Tunnelhorch

am
Leben 563 – Montag, 15.03.10

Die Annäherung an das heutige Thema bedarf eines kleinen Exkurses, will sagen, dass wir mal beim Tunnelblick anfangen wollen. Der ja wohl ein Männern angeborenes Attribut ist. Ich behaupte mal, dass es da ein weiteres, ähnlich gelagertes Phänomen gibt, das übrigens noch nicht mit einem geschlechtsspezifischem Vorurteil belegt ist, weil bisher nicht Gegenstand der öffentlichen Diskussion: Der Tunnelhorch!

Stell Dir vor, Du stehst an der Kasse, zahlst bar, mit Schein, und Dein kassierendes Gegenüber öffnet den Mund. Welches Wort muss kommen? Irgendwas mit „klein“. Etwa: „Haben Sie es etwas kleiner?“ Oder: „Haben Sie vielleicht etwas Kleingeld?“ Aber auch: „Ich schlag Dich kurz und klein!“ Hauptsache „klein“! Wenn „klein“ kommt, dann schüttelst Du den Kopf, weil Du nicht passend zahlen kannst. Oder nickst. Und kannst.

Stell Dir vor, Du stehst an der Kasse in einem für die Plastiktüte nichts verlangenden Laden, was ist wohl der alleinige Schlüsselbegriff, der nun aus dem Mund Deines Gegenübers kommen kann? „Tüte!“ Genau. „Möchten Sie vielleicht eine Tüte?“ Oder auch: „DAS KOMMT MIR NICHT IN DIE TÜTE!“ Hauptsache „Tüte“!

Ich stehe also an der Kasse, ja, genau, jetzt fängt die Geschichte am Laufen, bin meines Tunnelhorchs nicht gewahr, und die Dame mir gegenüber spitzt ihren Mund. Nein, nicht zum Kusse. In millionstel Bruchteilen einer Nano-Mikro-Wasauchimmer-Sekunde werde ich gewahr, dass sie ein „P“ am Formen ist. Sie wird gleich zur Kasse nebenan rüberrufen, was die „Peee-räservative!“ kosten. Nee, mal ohne Quatsch. Ihr gespitzter Mund lässt, zumindest für meinen Tunnelhorch nur eine Möglichkeit zu: „Peee-ostleitzahl!“ Und noch bevor sie diese Erfindung der 60er mit ihren Stimmwerkzeugen formt, höre ich bereits eine „Neunundsechzig!“ meinen Mund verlassen. Gefolgt werden wollend von den restlichen drei Ziffern.

Aber denkste!

„Peee-unkte!“ tröpfelt es in mein Ohr, was nicht direkt zu meinem Frühstart für eine fünfstellige Zahl passt. So man gerade noch kann ich das mittlerweile peinliche Aussprechen der restlichen drei Ziffern verhindern.

Schwören können hätte ich, sage ich ihr, dass sie Postleitzahl sagen würde. Sie lacht.

„Ja! Ich sammle Punkte!“ ergänze ich. Worauf sie keck erwidert: „Postleitzahl? War gestern! Heute ist Punkte!“

© Ulf Runge, 2010

13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ursula sagt:

    Hallo lieber Ulf,

    kann es sein dass Du in letzter Zeit ziemlich oft zum Einkaufen gehst?

    Schmunzelnde Gruesse

    Ursula

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Ursula,

      ich gehe nicht häufiger als sonst zum Einkaufen.
      Aber „es passiert“ mehr als sonst.
      Oder ich sorge dafür, dass mehr „passiert“. Wer weiß.

      Schön, dass Du wieder da bist!!!

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Dori sagt:

    Lieber Ulf,
    und mal wieder sitze ich – relativ laut kichernd – vorm PC – die Ohren auf „Tunnelhorch“, denn wetten – gleich kommt die Kollegin aus der hintersten Ecke und will – wieder mal – wissen, was es denn „hier“ bitte schön zu lachen gibt.
    Danke für Dein Post, lieber Ulf,
    und einen tollen Wochenanfang,
    das wünscht Dir Dori 🙂

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  3. Ulf Runge sagt:

    Liebe Dori,

    das freut mich riesig, wenn ich nicht nur Dich, sondern das ganze Büro unterhalten darf…

    Liebe Grüße,
    ich wünsche Dir eine schöne Restwoche,
    Ulf

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  4. Ursula sagt:

    Danke Ulf,

    war nie richtig weg, nur sehr schweigsam……

    Hier ist heute der Fruehling aufgewacht

    Liebe Gruesse

    Ursula

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Ursula,

      das freut mich sehr, was Du da schreibst.
      Mit geht es ähnlich: Es wird Zeit für Blütenduft und Bienensummen.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  5. Mo sagt:

    „Es wird Zeit für Blütenduft und Bienensummen.“
    Lieber Ulf,
    was für ein Ziel – Respekt.

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    Blütenduft und Bienensummen, das ist wahrlich ein erstrebenswertes Ziel.
    Wie würdest Du Deine schönen Erwartungsgefühle an den Frühling beschreiben?

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Mo sagt:

    Lieber Ulf,
    Erwartungsgefühle an den Frühling?
    ich bin ja gewillt Deine Frage zu beantworten.
    Irgendwie.
    Antwort:
    Meine persönliche Impression an den Frühling lässt sich umschreiben mit der Aussage:
    Ich möchte den Vögeln beim Nestbau zuschauen, wenn ich Zeit abzwacken kann.
    Und ich möchte das Heranreifen der Früchte in den Gärten meiner Stadt bestaunen.
    Keine Aussage, die spektakulär erscheint..
    aber ich habe wahrheitsgemäß geantwortet.

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    das sind schöne Erwartungen an den Frühling.
    Die teile ich auch.
    Danke, dass Du so persönlich auf meine Frage eingegangen bist.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Mo sagt:

    Lieber Ulf,
    betrachte mein persönliches Eingehen auf eine Deiner Fragen bitte als Ausnahme.

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  10. Mo sagt:

    Ansonsten Herr Luther, ist alles in Butter.

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  11. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    frei nach den jüngsten australischen Ereignissen:
    Alles im Griff, auf dem sinkenden Riff.

    LG, Ulf

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