Lieber fett als rot

am
Leben 558 – Dienstag, 01.03.10

Dieser Text ist eine kleine Reminiszenz an die Zeit, als die Bildschirme noch Datensichtgeräte oder Terminals hießen und keine Farbe konnten. Als die Menschen glücklich waren, auf grünem Hintergrund eine weiße Schrift zu lesen. OFTMALS WURDE NOCH AUF KLEINSCHREIBUNG VERZICHTET. BIS AUF EINEN EINZIGEN BUCHSTABEN WURDE DANN DIE GROß(!!!)SCHREIBUNG VERWENDET.

Und dann kam der Anruf, ob wir nicht in Zusammenarbeit mit einem Computerhersteller und einem Universitätsinstitut eine kleine Anwendung programmieren wollten, mit der man Argumente sammeln wollte, wie hilfreich der Einsatz von Farbe bei den Datensichtgeräten sein könnte.

Das war nun kein Auftrag von hoher Komplexität, aber wir fanden ihn spannend. Bunte Displays. Bunte Buchstaben. Wahnsinn! Unsere Aufgabe bestand darin, Bildschirmausgaben zu produzieren, die vollständig aus zufälligen Wörtern bestanden, bei denen einige in Farbe dargestellt wurden. Die „Anwender“ dieses Programmes sollten dann Studenten sein, die innerhalb eines bestimmten Zeitlimits herausfinden sollten, wie oft sie etwa das Wort Analphabetismus in Rot auf dem Monitor sehen.

Das hat dann etwa so ausgesehen:

Schrift Sprache Analphabetismus Analogie Anna log nie Klamotte Motte Mo Flug Huhn Bein Flügel Hühner Beine Analphabetismus Unerträglichkeit rot weiß blau grün gelb schwarz lila rosa ocker Zocker Rocker locker vom Hocker Analphabetismus das ist der Rhythmus mit dem man mit muss der werfe den ersten Stein in den Rhein rein wenn das Wasser im Wein auch noch Wein wär Lesen Denken Freude schenken Oralphabetismus Analphabetismus Schluss

Heute braucht man wohl niemand mehr davon zu überzeugen, dass Farbe eine tolle Sache ist.

Außer, man unterhält sich mit einem Menschen, der eine Rot-Grün-Sehschwäche hat. Und der immer wieder E-Mails erhält, in denen der Absender z.B. darauf schwört, wichtige Passagen in roter Schrift hervorzuheben. Für einen Empfänger mit Rot-Grün-Sehschwäche liest sich das dann so: „Schriftlosigkeit ist eine spezielle Form von Analphabetismus, die nicht mit einer zeitlich befristeten Auszeit eines Bloggers verwechselt werden sollte. Selbst dann, wenn dieser von der Unerträglichen Schwierigkeit des Schreibens sprechen sollte.“

Absolut unpolitisch gemeint gebe ich gerne die Empfehlung: Lieber fett als rot!

© Ulf Runge, 2010

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Elisabeth sagt:

    *lach* Lieber Ulf,
    ich finde es toll, zu sehen und zu lesen, worüber du dir Gedanken machst! Farbe ist wunderbar – aber da bin ich auch lieber fett… 😉 Kennst du die Geschichte vom Wal? 😉 Ich bin auch lieber der Wal *lächel*
    Herzliche Grüße zu dir, Elisabeth

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  2. Ulf Runge sagt:

    Liebe Elisabeth,

    bitte erzähl…

    (die Geschichte vom Wal…)

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  3. Mo sagt:

    Lieber Ulf,
    ich muss schmunzeln.
    Aber ein Schmunzeln trägt nicht unbedingt dazu bei, die Welt und ihre vielfältige Farbenpracht besser zu verstehen.

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    gerne habe Dich zum Schmunzeln gebracht.

    😉 🙂 😀 😛

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