Rotstiere

Leben 64646 – Sonntag, 21.11.10 

Rotstier I

Eine Kleinstadt in Baden-Württemberg. Samstag Abend. 20.11.2010, 19:45.

Supermarktkasse. Junge Damen wollen bezahlen. Ob sie denn schon 16 seien? Und einen Personalausweis dabei hätten? Sie verneinen. Dann könne sie ihnen das Getränk nicht verkaufen.

Ich staune. Als ich dran bin, frage ich, ob denn da Alkohol drin sei?

Nein. Dann hätte die Frage ja auch auf 18 Jahre lauten müssen. Der Verkauf ab 16 sei wegen der aufputschenden Wirkung, wegen dem Koffein.

Das sei wohl nicht immer ganz leicht, die Einhaltung dieser Regel einzufordern, frage ich.

Das stimme allerdings, sagt sie, aber sie seien da sehr streng, und sie würden das ganz konsequent durchziehen.

Finde ich gut, sage ich zu ihr.

Rotstier II

64646 Vettelheim. Samstag Abend. 20.11.2010, 23:45.

Nach außerplanmäßiger Taxifahrt fahre ich noch spontan zum Europaplatz. Dort wird in wenigen Stunden das öffentliche Interesse zu Hause sein. Der Platz ist bereits abgesperrt. Ich schleiche mich seitlich ran und schieße ein Foto, das ungefähr so historisch ist, wie die Aussage eines ehemaligen Arbeitskollegen von mir, der stolz behaupten durfte, er habe nur 10 Meter weit weg von Gorbatschow gestanden, als dieser Mal zu Besuch gewesen sei.

Jugendliche radeln über den hell erleuchteten, aber doch noch recht leeren Platz, auf dem Bewirtungsstände aufgebaut werden. Und die Jugendlichen werden ganz schnell des Platzes verwiesen. Aus welchem Grund auch immer. Es wird mindestens einen geben. Zieh-Kju-Riti.

Auf der Rückseite des Platzes ebenfalls geschäftiges Treiben in den Ü-Wagen und bei all den anderen fleißigen Menschen, die dabei sind, eine Infrastruktur für die morgige Feier aufzubauen. Die vor einer Woche noch nicht wussten, dass sie heute Nacht hier arbeiten würden…

© Ulf Runge, 2010

 

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    danke Dir für deine Berichte, ja ,das mit den Getränken hat überhand genommen, Kontrollen finde ich auch gut, gerade Mixgetränke haben es in sich, auch die nur aufputschen.

    In Vettelheim ist heut die Hölle los
    (sozusagen bei Dir um die Ecke)

    danke für das Bild
    einen schönen Sonntag
    liebe Grüße
    Erika

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Erika,

      danke für die Schönen-Sonntag-Grüße, die ich gerne als Schöne-Neue-Woche-Grüße zurückgebe.
      Das vermutete Verkehrschaos ist ausgeblieben.
      Allerdings gab es eine wahrnehmbare Zunahme von Fußgänger- und Fahrrad-Verkehr… 🙂

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Die Nummer II musste ich zweimal lesen, bis ich den Text verstanden hatte. Vor allem bei Zieh-Kju-Riti setzte es kurz aus. Hä? Wie bitte? Laut vorlesen hilft 🙂 In den offiziellen Medien (obwohl, Blogs gehören mittlerweile ja auch dazu) liest sich das eher so:

    „Eine Woche nach dem grandiosen Formel 1 Finale 2010 kehrt der neue Weltmeister in seine Heimatstadt zurück. Sebastian Vettel wird am Vormittag in Heppenheim erwartet. Familie, Freunde, Anwohner und viele angereiste Fans werden ihrem Helden einen triumphalen Empfang bereiten und Sebastian Vettel womöglich auf Händen vor die Haustür seiner Eltern tragen.“

    Ich wünsche einen rasanten Sonntag,
    Jürgen

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Jürgen,

      danke, dass hier noch einmal den freudigen Anlass der gestrigen Feier hinweist.

      Sebastian Vettel kann angenehm bodenständig und bodenhaftend rüber,
      ich konnte nicht Aufgesetztes erkennen.
      Mit 23 Weltmeister sein, ist eine außergewöhnliche Leistung, hinter der ein erfolgreiches und glückliches Team steht.
      Mit 23 Weltmeister sein und dabei so „normal“ mit den Medien umzugehen, macht Sebastian Vettel noch sympathischer.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  3. Holger sagt:

    Lieber Ulf,
    so ist das mit den Rindviechern. Besonders dein Stadtnamen hat es mir angetan. Sie sollen ja gar eine Schule umbenannt haben. Dieser Personenkult wird mir langsam unheimlich.
    Ich kenne Leute, die haben über vierzig Jahre malocht – denen sollte man mal eine Ehrung zukommen lassen.
    Viele liebe Grüße aus der „Robert Schumann Stadt“ Zwickau, dem Tor zum Erzgebirge, wo die Stollenbäckerei schon voll in Gange ist.
    Holger

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  4. Ulf Runge sagt:

    Lieber Holger,

    ich kann verstehen, dass Dir der Personenkult nicht gefällt, noch dazu bei einem so jungen Menschen.

    Ich sag Dir was. Junge Menschen, aber auch ältere, lach, brauche Vorbilder.
    Idole. Menschen, die uns beweisen, dass sie an sich glauben.
    Du uns vormachen, dass Glaube Berge versetzen kann.

    Menschen, die in existenzieller Not und in tiefem Gewissenskonflikt furchtbare Situationen überwunden haben, sind natürlich nicht direkt vergleichbar mit Menschen, die sich freiwillig einem derartigen Spektakel wie der Formel 1 unterziehen.

    40 Jahre malochen, Loyalität zeigen, das wird leider wirklich zunehmend seltener honoriert. Aber die, die so zuverlässig, fleißig, unermüdlich sind, mal ehrlich: Die sind so nicht wegen der Firma, sondern weil sie abends und morgens noch gerne in den Spiegel gucken möchten. Und das auch können. Zu recht.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. sweetkoffie sagt:

    Lieber Ulf,

    hast du womöglich ein Autogramm vom süßen S.V. für mich ergattert??

    Lg Sweetkoffie

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Sweetkoffie,

      der S.V. ist einfach ein Sympathieträger, oder?
      Nein, ich muss gestehen, dass ich nicht vor Ort war…
      Und natürlich hätte ich eine Notlüge erfunden „für meine Schwester“,
      um für Dich auch ein AUTO-gramm zu ergattern.

      Liebe Grüße,
      ULf

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