Doppelter Tabubruch

Leben 526 – Freitag, 04.12.09

Udo meinte, das könne man auf keinen Fall tun. Es gebe Tabus, die dürfe man nicht so einfach brechen. Genau genommen handle es sich um zwei Tabus, die er, Ulf, auf einmal zu beschädigen gedenke. Er könne nur davor warnen, leichtfertig die LeserInnenschaft zu verprellen. Ob ihm etwa nichts mehr einfalle, was er sonst schreiben könne?

„Doch, doch!“, erwiderte Ulf, ihm falle schon immer wieder das eine und das andere ein, aber dann verwerfe er es bisweilen, und nun sei ihm endlich die Idee gekommen, wie er mit dem Ungeschriebenen umgehen könne. Sozusagen eine Art „Making of“ zu posten, ohne den eigentlich Post zu veröffentlichen. Und dabei grinste Ulf den Udo vollfett an.

Udo meinte, er wolle sich nicht wiederholen, aber ein Tabubruch allein sei schon heftig, doch ob seine LeserInnen ihm, dem Ulf, einen Doppelpack nachsehen würde, da sei er allzu skeptisch, zumal die Erfahrung gezeigt habe, dass kompliziert gesetzte Texte schnell zur Ermüdung der LeserInnen führen können. Er könne nur davor warnen, dass der Post ungelesen weggeclickt werden werde.

Er finde es gerade genial, entgegnete Ulf, einen Witz zu erzählen, den keiner braucht, um ihn sofort vollanalytisch zu sezieren, sich gleichermaßen für die Plattheit und Konstruiertheit des Witzes zu entschuldigen, um doch dann auf den Kern zu kommen, nämlich dass Männer über ihn nicht lachen können, obwohl es sich doch augenscheinlich um einen Frauenwitz handle.

Udo ließ nicht locker, er könne nur warnen, bis hierher sei der erste Tabubruch schon vollzogen, indem man den Schreibstil eines anderen Bloggers, seine Zwiegespräche mit seiner Zwiefältigkeit aufs Schnödeste kopiert habe.

Es müsse sein, fuhr Ulf fort, um dann den Witz, den er nicht erzählen wollte, in Worte zu fassen, da man ja sonst nicht über ihn reflektieren könne. Also: Eine Frau geht durch ein Ersatzteillager und bleibt bei den Gehirnen stehen. Warum denn die weiblichen Gehirne billiger seien als die männlichen, will sie wissen. Ganz einfach, entgegnet es ihr, weil die gebraucht seien.

„Ulf!“ fuhr es Udo heraus, „ich habe Dich gewarnt. Ein Witz, dem den Sinne dieses Witzes folgend nur ein Mann erfunden haben kann. Über den bewiesenermaßen Männer nicht lachen können. Und den nur Männer weitererzählen. Wie willst Du aus dieser Ecke rauskommen? Die ‚Pointe‘ als Entschuldigung nehmen?“

„Udo!“ entgegnete Ulf, „ich DACHTE, dass Du und Deine Existenz mich würden retten können.“

© Ulf Runge, 2009

18 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bredenberg sagt:

    Das Wegklicken eines Textes ist wirklich eine fürchterliche Gefahr. Deswegen gibt es die Blogger-Regel: Schreibe so schleimig, dass nichts im Halse hängen bleibt und der Text beim letzten Punkt gut verdaut ausgeschieden ist. – Ich klicke einen Text immer dann weg, wenn ich auf eine Binnen-Versalie stoße wie z.B. Leser-I-nnenschaft. Dieses Mal jedoch habe ich aus gutem Grund durchgehalten. Und, was soll ich sagen: Es hatte sich gelohnt. Im Sinne weiterer Tabubrüche grüßt herzlichst Bredenberg

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Bredenberg,

      da bin ich aber froh, dass mein Plagiat Gnade vor Deinem Urteil gefunden hat.
      BinnenVersalien, die magst Du nicht? Lach!
      D.h. Du würdest als BahnVorstand erst einmal dafür sagen, dass die BistroWagen eine andere
      Aufschrift erhalten? Lach!

      Tabubrechende Grüße,
      Ulf

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  2. Bredenberg sagt:

    Gnade vor Recht. Jeder hat das Recht auf Entwicklung. Bei dir ist zunächst allerdings EntWindelung angesagt.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Bredenberg,

      Du meinst, ich sei noch nicht ganz trocken?
      Da fällt mit noch eine BinnenVersalie ein:

      Welchen Wein sollte jedeR haben?

      Ganz einfach: SchWein!

      LG, Ulf

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  3. sunny11178 sagt:

    Da hat ja tatsächlich noch keiner kommentiert. Denk dir nichts, ich bin anders. Nur deshalb kommentiere ich trotz doppeltem Tabubruch. Auch wenn ich eigentlich gar nichts kommentiere in meinem Kommentar.

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Sunny, jetzt weiß ich nicht, ob wir Bredenberg gerecht werden, wenn wir „keiner kommentiert“ schreiben. Bredenberg ist natürlich höchst befangen ob meines Artikels.
    Könntest Du Dich zu „Keiner außer Bredenberg“ durchringen?
    Auch wenn Du eigentlich nichts anmerken möchtest?

    LG, Ulf

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  5. sunny11178 sagt:

    Ich hatte Brendenbergs Kommentar nicht als Kommentierung gesehen. Schließlich ist er ja sozusagen der geistige Vater dieses Textes und damit als Kommentator außer Konkurrenz. Aber vielleicht hätte ich besser K-eineR schreiben sollen. Denn auf keine trifft es allemal zu. Und Bredenberg ist schließlich nicht keiner. Sondern einer. Und was für einer. Jetzt hab ich mich verzettelt. Dabei wollte ich doch kommentarlos kommentieren.

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  6. Ulf Runge sagt:

    liebe sunny, dass kommentarlose verzetteln ohne plan, also ohne intention, als würden bruno und bredenberg ohne jede absicht kommunizieren, dass ist die verzettelei an sich, oder? ohne was gesagt zu haben…

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  7. sunny11178 sagt:

    Ich glaube, das kann ich nun wirklich kommentarlos so stehenlassen.

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  8. Ulf Runge sagt:

    nun pflege ich allerdings das letzte wort gehabt zu haben…

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  9. sunny11178 sagt:

    Ich hab doch eh nichts gesagt.

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  10. Ulf Runge sagt:

    ich fast auch nicht

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  11. sunny11178 sagt:

    Puh! Dann haben wir ja nochmal Glück gehabt. Denn das „fast“ hat dir damit das letzte Wort beschert. Von mir kam ja danach (und auch davor) nichts.

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  12. Ulf Runge sagt:

    dann ist’s ja gut

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  13. Mo sagt:

    *Eine Frau geht durch ein Ersatzteillager und bleibt bei den Gehirnen stehen. Warum denn die weiblichen Gehirne billiger seien als die männlichen, will sie wissen. Ganz einfach, entgegnet es ihr, weil die gebraucht seien.*

    Ich finde die Vorstellung faszinierend, durch ein Ersatzteillager zu marschieren – und dort Gehirne vorzufinden.

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  14. Ulf Runge sagt:

    Liebe Sunny,

    da weiß ich gar nicht, ob und was ich noch erwidern soll… 🙂

    LG, Ulf

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  15. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    ich finde diese Vorstellung so skurril und von Männerhirn (allein das ist schon ein Widerspruch in sich) erdacht, dass ich eine umfänglichere Umschreibung dieses „Witzes“ benötigt habe….

    LG, Ulf

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