Originaltext verlässt und uns auf berührende Weise daran erinnert, „dass es nicht wichtig ist, welche Hautfarbe wir haben, welche Unterschiede uns trennen, dass dass es einfach nur wichtig ist, dass wir jetzt hier zusammen sind und miteinander Freude haben.“ Das ist für mich immer ein sehr tiefgehender Augenblick in einem Amokoma Konzert.

Ich komme voll auf meine Kosten mit den Medleys „Living it up (Friday Night)” (Bell and James) / „Disco Inferno” (Trammps) und „Boogie Wonderland” (Earth, Wind & Fire) / „Don’t stop `til you get enough“ (Michael Jackson) / „September“ (Earth, Wind &Fire).

Jetzt kocht das Zelt, als Whitney Houstons „Step by step“ intoniert wird. Und Kool & the Gangs „Celebration“ textsicher vom ganzen Publikum mitgesungen wird.

Die Zugabe: Ein Lied, das ich peinlicherweise vorher noch nie bewusst gehört hatte und das von Amalia dermaßen ausdrucksstark in den Raum geschleudert wird, dass ich diese Eindringlichkeit nicht so schnell vergessen werde: “Empire State of Mind” von Jay-Z und Alicia Keys.

Kein Amokoma-Konzert, das nicht mit dem gefühlvollen „Easy like Sunday Morning“ von Lionel Ritchie enden würde. Wenn der letzte Ton verklungen ist, fühle ich nur noch: „Endorphine pur!“

P.S: Begebenheit am Rande. Wie soeben geschrieben, kannte ich „Empire State of Mind“ bisher noch nicht BEWUSST. Und so schnappte ich nur die Wortfetzen „newer“ und „brandnew“ auf. Die Gugelei nach „brandnew“ oder „newer“ war ziemlich frustrierend, weil alles irgendwie neu, neuer, brandneu ist. Erst die Suche u.a. nach „Black Eyed Peas“, denen ich den Song eventuell zugeschrieben hätte, ließ mich bei einem A capella Medley landen, dessen 13. von 13 Titeln der von mir gesuchte Song war. Zufall? Ich glaube nein.

P.P.S: Hier meine bisherigen Berichte über Amokoma: Wieder einmal im Amo-Koma und AMOK läuft die OMA?

© Ulf Runge, 2011

Musikalischer Leckerbissen – Tipp für den 24.06.11

23. Juni 2011 8 Kommentare
Leben 728 – Donnerstag, 23.06.11Musikalischer Leckerbissen – Tipp für den 24.06.11

Du magst Funk, Soul, Blues, Rock und auch etwas Rap, wenn er gut gemacht ist? Du magst Musik von Earth, Wind & Fire oder von Kool & The Gang?

Du hast am Freitag Abend, 24.06.2011, noch nichts vor?

Dann wäre Amokoma was für Dich. Wo? In Lorsch auf dem Johannesfest. Wann? Um 21:00 Uhr. Wieviel? Eintritt frei!

Einen tollen Vorgeschmack kannst Du Dir hier holen.

Hier meine bisherigen Berichte über Amokoma: Wieder einmal im Amo-Koma und AMOK läuft die OMA?

Wir sehen uns?

© Ulf Runge, 2011

 

Wer ist Dirk Nowitzki?

21. Juni 2011 2 Kommentare
Leben 727 – Mittwoch, 22.06.11

Wer ist Dirk Nowitzki?

Statt Messer und Gabel zu benutzen, greife ich mit den Finger nach einem leckeren Stück Käse, das ich allerdings nicht wirklich sicher zu greifen bekomme, worauf selbiges beschließt, anders als die „schlüpfrigen Scheißerchen“ aus „PrettyWoman“, die bekanntlich seitwärts durch die Lüfte fliegen, worauf selbiges also beschließt, nach oben zu entgleiten, um dann schwerkraftbedingt einen kurzen Flug gen Erdmittelpunkt anzutreten, was wiederum, ich bin glücklicherweise in Freizeitkleidung, dazu führt, dass ich sitzenderweise meine Oberschenkel schnell zusammenklappe, auf dass jenes Käsestück unverhofft noch aufgefangen wird.

„Ha! Alter Tischtennisspieler!“ entfährt es mir stolz wie Oskar. Auf Applaus und Anerkennung hoffend. Auch wenn das jetzt schon knapp vierzig Jahre her ist, dass ich regelmäßig zum Ping-Pong-Spielen gegangen bin.

Worauf mein Ego leicht irritiert folgende Antwort zur Kenntnis nehmen muss: „Nun, das sieht man ja an Deiner ruhmvollen Spielerkarriere!“

Pause.

Wir lachen.

© Ulf Runge, 2011

Igelblut

19. Juni 2011 6 Kommentare
Leben 726 – Sonntag, 19.06.11

Igelblut

Mist! Da war etwas Dunkles auf der Straße. Im Licht der Scheinwerfer nur schwer zu erkennen. Ein Igel etwa? Den ich soeben überfahren habe? Das würde ich total bedauern?

Ich fahre rechts ran, prüfe im Schein der Straßenlaternen so gut es geht die Reifen und die vordere Stroßstange, entdecke nichts, fahre noch mal zurück, um das Tier, falls es noch an gleicher Stelle sein sollte, zum Verlassen der Fahrbahn zu bewegen.

Nichts. Kein Igel. Kein Garnichts.

Als ich zu Hause aussteige, sehe ich auf dem Asphalt in gleichmäßigen Abständen große Tropfen. Die können nicht vom heutigen Regenguss sein, die sind von meinem Auto. Ich hole eine Taschenlampe, entdecke aber keine Spuren, die auf einen Igel hinweisen.

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“Die”

18. Juni 2011 2 Kommentare
Leben 725 – Sonntag, 19.06.11

 


„Die“

Die Regionalbahn ist proppenvoll, was um diese Uhrzeit, so 54 Minuten vor Mitternacht an einem Werktag, prinzipiell etwas ungewöhnlich ist, aber nicht heute. Die Menschen strömen nach Hause, die Großveranstaltung, an der sie teilgenommen haben, ist zu Ende.

In meiner Sicht- und Hörweite sitzen Mama und Papa sowie deren vielleicht 9jährige Tochter. Unterhalten sich über dies und das. Und sind dann einfach still. Schweigen so vor sich hin.

„Ohhhhhhh! Schaut mal, der Mond! Wie der aussieht!“ entfährt es dem überwältigten Mädchen.

Worauf ihr Papa allwissend erklärt: „Habe ich Dir ja vorhin schon erklärt. Mondfinsternis. Erdschatten. Sonnenschatten. Und so. Die wollten ja um halb zehn damit angefangen.“

© Ulf Runge, 2011

354ster

17. Juni 2011 10 Kommentare
Leben 724 – Samstag, 18.06.11

 

354ster

Wenn man mich vor dem Rennen gefragt hätte, wievielter ich denn werden wolle, dann hätte ich vermutlich „354ster!“ geantwortet. Verschmitzt lächelnd. Und wenn man dann nachgefragt hätte, warum denn gerade 354ster, dann hätte ich vermutlich geantwortet: „Warum nicht?“ Und im Nachsatz zu sagen, dass es hier gar nicht um die Platzierung gehe, oder wie schnell man laufe, sondern nur ums Dabeisein, das Ankommen und das Spaß-miteinander-Haben.

Aus Wikipedia habe ich erfahren, dass der umgangssprachlich auch „Chase-Lauf“ genannte „JPMorgan Chase Corporate Challenge“ nicht nur eine interessante Historie hat (ebenda nachzulesen), sondern dass er jedes Jahr an mehreren Orten in der Welt statt findet, wobei der Frankfurter Lauf mit knapp 70.000 TeilnehmerInnen derjenige mit dem größten Starterfeld ist. Das ist die teilnehmerstärkste Laufveranstaltung der Welt!!!

Nachdem ich nun im zwölften Jahr meinen beruflichen Mittelpunkt in Frankfurt am Main habe, und die vergangenen 11 Chancen für einer Teilnahme entweder aus totaler Unsportlichkeit („Das schaffe ich nie!“, 2000-2004) oder aus Arroganz („Für 5,6 km ziehe doch nicht meine Joggingklamotten an!“, 2005-2011) nicht genutzt hatte, habe ich dieses Jahr endlich teilgenommen.

Es ist ein ganz besonderes Gefühl, mit vielen anderen gleichzeitig zum gleichen Ziel zu laufen, einander gegenseitig anzuspornen und aufzumuntern, und durch menschengesäumte Straßen und Spaliere zu laufen.

Und Überraschung! Ich hatte nicht nur viel Spaß, es war in der Tat auch eine sportlich reizvolle Veranstaltung.

Du möchtest wissen, ob ich 354ster wurde? Nein, an diesem Abend nicht.

Falls Du nicht bei Wikipedia nachgelesen haben solltest, dass der Chase-Lauf nur MitarbeiterInnen von Firmen und Behörden vorbehalten ist, dann erfährst Du das gerade durch diesen Satz. Außer bei den Topläufern misst jede und jeder seine Zeit selber. Mit diesen beiden Informationen bisst Du nun in der Lage, meine nachstehende Aussage zur Platzierung besser einordnen zu können. Ich bin nämlich 22ster geworden. Da staunst Du, oder? Ich war als 22ster meiner Firma am Infostand, um meine selbst gemessene Zeit in den Computer eingeben zu lassen.

Wie gesagt, die Platzierung ist total Banane bei diesem menschenverbindenden Lauf. Egal, ob 354ster oder 22ster, dabei sein und möglichst ankommen. Das gilt bei diesem Lauf. Und sonst eigentlich doch auch?

P.S.:
Die Firma FedEx hat sich einen tollen Marketing-Gag einfallen lasst: Urkunde mit Foto oder Video vom Einlauf. Das Foto stelle ich hier mal ohne Urkunde ein, für das Video bitte auf den Link klicken. (Der wird nicht ewig verfügbar sein, also besser gleich clicken…) Ich bin der, der hinter den beiden gelbtrikotierten Läufern und dem Brustringträger als einziger direkt hinter der Ziellinie stehen bleibt.

P.P.S:
Übrigens. Wenn Du mitmachen möchtest. Ihr solltet ein Team aus vier LäuferInnen aus der gleichen Firma oder Behörde sein. Und Du musst auch nicht in Frankfurt arbeiten, um mitlaufen zu können. Mehr hier.

© Ulf Runge, 2011

beschlussfähig

Leben 723 – Montag, 13.06.11

beschlussfähig

 

Das Frühstück ist beendet, die Jugend bereits im Nachbarzimmer, während die Eltern sich noch in einem Gespräch über die als nächste anstehende Mahlzeit verweilen. Gemüse böte sich an, natürlich seien auch Spaghetti denkbar. Nacheinander werden die aufgrund derVorratslage denkbaren Speisen abgewogen, wobei sich Vollkornspirelli – oder wie auch immer die heißen mögen – in Kombination mit Pilzen, Tomaten und Paprika als Wahl des heutigen Tages herauskristallisieren.

Ich frage, ob wir beide ohne die Jugend überhaupt beschlussfähig seien.

„Natürlich, sie hört doch mit!“

„Waaaaas habt Ihr gesaaaaagt?“

© Ulf Runge, 2011

Tolle Idee

11. Juni 2011 8 Kommentare
Leben 722 – Samstag, 11.06.11

Tolle Idee

Ich halte die zwei Euro zwanzig für mein Käsebrot bereits in der Hand, als ich dem Brötchenmann „Guten Morgen!“ wünsche. Mit Blick auf die leckeren Brötchenplatten, die ich im Kühlschrank erblicke, entfährt mir ein „Na, heute haben Sie wohl Zusatzeinnahmen!“

Das hätte ich nicht sagen dürfen, denn nun drückt er voll auf die Tränendrüse, wie wenig ihm übrig bleibt und ob ich etwa meine, er könne von meinem Käsebrot leben? Das sei nicht mehr als ein Grundrauschen.

In Gedanken stelle ich mir vor, wie seine Familie hungrig am Tisch sitzt, während ich genüsslich das viel zu billige Käsebrot für 2 Euro 20 esse.

Ich erinnere mich an die Radiosendung (natürlich auf SWR1 RP) gestern Abend, in der es um Bio- und Öko-Marketing-Tricks unterschiedlichster Unternehmen ging. Etwa dass da bei jeder Kiste Bier Geld für den Regenwald gespendet wird.

Ich erzähle ihm, meinem Brötchenmann, hiervon, als Beispiel, wie man mit cleverem Marketing zu mehr Geld kommen kann. „Und? Was wollen Sie mir jetzt damit sagen?“

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Literatur im Gespräch

Leben 721 – Donnerstag, 09.06.11

Literatur im Gespräch

Interessanterweise kommen wir auf Karl May zu sprechen. Und dass ich ihn nicht wirklich gelesen hätte. Mein Bruder habe zwar ein Riesenregal gehabt, ich erinnere mich noch Titel wie „Unter Geiern“ und „Der Schatz im Silbersee“.

An ein Buch könne ich mich noch erinnern, monologisiere ich weiter, wahrscheinlich war es Winnetou I, auf jeden Fall kommen Winnetou und Old Shatterhand darin vor. Die beiden liegen hinter Büschen versteckt und warten auf Feinde oder beobachten selbige. Und genau hierbei entspringt einem der beiden Protagonisten ein Spruch, der für mich bis heute die einzige Erinnerung an Karl May ist: „Der Feind, den man sieht, ist weniger schlimm als der Feind, den man nicht sieht.“

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