Figur der Weltliteratur

Leben 621 – Mittwoch, 15.09.10

Ich habe sie ihm schon öfter zugerufen, die Frage, ob er wisse, dass er eine Figur der Weltliteratur sei? Was er dann regelmäßig mit einem freundlichen Lächeln beantwortet.

Nun, diesmal konnte ich es nicht mehr bei dieser Frage belassen. So schritt ich zur tat, druckte sie aus, meine, oder besser, „unsere“ „Falschrum“-Geschichte, umd sie dem verblüfften Herrn in die Hand zu drücken.

Ja, die Rede ist von meinem Brötchenmann.

Das war an einem Freitag Morgen, dass ich ihm den Lesestoff in die Hand gedrückt hatte. Er solle sich den Text mal am Wochenende „antun“.

Samstag. Sonntag.

Montag früh. Ob er mich noch grüßen würde? Ob er mir zukünftig das Bei-ihm-Kunde-sein verweigern würde? Nee, dafür hat er viel zu viel Humor, denke ich mir, als ich – innerlich schon etwas aufgeregt – völlig gelassen und unbefangen einen netten Wochenanfangsgruß entbiete, nach meinem Morgenbrot frage. Stopp!

Bevor ich hier weitererzähle, frage ich zumindest die nicht ganz so junge Bevölkerung, ob sie sich denn noch an Hans-Joachim Kulenkampff und Martin Jente erinnern kann. Beide Herren waren unsterblich komödiant, als sie sich in den Schlussszenen der großen Fernsehsamstagsabendsendungen mit einem Lächeln im Gesicht und messerscharfen Worten auf der Zunge gegenseitig sezierten. Der jungen Leserschaft kann ich leider keinen Clip anempfehlen, das „Netz“ scheint an dieser Stelle blind zu sein.

Dieser mein Brötchenmann, der mich so ernst ansieht, als sei er der leibhaftige Martin Jente, jenteernst, aber keinesfalls unfreundlich, reicht mir regungslos die Tüte, meine Tüte, in der ich mein Frühstück vermute.

Als er sieht, dass ich sehe, dass da was drauf steht auf der Tüte, da bekommt sein Gesicht Mimik, Regung, Leben! Ein verschmitztes Grinsen freut sich diebisch darüber, zu sehen, dass ich lese, was Du liebe Leserin und lieber Leser nun auch lesen darfst:

Und zur Feier des Tages ist das Brot dann auch noch durch eine Plastikhülle gegen Falschrum-Auspacken gesichert.

Was haben wir gelacht an diesem Morgen, mein Brötchenmann und ich!

© Ulf Runge, 2010

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mo sagt:

    * Der jungen Leserschaft kann ich leider keinen Clip anempfehlen, das „Netz“ scheint an dieser Stelle blind zu sein.*

    Ich sehe das nicht so:
    Das Netz ist nicht blind.
    Es ist präsent.

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  2. Lieber Ulf,
    also zunächst hatte ich erst einmal Mitgefühl mit deinem „Brötchen-Mann“, doch jetzt, wo ich lese, dass ihr gelacht habt, bin ich beruhigt … ich hoffe, dass ihr beide herzhaft gelacht habt …
    herzliche Grüße
    Doris

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  3. andrea2110 sagt:

    Lieber Ulf, hach Dein Brötchenmann… er erinnert mich immer an „meinen“ Fensterputzer, viel Lebensweisheit, VIEL Humor und immer eine nettes Wort für jeden… ich würde mal behaupten, er war der beliebteste Mensch in ganz St. Moritz:-) ist das herrlich, was Ihr beiden da miteinander habt… Viel Spass noch dabei… Liebe Grüsse Andrea

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  4. Hase sagt:

    Lieber Ulf,
    das ist ja wirklich sehr schön, wie der Brötchenmann darauf reagiert hat, sein netter Reim ist ja wirklich eine Überraschung und so konntet Ihr beide daraus ein herzhaftes Lachen ernten, zu schön…. Ja bei uns ist es beim Bäcker auch oft nett, die zwei Mädels dort geben sich so viel Mühe und manche Leute sind sooo ungeduldig und ungerecht. Ich habe immer ein Lob auf meinen Lippen, sie sind wirklich immer nett zu mir. Letzte Woche war der Schornsteinfeger bei uns im Haus, er verabschiedete sich mit den Worten :“ Bis nächstes Jahr im September“, mit ihm kann man auch immer nett plaudern. Als ich am Nachmittag beim Bäcker war, war der Schornsteinfeger dort und trank einen Kaffee, er sagte zu der netten Bedienung :“bis morgen wieder“. Da antwortete ich : „Soso, zu mir kommen sie erst nächstes Jahr wieder“. Wir haben alle gelacht…..
    Jetzt musste ich das einfach erzählen, weil Du mich nochmal dran erinnert hast.
    Liebe Grüße
    Erika

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  5. Elisabeth sagt:

    Lieber Ulf,
    wirklich eine schöne Überraschung! Wenn auch die Brote nicht mehr ganz frisch waren… oder doch? Vielleicht gerade wegen der Folie? 🙂
    Herzliche Grüße von Elisabeth

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Doris,

    das war bestimmt nicht die letzte Folge mit meinem Brötchenmann. 😀

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    schön, dass diese angenehmen Erinnerungen an Deinen Fensterputzer hochkommen.
    So kann jede und jeder von uns für andere ein kleiner Sonnenschein sein.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    es ist so leicht, ein Lächeln und Lachen in das Gesicht anderer Menschen zu zaubern, wenn man aufmerksam, achtsam, interessiert und wertschätzend miteinander umgeht.
    Hast Du prima gemacht!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Elisabeth,

    war alles total frisch. Das wird alles live geschnitten, gestrichen und belegt.
    Wie in einem Schau-Restaurant… 🙂

    Liebe Grüße,
    Ulf

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