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Archive for Februar 2011

Ungeschriebener Bahnkundenbrief

Leben 683 – Mittwoch, 23.02.11

Dieser Blog ist kein politischer Blog. Das weißt Du, liebe Leserin, lieber Leser. Wobei man ja, frei nach Paul Watzlawick, nicht nicht politisch sein kann. Auch wenn die nachstehende Satire, ja, es ist eine Satire, das sage ich besser dazu, falls jemand selbige nicht „witzig“ findet, auch wenn die nachstehende Satire hier auf diesem Blog womöglich meine LeserInnenschaft spalten mag…

 

Lieber Bahnkunde,

wir, die organisierten Lokführer und unser Arbeitgeber, wir können uns nicht einigen. Unter Erwachsenen ist es ja üblich, einen Kompromiss zu vereinbaren. In der Wirtschaft sucht man heutzutage ja nach Win-Win-Situationen. Aber wir kriegen das nicht hin.

Auf die Idee, mal eine Unternehmensberatung zu beauftragen, einen unterschriftsreifen Entwurf zu erarbeiten, der still und vertraulich mit unseren Verhandlungsführern abgestimmt ist, und der sowohl unser Unternehmen als auch die Gewerkschaften dann anschließend gut aussehen lässt, darauf sind wir bisher noch nicht gekommen.

Lieber Bahnkunde,

leider müssen wir Dich als Geisel nehmen. Ähnlich wie man Tiere als Opfer zum Altar trägt, um den göttlichen Beistand zu erflehen, so wollen wir auch Dich, als das schwächste Glied in der Kette sozusagen, in unser archeotypisches Ritual einbinden. Wir wollen Dich in der Kälte schnattern sehen, wollen Babys brüllen hören, überforderte Geschäftsleute in die Handys reinschreien lassen. Nein, wir wollen nicht, wir müssen, weil es dazu gehört.

Du magst das unfair finden. Aber die Müllmänner machen das auch so. Die leeren auch keine Mülltonnen, wenn sie streiken. Gut, die könnten den Müll abholen und vor das Landratsamt fahren. Dann wärst Du, lieber Kunde, glücklich, und die öffentlichen Bonzen müssten sich mit den Müllionären direkt auseinandersetzen.

Wenn die Bänker streiken, gibt es auch kein Geld. Anstatt den Kunden einfach keine Sollzinsen zu berechnen. Dann würden die Kunden nämlich zufrieden sein und nur die Streitparteien würden sich miteinander bekriegen.

Nein, lieber Bahnkunde, wir wollen unseren Streit nicht dort lassen, wo er hingehört, nämlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Lieber wollen wir tagesschau-Kommentare und Bildzeitungbilder, auf dass Dir das Hören und Sehen vergeht.

Und noch was, lieber Bahnkunde. Wir wollen wiedergewählt werden. Von unseren Gremien. Nicht von Dir. Weil, Du hast keine Wahl. Du bleibst.

 

© Ulf Runge, 2011

Wer Brötchen fälscht oder falsche Brötchen in Umlauf bringt…

20. Februar 2011 11 Kommentare
Leben 682 – Sonntag, 20.02.11 

Wir sind nicht allein. Mein Brötchenmann und ich. Da ist noch jemand. Der bedient werden will. Und wird.

Wir beiden Kunden bekommen nahezu gleichzeitig unsere Brötchen-Brot-Tüten.

Mein Brötchenmann zögert. Öffnet noch einmal meine Tüte. Vergewissert sich, dass es wirklich mein Frühstücksbrot ist. Verschließt die Tüte wieder.

„Ja, ja!“ sage ich. „Prüfen Sie nur gründlich, dass Sie mir nicht das falsche Brot geben!“ Ich lächle ihn frech an.

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Durchblick

16. Februar 2011 4 Kommentare
Leben 681 – Mittwoch, 16.02.11

Sie war weg, einfach weg! Und Bruno konnte es sich absolut nicht erklären. Er hatte alle Räume abgesucht, alle üblichen Verstecke, an denen er sie immer schon wieder einmal gefunden hatte. Doch heute schien alles anders.

Was war heute anders? Bruno grübelte, ging noch einmal durch alle Zimmer. Nix. Sie war weg.

Was tun? So konnte er unmöglich aus dem Haus. Er musste sie finden.

Dann kam ihm eine geniale Idee. Er würde seine Ersatzbrille, ja, und die war am Platz, er würde sie also aufsetzen, und damit würde er gut genug sehen, um sie endlich zu finden. Pustekuchen! Brunos Brille blieb auf magische Weise verborgen.

Wenn er es nicht so eilig gehabt hätte, um zur Arbeit zu kommen, Bruno hätte es genossen, seine Brille weiterhin zu suchen. Weil er nämlich genau jetzt ahnte, dass ihm die Ideen des Jahrtausends kamen. Eine Brille, die man antelefonieren kann und die dann blinkt. Oder leuchtet. Oder mit Wasser spritzt. Jau, das wäre absolut der Hit. Eine Brille, in deren Bügel ein Wasserreservoir wäre und durch einen Suchanruf zum Spritzen gebracht werden könnte…

Aber es war absolut nicht lustig.

Die mehr oder minder durchsichtige Brille, das Durchsichtigsein war ja u.a. Voraussetzung, damit sie ihr „Geschäft“ verrichten konnte, diese Brille blieb verborgen und mit zunehmender Tageshelligkeit entschwanden Bruno sowohl ein Zug nach dem anderen, mit dem er gerne in die Firma gefahren wäre, als auch die Hoffnung, seine Brille wiederzufinden.

Ein letzter Hoffnungsschimmer keimte bei Bruno auf, als er von Kreativität nur so geflutet wurde. Er holt seine Taschenlampe aus der Schuhschrankschublade, schließt sämtliche Rolläden in der Wohnung, und nach und nach wird es zappenduster. Auf die Reflexion von Brillenglas und Brillengestell hoffend schleicht er nun erneut durch die Wohnung schleicht: Den Taschenlampenlichtkegel auf die bekannten Brillenverstecke gerichtet tastet er sich von Zimmer zu Zimmer vor.

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Tag-des-Tage

12. Februar 2011 6 Kommentare
Leben 680 – Samstag, 12.02.11

„Hi, Bruno!“ grüße ich selbigen.

Er raubfischt mich zurück, wobei er etwas matt wirkt. „Frag mich mal, wie’s mir geht!“ fährt er fort.

Ich frage ihn also, wie’s ihm geht, und – Überraschung! – er antwortet auf’s Originellste: „Ach, frag‘ mich nicht!“

„Komm, rück‘ raus mit der Sprache!“

„Weißt Du, was gestern war?“

Ich überlege. Nein, wir haben keinen Vollmond, ich habe, ehrlich gesagt auch keine Nachrichten gehört, ich frage also ahnungslos: „Nun, was war gestern?“

„Du glaubst es nicht, ich höre gestern früh im Radio, heute, also gestern, sei der Tag des ‚Notrufs‘. Während die im Radio sich hierüber lustig machen, spiele ich in Gedanken mit dem Wort und denke mir, es sollte auch einen Tag des ‚Rückrufs‘ geben. Den könnten sich Automobilhersteller mit all denen teilen, die sich weigern, einen erfolglosen Anrufer zurückzurufen. Und den Tag des ‚Tages‘, das wär doch auch was…“

„Aha!“ sage ich, und frage mich, was daran nun so interessant sei.

„Du magst das jetzt noch belanglos finden!“ spinnt er den Faden fort. „Aber warte. Ich bin dann auf die Arbeit, und um kurz nach Elf ist mein Outlook weg. Keine E-Mails mehr senden, keine E-Mails mehr empfangen, und auch der Terminkalender ist nicht verfügbar. Du musst wissen, Outlook ist eines meiner wichtigsten Werkzeuge. Guck mich nicht so an. Ja, natürlich kann ich auch noch mit Bleistift und Papier arbeiten. Aber wenn ich vielen Menschen gleichzeitig die selbe Information zukommen lassen will, ach, wem ich erkläre ich das!“

„Was hat das jetzt mit dem Tag des ‚Notrufs‘ zu tun?“ will ich wissen.

„Ich habe eine geschlagene Stunde mit der Hotline telefoniert. Die wollten erst meinen PC reparieren und dann hat sich herausgestellt, dass der Fehler im Rechenzentrum passiert war.“

„Okay!“ sagt ich, „Du Armer, und wann ging es wieder?“

„Das hat noch ‚ne ganze Weile gedauert. Ich dachte mir, gehste Mittagessen inzwischen und will grad‘ los, als das Telefon klingelt, meine Bank, sie hätten meine EC-Karte gesperrt.“

„Wie bitte?“

„Ja, ich hätte die an einem Automaten benutzt, bei dem man Manipulationen entdeckt habe.“

„Du Armer! Outlook weg, EC-Karte gesperrt; aller guten Dinge sind drei!“ scherze ich.

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Eiwei

11. Februar 2011 2 Kommentare
Leben 679 – Freitag, 11.02.11 

Der Brötchenmann wird gefragt, warum er denn jetzt, im Februar (!), bunt bemalte Eier anbiete. Ostern sei doch noch ganz schön weit weg, oder?!

Er lächelt: „Das sind auch keine Ostereier, das sind Fastnachtseier!“ Schließlich sei ja noch lange nicht Ostern, sondern eben Fastnacht, Karneval oder wie ich das auch immer nennen möchte! Und grinst mich keinen Widerspruch zulassend an!

Ich scheine sprachlos zu sein, was ihn überrascht, so dass er nun zum Matchball ausholt.

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Jetzt

9. Februar 2011 6 Kommentare
Leben 678 – Mittwoch, 09.02.11

 

 

Ich bin…

… Jetzt.

 

Ich bin nicht Gestern.

Nicht Morgen.

Ich bin nicht Heute.

Weil Heute morgen Gestern ist.

Ich bin nicht Heute.

Ich bin Jetzt.

 

Ich bin auch nicht der Augenbiick, der soeben vorbei gegangen ist.

Nicht der Moment, der da noch kommen möge.

 

Ich vermute, meine Gedanken zu sein.

Meine Gedanken von gestern, die meine Kleidung von heute Gestalt haben werden lassen.

Meine Gedanken von gestern, die zu Zeugnissen, Lebensläufen und Fotos geworden sind.

Bin ich meine Gedanken?

Bin ich meine jetzigen Gedanken?

 

Ich vermute, meine Gefühle zu sein.

Meine Gefühle von gestern, die meine Erinnerung mit Kaffeegeruch, Pianoklängen und Kachelofenwärme gefüllt haben.

Meine Gefühle von gestern, die mich in Freude und Panik versetzt haben.

Bin ich meine Gefühle?

Bin ich, was ich gerade spüre?

 

Ich bin…

… Jetzt.

Durch Dich, durch Dein Lesen, bin ich jetzt auch Dein Jetzt. Wann immer Du willst…

© Ulf Runge, 2011

Geduld – sofort!

6. Februar 2011 13 Kommentare
Leben 677 – Sonntag, 06.02.11

Ich gucke kein Fernsehen. Fast kein Fernsehen. Nur Wetterkarte. Fast nur Wetterkarte. Und ein bisschen Fußball. Wenig Fußball.

Also gucke ich auch keine Goldene Kamera. Weil die, die da preistragender Weise die Bühne verlassen, kann ich ja eigentlich nicht kennen. Lach.

Gerate zufällig (zufällig?) in die Schlussminuten der heutigen 46. Verleihung der Goldenen Kamera. Laudator: Günter Netzer. Er würdigt Monica Lierhaus, die sympathische Sportreporterin, die für zwei Jahre aufgrund einer schweren Krankheit von der „Bildfläche“ verschwunden war. Man merkt Günter Netzer die Rührung an, als er Monica Lierhaus‘ Durchhaltewillen lobt, mit der sie täglich darum kämpft, wieder gesund zu werden.

Ich ahne in diesem Augenblick noch nicht, wie nahe mir der nachfolgende erste öffentliche Auftritt von Monica Lierhaus gehen wird. Ein Schatten ihrer selbst betritt da die Bühne, das ist mein erster Gedanke. Dabei ist sie vermutlich bereits Lichtjahre von dem Schatten entfernt, den ihre Liebsten in den vergangenen zwei Jahren gesehen haben.

Und mit all Ihrer Kraft und all ihrem Mut spricht sie davon, wie DANKBAR sie ist, all denen Personen, die sie begleitet haben und begleiten. Die an sie GLAUBEN.

Wunderbar, diese Frau, denke ich. Sie macht allen Mut, die in ähnlicher Situation sind, wie sie war.

Sie macht alle die betroffen, die nicht dankbar genug mit ihrem Schicksal umgehen.

Und sie hat als Ziel, wieder eines Tages, ähnlich wie früher, vor der Kamera zu stehen.

Sie wird nie wieder „die alte“ sein. Sie hat „die alte“ gegen „die andere, neue“ getauscht. Sie hat sich das nicht ausgesucht. Sie gibt, obwohl sie in ihrem Alltag immer noch auf die Hilfe liebevoller Mitmenschen angewiesen ist, soviel Kraft und Energie an all die Menschen, die ihre Rede erleben durften.

Wunderbar ihr Zitat: “Der liebe Gott schenke mir Geduld, und am liebsten sofort!”

Die Krönung ihres Auftritts war der Heiratsantrag an ihren Rolf, vor dem sie am liebsten gekniet hätte, der das auf bezaubernde Art und Weise dann selber übernommen hat, das Knien.

Ich möchte noch viele gute Nachrichten über Monica Lierhaus hören.

Ich möchte noch viele gute Nachrichten von Monica Lierhaus hören und sehen. Dann schalte ich auch bestimmt wieder öfter mal den Fernseher ein.

Ich bin dankbar, dass ich diese kostbaren Minuten sehen und hören und mitfühlen durfte.

© Ulf Runge, 2011

 

Winter Blues

4. Februar 2011 2 Kommentare
Leben 676 – Freitag, 04.02.11

„Darf ich Dir noch ein Stück Kuchen abschneiden, Karla?“

„Nein danke, Hans, ich bin jetzt pappsatt! War doch bei Moni zum Mittagessen eingeladen, bei der gibt es immer gigantisch viel. Diesmal hatte sie eine Karotten-Ingwer-Suppe als Vorspeise, dann Spaghetti mit selbstgemachtem Pesto und zur Krönung noch Tiramu su. Das Rezept hat sie aus dem Internet, wo sie so einen Selbstfindungskurs macht. Ich sag mal so, wenn der Kurs ist wie diese Rezepte, dann ist der bestimmt gut!“ Karla lacht.

„Habe ich Dich wieder vollgemüllt?“ lächelt Karla ihren Hans an.

„Nein, nein, erzähl nur weiter!“ grinst der Hans zurück. „Und worüber habt ihr Euch so unterhalten? Über Männer, oder?“

„Hm, ja schon ein bisschen, aber völlig anders, als Du denkst! Die Moni hatte ein merkwürdiges Erlebnis vor einigen Tagen, als noch so viel Schnee lag. Sie fährt ja sowieso sehr vorsichtig. Sie war bestimmt nicht schneller als mit 30 auf der Landstraße unterwegs, als der Wagen hinter ihr immer näher kommt, immer dichter auffährt und dann bei total spiegelglatter Straße nach links ausschert und zum Überholen ansetzt. Auch noch kurz vor der Rechtskurve. Also der Moni ist das Herz in die Hose gerutscht.“

„Und dann? Ist einer entgegen gekommen?“

„Zum Glück nicht. Aber, halt Dich fest, die Moni guckt in ihren Seitenspiegel und der Heini ist nicht mehr zu sehen. Sie guckt in ihren Rückspiegel und die Straße ist frei!“

„Gibt’s doch nicht!“

„Doch! Als sie dann wieder in den Rückspiegel guckt, sie sie gerade noch, wie der Wagen hinter ihr volle 360-Grad-Drehung beendet und parall zur Fahrbahn im Graben landet!“

„Und, was hat sie gemacht? Angehalten und Erste Hilfe geleistet?“

„Das ist es ja, sie hat so einen Schiss vorm Anhalten gehabt, dass sie weitergefahren ist. Und seitdem geht es nicht gut. Sie schläft schlecht. Weil, sie doch hätte anhalten müssen. Und auch, weil sie nicht weiß, ob dem Fahrer was passiert ist!“

Karlas Mitleid mit Moni steht ihr im Gesicht geschrieben.

Hans wirkt angespannt.

„Was ist mit Dir?“ fragt Karla.

„Ich kenne die Geschichte!“ macht Hans endlich den Mund auf. „Du kannst Moni schön grüßen, der Fahrer hat ihre Fahrerflucht überlebt!“

„Hans, Du kennst die Geschichte? Warst Du der Vollidiot, der Moni überholen wollte?“

„Nun mal langsam, Vollidiot möchte ich jetzt aber überhört haben. Aber ich kann Dich beruhen, ich war und bin es nicht. Der Robbi vom Tanzkurs hat mir neulich erzählt, dass er wegen so einer Riesenschnepfe und dem blöden Schnee eine Pirouette auf der Straße hingelegt habe und sich dann aus dem Graben hat rausziehen lassen müssen. Der war vielleicht stinkig, weil die blöde Tussi so langsam gefahren ist!“

„Und woher weiß er, dass eine Tussi war?“

„Na, ich bitte Dich, fass mal an die eigene Nase, wie Du fährst!“

„Weißt Du was, Hans, Du kannst mich mal. Zum Tanztee komme ich heute nicht mit.“

„Das trifft sich gut, ich wollte mir sowie heute das Länderspiel angucken.“

„Na dann viel Spaß!“

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Kennenlernenangst

3. Februar 2011 6 Kommentare

Leben 675 – Donnerstag, 03.02.11

Die Erfindung der sozialen Netzwerke ist prinzipiell erst einmal ein Segen.

Durch das einfache Austauschen unseres Profilfotos können wir veranlassen, dass alle Welt die Nachricht „.… hat ein neues Profilfoto“ lesen darf. Es ist zwar meistens das bisherige, das einfach nur mal kurz entfernt wurde, um es dann wieder „neu“ einzustellen.

Genervte Zeitgenossen, die diesen ätzenden Neuprofilfotostatusmeldungen wehrlos ausgesetzt sind, formulieren dann auch schon gerne mal „hat KEIN neues Profilfoto“ in ihrer Statusmeldung…

Als Nebenfachmathematiker kann ich beim social networking eigentlich nur zwei Glückszustände identifizieren: Entweder ich kenne niemanden. Oder alle. Alles andere ist die Hölle. Das will ich gerne erläutern.

Es gibt Plattformen, die bieten einem auf rührige Art und Weise die Kontaktaufnahme zu Menschen an, die man noch nicht „kennt“, aber vielleicht kennen könnte, weil man deren Kontakte kennt. Bei einigen Personen trifft das dann wirklich zu, und man nimmt diese Menschen gerne in seine persönliche Kontaktliste auf. Andere kennt man nicht wirklich, nimmt aber nach ein paar Klicks dann doch in die gegenseitigen „Listen“ auf.

Und das ist fatal.

Der Kreis derer, die man mit dem nun vergrößerten Bekanntenkreis kennen könnte, wächst logischerweise. Der „Vorrat“ an Kennenkönnern ist nur beschränkt durch die Anzahl der Mitglieder in einer Community. Und erst wenn Du alle kennst, hast Du Ruhe, okay?

Der Hugo bekam immer wieder das Profil einer gut aussehenen jungen Dame angeboten, die wie er in ihrem Profil hinterlegt hatte, dass sie auf die gleiche Bildungsanstalt wie er gegangen war. Hugo wusste, dass er die Dame absolut nicht kennen könnte, weil ihm weder Gesicht noch Name der Kandidatin geläufig waren und auch der vermutete große Altersunterschied keinen Anlass bot zu vermuten, dass sie schon einmal begegnet waren.

Was den Hugo dann aber nicht davon abhielt, der jungen Dame eine Nachricht zu schicken, auf die er bis heute noch keine Antwort hat, wohl auch nie erhalten wird, obwohl diese Dame ihm immer wohlfeil geboten wird.

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Wetterbedingt

1. Februar 2011 5 Kommentare
Leben 674 – Dienstag, 01.02.11 

Ich wünsche Dir viel Spaß mit dieser Geschichte.

Ich könnte mir vorstellen, dass Du noch mehr Spaß hast, wenn zuerst diese Begebenheit liest. Falls Du sie schon kennst, lies sie ruhig noch einmal.

Also, bereit für die Fortsetzung von Hugo, der auch dieses Mal wieder etwas später dran sein wird, als er sollte? Und Erwin, der glücklicherweise auch heute wieder für Hugo im Meeting aufpassen wird.

Er sei heute wetterbedingt später dran, stand in Hugos SMS. Und so war es gut, dass der Erwin auch dieses Mal sowieso in das Meeting ging, in dem auch Hugo ganz gut aufgehoben gewesen wäre.

Als der Hugo dann doch schließlich eintrifft, begrüßt ihn der Erwin und berichtet ihm von der versäumten Besprechung.

„Muss ja übel gewesen sein, bei Euch heute früh, mit dem Glatteis!“ leitete der Erwin mitfühlend den gemütlichen Teil ihrer Konversation ein.

„Ach so schlimm war es gar nicht. Die Hauptstraßen waren befahrbar und auch die Züge sind pünktlich gefahren. Also fast ein normaler Tag.“ lächelte der Hugo den Erwin an.

Fragezeichen stehen nun dem Erwin ins Gesicht geschrieben, als er meinte: „Aber Du hast doch geschrieben, Du seist wetterbedingt später dran?!“

„Ach das meinst Du?!“

„Notlüge? Ertappt?! Sprich!“

„Nein, ganz anderster! Also, wegen des WETTERs habe ich heute ausnahmsweise meinen Regenschirm dabei gehabt. In B-Stadt bin ich dann ausgestiegen, um in den schnelleren Zug umzusteigen, der meine Regionalbahn unterwegs überholt, so dass ich da echt Zeit gewinne.

Ich stehe also auf dem Umsteigebahnhof, sehe meinem Nahverkehrszug hinterher und stelle angesichts meiner leeren Hände fest, dass ich meinen Regenschirm in der Gepäckablage liegen gelassen habe.“

„Oh!“

„Ja, oh! Du sagst es. Nach einem kurzen Anflug von Ärger habe ich dann eine WETTE mit mir selber abgeschlossen, ob bzw. besser gesagt, dass ich meinen Regenschirm jemals wiedersehen werde. Bin dann in D-Stadt wieder aus dem Schnellzug raus und habe mich hoffnungsfroh auf dem Bahnsteig eingefunden, an dem wenig später „meine“ Regionalbahn einfahren sollte.“

„Und was war mit Deinem Regenschirm?“

„Er lag noch am gleichen Platz! Die Wette habe ich also tatsächlich gewonnen. So viel zu meiner WETTERbedingten Verspätung.

Ach ja, danke noch mal, dass Du mir genau gestern endlich Deine Handynummer gegeben hattest. Sonst hätte ich Dir nicht diese SMS schicken können…“

© Ulf Runge, 2011

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