Nix zum Lachen

Leben 550 – Montag, 17.01.10

Da gäbe es schon einige amüsante Begebenheiten zu erzählen, doch sie wollen mir nicht gelingen.-

Da bauen wir den Turm von Babylon erneut und weihen mit 828 Meter Höhe einen Turm ein, von dem ich mir nicht vorstellen kann, dass ich mich in selbigem wohlfühlen würde.

Dieser Turm ist gebaut auf einer hauchdünnen Schicht, die nun anderswo gebebt hat. Man stelle sich vor, so zehn Prozent der deutschen Bevölkerung seien von heute auf morgen ohne Dach über dem Kopf. Ohne Bett. Ohne Wasser, Essen. Ohne ihre Liebsten, die in den Trümmern geblieben sind! Würdelose Zustände für die Überlebenden. Unvorstellbar, wie die Toten „entsorgt“ werden. So unvorstellbar, dass uns Kameraleute diese Bilder (aus Pietät vor den Verstorbenen) vorenthalten wollen. Ich sage leise „Danke!“

Im Radio höre ich, dass eine bekannte Klamottenkette in New York die nicht verkaufte Ware kaputt geschnitten hat und in Mülltüten entsorgt, anstatt sie an die Obachlosen zu verschenken oder für „nen Dollar“ zu verkaufen.

Das reicht eigentlich, oder?

Tränen in die Augen treibt mir die Nachricht, die Wolfgang Messer hier hinterlassen hat, dass Frank Laufenberg um seine Ehefrau Ingrid trauert. Mitfühlende Anteilnahme, lieber Frank Laufenberg!

Und während Frank Laufenberg von seinem Freund Rainer mit Zeilen aus Eric Claptons „Tears in Heaven“ trostvolle Zuwendung erfährt, verneige ich mich vor allen Toten. Denen, die Du gekannt hast, und jenen, denen ich begegnen durfte, die mich begleiten durften, und schließlich all denen, die wir nicht gekannt haben. Verneige mich vor ihnen mit dem genau diesem Lied von Eric Clapton, das sich mir anlässlich der Trauerfeier einer ganz lieben Freundin tief in mein Herz hineingebrannt hat.

Gäbe es kein Gestern, so hätten wir nie gelebt. Wären ein Baum ohne Wurzeln.

Gäbe es kein Morgen, wären wir ohne Sorgen. Aber auch ohne Zuversicht.

Jetzt. Nur im Jetzt LEBEN wir.

So betrachte ich mit ganz viel Wertschätzung und Wehmut das Gestern, schaue hoffend auf Morgen und lebe demütig und dankbar im JETZT.

© Ulf Runge, 2010

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. bruni kantz sagt:

    Sorgend schau ich auf Morgen.

    Dünn ist der Grund, auf dem der neue „babylonische“ Turm steht.
    Mir scheint er auf Sand gebaut:
    Zu hohen Türmen habe ich nie getraut!

    Haiti und die unvorstellbar vielen Toten auf der einen Seite des Lebens (und Sterbens) und auf der anderen Seite der Konsum,
    und nicht verkaufte Klamotten,
    die zerschnitten,
    nun niemandem nützen.

    Bruni Kantz

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  2. Sabine sagt:

    „Tears in heaven“ das ist wirklich eines der schönsten Lieder, die es gibt 🙂

    Ich betrachte mit dir, lieber Ulf …
    Das Gestern – mit Wertschätzung
    Das Morgen – voller Hoffnung
    Das Heute – in Dankbarkeit

    und wundere mich immer wieder über die Verdrehte Welt 🙄

    Liebe Grüße
    von
    Sabine

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  3. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, ein traurig machender Beitrag, ein nachdenklich machender Beitrag, danke für ein paar Minuten innehalten… Auch ich hab bei Tears in Heaven eine traurige Erinnerung an einen jungen Menschen, der viel zu früh gehen musste…Berührte Grüsse Andrea

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  4. Michael sagt:

    Lieber Ulf,

    da ist in der Tat einiges dabei, das traurig stimmt.

    Haiti ist für mich eine der schlimmsten denkbaren Katastrophen.

    Deinen Pessimismus bezüglich des zweiten Turms zu Babel teile ich nicht ganz. Auch ich würde mich in einem solchen Turm nicht wohlfühlen, denke aber, dass er länger halten wird als der der erste babylonische Turmbau.

    Es ist richtig, dass der Persische Golf zu den erdbebengefährdeten Regionen der Welt gehört. Aber die Erdbebengefahr in Haiti ist weitaus größer. Was schon lange bekannt ist, aber die Warnungen wurden unter den Tisch gekehrt. Das gilt übrigens auch für die gesamte nordamerikanische Pazifikküste, von San Francisco/Los Angeles bis hinauf nach Vancouver. Wo in Kürze die olympischen Winterspiele beginnen.
    Ich musste mich beruflich ein wenig mit den Arabischen Emiraten auseinandersetzen, aufgrund der drohenden Finanzkrise in Dubai. Und habe dabei erfahren, dass für den Turm, so unsinnig der auch sein mag, ein enormer technischer Aufwand betrieben wurde. Trotzdem bin ich froh, dass die Pläne für einen weiteren, der über einen km hoch in die Wüstenluft aufragen sollte, aufgrund der Finanzprobleme Dubais vom Tisch sind.

    And now für something completely different:
    Ich habe gerade erfahren, dass Franz Hohler am 03.02. um 19:30 in der Stadtkirche Darmstadt liest. Das nur mal so nebenbei, ohne Deine Begeisterung für ihn zu kennen. Woher auch?
    😉

    LG Michael

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  5. Ulf Runge sagt:

    Liebe Bruni,

    das Sorgen sollte uns nicht den Blick für die Visionen und Chancen verstellen, mit denen wir die Welt von morgen mitgestalten können.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Sabine,

    danke!

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    so erinnert und berührt uns dieses außergewöhnliche Lied an liebe Menschen, mit denen wir gerne noch länger ein Stück des Weges gegangen wären…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Lieber Michael,

    wenn ich Deinen Kommentar lese, muss ich an meinen grauen Lappen denken…
    Ich vertage das mal auf Februar…

    Finanzprobleme? Die werden irgendwann vorbei sein. Und dann wird der Gigantismus seine Fortsetzung finden…

    Franz Hohler in Darmstadt:
    Das betrübliche ist, dass ich mir diesen Abend nicht frei machen kann…
    Noch betrüblicher ist, dass Franz Hohler für ein Jahr pausieren will…

    Dieser Mann ist ein Erlebnis!!!
    Danke für diesen lieben Hinweis!

    Herzliche Grüße,
    Ulf

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  9. Mo sagt:

    Hallo lieber Ulf.
    Ich werde Deine Texte, oder sagen wir den Ulf, der diese Texte schreibt, nie verstehen.
    Lieber Ulf, Du neigst dazu, einzelne Personen zu glorifizieren.
    Ich kann viele Deiner Huldigungen nicht nachvollziehen.

    Gruß – Mo

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Mo,

      ich weiß Deine Lesetreue angesichts der Unverständlichkeit meiner Texte ganz besonders zu schätzen.
      Ich würde mich freuen, wenn Du diese Huldigung Deiner Kommentierungen mit Freude annimmst.

      Für mich ist ein ganz zentraler Begriff die „Wertschätzung“ geworden.
      Aus ihr und aus der Demut entspringen Sichtweisen auf Menschen,
      die für Dich nicht nachvollziehbare Huldigungen sein mögen.

      Mir ist ein Bedürfnis, mich bei denen zu bedanken, die mit ihren Fußstapfen durch mein Leben für außergewöhnliche Freude gesorgt haben.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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