Februar

Leben 672 – Mittwoch, 26.01.11
Ich stehe beim Brötchenmann. Bei meinem Brötchenmann.
In der Schlange. Warteschlange. Geduldig.
Lasse meinen Blick schweifen.
Und entdecke ein Plakat mit der Überschrift „Ab Februar neue Öffnungszeiten“.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die bisherigen nicht so genau kenne.
Und wenn ich vermute, dass ein persönliches Verkaufs- und Beratungsgespräch mit meinem
Brötchenmann zeitlich nicht mehr „drin“, dann finde ich Wege, trotzdem an mein Käsebrot
zu kommen.
Hierüber ein ander Mal mehr.Ich bin dran. „So!? Sie haben neue Öffnungszeiten ab Februar?!“
Ich lasse offen, ob ich das nun gut oder schlecht finde. Soll er das doch selber sagen,
ob es sich um eine Erweiterung seines Service handelt oder ob das erste Schritt ist,
sich hier zurückzuziehen.
„Ja, ja. Ab Februar neue Öffnungszeiten…
Er guckt mich mitleidig an. Total mitleidig.

„Wissen Sie?“ fährt er fort, „dass mich die Leute im Januar immer darauf ansprechen?
Nicht im Juli oder Dezember? Nur im Januar, da werde ich angesprochen.“

Ich verstehe nur Bahnhof.

„Wissen Sie?“ fährt er nochmals fort, „das Schild hängt schon seit Jahren hier!“

Booooiiiiinnng! Mein erster Gedanke gilt dem Begriff „Tunnelblick“.
Sollte ich dieses hochaktuelle Plakat, denn bald ist ja wieder Februar,
wirklich schon Tag für Tag in den vergangenen Monaten und Jahren erblickt haben,
ohne es wirklich wahrzunehmen?

Ich schaffe es nicht, meinem Brötchenmann und Sprachlosmacher noch ein
„You saved my day“ zuzuraunen, schnappe mein Käsebrot und schleiche mich
ratlos-verlegend-lächelnd von hinnen und von dannen…

© Ulf Runge, 2011

14 Kommentare Gib deinen ab

  1. andrea2110 sagt:

    Lieber Ulf und ich wiederhole nur: Dein Brötchenmann ist ein Philosoph und ein weiser Mann…:-) Schmunzelnde Grüsse Andrea

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  2. Wolfgang sagt:

    Man nennt das – glaube ich – selektive Wahrnehmung. Eine Information, die offenkundig den Februar betrifft, wird vom Hirn zwischen März und Dezember automatisch ausgeblendet und termingerecht im Januar wieder ins Bewusstsein gerückt. Muss wohl noch eine der Spätfolgen unserer Steinzeit-Vorfahren sein, dass nur akute Gefahren wahrgenommen werden.

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  3. Hase sagt:

    das ist ja interessant, lieber Ulf, ich glaube das auch, dass man es nicht sonderlich registriert wenn es nicht aktuell ist….
    lieben Gruß ,Erika

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  4. Elisabeth sagt:

    Lieber Ulf,
    was und wie viel nehmen wir wirklich wahr…!? KÖNNEN wir wahrnehmen…!? …mit Blick aus unserem kleinen 40-bit-Fenster… 🙂
    Danke dir für die Ein- und Ausblicke – alles Liebe, Elisabeth

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  5. Ulf Runge sagt:

    Achte auf Deine Wahrnehmungen. Das ist Tag 3.
    Lieber Jürgen, lass mich raten, Du wirst zukünftig bei mir eine der Zahlen zwischen 1 und 49 als Kommentar hinterlassen.
    Und immer, wenn dann 6 verschiedene zusammengekommen sind, ist das der Tipp der Woche für die kommenden Lottozahlen…

    Aufmerksame Grüße,
    Ulf

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    er ist viel zu bescheiden, um dieses Kompliment zu akzeptieren.
    Ich berichte ihm immer wieder über den Brötchenmannfanclub hier…
    Und dann lächelt er und winkt aber, von wegen, dass ich übertriebe…

    Aber Du hast schon recht…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Ulf Runge sagt:

    Lieber Wolfgang,

    ja, selektive Wahrnehmung, das ist der Fachbegriff.
    Und bei mir als Mann treffen sich selektive Wahrnehmung und Tunnelblick aufs Vorzüglichste…

    Ich werde meinen Brötchenmann jetzt genau beobachten. Wenn morgen ein Schild da hängt „Ab März neue Öffnungszeiten“, dann hat er es geschafft…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    mal ehrlich, würden wir JETZT auf ein Schild „Ab morgen Weihnachtsbaumverkauf“ anspringen? Nö, oder? Aber im November würde uns wahrscheinlich dieses das ganz Jahr hängende Schild auf einmal auffallen…

    So, und jetzt gucke ich mal, ob ich Ostereierhinweisschilder in den kommenden Tagen entdecke…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Elisabeth,

    was nehmen wir wahr?
    Was ist wahr?

    Ist das, was ich wahr nehme, für Dich womöglich un-wahr?
    Wahr-scheinlich…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  10. Lottozahlen ist super. Das ist mir noch gar nicht aufgefallen (selektive Kurs-Wahr-Nehmung). Dann werde ich am Ende des Kurses mal eine Umfrage machen, welche Folgen am beliebtesten waren. Die ersten 6 sind es dann, und der Lebensabend ist gerettet. Und weil der Tipp von Dir kam, gebe ich ein Bier aus. 🙂

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  11. Ulf Runge sagt:

    Wenn ich wählen darf, lieber Jürgen, dann trinken wir einen sym-badischen, trockenen Rotwein… 🙂

    Und anschließend ziehen wir gemeinsam die Zusatzzahl…

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  12. Ist gebongt. Im März bei Dir!

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  13. Ulf Runge sagt:

    Oh, das ist ja schon morgen, grins…

    Wir telefonieren…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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