Wunder-volles

Wunder-volles

Leben 704 – Ostermontag, 25.04.11


Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal ein Buch in die Hand genommen hätte. Bei dem es weder um ein fachliches Thema ging noch darum, „dass es mich weiter bringt“. Im Sinne von „an mir arbeiten“.

Das ist also schon eine Weile her. Und dann kommen wir ins Gespräch und ein lieber Mitmensch berichtet mir von einem Roman, den ich unbedingt lesen müsse. Und am besten im Original. Auf Englisch.

Augen reib.

Dann liegt es vor mir. 670 Seiten englischer Text. ‚Das schaffe ich nie‘, denke ich mir.

Wie kann man eine einigermaßen intelligente, unterhaltsame, vielleicht sogar spannende Handlung auf 670 Seiten zerbröseln? Frage ich mich.

Ich lese das erste Kapitel. Im Zug. Die Fahrt von knapp sechzig Minuten reicht für den „Prologue“ auf den Seiten 17 bis 21. Da ich internet- und langenscheidfrei unterwegs bin, schreibe ich mir alle unbekannten Vokabeln in meinen A4-Collegeblock. To gaze. To nodd. Das sind zwei Lieblingsverben des Autors, die mir auch auf den folgenden Seiten immer wieder begegnen werden. Gut dreißig Wörter mit ungewusster, vielleicht geahnter Bedeutung. Auf den ersten fünf Seiten. Puh!

Als ich aus dem Zug aussteige, beschließe ich, dieses Buch nur im Zug lesen zu wollen. Auch wenn das Jahre dauern könnte. Weil, ich ahne, dass mich dieser wortgewordene Stoff fesseln wird.

An diesem Abend vergesse ich, die Vokabeln nachzuschlagen. Am nächsten Tag im Zug lese ich den Prologue noch einmal. Ohne die unbekannten Wörter zu verstehen, fliegen meine Augen schon etwas schneller über den Text. Und bevor ich aussteige, habe ich bereits Chapter 1 gelesen. Und darauf verzichtet, die mir fremden Begriffe wegen späteren Nachschlagens in meinen Collegeblock zu übernehmen.

Nächste Bahnfahrt. Prologue. Chapter 1. Chapter 2. Die Handlung fesselt mich in der Tat. Die Geschichte ist locker geschrieben. Mindestens zwei Erzählstränge haben sich mir aufgetan, oder sind es sogar drei? Genial!

Nein! Ich kenne keines der so bekannten Bücher dieses erfolgreichen Autors, auch wenn ich schon von ihnen gehört habe. „The Da’Vinci Code“ ist wohl sein bekanntestes. Dan Brown heißt er. In meinen Händen liegen 670 Seiten „The Lost Symbol“. Ein Eisberg, des Eisbergspitzespitze ich mal gerade angekratzt habe.

Dieses Buch ist so fesselnd geschrieben und hinsichtlich seiner Handlungsorte so sauber recherchiert, dass ich keinen Augenblick daran zweifle, JETZT in diesem Augenblick des Lesens DABEI zu sein. Ich bin Robert Langdon. Oder sein Schatten. Und ich fühle und fiebere mit ihm mit.

Und was sich an rätselhaften Zusammenhängen auftut, deren überraschende, oder besser deren verblüffende Lösung einen mit offenem Mund dasitzen lässt, das ist genial durchdacht.

Es gibt eine einzige Stelle, die ich nochmal nachlesen muss, weil ich da dem Autor auf eine falsche, von ihm wohl beabsichtigte Fährte gefolgt bin.

Mich hat die Lektüre gefesselt. Und nach 670 Seiten war ich doch tatsächlich traurig, dass sechs Wochen Bahnfahrt nun zu Ende gewesen sein sollen. Ich empfehle dieses Buch in der Tat sehr gerne weiter. Und ich kann allen, die mal einen anderen Zugang zur englischen Sprache suchen, empfehlen, reinzuspringen und sich nach kurzem Einlesen bis ans Ende zu fiebern.

Ostern. Was hat dieser Text mit Ostern zu tun? Nichts.

Fast nichts. In diesem Buch geht es – wenn auch spielerisch – um den Zugang zu den Kräften, die in uns wohnen. Die unsere Vorfahren wussten und möglicherweise im Verborgenen gehalten haben (und halten?), bis die Menschheit so weit ist, einen würdigen und würdevollen Zugang zu Gott und zum Sinn des Lebens zu finden.

So erscheinen ganz besonders die alten Schriften nach der Lektüre dieses Romans für mich in einem ganz neuen Licht. Nicht die Frage, ob die darin geschilderten Wunder möglich sein können oder nicht, steht mich auf einmal im Vordergrund, sondern eher der Wunsch, mit dem Geist und dem Herzen den Blick dafür zu öffnen, diese Wunder auch heute erkennen zu können.

In diesem Sinne wünsche ich meinen Leserinnen und Lesern weiterhin ein wunder-volles Osterfest 2011!

© Ulf Runge, 2011

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. sweetkoffie sagt:

    Dieses Buch habe ich in der Sylvesternacht 2009/2010 „verschlungen“,
    Alle Achtung, Du hast es in Englisch gelesen, das hätte ich, glaube ich, nicht geschafft.
    GLG!

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe sweetkoffie,

      hast Du da überhaupt Zeit gehabt anzustoßen?
      Ich nehme an, dass Du bei diesem Jahreswechsel nicht viel geschlafen hast…

      Du hättest es auch geschafft. Wenn Du gewollt (und in Ermangelung einer deutschsprachigen Ausgabe gemusst) hättest…

      Schönen Ostermontag noch!

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Elisabeth sagt:

    Danke dir, lieber Ulf,

    für den Buchtipp, das ist wirklich wunder-voll! Vor allem, dass du losgelassen hast… *lächel* Das könnte mir genauso oder ähnlich ergehen…

    Liebste Nachostergrüße zu dir,
    Elisabeth

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Elisabeth,

      das wäre doch eine Idee für ein Stöckchen oder für eine Blogparade: „Wir stellen uns gegenseitig die Bücher vor, die wir gerade gelesen haben, die wir gerade lesen und erzählen uns, was bei uns auf der „coming next“ Liste steht…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  3. ladidaladida sagt:

    Im Norwegischen gibt es den Begriff des „Osterkrimis“. Ostern ist hier die Zeit, wo man seinen letzten Skiausflug auf seine Hütte macht, um am Abend einen Krimi zu lesen. So gesehen hat Dan Brown sehr viel mit Ostern zu tun.
    Ich habe vor Jahren den Da Vinci Code (der im Deutschen einen merkwürdigen Titel hatte, an den ich mich nicht mehr erinnern kann) gelesen. Ich war begeistert. Ich konnte es kaum erwarten, bis der Unterricht zu Ende war, damit ich endlich weiterlesen kann. Überall sahst Du Leute, die das Buch gebannt lasen.
    Ich würde gerne mehr von Dan Brown lesen, aber… es gibt so viele Schriftstellerinnen, von denen ich mehr lesen würde und dann sitz ich trotzdem am Rechner. ^^

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe ladidaladida,

    ich meine der deutsche Titel von „The DaVinci Code“ heißt „Das Sakrileg“.

    Das ist eine schöne Tradition, ein letztes Mal auf den Berg zu fahren und dann einen dicken Schmöker (am Kamin?) zu lesen…

    Genau! Klage über zuwenig Zeit zum Bücherlesen, während Du genau gerade an der Tastatur sitzt….? Lächel…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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