Geniale Erfindung

Leben 643 – Dienstag, 16.11.10 

Es gibt Firmen, deren Ruf kann man nicht (mehr) schädigen.

Quelle: Unbekannt.

Ich will Eisenbahnfahrkarten kaufen. Von L nach K und zurück. Wobei ich zunächst von L nach B mit der Regionalbahn fahren möchte. Und dann von B nach F mit dem Intercity. Und von F nach K mit dem ICE.

Das sieht dann so aus:

09:52 L ab mit Regionalbahn

09:59 B an

10:10 B ab mit Intercity

10:40 F an

10:58 F ab mit ICE

12:20 K an

Im Internet hatte ich zuvor recherchiert, dass ich (nur noch heute) diese Verbindung für 34 Euro kaufen kann.

Ich gehe 25 Minuten früher zum Bahnhof, um die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt meiner Feierabendverbindung ganz in den Genuss des Fahrkartenkaufs zu stellen.

Ich betrete das umgestaltete Reisecenter. Da hat wohl inzwischen das Arbeitsamt die Bahn gekauft, vermute ich: Jetzt darf man also auch hier die von „der Agentur“ bekannten Nummern ziehen. Statt Aldikassenscannergepiepse gibt es hier einen Summton, bei dem man um die Zeugungsfähigkeit zukünftiger Generationen bangen muss.

Ich werde nach 18 Minuten einer freundlichen Dame zugeteilt, der ich völlig relaxt, gelassen und obercool mitteile, dass wir beide, sie und ich, noch gemeinsame 4 Minuten lang ein gemeinsames Fahrkartenberatungs- und –kaufgespräch vor uns hätten, bis ich eiligst auf meinen Zug müsse.

Ich zeige ihr den Computerausdruck der von mir recherchierten Verbindungen.

Sie tut ihr Bestes. Verkauft mir die Fahrkarte zum gewünschten Sparpreis. Ich bedanke mich und erreiche noch meinen Feierabendzug.

In selbigem entdecke ich, dass die Fahrkarte falsch ist. Sie hat statt des ICE den Intercity durchgebucht von B nach K. Gute Nachricht: Einmal weniger umsteigen. Schlechte Nachricht: Da fehlt am Ende eine halbe Stunde. Mist.


Am nächsten Tag erzähle ich – nach zwanzig Minuten Impotenztongebrumme – einer anderen freundlichen Dame, dass ich gestern Abend eine Fahrkarte erworben hätte, die ich so nicht gewollt hätte. Der Fehler läge natürlich bei mir, weil ich die Fahrkarte nicht hundertpro einer finalen Qualtitätssicherung zugeführt hätte.

Sie könne da nix machen. Sparpreis gäbe es für dieses Reisedatum seit heute nicht mehr. Ich könne nur noch stornieren, eine (Straf-) Gebühr bezahlen (15 Euro) und eine reguläre Fahrkarte kaufen.

Ich sei eine Reklamation. Und ich möchte doch nur upgraden auf den ICE. Aber auch mein Anglizismus erweicht nicht ihr Herz.

Ich möchte zu ihrem Chef.

Der sitze da drüben.

Gehe ich hin. Erzähle meine Geschichte. Merke, dass ich meine Gelassenheit verliere, als die Anzahl der Handlungsoptionen auf genau eine zusammenschrumpft. Er könne da absolut nicht kulant sein, dass dürfe nur die Kundenbetreuung in Bamberg, an die ich mich wenden könne. Hinterher.

Ob ich denn kein Kunde sei und ob er mich denn nicht gerade betreue und er damit nicht in diesem Augenblick meine Kundenbetreuung sei. Mein Spruch perlt ab an ihm wie Duschöl. Ich sage dem Herrn noch, dass ich zukünftig meine Karten per Internet kaufen werde. Und dass er stolz auf sein Unternehmen sein könne. Weitere Unflätigkeiten kann ich mir gerade noch verkneifen. Ich glaube, er ist mir als Prüfung geschickt. War da nicht was mit Schäuble und Offer?

Ich gehe nicht wirklich gut gelaunt mit halbstündiger Verspätung in die Firma. Will gut drauf sein. Gelingt mir aber nicht.

RETTUNG: Ich betrete das Gebäude und laufe schnurstracks zu meinem Brötchenmann, der um diese fortgeschrittene Zeit nur noch einen einzigen Kunden vermisst: Mich! Was denn los sei, will er wissen. Sage ich ihm. Tröstet er mich. Erzähle ich ihm, dass ich da eventuell noch nach Bamberg schreiben könne.

Sagt er doch: Das werden Sie schaffen, so wie Sie Ihre Blogbeiträge formulieren, da kriegen Sie locker das ganze Geld wieder zurück von denen.

Wie soll ich mich da weiter ärgern, wenn mir mein lieber Brötchenmann das Lächeln geradezu auf die Lippen zwingt?

Wer keinen Brötchenmann hat, der sollte sich einen erfinden…

© Ulf Runge, 2010

 

14 Kommentare Gib deinen ab

    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Jürgen,

      herzlichen Dank für Dein „Ich schenke Dir ein Lächeln“ Plakat.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  1. sweetkoffie sagt:

    Lieber Ulf,
    heute werde ich mich SOFORT um einen Brötchenmann küpmmern, ich fürchte, das wird nicht einfach werden… 😉
    LG Sweetkoffie

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  2. Mamü sagt:

    Lieber Ulf,

    wie gut, dass ich nicht Bahn fahren muss. Da sträuben sich mir die Nackenhaare, wie Kunden dort behandelt werden. Ts.
    Glücklich ist, wer in solchen Situationen einen Brötchenmann hat. 🙂
    Du solltest ein Buch mit Brötchenmanngeschichten zusammenstellen. 🙂

    Liebe Grüße,
    Martina

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  3. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    ich mag Deinen Brötchenmann, bestelle ihm liebe Grüße von mir, vielleicht komme ich mal einkaufen , wenn ich in der Nähe bin und Du mir seine Adresse verrätst.
    Ein Lächeln hab ich nun auch im Gesicht und Deine Bahngeschichte….. fast vergessen… sorry
    Danke
    liebe Grüße
    Erika

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  4. Nicole sagt:

    Ach Ulf, dass Du noch immer überrascht werden kannst von der Bahn *kicher*
    Und das ist genau der Grund, warum ich meine Fahrkarten IMMER im Internet kaufe. Kein blödes Gequatsche, kein Warten, und „selbst ist die Frau“ ist immer noch am Besten. Jedenfalls im Zusammenhang mit der Bahn.
    Ich finde allerdings diese Zettelzieherei gut. Weil ich nämlich immer an der falschen Schlange anstand und einmal ZWEI Stunden warten musste, weil so eine [zensiert] sich 93 Verbindungen hat raussuchen lassen, um am Schluss „eventuell“ die erste zu nehmen *inOhnmachtfall*.
    Aber eine schöne Geschichte hast du allemal mal wieder erzählt. Bis bald – im Zug! :o)

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  5. Ulf Runge sagt:

    Liebe Sweetkoffie,

    ich vermute mal, ES KANN NUR EINEN GEBEN.

    Aber mal ehrlich: Ist das ne neue Geschäftsidee?
    GuteLauneBrötchenmann? Oder frau?

    Wo der Verkauf von Lebens- oder Genussmitteln nebensächlich wird zugunsten eines Lächelns? Oder bissigen Kommentars?

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Martina,

    das mit dem Brötchenmannbuch, das ist wahrlich eine geniale Idee.
    Danke. Danke. Danke.

    Eines kann ich Dir versichern. Ich habe noch „Stoff“ zu diesem Thema. 🙂

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    es wird ihn freuen, Grüße bestellt zu bekommen.
    Ich habe zwar seine Handynummer und Adresse.
    Aber ob ich die weitergeben darf?

    Wirft Dich die Bahn mal aus der Bahn,
    erzähl es Deinem Brötchenmann!
    Zieht Dich das Leben einmal runter,
    der Brötchenmann, der macht Dich munter.
    Hast Du Probleme nur zu Hauf,
    dann hilft ein Käsebrötchenkauf!

    🙂

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Nicole,

    woher willst Du wissen, wie das mit der Zettelzieherei funktioniert, wenn Du nur im Internet kaufst? Gibt es dort etwa einen virtuellen Schaltersaal. Bei dem man auch Nummern ziehen muss. Das könnte die Idee für ein neues PC-Spiel sein. Schalter 20ELF. Die Geschenkidee zu Weihnachten.

    Da es bei mir (fast) keine Zensur gibt: Meintest Du „Tussi“?

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Hase sagt:

    Verslein für den Brötchenmann

    Wenn es sonst gar keiner kann
    er kann es: der Brötchenmann
    er bringt den Ulf zum Schmunzeln
    da vergehen im Nu alle Runzeln
    auch wir werden dabei beschenkt
    schön, dass jetzt jeder an Ulf´s
    Brötchenmann denkt
    ich DANKE dafür,dass ich lächeln kann
    dem Ulf und auch dem Brötchenmann ****

    e.m.18.11.2010

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  10. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    mein Brötchenmann ahnt nur die Spitze des Eisbergs.
    Ich werde ihn mit dieser allgemeinen Beliebtheit jetzt endgültig berühren müssen.
    Hoffentlich steigt der Brötchenpreis jetzt nicht…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  11. Nicole sagt:

    Lieber Ulf,
    woher ich von det Zettelzieherei weiß? Zum einen wegen eines ausgefallenen Zuges, der mir Zeit gab, mal wieder den Bahnhof in der Großstadt zu erkunden und zum zweiten, weil Bahn-Gutscheine nur am Schalter einzutauschen sind. 😉
    Herzliche Grüße
    Nicole

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  12. Ulf Runge sagt:

    Liebe Nicole,

    war Dein ausgefallener Zug einfach nur einer, der hübsch außergewöhnlich lackiert war?

    Oder ist der tatsächlich nicht gefahren?

    Liebe Grüße,
    Ulf

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