Nackte Haut

Leben 551 – Mittwoch, 20.01.10  

Es gibt Dinge, die sollte man nicht machen.

Das, was läuft, das sollte man laufen lassen.

So wie die Gestirne bestimmen, wann Winter oder Sommer ist. Da sollte man nichts schrauben dran. Außer vielleicht voller Demut „Danke!“ sagen, dass es so ist, wie es ist. Dass wir auf diesem ganz besonderen Planeten in einer Region leben dürfen und mehr als nur unsere Grundbedürfnisse befriedigen. Und auf hohem Niveau stöhnen.

Nun, das habe ich auch gemacht. Nein, nicht das Stöhnen. Das Danken ist gemeint. Und das war so:

Da hat man im Beruf mit verschiedenen Lieferanten zu tun. Und die wollen, dass man sich immer wieder gerne an sie erinnert. Und dann überlassen sie einem sehr gerne Wandkalender mit ihrem Firmennamen drauf.

Nun begab es sich, dass ich über Jahre hinweg von einem Lieferanten, der einer werden wollte, aber noch nicht bei mir „gelandet“ war, um die Weihnachtszeit einen Kalender mit zauberhaften Landschaftsbildern zugeschickt bekommen habe. Da sich der Kontakt zu dem Vertriebsbeauftragten dieses Lieferanten allerdings „verloren“ hatte, gab es auch niemanden, bei dem ich mich persönlich bedanken konnte. Das habe ich dann vor einem Jahr geändert.

Indem ich an die Geschäftsleitung schrieb und mich für die freudespendenden Fotos bedankt habe. Dies wiederum hat zunächst zu keiner für mich sichtbaren Reaktion geführt. Zunächst. Allerdings haben meine Dankeszeilen wohl zu einer Überprüfung der Kontaktdaten geführt und zu der Erkenntnis, dass bei mir keine Kohle verdient wird, und dass man sich dann auch nicht erkenntlich zeigen braucht.

Weihnachten 2009: Kein Fotowandkalender. Hm.

Das Dezemberfoto hing noch bis vergangene Woche in meinem Büro, als ich in spaßiger Laune beschloss, auf die Rückseite des Fotos in Riesenlettern den Hinweis zu schreiben: „HIER KÖNNTE IHR FOTOKALENDER HÄNGEN!“ und sichtbar am alten Platz aufzuhängen. Nun könnte kommen wer wollte, am liebsten fotokalenderverschenkende Lieferanten, und sich darum streiten, wer denn bitteschön den vakanten Platz einnehmen dürfe.

Statt mit potienziellen Kalenderverschenkern kam ich mit Kollege und Kollegin ins Gespräch. Mir würde wohl nichts übrig bleiben, als selber einen Kalender zu kaufen, meinte ich. Und wie es sich für einen Mann gehöre, mit viel nackter Haut, ergänzte ich zwinkernd. In tatsächlicher Unkenntnis der Dinge murmelte ich den Namen einer italienischen Automarke, die außer fahrbaren Untersätzen auch die Damen posieren ließe. Um mich dann aber doch noch geistesgegenwärtig daran zu erinnern, dass es sich um einen italienischen Autoreifen-Kalender handeln müsse.

Sie hätte da eine Idee, verabschiedet sich Kollegin ins Wochenende.

Nun, seit heute hängt nackte Haut, bis aufs äußerste entblößt an meiner Bürowand. Und man mag es glauben oder nicht, sehr, sehr geschmackvoll!

Wie das? Kollegin war so lieb und hat mir den Kalender besorgt. Obendrauf hat sie die Überschrift „Ulf’s persönlicher Pirelli-Kalender“ aufgeklebt. Ich als nahezufast Vollveganer hätte mir wohl kaum vorstellen können, dass eines Tages ein Metzger- und Fleischerei-Kalender mein Büro zieren würde. Im Januar 2010 gefüllte Schweine-Elendchen zeigend…

© Ulf Runge, 2010

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Dori sagt:

    Lieber Ulf,

    was für ein Start ins Neue Jahrzehnt! Da kann ja nichts mehr schiefgehen 🙂

    Alles Liebe,

    Dori 🙂

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Dori,

      Du hast recht, die Zeit eines ganzen Jahres hängt jetzt an meiner Bürowand.
      Sie „muss“ jetzt „nur“ noch „gelebt“ werden 🙂

      Ich glaube, ich sollte einen „alternativen“ Küchenkalender herausgeben. Zwei Monate hätte ich schon zusammen: Mein „Wurzelsalat“. Und meine Linzer Torte…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Mo sagt:

    Ich finde, Frauen sollten Politik machen und Weltgeschichte schreiben.
    Männer sollten sich Kalender anschauen.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Mo,

      wer den Kalender nicht ehrt,
      ist der G’schichte nicht wert… 🙂

      LG, Ulf

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  3. Dori sagt:

    Lieber Ulf,

    jetzt mal was ganz anderes: was ist eigentlich aus Matzel so geworden?

    Hab ein schönes WE, Dori

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Dori,

      ich muss gestehen, Matzel ist „eingeschlafen“.
      Dir hat diese Figur gefallen?
      Dann muss ich mal ernsthaft darüber nachdenken.
      Nach dem 5. Februar…

      Danke für den Anstoß. Liebe Grüße,
      Ulf

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