Hajo und Martin

am
Leben 582 – Dienstag, 18.05.10

Hugo war stolz. Hatte er doch einen Kuchen gebacken. Für die Kollegen. Den Kuchentransportbehälter in der linken Hand, den Ausweis in der rechten, betrat er das Gebäude, kämpfte sich die Stufen ins nächsthöhere Stockwerk empor und wurde vom Brötchenmann freudigen Blickes empfangen, anlässlich des erfolgreichen Einstiegs in eine neue Woche.

Nachdem sie sich die üblichen Nettigkeiten ausgetauscht hatten, etwa, dass der Brötchenmann es ja wohl nicht nötig gehabt habe, am Brückentag seinen Service anzubieten, Brötchmann müsse man sein, wünschten sie sich noch einen schönen Tag, lächelten einander zu, ohne dass wirklich ernsthafte Verletzungen erkennbar gewesen wären.

Nun hatte Hugo am Wochenende nicht nur einen (nachträglichen) Geburtstagskuchen gebacken, sondern nach gleicher Rezeptur einen weiteren, den er am darauffolgenden Tage einstandshalber im neuen Projekt kredenzen wollte.

So stieg er also am folgenden Tag erneut mit einem anderen Kuchentransporttransportbehälter die Stufen hinauf zum Brötchenmann, der sich nach Erbringung der vereinbarten Standarddienstleistung, nämlich der Bereitstellung eines taggleich zubereiteten Camembert-Brötchens, dann doch zu den Worten: „Was ist hier den los?“ hinreißen ließ.

„Wie, was soll hier los sein?“ meinte Hugo, Böses ahnend.

„Gestern Kuchen, heute Kuchen? Ist das womöglich ein Angriff auf meine Kleinstunternehmerexistenz? Schließlich ist ja jedes hier ins Haus hineingeschmuggelte Käsekuchenstückchen gleichbedeutend mit einem nicht gegessenen Camembert-Brötchen!“

„Sorry, aber das musste sein. Ein Kuchen zum fast schon verjährten Geburtstag. Und ein Kuchen für die neuen Kollegen!“

„Geburtstag und Einstand! Beides in ihrem Alter noch? Hätt‘ ich jetzt nicht gedacht!“

Und sie wünschten einander erneut einen schönen Tag.

Während Hugo sich in diesem Augenblick unvermutet, aber gerne an Hans-Joachim Kulenkampff zurückerinnerte, kamen dem Brötchenmann ganz andere Gedanken. Er musste an Martin Jente denken…

Und beide freuten sich irgendwie auf morgen.

© Ulf Runge, 2010

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