Blau-Pause

am
Leben 594 – Freitag, 09.07.10

Er könne doch unmöglich zur Tagesordnung schreiten und, sagen wir mal, etwa eine Artikel übers Bahnfahren schreiben, meinte Egon zu Hugo, nachdem dieser selbigem gegenüber geäußert hatte, dass er zum einen bedauere, dass kein Wort für schriftliches Schweigen gebe, und dass er genau dieses schriftliche Schweigen, das Nichtschreiben in seinem eigenen Blog, dass er das also beenden wolle.

Hugo war sichtlich überrascht über Egons Einwurf, hatte er doch endlich mal wieder Stoff übers Bahnfahren, den er zu Blatte und Blogge bringen wollte.

„Du meinst, ich müsse mich erklären, ober besser, meine Pause erklären, die sich nun schon ewig anfühlende Zeit des Wartens auf den nächsten Beitrag?“ Hugo wollte sich nicht erklären. Ob er Gründe für seine Pause gehabt habe, oder einfach nur blau gemacht habe, what shall’s?

„Warum schreibst Du nicht, dass Du lieber Fußball geguckt hast, statt Dich abends auf den Allerwertesten zu setzen und Blogpflege zu betreiben?“

„Weil das ja nicht so zutrifft, nicht so ganz, nur ein bisschen, ein winziges bisschen“ gab Hugo zu bedenken.

„Warum bist Du nicht so ehrlich, und sagst, dass Dir anderes wichtiger war? Dass Du Dir selber wichtiger warst. Dass Du …“ wollte Egon fahrtfahren, als Hugo ihm ins Wort fiel.

„Nee, das interessiert niemanden. Das geht niemanden was an. Soll ich wirklich schreiben, dass ich leer war im Kopf? Dass ich in meinem Universum Getriebener statt Treibender war? Geht doch allen irgendwann mal so. Nee, das behalte ich mal schön für mich.“

„Du könntest doch schreiben, dass Du eine Zeit der Reifung gebraucht hast, und die sie jetzt vorbei“ grinst Egon ihn an.

Wütend schleuderte Hugo zurück: „Soooon Quatsch!“ Ich schreib jetzt noch ne Fußball-Story, und dann die Bahn-Story und dann, ja dann schreibe ich hoffentlich auch den Anfang einer Mehrteilergeschichte, die ganz tief damit zu tun hat, warum ich Hugo, der anonyme Blogger geworden bin.

Sprach’s. Und machte sich an die Arbeit.

© Ulf Runge, 2010

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jürgen sagt:

    Lieber Hugo,

    gib’s doch einfach zu. Bei den zurzeit herrschenden Temperaturen ist Deine Tastatur geschmolzen und sieht nun aus wie ein Gemälde von Salvador Dalí. Und auch die Bits und Bytes wollen einfach nur unter einer alten Sommerlinde im Schatten liegen und ihre 0 bis 1 Bein(e) in den munter vor sich hin plätschernden Bach baumeln lassen. Wenn es wieder kühler wird, werden sich aus dem trägen und zähen Datensirup bestimmt wieder kristallklare Gedanken formen, so wie sich aus einem erkaltenden Lavastrom wunderschöne Basaltfelsen bilden. Doch momentan will alles nur davonfließen. Stimmt’s oder hab‘ ich recht?

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  2. Mo sagt:

    Ich könnte mich jetzt auf das Bild konzentrieren..
    mache ich auch 😉

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  3. Ulf Runge sagt:

    Lieber Jürgen,

    das ist wahrlich ein schöner Vergleich, meine geschmolzene Tastatur und Dalis Uhren.
    Ja, Du hast recht und ich rufe Dir in schönstem Altgriechisch zu: Panta rei, will heißen, alles fließt…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    das freut mich sehr!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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