Was bleibt

Leben 579 – Dienstag, 04.05.10


Er setzte sich auf die Bank, schloss die Augen und lauschte dem Singen der Vögel. Ließ sich streicheln und wärmen von den Strahlen der kräftiger scheinenden Frühlingssonne, und spürte einen Anflug von kaltem Schauer, den er einer vermuteten Wolke zuschrieb.

Als er die Augen wieder öffnete, schaute ihn eine ältere Dame an, ihren Schatten auf ihn werfend, mit leichtem Vorwurf in ihrer Miene, fragend, ungläubig, wie er denn hier sitzen könne, mit einem Lächeln im Gesicht, so vergnügt, so zuversichtlich.

„Was mir genommen, ist mir genommen. Nun ist es auf eine andere Weise da, bleibt da und kann mir nicht noch einmal genommen werden.“

Um dann fortzufahren:

„Hier war sie gerne. Genoss die Schönheit der Anlage. Das Grün. Die vielen Blumen und Beete. Das Zwitschern. Den hektischen Lauf der Eichhörnchen. Das war ihr Friedhof. Das ist ihr Friedhof. Das bleibt ihr Friedhof…“

© Ulf Runge, 2010