Hoffnungsloser Fall?

am
Leben 523 – Donnerstag, 03.12.09

Noch schnell mein Käsebrötchen geholt und dann rein ins Meeting-Getümmel, dachte ich bei mir, als mir just beim Betreten des Gebäudes klar wurde, dass ich mich nicht ordnungsgemäß abgemeldet hatte. Für die vergangenen beiden Tage. Beim Brötchenmann.

Ich hatte ihm vor längerer Zeit zugerufen, dass ich jeden Monat für ungefähr zwei Tage weg sei. Auf Schulung. Hatte beim ersten Mal dann auch ganz brav mein tägliches Käsebrötchen abbestellt.

Um es beim zweiten Termin dann vergessen zu haben. Außer einem vom Herrn Brötchenmann gespielten, bösen Blick und ein paar bissigen Anmerkungen hatte das keine Folgen. Seitdem war ich zusätzlich Inhaber seiner Visitenkarte. Damit ich mich melden könne, falls ich doch mal vergessen würde, mich am Vortag abzumelden.

Ich gehe die Treppe hoch, und als er mich erblickt, setzt er seinen bösestmöglichen Blick auf.

„Guten Morgen, der Herr, ich hätte gerne meine beiden Käsebrötchen von gestern und vorgestern!“ versuche ich einen Hauch von Entspanntheit in die Situation zu bringen. „Ach ja, und das von heute natürlich auch!“ grinse ich ich frech hinterher.

Wo ich denn gestern gewesen sei? Und vorgestern? Und ob ich denn seine Visitenkarte nicht mehr hätte?

Die Worte meines tiefen Bedauerns sind in einer noch nicht lautbildenden Kompositionsphase, als mein Gegenüber in seiner unwiderstehlichen Menschenfreundlichkeit zum verbalfinalen Blattschuss ansetzt:

„Sagen Sie mal, ist das etwa immer der gleiche Kurs? Wie oft müssen Sie den denn noch wiederholen?

© Ulf Runge, 2009

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. andrea2007 sagt:

    *Grins* lieber Ulf, den Spruch haste jetzt verdient gehabt, oder? Diesen Brötchenmann würde ich ja auch zu gern mal kennenlernen, er scheint sehr viel Lebensweisheit zu haben:-)Und viel Humor! Lächelnde Grüsse Andrea

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Andrea,

      ich glaube, meine Brötchenmann der könnte auch in Comedy machen, soviel trocknen Witz hat der drauf.
      Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem er mir etwas „Freundliches“ zuruft.
      Stoff ohne Ende für ein Buch „Mein Käsebrötchenmann“…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Bredenberg sagt:

    Mir sind solche „finalen Blattschüsse“ in der Regel zwei Stunden zu spät eingefallen. Aber dann waren sie gut. Allerdings wirkungslos. Kompliment an den Brötchenmann. Gruß Bredenberg

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Bredenberg,

      das Schöne am Schreiben ist ja, dass die Phantasie es uns gestattet, als bräuchten wir nicht diese zwei Stunden Reaktionszeit.
      Grüße an den Brötchenmann?
      Wenn nicht morgen, dann am Montag: Dann wird er erfahren, dass er inzwischen eine Gestalt der Weltliteratur ist. 🙂

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  3. Ulf Runge sagt:

    Tststs?
    Liebe Sunny, das ist nicht wirklich ein vollständiger Satz?
    Mit Subjekt, Prädikat, Objekt?
    Tststs!

    LG, Ulf

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  4. sunny11178 sagt:

    Lieber Ulf,
    kurz und knapp ist manchmal besser als drumherum schwafeln 😉
    Meine Kollegin hat mir heute einen mehrere Zeilen langen Satz vorgelesen, gespickt mit geschätzen 100 Adjektiven. Er ließ sich in 7 Wörtern sinnvoll zusammenfassen…
    LG Sunny

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  5. Ulf Runge sagt:

    Eines davon war tststs? lach!

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  6. sunny11178 sagt:

    Ausnahmsweise nicht 😉

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