Hugo

am
Leben 570 – Hugoblog 1 – Dienstag, 13.04.10

Nicht dass er des Schreibens überdrüssig gewesen wäre, und schon gar nicht des Bloggens, aber da waren Grenzen, Beschränkungen, die zu überschreiten nicht angemessen gewesen wäre. Aus Rücksicht. Auf ihn selber. Auf andere. Auf Tabus.

Da war etwas, was ihn schon immer gereizt hatte, nämlich die Chancen der Anonymität. Wer anonym ist, darf dreister sein. Was nicht heißt, dass das ein Freibrief für Geschmacklosigkeit ist. Oder für Illegalität. Beileibe.

Anonym schreiben, so hatte er sich immer schon vorgestellt, bedeutet, endlich auch über Themen schreiben können, die ihm im Kopf rumgingen, zu denen er sich gerne geäußert hätte. Nun, da er schon länger als er selbst im Netz unterwegs war, wollte er sich eine Brücke bauen in vermutete, geahnte, letztendlich aber noch unbekannte Sphären der Phantasie.

Phantasie. Genau. Die war jetzt gefragt. Wie sollte er sich nennen? Sollte er überhaupt als maskulin erkennbar sein? Etwa das Geschlecht wechseln? Oder als Neutrum unterwegs sein? Der/die/das mit allgeschlechtlichen Schrägstrichen würde schreiben müssen mit dem Risiko, dass die 7er-Taste auf seinem Keyboard als erste schlappmacht. Nee, nee, nee.

Also, welcher Vorname? Auf einen Besuch der gängigen Internetseiten für die beliebtesten Babynamen verzichtete er kategorisch, diesen Schuh wollte er sich nicht anziehen.

Er hatte mal einen Programmierer bei der Arbeit beobachtet. Sie saßen im gleichen Büro. Fünfzehn geschlagene Minuten lang stierte sein Gegenüber aus dem Fenster, regunglos, scheintot, um dann mit einem Ruck Arbeitshaltung einzunehmen und in der folgenden halben Stunden die arme Tastatur zu traktieren. Maschinengewehrsalvengleich hämmerten dessen knochige Finger auf dem wehrlosen Ding, zerschnitten die Luft in kakophone Mäandern, um dann seine Hämmer und Ambosse zu qualvollem Tschingderassabumm anzutreiben. Und dann: Ruhe! Sadistische Stille! Eine Stille, die das glückliche Gesicht des Programmers in wenigen Minuten in unverständliche Leichenblässe tauchte.

Was denn sei, wollte er von dem Programmierer wissen?

„Das Problem habe ich verstanden. Ich habe eine Lösung. Und ich habe die Lösung soeben programmiert. Ich glaube sogar, dass mein Programm funktioniert. Das wird sich nachher beim Test beweisen. Nur eines fällt mir nicht ein: Wie zum Teufel soll ich mein Programm NENNEN? Wie soll es HEIßEN? Ich muss ihm einen Namen geben, bevor ich es abspeichere!“

Und so entstand HUGO. Nichts gegen Hugo. Er kann nichts dafür. Alle Hugos können nichts dafür. Kein Hugo kann was dafür. Auch die Emils nicht. Weil, die sind nach Hugo dran. Wenn Hugo schon existiert, dann nehmen die Programmierer Emil.

Hugoblog? Sollte er seinen Blog Hugoblog nennen?

Anno Nuehm schied von vornherein aus. Das wäre ihm zu plagiativ gewesen wegen Anna Nuehm.

Hugoblog. Die Idee kreiste. Bevor er nun Ernst machen wollte, beschloss er, noch einmal eine Nacht (oder zwei) drüber zu schlafen.

Fortsetzung? Folgt. Vielleicht. Vielleicht im Hugoblog.

© Hugo, 2010

© Ulf Runge, 2010

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mamü sagt:

    Lieber Ulf,

    ich habe auch schon mal irgendwas oder -wen Hugo genannt. *grübel* Will mir nur nicht einfallen was. Hmmm…
    Hugo gefällt mir jedenfalls. Hugoblog klingt gut. 🙂
    Allerdings anonym? Hmmm… Anonym mit Ankündigung? Seltsam. 😯

    Mir fiele da noch John Doe ein. 😀

    Liebe Grüße,
    Martina

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  2. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, schön dass Du wieder da bist… Deine Worte lesen sich so spannend, dass ich natürlich sofort wissen möchte, wie es ausgeht. Ich häng mich an Martina’s Einwand dran, anonym mit Ankündigung? Da bin ich aber mal sehr gespannt drauf:-) Herzliche Grüsse Andrea

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  3. Ulf Runge sagt:

    Liebe Martina,

    Wikipedia weiß zu berichten, dass das Schweizer Militär gerne vom Rekruten Hülsensack spricht…

    Anonym mit Ankündigung? Ja! Lass Dich überraschen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    ja ein bisschen spannend soll es schon sein.. 🙂

    Ich freue mich auch, wieder da zu sein.
    Jetzt muss es nur noch schaffen, mal wieder bei Euch allen vorbeizuschauen.
    Ihr habt ja alle keine Pause gemacht.

    Ihr seid alle wie New York. A city that never sleeps. Ein Netz, dass niemals aufhört zu pulsieren…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. Elisabeth sagt:

    Lieber Ulf,
    ob Hugo oder Ernst – ich bleib dran und freu mich, von dir zu lesen! Immer wieder! 🙂 Und gleich unter welchem Namen 🙂
    Bis bald – herzliche Sonnengrüße von Elisabeth

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Elisabeth,

      danke für diese Leseliebeserklärung an Hugo, Emil, Ernst und Spaß!

      Liebe Grüße,
      Ulf

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