PeElJott

Leben 648 – Montag, 22.11.10 

Es war gut. Es war richtig sehr gut. Megahammergut. Die Kunden waren sozusagen „scharf“ drauf und bestellten es auch gerne vor, um sicherzugehen, dass sie auch wirklich eines bekamen.

Es? Ja! Alle wollten „es“. Aber niemand kannte seinen Namen wirklich so richtig.

Es geht sogar das Gerücht um, dass seit Einführung dieses Produktes die Zahl der Klinikeinlieferungen mit der Diagnose „Zungenbruch“ so signifikant gestiegen waren, dass die Krankenkassen, ohne auch nur den tatsächlichen Grund zu ahnen, eine Signifikanzanalyse in Auftrag gegeben hatten.

Und dann war „es“ auf einmal weg. Die Regale blieben „Es“-leer. Auch die VerkäuferInnen wussten nicht, warum es nicht mehr produziert wurde. Die Kunden waren ziemlich sauer, wichen auf alternative Produkte aus, gingen teilweise zur Konkurrenz. SO KANN MAN MIT KUNDEN NICHT UMSPRINGEN!

Alle reden von Gorleben und Castor, andere sprechen nur noch von Stuttgart 21. Wieder anderen fällt beim Stichwort „Friedliche Revolution“ die Deutsche Vereinigung vor gut 20 Jahren ein. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es einen weiteren Bürgerprotest gegeben hat, der nun von Erfolg beschieden ist. Das „Prinzregenten Luitpold Jagdbrot“ ist seit geraumer Zeit wieder in den Regalen!

Sämtliche mit der Signifikanzanalyse betrauten Krankenkassenstatistiker sollen total frustiert ihren Job an den Nagel gehängt haben, nachdem nach mehreren völlig zungenbruchfreien Monaten die Zahlen plötzlich und unverhofft wieder hoch gingen. Dramatisch hoch.

Ich muss gestehen , dass ich in der Vergangenheit immer mit meinem Wunsch nach einem „Prinzregentenbrot“ oder einem „Königsbrot“ gut durchkam, dass ich erstaunlicherweise auch mit „Leopoldbrot“ erfolgreich war, und dass ich in der Tat vor zwei Wochen zum ersten Mal den offiziellen Namen gelesen und dann ganz vorsichtig über meine Zunge gebracht hatte. „Bitte ein Prinzregenten Luitpold Jagdbrot!“ Kein Zungenbruch. Nur ein bisschen Muskelkatarrh.

Da ich ein vorsichtiger Mensch bin, habe ich vergangenen Samstag eine völlig neue Strategie eingeschlagen: „Bitteschön, ich hätte gern ein PLJ Brot!“ Lidflackern bei der Brotfachverkäuferin meines Vertrauens, dann huscht ein Grinsen über ihr Gesicht, ein So-was-habe-ich-hier-noch-nicht-gehört-Grinsen, ein Wenns-Dich-glücklich-macht-Grinsen, sie geht ins hinterste Eck und bringt mir das Objekt meiner Begierde.

Ich nehme das PLJ-Brot, zahle meinen Obulus, und tausche mit der Verkäuferin noch ein letztes, zungenbruchfreies, wissendes Lächeln.

© Ulf Runge, 2010

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. sweetkoffie sagt:

    Peeljot-brot…was ist das? Wo bekomme ich das? Mir scheint, es handelt sich dabei um eine regionale Spezialität.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Sweetkoffie,

      allerdings! Die Bäckereikette, die früher mal einen Namen „wie Du und ich“ hatte, heißt nach einer Fusion mit einer anderen Kette jetzt „K&U“.
      Und die sind hier in der Region sehr gut vertreten.

      Ich weiß auch nicht, ob man wirklich in allen Filialen ein Prinzregenten-Luitpold-Jagdbrot bekäme, wenn man einfach nur die Buchstaben PLJ über die Theke rufen würde…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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