Wetterbedingt

Leben 674 – Dienstag, 01.02.11 

Ich wünsche Dir viel Spaß mit dieser Geschichte.

Ich könnte mir vorstellen, dass Du noch mehr Spaß hast, wenn zuerst diese Begebenheit liest. Falls Du sie schon kennst, lies sie ruhig noch einmal.

Also, bereit für die Fortsetzung von Hugo, der auch dieses Mal wieder etwas später dran sein wird, als er sollte? Und Erwin, der glücklicherweise auch heute wieder für Hugo im Meeting aufpassen wird.

Er sei heute wetterbedingt später dran, stand in Hugos SMS. Und so war es gut, dass der Erwin auch dieses Mal sowieso in das Meeting ging, in dem auch Hugo ganz gut aufgehoben gewesen wäre.

Als der Hugo dann doch schließlich eintrifft, begrüßt ihn der Erwin und berichtet ihm von der versäumten Besprechung.

„Muss ja übel gewesen sein, bei Euch heute früh, mit dem Glatteis!“ leitete der Erwin mitfühlend den gemütlichen Teil ihrer Konversation ein.

„Ach so schlimm war es gar nicht. Die Hauptstraßen waren befahrbar und auch die Züge sind pünktlich gefahren. Also fast ein normaler Tag.“ lächelte der Hugo den Erwin an.

Fragezeichen stehen nun dem Erwin ins Gesicht geschrieben, als er meinte: „Aber Du hast doch geschrieben, Du seist wetterbedingt später dran?!“

„Ach das meinst Du?!“

„Notlüge? Ertappt?! Sprich!“

„Nein, ganz anderster! Also, wegen des WETTERs habe ich heute ausnahmsweise meinen Regenschirm dabei gehabt. In B-Stadt bin ich dann ausgestiegen, um in den schnelleren Zug umzusteigen, der meine Regionalbahn unterwegs überholt, so dass ich da echt Zeit gewinne.

Ich stehe also auf dem Umsteigebahnhof, sehe meinem Nahverkehrszug hinterher und stelle angesichts meiner leeren Hände fest, dass ich meinen Regenschirm in der Gepäckablage liegen gelassen habe.“

„Oh!“

„Ja, oh! Du sagst es. Nach einem kurzen Anflug von Ärger habe ich dann eine WETTE mit mir selber abgeschlossen, ob bzw. besser gesagt, dass ich meinen Regenschirm jemals wiedersehen werde. Bin dann in D-Stadt wieder aus dem Schnellzug raus und habe mich hoffnungsfroh auf dem Bahnsteig eingefunden, an dem wenig später „meine“ Regionalbahn einfahren sollte.“

„Und was war mit Deinem Regenschirm?“

„Er lag noch am gleichen Platz! Die Wette habe ich also tatsächlich gewonnen. So viel zu meiner WETTERbedingten Verspätung.

Ach ja, danke noch mal, dass Du mir genau gestern endlich Deine Handynummer gegeben hattest. Sonst hätte ich Dir nicht diese SMS schicken können…“

© Ulf Runge, 2011

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Schirme vergesse ich auch ständig. Richtig interessant wird es erst, wenn man Menschen vergisst. Ich denke da an einen Landschulheimaufenthalt vor unendlich langer Zeit. Wir waren mit dem Bus unterwegs von Südtirol nach Venedig. Nach einer Pause am Rastplatz ging es weiter. Doch was nicht aufgefallen war: zwei Mitschüler fehlten. (Irgendwie klappt das mit dem „Achte auf deinen Sitznachbarn“ nicht wirklich, wenn beide gleichzeitig trödeln.) Als wir es endlich bemerkten, hielt der Busfahrer am nächsten Rastplatz an (Handys gab es in der Steinzeit noch nicht, also blieb nur Warten). Und eine halbe Stunde später kamen die beiden gutgelaunt mit einem Truck angefahren. 🙂 In der Haut unserer Lehrerin hätte ich an dem Tag nicht stecken mögen. Komischerweise ging in den engen Gassen und verzweigten Kanälen und in den dunklen Kirchen und in den verlockenden Läden niemand verschütt.

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  2. andrea2110 sagt:

    Lieber Ulf, ich habe da auch so ne Regenschirm-Geschichte, als meine Schwester ihren in der S-Bahn von Athen vergass und im letzten Moment wieder in den Zug reinsprang, die Türen schlossen sich und stand völlig allein auf dem Bahnsteig, keine Ahnung wie wir uns wieder treffen sollten… Ich bin dann dort sitzengeblieben und sie ist eine Station weiter ausgestiegen und zurückgelaufen…:-) Und der Hugo, der ist ja ein ganz Besonderer:-) Gut, dass er endlich die Handy-Nummer hatte, sonst hätten wir diese Geschichte nicht lesen können… Liebe Grüsse Andrea

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  3. Uta sagt:

    Lieber Ulf,

    im Dezember hatte ich riesiges Glück: kam von einer Reise und stieg vom Bus in die U-Bahn um. Dort die Schrecksekunde: auf meinem Rücken ist es so seltsam leicht, gute 5 Kilo fehlen. Mein Notebook-Rucksack mit komplettem Inhalt, Notebook, Papieren, externer Festplatte, Handy, Ladegeräte usw. fährt alleine mit dem Bus durch die große Stadt.

    Also an der nächsten Haltestelle raus aus dem Zug und eine Station zurück. Und nun? Bei den Verkehrsbetrieben anrufen, Abends kurz nach sieben, zum Glück noch jemand da. Der kann aber nix machen. Ich solle irgendeinen Bus nehmen, die könnten per Funk mit „meinem“ Bus Kontakt aufnehmen.

    Ich in den nächstbesten Bus, selbe Linie, dem Fahrer die Situation erklärt. Fahrer funkt Leitzentrale an, die identifizieren „meinen“ Bus und funken ihn an. Minutenlange Funkstille, banges warten, hoffen. Endlich die Nachricht: Fahrer hat an der nächsten roten Ampel nach meinem Rucksack gesucht und ihn gesichert. An der Endhaltestelle hat der Bus Pause, ich kann mich bei beiden Fahrern persönlich bedanken.

    1000 Dank, liebe Großstadt-Busfahrer, für Eure freundliche Unterstützung, sonst müsst ihr ja Kritik einstecken und schlechte Laune ertragen. Und danke, liebe Businsassen aus der großen Stadt, dass ihr meinen Rucksack liegengelassen habt.

    Liebe Grüße, Uta

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  4. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    schöne Geschichte, danke Dir, der Hugo war schlau…. meine Tochter hatte mal ihre nagelneuen Turnschuhe im Zug liegen lassen, die haben wir nie wieder bekommen, aber zum Glück ist die Tochter heimgekommen, die Turnschuhe kann man ersetzen….. sie war noch klein damals , zum erstenmal mit dem Zug zum Gymnasium…
    P.s. in vier Wochen kommt sie schon wieder aus Spanien zurück, ich freu mich drauf….
    liebe Grüße,Erika

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  5. Ulf Runge sagt:

    Wow, Ihr Lieben,

    danke für diese tollen ganz persönlichen Geschichten!

    @Jürgen: Ein Zeit ohne Handy und Internet, ob junge Menschen sich das vorstellen können? Das wäre gerade so, wie eine Zeit ohne Auto oder Kühlschrank und TV, die ich gerade noch ein bisschen kennengelernt habe. Oder wie eine Zeit ohne Bücher!!! Oder wie eine Zeit ohne Waffen und Werkzeuge…

    @Andrea: Früher gab es eine außergewöhnliche Familiensendungsfolge mit Vivi Bach und Dietmar Schönherr. In dieser Sendung wurden auch Partnerfragen gestellt. Eine hätte sein können: Angenommen, sie kommen nicht mehr in die U-Bahn und Ihr anderes Familienmitglied fährt weiter. Wie reagieren Sie? (sitzen bleiben, hinterherfahren, die polizei anrufen, das publikum befragen [ach ne, das geht ja gar nicht])

    @Uta: Das ist ja ein richtiger Krimi. Ohne Schusswaffen. Und doch mit viel Adrenalin. Solche Geschichten würde ich viel lieber in der TV-Zeitung angekündigt sehen. Solange das nicht passiert, freue ich mich, dass ich das wirklich spannende Leben hier in meinen Kommentaren lesen darf…

    @Erika:
    Lieber Tochter als Turnschuhe, das ist absolut die richtige Priorität.Und bei mir kann man ja nachlesen, dass ich Handys und Regenschirme auch schon mal im Zug lasse….

    Danke Euch allen und liebe Grüße,
    Ulf

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