Örtlichkeit

am
Leben 552Freitag, 22.01.10

Viele Menschen sind der Meinung, es sei wichtig, pünktlich zu sein.

Wieder viele, allerdings dann andere, Menschen sind der Meinung, das sei unwichtig.

Ich bin manchmal unpünktlich, in Abwandlung einer Bierwerbung aber hoffentlich immer seltener.

Ich glaube, es ist wichtig, pünktlich zu sein.

Ich glaube, es ist genau so wichtig, örtlich zu sein.

Örtlich? Ja!

Nachdem ich vor einigen Wochen bei einer Einladung zu einem auswertigen Termin, einem Termin, bei dem ich den Anfang der Veranstaltung hätte gestalten sollen, nachdem ich also zu diesem Term pünktlich gewesen war, leider am falschen Ort, nachdem mir also dieser Lapsus passiert war und ich das Team eine gute Stunde aufgehalten habe, danach habe ich beschlossen, dass mir das nicht mehr passieren sollte…

Heute war ich erneut pünktlich. Zum Termin mit der gleichen Gruppe. Hatte mir die Einladung genauer angesehen als beim letzten Mal. War rechtzeitig in der M-Landstraße, die stadtauswärts führt. Richtung M.

Ich war heute wieder pünktlich. Und stand vor der richtigen Hausnummer. In der M-Landstraße. Das Gebäude, vor dem ich mich soeben eingefunden hatte, entsprach allerdings nicht direkt meinen Erwartungen, so dass ich doch noch einmal die Papier gewordene Einladung zu Rate zog: Ja, die Hausnummer war richtig, allein die Straße war falsch. D-Landstraße hätte es heißen sollen. Stadtauswärts. Richtung D. Und gar nicht Richtung M.

Relativ unsicher, wie ich in ca. 10 Minuten an einen mir noch unbekannten Ort kommen solle, bespringe ich die nächste Tram, auf einen gültigen Fahrschein verzichtend, um von dem besonders freundlichen Straßenbahnfahrer alle denkbaren Möglichkeiten erläutert zu bekommen, wie ich denn nun die nächsten Minuten gestalten könne, um den Fehler schnellstmöglich wett zu machen.

Er ist dabei so voller Freude, mir helfen zu dürfen, dass er wohl seine Totmanntaste zu drücken vergisst, was wiederum zur Stromabschaltung der Tram auf belebter Straße auf noch belebterer Kreuzung führt. Während er mit seinen Instruktionen über die Erreichung der D-Landstraße fortfährt, lässt ihn das kurzfristige Liegenbleiben mangels Stromzufuhr kalt, er drückt ein paar Knöpfe und schließlich rückelt der Waggon weiter.

An der nächsten Haltestelle sehe ich zwei Gestalten, die ich für potenzielle Kontrolleure halte (es gibt Dinge, die riecht man gegen den Wind, ohne sie begründen zu können), so dass ich ein Fortsetzen meiner Terminrettungsaktion per Taxi beschließe.

10 Minuten später befinde ich mich nicht nur an der richtigen Hausnummer, nein, sogar die Straße stimmt…

Ich glaube, das mit dem Pünktlichsein, das habe ich inzwischen kapiert. Jetzt muss ich nur noch örtlicher werden…

© Ulf Runge, 2010

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gabaretha sagt:

    Lieber Ulf,
    vielen Dank für das Lächeln zur späten Nacht, dass Du mir aufs Gesicht gezaubert hast. Ich bin ganz bei Dir: Pünktlichkeit und Örtlichkeit sind wichtige Eigenschaften. Noch wichtiger finde ich allerdings die Menschlichkeit…und davon verfügst Du nach meiner Auffassung eine ganze Menge.
    Viele liebe GutN8-Grüße aus dem Isartal,
    besser und besser,
    Gaba

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Gaba,

      danke für die Blumen.
      Das hast Du schön gesagt.
      Ich freue mich schon darauf, in einer guten Woche wieder mit dem Bloggen durchzustarten.
      Und u.a. auch bei Dir zu stöbern, welche wertvollen Anregungen Du jüngst ins Netz gestellt hast.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Elisabeth sagt:

    Puh, gar nicht so einfach, lieber Ulf…
    Jetzt bin ich selbst beim Lesen ganz schön außer Atem geraten *schnellerwerd* und rate dir dringendst, das nächste Mal… *langsamerwerd* … einfach du selbst zu sein und dir zu vertrauen, was auch immer sein und passieren mag 🙂 Der Weg ist das Ziel *lächel*
    Fröhliche Samstagsgrüße zu dir, Elisabeth

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Elisabeth,

      ich werde Deinen Rat befolgen, wenn ich nächste Woche eine ganz besondere Herausforderung zu meistern habe:
      Den Weg zu einem herausfordernden Ziel zu finden und dabei zu wissen, dass es um den Weg geht, dass es darum geht, gemeinsam im Team Konsens über die Vorgehensweise zu erzielen.

      Dann werde ich daran denken, dass man langsam gehen soll, wenn man es eilig hat und dass der Weg das Ziel ist. Danke.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  3. Mo sagt:

    ..da ist ja ein Blinder oder eine Blinde sehender.. 😉

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Mo, nicht ein Blinder oder eine Blinde.
      Nein.
      Sogar zwei oder drei.
      (Sorry, das war Deine Vorlage…)

      Aus Fehlern soll man lernen. Den gleichen Fehler nicht zweimal machen.
      Und genau, weil ich wusste, dass ich diesen Fehler nicht noch mal mache,
      bin ich in die Falle getappt…

      Ich nehme an, Du kannst Dich an keinen Fall erinnern, bei dem Du zweimal ins gleiche Unglück gerannt bist, oder?

      Liebe Grüße,
      Ulf

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