Durchblick

am
Leben 681 – Mittwoch, 16.02.11

Sie war weg, einfach weg! Und Bruno konnte es sich absolut nicht erklären. Er hatte alle Räume abgesucht, alle üblichen Verstecke, an denen er sie immer schon wieder einmal gefunden hatte. Doch heute schien alles anders.

Was war heute anders? Bruno grübelte, ging noch einmal durch alle Zimmer. Nix. Sie war weg.

Was tun? So konnte er unmöglich aus dem Haus. Er musste sie finden.

Dann kam ihm eine geniale Idee. Er würde seine Ersatzbrille, ja, und die war am Platz, er würde sie also aufsetzen, und damit würde er gut genug sehen, um sie endlich zu finden. Pustekuchen! Brunos Brille blieb auf magische Weise verborgen.

Wenn er es nicht so eilig gehabt hätte, um zur Arbeit zu kommen, Bruno hätte es genossen, seine Brille weiterhin zu suchen. Weil er nämlich genau jetzt ahnte, dass ihm die Ideen des Jahrtausends kamen. Eine Brille, die man antelefonieren kann und die dann blinkt. Oder leuchtet. Oder mit Wasser spritzt. Jau, das wäre absolut der Hit. Eine Brille, in deren Bügel ein Wasserreservoir wäre und durch einen Suchanruf zum Spritzen gebracht werden könnte…

Aber es war absolut nicht lustig.

Die mehr oder minder durchsichtige Brille, das Durchsichtigsein war ja u.a. Voraussetzung, damit sie ihr „Geschäft“ verrichten konnte, diese Brille blieb verborgen und mit zunehmender Tageshelligkeit entschwanden Bruno sowohl ein Zug nach dem anderen, mit dem er gerne in die Firma gefahren wäre, als auch die Hoffnung, seine Brille wiederzufinden.

Ein letzter Hoffnungsschimmer keimte bei Bruno auf, als er von Kreativität nur so geflutet wurde. Er holt seine Taschenlampe aus der Schuhschrankschublade, schließt sämtliche Rolläden in der Wohnung, und nach und nach wird es zappenduster. Auf die Reflexion von Brillenglas und Brillengestell hoffend schleicht er nun erneut durch die Wohnung schleicht: Den Taschenlampenlichtkegel auf die bekannten Brillenverstecke gerichtet tastet er sich von Zimmer zu Zimmer vor.

„Hast Du noch allen Tassen… ?“ ruft der der Carlo dem Bruno lichteinschaltenderweise zu. Letzterer will nun seine Brillenstory los werden, wird aber vom Carlo vollverbal geflutet. „Ich glaube, heute spinnen alle! Bin ich doch eben beim Gustav gewesen. Will mich auf seine Couch setzen. Man, Du glaubst es nicht, wie verknittert der war! Und um ein Haar hätte ich mich auf seine Brille gesetzt! Ich seh die gerade noch, bevor ich ich fallen lasse, und stauche den Gustav aufs Heftigste zusammen, dass ein Brille nichts auf einem Sitzmöbel zu suchen habe. Und was meinst Du, was der mir für eine bescheuerte Ausrede geantwortet hat: Das sei nicht seine Brille. Und er habe keine Idee, wem die gehöre und wie die dahin gekommen sei…“

Dass der Bruno den Carlo bei dieser Gelegenheit aufs Heftigste gedrückt hat, ihm in tiefer Dankbarkeit auf die Backe geküsst hat und dann schwuppdiwupp zum Gustav gerannt ist, das ist ja eigentlich klar wie Sauce und braucht und soll und muss deshalb auch gar nicht hier weiter erwähnt werden…

© Ulf Runge, 2011

 

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. 🙂 Wenn ich meine Brille suche, finde ich sie meist auf meiner Nase.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Jürgen,

      das ist ja total unfair, die Brille zu suchen, wenn man sie auf der Nase hat.

      Viel spannender ist es, wenn sie sich wirklich aus dem Staub gemacht hat…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. andrea2110 sagt:

    Lieber Ulf, was legt der Bruno auch überhaupt die Brille weg, wenn er sie so dringend braucht und dann noch auf einem fremden Sofa:-) Herrlich, Deine Gedanken zum Thema *wiederfindbare-Brille*…äh, ich meine Bruno’s Gedanken:-) Danke für einen Lacher am Morgen, schon der zweite, ich liebe Bloghausen… Liebe Grüsse Andrea

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Andrea,

      der Bruno, der ist kurzsichtig, den stört die Brille, wenn er ganz dicht und nah was gucken muss.
      Und da ist das Nasenfahrrad ganz schnell beiseite gelegt…

      Schön, dass ich Dir den Tagesbeginn versüßen durfte.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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