Noch öfter als öfter

Leben 547 – Montag, 11.01.10Der Beppo nun fand die Begebenheit, die er mit dem Fridolin erlebt hatte, so lustig, dass er sich gleich hinsetzte, um sie in Worte zu fassen. Als er die Geschichte fertig hatte, konnte er es kaum erwarten, den Fridolin wiederzusehen, um diesen mit seiner Schreibeskunst zu überraschen.

Der Beppo wär ja beinahe geplatzt vor Ungeduld, aber dann endlich war es soweit, der Fridolin kam vorbei, betrat die Stube und wurde vom Beppo richtiggehend in den Sessel hineingedrückt. Er habe ihren gemeinsamen Spaß beim jüngsten Spaziergang einfach mal zusammenschreiben müssen, und nun wolle er ihm das vorlesen!

Der Fridolin amüsierte sich mächtig über den Beppo und dass er soviel Aufhebens um sein Geschreibsel machte. Letzterer nahm sein Manuskript in die Hand, las Zeile um Zeile vor, und machte immer wieder ein Pause, um die erhoffte Gemütsregung im Gesicht seines Zuhörers zu entdecken.

Dieser hatte in der Tat seinen Spaß, lächelte, grinste und lachte abwechselnd.

Bis der Beppo die entscheidende Stelle vorlas, also die mit dem Missverständnis: „Fridolin zog die Augenbrauen hoch und gab dem Beppo zu verstehen, dass es sich hier wohl um ein Missverständnis handeln müsse. Er habe zwar sehr wohl „Das passiert mir öfter!“ gesagt, dazu stehe er auch; aber nicht ein von ihm zu verantwortendes Luftablassen sei damit gemeint, vielmehr sei es die Gegenwart von Menschen, die wie Beppo zu spontanen Artikulationen neigen!“

Der Beppo, der nun einen hocherfreuten Fridolin im Sessel gegenüber vermutete, die Augen aufschlug und seinen Blick zum Freund fahren ließ, der war dann auch erleichtert, als er die Kurzkritik „Wahrlich, eine schöne Geschichte, die Du da geschrieben hast!“ vernahm. Um dann allerdings vom Glauben abzufallen, als der Fridolin fort fuhr: „Aber nicht unsere Geschichte! Mein Problem sind weder verdauungsbedingte Druckausgleiche noch Menschen wie Du, die unter selbigen leiden. Nein, ich habe Dir nur vermitteln wollen, dass mir des öfteren passiert, dass Menschen in meiner Gegenwart vergessen, dass ich überhaupt zugegen bin!“

„Oh!“ sagt der Beppo, „dann ist das ja ein zweifaches Missverständnis! Oh je!“

„Du wirst die Geschichte doch nicht etwa an die Metzgerzeitung verkauft haben, oder? Und einen Blog hast Du ja zum Glück auch nicht!“ beendet der Fridolin seine Inquistion.

Und da war der Beppo aber mächtig froh, dass er seine Geschichten auf einem anonymen Blog veröffentlicht…

© Ulf Runge, 2010

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