Der Beweis

Leben 533 – Sonntag, 20.12.09

8. Ich zog meine Jacke aus und erfuhr, dass nicht jeder eine Nummer bekommt. Nur eine pro Familie. Sie habe die 8. Aha.

21. Nein, dem sei nicht so, meinte die junge Dame an der Kasse, pro Person sei eine Nummer vorgesehen. Ich dürfe also auch eine ziehen. Ziehe. Drehe den Zettel um: 21. Aha.

Vor Beginn des weihnachtlichen Abends verglichen wir mit unseren Nachbarn die Nummern. Es könne eine Tombola sein, denken wir zunächst. Ganz hartnäckig hält sich das Gerücht, wessen Nummer gezogen werde, die oder der müsste dann auf die Bühne und mitsingen. Soso.

Das Konzert war vorbei, die Nummern fast schon vergessen, als dann doch noch die Sprache auf selbige kam. Man wolle noch zwei Geschenke verlosen.

Dazu habe man zwei junge Männer, von denen man hoffe, ja nein, von denen man sicher sei, dass sie aufgrund ihres Alters oder besser ihrer Jugend die Zahlen bis 100 kennen würden, dazu habe man also diese beiden jungen Männer hier, und die Dame am Mikrofon wies auf die beiden Grundschüler links und rechts von ihr, die beiden habe man also für die Aufgabe gewinnen können, die zwei Lossieger zu ermitteln.

31. Wer denn nun geglaubt hatte, also etwa ich, der erste der beiden Jungen würde nun in eine Lostrommel greifen und dort ein Etwas entnehmen, auf dem eine Zahl zu erkennen sei, der hatte sich getäuscht. Wie sich nämlich herausstellte, bestand das Verfahren der Findung einer zufälligen Glückszahl darin, dass der junge Mann aufgefordert wurde, sich doch bitteschön eine zwischen 1 und 100 auszudenken. Während ich noch „interessante Variante“ denke, höre ich ihn, den ersten Jungen, ganz selbstbewusst die „31“ sagen. Wer denn bitteschön die „31“ habe, wollte nun die Dame am Mikro wissen. „Ich!“ erschallt es durch den Raum, ein mittelalter, was auch immer das sei, ein mittelalter Herr streckt den Finger und begründet seinen Gewinnanspruch. Nun, der Herr ist der Dame am Mikro persönlich bekannt, so wie die beiden Jungen auch und so meint sie dann: „So ein Zufall (!), das ist ja der Vater!“ Raunen im Saal.

59. Dass es keine Zufälle gibt, bestätigt sich sogleich bei der „Ziehung“ der zweiten Zahl zur Ermittlung des anderen Siegers. „59!“ ruft der zweite Zufallszahlenspender in die Runde, worauf binnen weniger Sekunden ein anderer junger Mann Ich-sagender- und fingerstreckenderweise seinen Anspruch anmeldet. „Bist Du nicht der Bruder?“ fragt die Dame am Mikro, der bereits nach der Ziehung der ersten Zahl klar geworden sein musste, dass sie zukünftig ein anderes Losverfahren wählen würde, deren diesbezügliche Meinung sich nun noch, sagen wir mal, intensiviert. Heftiges Raunen im Saal.

Übergabe der Preise an die „Glücklichen“.

Fazit: Es war ein erbaulicher Abend. Zudem mussten wir nicht nach vorne, um zu singen. Und spätestens seit diesem Abend ist bewiesen, dass es keine Zufälle gibt.

© Ulf Runge, 2009



2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mo sagt:

    Aber Ulf,
    natürlich gibt es Zufälle,
    wenn man sie in zufälliger Reihenfolge betrachtet.

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  2. Ulf Runge sagt:

    🙂

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