Heute hier, morgen fort

Heute hier, morgen fort Leben 703 – Freitag, 15.04.11

Wenn Ehe- oder andere Paare sich nichts mehr zu sagen haben, dann schreiben sie sich. Zettel. Ähnlich wie beim Fernschach ist dieser Dialog ein wenig mühsam. Aber man kann auch so durchs Leben kommen. Für eine Weile.

Schlimmer allerdings ist es, wenn einer der beiden seinen Zettel schreibt und keine Antwort erhält. Ja, wenn er, der Schreiber, den Angeschriebenen nicht einmal kennt. Weder vom Namen her noch von Gestalt. Wie das?

Nun, mein Brötchenmann ist geknickt. Um diesen seinen Trauerzustand verstehen zu können, bedarf es eines kurzen Was-bisher-geschah-Abrisses:

Brötchenmann hat Feierabend. Ist noch Ware da. Brötchenmann muss den Rest selber essen. Platzt.

Nicht so gut, oder? Also, ich versuche es nochmal: Brötchmann hat Feierabend. Ist noch Ware da. Brötchenmann schafft sich Kühlschrank mit durchsichtiger Tür an. Legt Restware da rein. Preisschild neben Ware. Und eine leere Zigarrenschachtel. Als Selbstbedienungskasse.

Das funktioniert seit Wochen so. Die zu viel belegten Brötchen finden im Laufe des Tages noch ihren Abnehmer, und der entsprechende Geldwert landet in der Zigarrenschachtel.

Heute also ist mein Brötchenmann geknickt. Er hat einen Zettel in den Kühlschrank gehängt, auf dem er sich beim Gelddieb darüber beschwert, dass dieser sich auf unanständigste Weise an ihm bereichert habe. „Dass mal einer nicht bezahlt, das mag schon mal vorkommen, aber dass mehr als 20 Euro fehlen, das ist nicht okay, das ist kein Zufall!“  sagt er mit niedergeschlagener Miene.

Und jetzt hat er seinem Gegenspieler also einen Zettel geschrieben, auf dem er ihn darum bittet, mit seinem bösartigen Treiben aufzuhören.

Da habe ich eine tolle Idee. (Toll, weil sie ja von mir ist…) Die Leute sollen erst am nächsten Tag bezahlen…

Nun lächelt er mich einem anderen Gesicht an. Dessen Ausdruck sagt mir, dass er alles weiß, über die Menschen, und so. „Nun, das wird nicht funktionieren“, sagt er. Ob ich denn nicht wüsste, dass er seine Brötchen ab 10:00 Uhr billiger verkaufe. Und dass sich darauf schon die eine oder andere Person eingerichtet habe, genau nach 10:00 Uhr bei ihm aufzukreuzen. REGELMÄSSIG!

Um dann schließlich mit seinem Killerargument zu kommen: „Glauben Sie, dass jemand, der zu einem herabgesetzten Preis bei mir aus dem Kühlschrank kauft, am nächsten Tag vor 10:00 Uhr bei mir aufkreuzt, um das gestrige Brötchen zu zahlen. Und dann davontrollt, um sich um kurz nach Zehn wieder hier einzufinden und sein heutiges Brötchen zum herabgesetzten Preis aus dem Kühlschrank zu holen. Welches er dann erst morgen zahlen wird.

Wir lachen. Ich frage ihn, ob er die Geschichte vom morgigen Brötchen von gestern kennt, das jemand bereits heute kaufen möchte. Da inzwischen weitere Kunden auf Bedienung warten, vertagen wir die Erörterung dieser Geschichte…

Wenn Du jetzt schon lesen oder hören möchtest, dann gibt es folgende Möglichkeiten:

© Ulf Runge, 2011

P.S.: Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern erholsame Oster-Feiertage und freue mich auf ein Wiederlesen voraussichtlich ab dem 24. April 2011.

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ulrike sagt:

    Diese Idee IST toll … nicht nur, weil sie von Dir ist :-)))

    Schöne Urlaubstage wünscht Dir aus Düsseldorf

    Ulrike

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  2. Hase sagt:

    Lieber Ulf, danke für diesen Beitrag *gins* und die guten Wünsche…
    Auch ich wünsche Dir eine gute Zeit und schöne Osterfeiertage. Unbekannterweise auch schöne Ostern für den Brötchenmann !
    Liebe Grüße, Erika

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  3. Elisabeth sagt:

    Lieber Ulf,

    hm, ein wenig stimmt ich deine Geschichte nachdenklich, weil sie so wahr ist…
    Andererseits zeigt sie auch, dass alles viel einfacher ist, wenn wir lernen, über solche Dinge und Situationen zu lachen. Danke dir dafür! 🙂

    Und wundervolle Ostertage für dich!
    Alles Liebe, Elisabeth

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  4. rainer sagt:

    Lieber Ulf,

    eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt. Ich habe sie aufmerksam gelesen und mir fiele keine Lösung auf Anhieb ein. Hoffentlich war das nur ein Einmaldieb…

    Liebe Grüße Rainer

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  5. zentao sagt:

    Lieber Ulf
    Deine Brötchengeschichte gefällt mir und ich wünsche Dir eine schöne Osterzeit mit allem was dazu gehört
    Liebe Grüsse zentao

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Ulli,

    danke! Deine Wünsche haben geholfen. Das war ein traumhaftes Hochdruckgebiet, was Du uns allen da geschickt hast… 🙂

    Dir ebenfalls noch eine schöne Restosterzeit,
    liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    danke ebenfalls für die guten Wünsche.
    Ich werde ihn grüßen, sehr gerne, meinen Brötchenmann…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Elisabeth,

    Du hast so recht. Das Bedrückende werden wir nicht los werden, aber wir können uns immer wieder einen Zugang zu den Themen verschaffen, auf dass wir mit ihnen zurecht kommen, oder besser noch, sie überwinden.

    Ebenso herzliche Restosterwünsche,
    liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Ulf Runge sagt:

    Lieber Rainer,

    das ist lieb, dass Du Dir überlegt hast, wie man dem Brötchenmann helfen kann.

    Nun, bisher handelt es sich um einen Einmaldieb.
    Falls das noch einmal passiert (und bemerkt wird),
    gibt es natürlich eine ganze Facette an Möglichkeiten:

    Präparierte Eier, die unmittelbar nach dem Anfassen (selbst mit Handschuhen!!!), zu sofortiger Starre des Diebes führen, die erst durch ein magisches Wort des Brötchenmanns beendet werden kann.

    Hohle Eier (vergleichbar mit Überraschungseiern), in deren Innerem ein Zettel mit der Aufschrift „Ätsch“ liebt.

    Eine Farbklecksselbstschussanlage, deren Farbflecken sich von Haut und Kleidung nur mit dem Original-Brötchenmann-Eierdieb-Farbreinigungsmittel entfernen lassen.

    und und und…

    Liebe Grüße und ebenfalls eine schöne Restosterzeit,
    Ulf

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  10. Ulf Runge sagt:

    Lieber zentao,

    danke für Deinen lieben Kommentar und die guten Osterwünsche!
    Dir ebenfalls noch eine schöne Restosterzeit!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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