Falschrum

am
Leben 612 – Mittwoch, 18.08.10

Mein Brötchenmann, zu dessen Pappenheimern, die er kennt, ich mich zählen darf, hat am frühen Morgen, wenn fast noch niemand zur Arbeit kommen will und er folgerichtig fast ganz alleine ist mit sich, seinem Kühlschrank und seiner Verkaufstheke, dann hat er, mein Brötchenmann, schon eine Idee davon, welche Brötchen und Brote, mannigfaltig belegt mit Wurst und Käse oder was auch immer er denn im Laufe des Morgens verkaufen wird.

Kundenorientiert, fleißig und clever, wie er ist, beginnt er, insbesondere um Warteschlangen zu vermeiden, für nämlich den Augenblick, wenn alle auf einmal eintrudeln, die Jugend des grauenden Tages zu nutzen, indem er die angedachte Ware zu schneiden, bestreichen, schnippeln, belegen, zusammenzuklappen und schließlich in eine Tüte zu verpacken beginnt.

In eine Papiertüte.

Nicht, ohne sein Kunstwerk vorher auf einen dünnen Pappunterteller gelegt zu haben.

Du kommst also zur Hauptandrangszeit, bestellst artig (D)ein ich sag mal belegtes Käsebrot, der Herr Brötchenmann nickt, lächelt, bisweilen grinst er sogar, öffnet den Kühlschrank und gibt Dir stolz wie Oskar Dein bereits in aller Frühe zubereitetes Früh-Stück, jetzt wissen wir auch, warum es so heißt. Während fairerweise parallel dazu Münzen, bisweilen auch gewechselt werden wollende Scheine, den Besitzer wechseln.

Hier ist erstens anzumerken, dass der pfiffige Kleinunternehmer während der Fußball-WM das Interesse, über die eventuell hieraus resultierende Umsatz- oder gar Gewinnsteigerung weiß ich nichts, also das Interesse an seinem Angebot dadurch gesteiert hat, indem er clever, wie er ist, Tüten verwendet hat, die den Spielplan der Mannschaften von der Vorrunde bis ins Finale dargestellt haben. Ein besonderer Service allerdings wäre das handschriftliche Eintragen der bisherigen Spielergebnisse auf die Tüten gewesen, bevor sie ihrer Verwendung als Gebrauchsgegenstand zugeführt worden wären. Dann hätte man sich zum Frühstück bestens informiert gefühlt. Aber wir wollen mal nicht klagen. Besser geht immer. Und vielleicht macht er’s ja schon zur Frauen-WM. Wenigstens für mich.

Was dem Schreiber dieses Artikels allerdings erst während des Betrachtens der spielplanbedruckten Tüten auffiel, war der Umstand oder vielmehr die Tatsache, dass der Brötchenmann falschrum einpackt! Jawoll!

Monatelang hatte sich der Brötchenmannkunde darüber gewundert, dass er zu doof ist, ein papiertüteneingepacktes Brötchen richtig auszupacken. Was heißt denn das, „ein Brötchen falsch auspacken“?

Es gibt die Variante, dass Du die Tüte öffnest und das Brötchen folgt der Gravitationskraft, plumpst also zu Teppichboden. Lecker. Nein. Ist ihm, dem Berichterstatter bisher keinmal passiert.

Die zweite Variante ist lustiger. Er, der Brötchenessenwoller, legt die Tüte auf den Tisch, öffnet selbige an der dafür vorgesehen Öffnung, das ist die, die man früher in den Mund gesteckt hat, um die dann bis auf wenige verbliebene Krümel leere Tüte aufzublasen, und dann dummerjungenweise mit einem lauten Knall zu zerklatschen, was dann unvermeidbar zu einer ziemlichen Krümelschweinerei am Boden geführt hat, fangen wir diesen Satz noch einmal an. Der hungrige Kunden legt also die gefüllte Tüte ordnungsgemäß auf den Tisch, öffnet selbige an der deswegen auch so genannten Öffnung, und der erste Blick fällt nicht auf das erwartete Brötchen, das nämlich unfreiwillig auf dem Boden liegt. Und der Pappdeckel freut sich, dass er ausnahmsweise mal oben .… – nein, keine Zoten in diesem Beitrag!

Wobei: Bei mir gibt es KEIN ausnahmsweise. Der Pappdeckel liegt immer falsch!!! Was am Brötchenmann liegt. Liegen muss! Tag um Tag merke ich das immer mehrer.

Freitag vergangener Woche fasste ich mir ein Herz und wagte, mich ganz lieb und leise bei zu beschweren. Dass ich fast ein geschlagenes Jahr gebraucht hätte, um zu merken, dass es nicht an mir liegt, dass die Brötchen auf dem Rücken liegen würden, in der Tüte. Unter dem Pappedeckel. Er, und das müsse ich ihm jetzt leider sagen, er sei es. Er packe die Dinger falsch ein.

Ob ich wisse, dass heute der Tag der Linkshänder sei. Nein, nicht wirklich, entgegne ich. Um dann noch zu ergänzen, dass für die Rechtshänder in Ermangelung genügender Tage im Jahr bestimmt keinen ihnen gewidmeten Tag gebe. Ich häbe heute nichts zu feiern, da ich Rechtshänder sei.

Und, weil Mann, Linksdenker.

Wenn er schon falsch einpacke und mich das störe, holt mein Brötchenmann zum finalen Gedankenschluss aus, wäre es denn da nicht sinnvoll, wenn ich mal darüber nachdächte, zumal ich ja Linksdenker sei, die Brötchentüten einfach falschrum aufzumachen?

© Ulf Runge, 2010

27 Kommentare Gib deinen ab

  1. andrea2110 sagt:

    Lieber Ulf, es gibt einen Tag für Linkshänder??? Wieder was gelernt – vom Brötchenmann, diesem Philosophen, der nennt sich bestimmt Sokrates und hat auch schon mal an einer Tankstelle gearbeitet:-) (Dan Millman, Der Pfad des friedvollen Kriegers)…Wenn das so weitergeht, dann komm ich wirklich eines Tages und beobachte Deinen wunderbaren Brötchenmann den ganzen Tag lang… Liebe Grüsse Andrea

    p.s falls er mal ein Buch schreiben will über seine Erlebnisse- bitte schreib DU es als sein Ghostwriter, Ihr beiden zusammen – was für ein Team:-)

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  2. Lieber Ulf,
    also die Idee war doch nun wirklich sehr pfiffig … du stellst aber auch Ansprüche … über die richtige Einlagerung von belegten Brötchen habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, da ich solche nur höchst selten kaufe und vertilge … doch es amsüsiert mich sehr … und wenn ich mir dennächst einmal ein belegtes Brötchen kaufe, dann weiß ich ja jetz, wie ich es auspacken muss …
    herzliche Grüße
    Doris

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  3. Mo sagt:

    @andrea2110:
    Ein mutiger Kommentar.

    @Doris:
    Der Ulf hat Ansprüche?
    Es ist mir nicht gegeben, diese zu erkennen.
    😛

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  4. Mo sagt:

    Lieber Ulf,
    ich finde Deinen Artikel unübersichtlich.
    Du beschäftigst Dich mit einem „Brötchenmann“.
    Ich kann das nicht nachvollziehen.
    Lieber Ulf: Ich will nicht schreiben, „die Welt geht unter“ , aber die Menschen fragen sich:
    Was geht ab in der Welt?
    Ich vermisse eine eindeutige Stellungnahme der Anteilnahme Deinerseits.

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  5. aprikose sagt:

    lmo: es muss auch jemanden geben, der sich mit diesen aspekten des lebens befasst. genau das macht ihn so sympathisch 😉
    (wäre er linkshänder, hätte ich eine andere erklärung, da ich mich in meinem leben bisher ausschliesslich in linkshänder verliebt habe – komischer zufall!)

    lieber ulf,
    endlich finde ich wieder die zeit, zu lesen – und du weisst, wie gerne ich bei dir lese.
    ich persönlich mache das mit den brötchen aber so, indem ich bei wahlweise brötchenmann oder -frau einkaufe, bei welchen das keine rolle spielt, weil das brötchen komplett eingerollt ist und keinerlei pappgeschirr dazu ist. und da ich ein kleiner vielfrass bin, ist das brötchen ein bröguette und passt damit ohnehin nur längs hinein 😉

    liebe grüsse,
    aprikose

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  6. Jürgen sagt:

    Hallo Ulf, bin heute durch einen glücklich Zufall auf Deinen Beitrag gekommen (link von Hartmut). Ich kenne unseren Brötchenmann gut und habe immer wieder Spaß in der WM (leider wurde ich umquartiert, so dass ich nur noch gelegentlich in den Genuss seiner Frühstückchen und launischen Kommentare komme). Tatsache ist aber, dass ich als Linkshänder und Querdenker noch nie ein Problem mit der Tüte und dem Pappuntersatz hatte. Vielleicht sind sich der Brötchenmann und ich viel ähnlicher als ich dachte? 😉
    Grüße, Jürgen

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    ich werde ihm von Deiner Vermutung mit dem Tankstellenwart erzählen.
    Irgendwie bist Du gar nicht weit weg mit Deiner Vermutung…
    Ich werde ihn fragen, ob er Lust hat, seine Begebenheiten eines nahen Tages in Schriftform in der Hand halten zu dürfen…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Doris,

    bist Du sicher, dass jetzt wirklich weißt, wie Du so ein Brötchen auspacken musst?
    Es gibt die Richtigrumeinpacker. Und die Falschrumeinpacker.

    Und die Richtigrumauspacker. Und die Falschrumauspacker.

    Jetzt Du!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    ich freue mich immer über Kommentare, die sich wohlwollend und wertschätzend mit meinen Beiträgen und den Kommentaren meiner Leserinnen und Leser auseinandersetzen. Auch Kritik ist willkommen, besonders dann, wenn sie begründet wird, damit man sie nachvollziehen kann.

    Ich finde es auch besonders schön, wenn sich KommentatorInnen mit Ihrer ganzen Person und dem von ihnen Erlebten und Gefühlten hier einbringen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  10. Jürgen sagt:

    Vielleicht ist es ja auch ein liebeR Mo, wer weiß? Steht wahrscheinlich für „Moderator“ und ist nur ein raffinierter Trick von Dir, den Blog noch spannender zu machen. Ich zum Beispiel komme eigentlich nur noch vorbei, weil ich neugierig bin, was Mo wieder vom Stapel gelassen hat 😉

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  11. Lieber Ulf,
    nee … jetzt bin ich mir gar nicht mehr sicher … Richtig-rum-Packer … Falsch-rum-Packer … am besten ich kaufe mir gar kein eingepacktes Brötchen, dann kann ich auch nicht richtg oder falsch „aus-packen“ … und JETZT DU !
    Liebe Grüße
    Doris

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  12. Ulf Runge sagt:

    Liebe aprikose,

    danke für die Blumen.
    Ich lese ebenso gerne bei Dir, komme aber gerade nicht dazu. Ich werde Deine Geschichte bestimmt demnächst „am Stück“ verschlingen. 🙂
    Bröguette, ist diese Wortschöpfung von Dir? Wunderschön!
    Im Französischen wird das dann bestimmt Breuguette geschrieben… 🙂

    Pappteller: Du meinst, ich sollte bei meinem Brötchenmann frühstücken.
    Ich glaube, da müsste jeden Tag der Notarzt kommen bei den vielen Bon-mots, die wir uns dann zuriefen…

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Gefällt mir

  13. Ulf Runge sagt:

    Lieber Jürgen,

    vielleicht musst Du mich auf Linksdenker und Querhänder umschulen! 🙂
    Ich freue mich, dass es Dir mit seinen „launischen“ Kommentaren ebenso geht wie mir: man kann süchtig danach werden.

    Wenn Ihr beide einander „in einem gewissen“ Sinn ähnlich seit,
    dann wüsste ich schon jemand für die Urlaubsvertretung unseres Brötchenmannes…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  14. Ulf Runge sagt:

    Lieber Jürgen,

    jetzt bin also enttarnt. Grummel. 🙂
    Ich habe mir bisher ein einziges Mal erlaubt, einen gefaketen Kommentar hier zu Wort kommen zu lassen. Der hieß glaube ich auch Jürgen.

    Bist Du sicher, dass es Dich wirklich gibt?

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Gefällt mir

  15. Ulf Runge sagt:

    Liebe Doris,

    ich fasse noch mal kurz zusammen:

    Es gibt zwei Möglichkeiten, ein papptellerbeinhaltendes Brötchen aus einer Papiertüte auszupacken.

    Richtigrum.
    Falschrum.
    Oder gar nicht.

    Es gibt zwei Arten von Menschen:
    Richtigrumauspacker.
    Falschrumauspacker.
    Garnichtauspacker.

    Gibt 2×2=4 Möglichkeiten. Oder so.

    Jetzt Du!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  16. Lieber Ulf,
    das wird mir jetzt aber viel zu mathematisch … weißt du, ich habe zwar keine roten Zöpfe, nee, ich bin „blond“ … doch ich handle nach dem Pippi-Langstrumpf- Prinzip … widde wid bum bum … und packe aus, wie es mir gefällt …
    lachende „1 x 1“ Grüße … tralla li tralla hopsasa …
    Doris

    P.S. Für dich: http://www.youtube.com/watch?v=nS_vEQihmww

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  17. Jürgen sagt:

    Ulf Runge :
    Bist Du sicher, dass es Dich wirklich gibt?

    Was für eine philosophische und tiefschürfende Frage, lieber Ulf. Gibt es mICH wirklich? Und wer oder was ist dieses ICH jenseits aller Worte, Begriffe und Beschreibungen, und auch jenseits von allem, was andere über mich denken und was ich selbst über mich denke? ICH BIN. Das ist alles, was ich zu wissen glaube. Muss ich überhaupt mehr wissen? Kann ich überhaupt etwas sicher wissen? Oder kann ich vielleicht sogar in jedem Augenblick selbst wählen, wer oder was ich sein möchte und es dann einfach auch SEIN?

    ICH BIN dann mal weg, um mich selbst (neu) zu erschaffen. Bis bald,
    Jürgen (aka DER ICH BIN)

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  18. Mo sagt:

    Also ich lese hier weiter..

    Gefällt mir

  19. Jürgen sagt:

    Mo :
    Also ich lese hier weiter..

    Das freut mich sehr.

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  20. Ulf Runge sagt:

    Liebe Doris,

    danke für diesen schönen Ausflug ins Reich der Pippisien (Steigerung von Fantasien).

    Schmunzelnde Grüße,
    Ulf

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  21. Ulf Runge sagt:

    Lieber Jürgen,

    ein schöne Reflexion.
    Schön wäre noch die Beantwortung der Frage, ob Du nur durch Dich selber „sein“ kannst, oder ob Du erst dann „bist“, wenn Du auch wahrgenommen wirst…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  22. Jürgen sagt:

    Im tiefen Wald. Ein Baum fällt um.
    Niemand sieht oder hört ihn. Fällt er dann trotzdem um?
    Na klar!

    Ganz davon abgesehen, wird alles immer von irgendetwas wahrgenommen, weil im Universum alles mit allem verbunden ist. Du glaubst gar nicht, wie viele Millionen Augen Dich ansehen, wenn Du „allein“ durch die Natur gehst. Dann gibt es in mir ein beobachtendes Bewusstsein – Du kannst es Seele nennen, wenn Du magst – das immer mitbekommt, was ich gerade denke, fühle, sage und tue. Und letztlich ist da noch dieses übergreifende Bewusstsein – Du kannst es Gott nennen, wenn Du magst – das allgegenwärtig ist und das sich nicht einmal von unseren Masken täuschen lässt.

    Liebe Grüße,
    Jürgen

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  23. Ulf Runge sagt:

    Lieber Jürgen,

    zum Baum: könnte es sein, dass der nicht – von mir – beim Umfallen wahrgenommene Baum sich erst dann ans Umfallen macht, wenn ich ihn angucke. So kurz vorher, sag ich mal. Schlecht natürlich, wenn Du ihn schon Tage vorher dabei beobachtet hast.

    Und damit der umfallende Baum nicht in so eine Erklärungsnot kommt, hat sich das schöpferische, das göttliche Bewusstsein die komplette Wesens- und Dingvernetzung ausgedacht.

    Interessant finde ich an Deinem schönen Beispiel das Attrbut beobachtend für die Seele. Bist Du der Meinung, dass Seele etwas Resorbierendes ist, ohne selber gestaltend zu wirken, ohne etwa auf unsere Gedanken Einfluss zu nehmen?

    Möglicherweise hast Du „beobachtend“ auch nur für dieses Beispiel der Seele zugedacht.

    Da bin ich richtig gespannt, wie Deine Einschätzung ist.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  24. Jürgen sagt:

    Lieber Ulf,

    wenn wir der Quantenphysik glauben – und ich für meinen Teil tue das -, dann beeinflussen wir die Dinge schon allein dadurch, dass wir sie beobachten. Und dass wir zu unterschiedlichen Zeiten das scheinbar gleiche Ereignis beobachten können, ist ganz leicht zu erklären. Stelle Dir das Universum oder das Leben oder das Sein oder das Alles-was-ist einmal als unendliches, grenzen- und zeitloses Computerspiel vor. Alles ist bereits vorhanden. Und es hängt von unseren Entscheidungen ab, welche Wirklichkeit davon wir erleben werden. Es kommt auch darauf an, wann wir das Spiel beginnen und welchen Level wir bereits erreicht haben. In dem Spiel gibt es also eine Scene, in der unser Held einen umfallenden Baum erblickt. Diese Scene ist für alle Zeiten programmiert. Und jedes Mal, wenn ein Spieler es über unzählige Abenteuer und Hindernisse hinweg geschafft hat, zu diesem Teil des Spiels vorzudringen, wird er genau das erleben, was schon viele vor ihm erlebt haben und noch viele nach ihm erleben werden.

    Wenn Du Fantasie hast – und die hast Du ja -, dann kannst Du das Ganze auch noch weiterspinnen. Stelle Dir vor, all das läuft auch noch parallel ab und mit jeder Entscheidung teilt sich das, was „Du“ bist, in unendliche „Du’s“. Und jeder dieser vielen Ulfs erlebt dann eine andere Möglichkeit in seinem ganz privaten Universum. Der eine hat sich vielleicht entschieden, einen neuen Baum zu pflanzen. Der andere schnitzt sich aus dem umgefallenen Baum ein Kanu, um über den reißenden Fluss zu kommen. Der dritte Ulf baut daraus eine Wippe für seine Kinder. Und der vierte errichtet ein Blockhaus und hört auf mit der ewigen Abenteurerei.

    Was die Seele betrifft, sage ich immer: „Die Seele ist der Boss.“ Sie ist der Teil in uns, der wirklich erlebt, fühlt und lernt – und die das Erlebte, Gefühlte und Erlernte auch mitnehmen kann, wenn sie ihr Werkzeug einmal ablegt. Doch Du kennst das vielleicht aus Deinem IT-Job. Der Boss hat ein festes Unternehmensziel festgesetzt, einen genauen Businessplan erstellt und auch die entsprechenden Anweisungen gegeben. Laufend schickt er neue Memos raus. Und was machen die lieben Mitarbeiter? Oft einfach nur das, was sie wollen. Am besten, ohne sich allzuviel anzustrengen. Die Ziele des Chefs sind ja ganz nett – die kann er ja gerne auf der Firmenwebsite veröffentlichen – aber der Genuss und die Plauderei mit dem Kollegen sind doch viel angenehmer. In stundenlangen Mitarbeitergesprächen (innere Stimme) versucht der Chef, sein Team auf Kurs zu bringen. Oft vergeblich. Dann wird sein Ton schärfer und er pflaumt seine Leute auch schon mal an (schlechte Gefühle, Unwohlsein), bis er sich gezwungen sieht, die erste Abmahnung zu schreiben (Krankheit, Schwierigkeiten). Die meisten Mitarbeiter werden jetzt wach. Doch einige sind unbelehrbar und dürfen sich einen neuen Arbeitgeber (ein neues Leben) suchen. Und da jedes Bild hinkt, passt es auch hier nicht mehr, weil ja Boss und Mitarbeiter und Unternehmen alles EINS sind.

    So, das war das Wort zum Sonntag. Jetzt aber genug davon. Erfreue uns lieber wieder mit einer Deiner schönen Geschichten.

    Liebe Grüße,
    Jürgen

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  25. Ulf Runge sagt:

    Lieber Jürgen,

    danke Dir für die Zeit, die Dir genommen hast, dieses schöne Beispiel real existierender Möglichkeiten zu beschreiben.

    Um Dein Bild zu ergänzen. Wir sind gleichzeitig die Spieler vor dem Computer und auch die Gespieltwerdenden im Computer. Und ebenso diejenigen, die parallel dazu das Spiel „im laufenden Betrieb“ weiterentwickeln.

    Um Dein Beispiel aus der Arbeitswelt zu ergänzen: Unser Leben verläuft „glücklich“, wenn es der Seele gelingt, alle unsere Bereiche zu motivieren, auf dass sie mit unbeschränkter Liebe und stetiger Disziplin sowie mit immer wieder neuer Kreativität für das gemeinsame Ziel unterwegs sind.

    Was aus einer Brötchenmanngeschichte alles werden kann…

    Herzlichen Dank und liebe Grüße,
    die baumpflanzenden, holzschnitzenden, wippebauenden und blockhauserrichtenden Ulfs

    P.S. Und auch vom geschichtenschreibenden Ulf 🙂

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  26. Jürgen sagt:

    Lieber Ulf,

    danke für die genialen Ergänzungen. Sie sind wirklich sehr treffend. Es tut gut, jemanden zu kennen, der meinen teilweise etwas gewöhnungsbedürftigen Gedanken nicht nur folgen, sondern sogar meine Perspektive noch erweitern kann. Super!

    Übrigens: Auch wenn wir es kaum glauben können, weil wir solche Worte wie „Blasphemie“ gelernt haben – wir sind sogar die Entwickler dieses Spiels (oder – wem das zu groß ist – wenigstens ein Teil davon).

    Zweites Übrigens: Dass das mit der Motivation funktionieren kann, erlebe ich gerade im Mitgliederforum des „Ziele Erreichen Programms“ von André Loibl. Innerhalb kürzester Zeit hat sich da schon ein echtes Team gebildet, das sich wirklich gegenseitig unterstützt und ermutigt. Und das, obwohl jeder „angeblich“ ein anderes Ziel verfolgt.

    So, und jetzt schaue ich mir Deinen neuen Beitrag Spätsommerabend-Irgendwas an.

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  27. Ulf Runge sagt:

    Lieber Jürgen,

    danke, ja es ist schön, auf gleicher Wellenlänge unterwegs zu sein.
    Für André Loibl bin ich noch nicht „weit“ genug, interessant, dass sowohl Du als auch Eugen Simon ihn so intensiv „promoten“.
    Das ist ausschließlich positiv gemeint, und es ist schon interessant, wie auch wieder unterschiedlich eingeschlagene Wege sich kreuzen, um nicht zu sagen, sich zu einem breiten, gemeinsamen Weg zusammenfinden.

    Sein Angebot, die Videos als mp3 herunterladen, werde ich gerne annehmen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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