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Archive for April 2011

Fragen. Oder?

25. April 2011 14 Kommentare
Fragen. Oder?

Leben 705 – Ostermontag, 25.04.11

Es kam in den Nachrichten. Eine Sonntagszeitung habe berichtet, dass die Mineralölkonzerne mit Versorgungsengpässen bei Benzin rechneten.

Weil es Ostern sei. Und die Autofahrer mehr führen wegen der Feiertage.

Weil es Ostern sei. Und die Benzinlaster deshalb nicht fahren könnten.

Weil nach wie vor niemand E10 tanken wolle.

Weil gerade von Winterbenzin auf Sommerbenzin umgestellt werde.

Da habe ich eine Frage. Oder mehrere.

Das sind doch Profis, die Mineralölkonzerne, oder?

Die haben doch einen Kalender, oder? Mit Feiertagen, oder?

Und dass E10 niemand will, das ist jetzt auch nicht wirklich neu, oder?

Und wer, wenn nicht die Mineralölkonzerne, weiß, wann (und warum) man am besten von Winter- auf Sommerbenzin umstellt; oder?

Und dann habe ich noch zwei Fragen:

Wenn meine Ware knapp wird, dann mache ich sie teurer, oder?

Dann hält sie länger, oder?

Und wenn das alles frei erfunden sein sollte: Ist das dann etwa eine Aufmerksamkeitskampagne einer Sonntagszeitung, „powered by tagesschau und heute“?

© Ulf Runge, 2011

Wunder-volles

24. April 2011 6 Kommentare
Wunder-volles

Leben 704 – Ostermontag, 25.04.11


Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal ein Buch in die Hand genommen hätte. Bei dem es weder um ein fachliches Thema ging noch darum, „dass es mich weiter bringt“. Im Sinne von „an mir arbeiten“.

Das ist also schon eine Weile her. Und dann kommen wir ins Gespräch und ein lieber Mitmensch berichtet mir von einem Roman, den ich unbedingt lesen müsse. Und am besten im Original. Auf Englisch.

Augen reib.

Dann liegt es vor mir. 670 Seiten englischer Text. ‚Das schaffe ich nie‘, denke ich mir.

Wie kann man eine einigermaßen intelligente, unterhaltsame, vielleicht sogar spannende Handlung auf 670 Seiten zerbröseln? Frage ich mich.

Ich lese das erste Kapitel. Im Zug. Die Fahrt von knapp sechzig Minuten reicht für den „Prologue“ auf den Seiten 17 bis 21. Da ich internet- und langenscheidfrei unterwegs bin, schreibe ich mir alle unbekannten Vokabeln in meinen A4-Collegeblock. To gaze. To nodd. Das sind zwei Lieblingsverben des Autors, die mir auch auf den folgenden Seiten immer wieder begegnen werden. Gut dreißig Wörter mit ungewusster, vielleicht geahnter Bedeutung. Auf den ersten fünf Seiten. Puh!

Als ich aus dem Zug aussteige, beschließe ich, dieses Buch nur im Zug lesen zu wollen. Auch wenn das Jahre dauern könnte. Weil, ich ahne, dass mich dieser wortgewordene Stoff fesseln wird.

An diesem Abend vergesse ich, die Vokabeln nachzuschlagen. Am nächsten Tag im Zug lese ich den Prologue noch einmal. Ohne die unbekannten Wörter zu verstehen, fliegen meine Augen schon etwas schneller über den Text. Und bevor ich aussteige, habe ich bereits Chapter 1 gelesen. Und darauf verzichtet, die mir fremden Begriffe wegen späteren Nachschlagens in meinen Collegeblock zu übernehmen.

Nächste Bahnfahrt. Prologue. Chapter 1. Chapter 2. Die Handlung fesselt mich in der Tat. Die Geschichte ist locker geschrieben. Mindestens zwei Erzählstränge haben sich mir aufgetan, oder sind es sogar drei? Genial!

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Heute hier, morgen fort

14. April 2011 10 Kommentare
Heute hier, morgen fort Leben 703 – Freitag, 15.04.11

Wenn Ehe- oder andere Paare sich nichts mehr zu sagen haben, dann schreiben sie sich. Zettel. Ähnlich wie beim Fernschach ist dieser Dialog ein wenig mühsam. Aber man kann auch so durchs Leben kommen. Für eine Weile.

Schlimmer allerdings ist es, wenn einer der beiden seinen Zettel schreibt und keine Antwort erhält. Ja, wenn er, der Schreiber, den Angeschriebenen nicht einmal kennt. Weder vom Namen her noch von Gestalt. Wie das?

Nun, mein Brötchenmann ist geknickt. Um diesen seinen Trauerzustand verstehen zu können, bedarf es eines kurzen Was-bisher-geschah-Abrisses:

Brötchenmann hat Feierabend. Ist noch Ware da. Brötchenmann muss den Rest selber essen. Platzt.

Nicht so gut, oder? Also, ich versuche es nochmal: Brötchmann hat Feierabend. Ist noch Ware da. Brötchenmann schafft sich Kühlschrank mit durchsichtiger Tür an. Legt Restware da rein. Preisschild neben Ware. Und eine leere Zigarrenschachtel. Als Selbstbedienungskasse.

Das funktioniert seit Wochen so. Die zu viel belegten Brötchen finden im Laufe des Tages noch ihren Abnehmer, und der entsprechende Geldwert landet in der Zigarrenschachtel.

Heute also ist mein Brötchenmann geknickt. Er hat einen Zettel in den Kühlschrank gehängt, auf dem er sich beim Gelddieb darüber beschwert, dass dieser sich auf unanständigste Weise an ihm bereichert habe. „Dass mal einer nicht bezahlt, das mag schon mal vorkommen, aber dass mehr als 20 Euro fehlen, das ist nicht okay, das ist kein Zufall!“  sagt er mit niedergeschlagener Miene.

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Minuteneinkauf

11. April 2011 12 Kommentare

Minuteneinkauf

Leben 702 – Dienstag, 12.04.11

gewidmet allen, die am 12. April Geburtstag haben

gewidmet allen, die täglich ihren Geburtstag feiern

Niedergeschlagen lief Miriam durch die Innenstadt. Wie gerne hätte sie mal einen Einkaufsbummel mit ihren Eltern gemacht. Papa murmelte jeden Abend etwas von „hoch wichtiges Projekt, da kann ich mich nicht entziehen.“ Und Mama? Die wusste nur zu berichten, dass „wir uns doch was leisten wollen, Du willst doch schöne Klamotten haben, oder?“

Und noch einen Grund hatte Miriam, niedergeschlagen zu sein. Morgen würden ihre Eltern Hochzeitstag feiern, wenn sie denn Zeit dafür haben würden, dachte sich die traurige Seele in der Fußgängerzone. Und sie würde so gerne etwas Liebes schenken. Nicht schon wieder Parfüm für Mama und After Shave für Papa. Und noch ein Bild wollte Miriam nicht malen, auch wenn alle ihre Werke von den Eltern hochgelobt und in der Wohnung aufgehängt worden waren.

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Untergangsstimmung

8. April 2011 8 Kommentare
Leben 701 – Freitag, 08.04.11 

Untergangsstimmung

Freitag Morgen beim Brötchenmann. Wir grüßen einander in Wochenendlaune. Sprechen über das geniale Wetter, das man jetzt, Anfang April, fast schon frühsommerlich nennen darf.

Ich berichte von gestern Abend, als ich in der Dämmerung gejoggt bin. Schwärme von dem in allen Rotschattierungen dargeboten Sonnenuntergangs-Schauspiel.

Er gibt mir mein Frühstück. Ich reiche ihm das Geld rüber.

Wir verabschieden uns. Sein Gesicht nimmt – wieder einmal – so was von verschmitzte Züge an, bis er mich mit einem breiten Grinsen und folgenden Worten entlässt: „Ich wünsche Ihnen einen schönen Wochenuntergang!“

© Ulf Runge, 2011

P.S.: Ein Brötchenmanntag ist für mich „ein guter Tag“.

Was ist für mich ein guter Tag?

7. April 2011 13 Kommentare
Leben 700 – Freitag, 08.04.11 

Was ist für mich ein guter Tag?

Ich tu mal so, als wäre mein Leben eine Reihung von Tagen. Einer nach dem anderen.

Das ist ja eigentlich nicht so. Bloß, weil die Sonne unter- und aufgeht, höre ich ja nicht auf zu leben. Oder besser. Bloß, weil ich bisweilen etwas schlafe, ist ja nicht wirklich ein Ende und dann wieder ein Anfang gegeben. In der Tat fühle ich mich so, also sei das alles ein einziger Tag. Mein Leben. MEIN JETZT.

Aber ich will mal so tun, als könnte ich mich jeden Tag neu erfinden. (Das ist natürlich falsch. In Wahrheit kann ich mich IN JEDER SEKUNDE neu erfinden.)

Und wenn ich also morgens wach werde, dann frage ich mich, was der Tag wohl bringen wird. (Eigentlich sollte ich mich morgens fragen, was ich dem Tag abgewinnen will!)

Und abends sollte ich mich fragen, was der Tag denn nun gebracht hat. (Ja, ja: sollte ich mich mit fragen, was ich ihm abgewonnen habe!)

Das schaffe ich alles nicht jeden Tag. Manchmal gehe ich einfach nur durch den Tag. Und staune am Abend, dass er vorbei ist. Und dann wieder schaffe ich es, planvoll und hoch motiviert den Tag zu meinem Ereignis zu machen. Ihn zu gestalten.

Und dann frage ich mich schon, ob dieser Tag denn ein guter Tag war. Bzw. ich frage mich, was ich alles tun möchte, damit der kommende Tag ein guter wird.

Ich schreib jetzt mal drauf los. Und ich habe das Gefühl, dass ich diesen Aufsatz noch ein paar Mal umschreiben werde. Oder an unterschiedlichsten Stellen mehr in die Tiefe gehen. Aber ich habe das Bedürfnis, jetzt mal einen ersten Entwurf zu diesem Thema zu skizzieren.

Ich fang mal mit einem Brüller an. Schlaf. 6 oder 7 Stunden Schlaf. Damit ich ausgeruht bin. Gönne ich mir viel zu selten. Weiß aber, das ich da mehr auf mich achten muss.

Ein guter Tag ist für mich, wenn ich das Gefühl habe, dass ich erneut aufwachen darf. Dass ich mir sicher sein darf, Bekanntes und lieb Gewonnenes ein weiteres Mal zu erleben. Dass ich mir sicher sein darf, dass es Überraschungen geben wird. Unerwartete. Unbequeme. Und auch wunderschöne.

Eindrücke. Begegnungen. Begebenheiten.

Es gibt Tage, da bin ich schon eine Stunde wach oder länger und auf einmal umspielt frische Morgenluft meine Nase. Und ich atme bewusst tief ein. Das Gefühl von frischer Morgenluft. Das bringt mir einen guten Tag. Vielleicht schon bald gefolgt vom sinnlichen Aroma eines frisch gebrühten Kaffees.

Der erste Schluck klaren Wassers. Das ist der Augenblick, in dem ich steif und fest behaupte, dass so ein Glas Wasser unwiderstehlich schmeckt. Natürlich darf es auch ein Glas natürlichen Obstsaftes sein.

Bewegung. Durch klare Luft joggen, den Gegenwind auf den Armen und Beinen spielen spüren. Merken, wie auf einmal alle Gedanken aus dem Kopf verschwinden. Bis ein letzter Gedanke bleibt: An nichts denken!

An etwas Gutes denken. Inspirierende Gedanken lesen. Und eine Idee bekommen, wie diese positiven Gedanken meinen Tag stark machen könnenn.

Erbauliche Musik hören. Ins Sinnieren kommen. Die Gedanken schweifen lassen. Was ich noch lernen möchte, ist das Meditieren.

Angelächelt werden. Anlächeln. Miteinander lachen. Sich geborgen fühlen dürfen. Geborgenheit geben dürfen.

Gesund sein dürfen. Unversehrt. Das Geschenk des Friedens empfangen dürfen. Eine Arbeit ausüben zu dürfen, die auskömmlich ist und in der ich einige meiner Talente, Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahren einbringen kann.

Frei denken. Frei sein. Nicht frei sein von. Sondern frei sein für. Sich bewusst zu sein, dass ich jeden Augenblick die Wahl habe, dass ich immer wieder neu entscheiden darf. Dass ich mein Leben gestalte.

Glück empfinden. Glück teilen.

So könnte bei mir ein guter Tag aussehen.

Nicht alle meine Tage empfinde ich als gelungen. Nicht immer kann ich diesen „ungelungenen“ Tagen die Einsicht abgewinnen, dass sie dazu da sein könnten, dass ich etwas lerne.

Aber das Rezept für einen guten Tag. Das habe ich. Jetzt endlich auch mal aufgeschrieben.

Ach ja: Ein guter Tag ist auch, wenn ich mit Freude einen Beitrag in meinem Blog schreibe…

© Ulf Runge, 2011

 

Kategorien:Leben
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