Das Selbstgespräch

Leben 512 – Montag, 02.11.09

 

Dass ich des nachts am PC sitze, ist für meine Umwelt keine direkte Überraschung. Dass man mich aber dabei überraschen kann, dass ich Selbstgespräche führe, das führt dann doch zur Verwunderung.

Nun, als ich auf mein seltsames Verhalten angesprochen werde, bitte ich um Verständnis, ich würde gleich alles erklären, aber ich müsse mich vorbereiten, „Die“ würden gleich noch mal anrufen, dann aber auf dem Festnetz, da wolle ich gleich dran sein, damit es nicht so lange klingelt und alles im Haus weckt.

Wer denn, bitteschön, „Die“ seien. Ach ja, ich hätte bisher nichts davon gesagt, weil ich es eigentlich für unerheblich gehalten habe. Aber „Die“ würden eine Hitparade spielen, die beliebtesten 1000 Songs im Geschmack der SWR1 Rheinland-Pfalz Hörer.

Und? Warum „Die“ jetzt gleich hier anrufen würden?

„Na, ich gehe auf Sendung!“ Augen, die mir schon immer alles zugetraut haben, blicken mich noch nicht mal überrascht an. Ich spüre eher so ein verständlisvolle „Hätte ich mir ja denken können!“.

Gleich also werden „Die“ anrufen, weil ich vor wenigen Minuten eine E-Mail ins Studio geschickt hatte mit einer liebevollen Hommage auf den Sender, die gute Musik und auf das tolle Moderatorenteam.

Und dann klingelte recht bald mein Handy, ein freundlicher Herr bedeutete mir, ich möge doch noch eine halbe Stunde aufbleiben, die Frau Steinbusch und der Herr Jenschar wollten mich in die Sendung nehmen. Auf dass ich mein Gedicht vortrage.

Schock! Sendung ja, gut! Mit Birgit Steinbusch und Frank Jenschar plaudern, auch gut! Eines meiner Gedichte zum besten geben. Auch gebont. Aber genau DAS GEDICHT, was ich eben ins Studio geschickt hatte? Das hatte ich doch in so ein Formular eingegeben, ohne dass ich darauf jetzt noch Zugriff hätte.

Geistengegenwärtig bedeute ich dem Herrn am anderen Ende der Leitung, der wohl schon fragen wollte, ob ich denn noch da sei, dass ich was anderes vortragen wolle. Etwas Heinz-Erhardt-Artiges.

Pause. Ja, ja, ich spüre schon, wie er mich angstvoll fragen will, wie lang das denn wohl dauere. Um ihm zuvorzukommen, und sage nur „Das geht ganz schnell, das ist ein Fünf-Stropher, quatsch, ein Fünf-Zeiler.“ Er verabschiedet sich beruhigt von mir, maximal 30 Minuten, dann sei ich auf Sendung, meint er noch.

Das ist genau der Augenblick, in dem ich auf mein Selbstgespräch angesprochen werde…

Ich hole auf meinem Laptop das von mir intendierte Gedicht „Wenn es keinen Efeu gäbe“ hervor, das ich seinerzeit als Liebeserklärung an Heinz Erhardt und sein Efeu-Gedicht geschrieben hatte.

Letzten Sonntag wollte ich noch mit abgestimmt haben bei der Hitparade, wobei mir eigentlich egal ist, welche Hits oben landen, die Redaktion und die Hörer dieses Senders haben einfach „meinen“ Geschmack. Und so kam es, wie es kommen musste. Und ich hatte eben nicht mit abgestimmt. Was sicherlich weniger bedeutsam war, als wenn ich nicht zur Bundestagswahl gegangen wäre.

Es klingelt. Frau Steinbusch begrüßt mich aufgeräumt, ich würde was dichten wollen, gibt mich an Herrn Jenschar weiter, den ich auch noch mal intensiv beruhigen muss, dass es nur ein kurzes Gedicht sei, dass ich da zum besten geben wolle.

Und so erlebt mein Ahorn-Fünfzeiler seine Radio-Uraufführung. Und ich ergattere so ganz nebenbei ein paar Eintrittskarten für die SWR1-Hitparaden-Party am kommenden Samstag. Ab Mainz. 19 Uhr. Auf der MS Rheinenergie.

Ich war noch nie auf sowas! Und jetzt darf ich dabei sein! Hurra! Danke. Danke. Danke.

SWR1 RP Hitparade Party Eintrittskarte
SWR1 RP Hitparade Party Eintrittskarte

Fortsetzung folgt… (Ihr wollt doch wissen, was es mit Claudia auf sich hat, die am Telefon bleiben soll. Oder mit Tanja, die ihren Mann als Vortänzer angeboten hat. Oder warum Herr Köhler nachts um drei nicht mehr schlafen konnte…)

P.S. Der kommende Samstag war natürlich vorgestern. Und wer schon mal spinxen möchte, bevor ich hier weiterschreibe: Hier der Link zu allem rund um die SWR1-RP-Hitparade.

© Ulf Runge, 2009

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Dori sagt:

    Lieber Ulf,
    ja ja so kann es einem gehen. Schneller als Mann denkt ist man im Radio!
    Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, ich denke, in der kommenden Nacht ist sie dann im Netz?
    Sonnigste Grüße
    Dori 🙂

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Dori,

      schön, dass Du Dich auf die Fortsetzung freust.
      Die ich Dir leider jetzt noch nicht bieten kann.
      Vielleicht wird das heute Abend noch was.
      Ansonsten am Freitag. Indianerehrenwort…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Mamü sagt:

    Herzlichen Glückwunsch, lieber Ulf.

    Liebe Grüße,
    Martina

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  3. Wally sagt:

    Finde ich klasse, dass du dich getraut hast, dort mitzumachen! Und die belohnung dafür folgte auf dem Fuß. Super!
    Herzlichen Glückwunsch zur Eintrittskarte und Radiopremiere

    von Wally

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Martina,

    danke für die Glückwünsche.
    Sehen wir uns auf der adventlichen Bootsfahrt von Mainz nach Worms?
    Der nächste SWR1-Event steht vor der Tür!

    (Nein, nein, noch habe ich keine Karten, lach).

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. Ulf Runge sagt:

    Liebe Wally,

    danke für die Mitfreude.
    Es ist ein tolles Gefühl, plötzlich und unerwartet etwas mitgestalten zu dürfen, was man bis eben nur als passiv Beteiligter erlebt hat. Und dann bist Du plötzlich aus Sendung, das ist schon prickelnd…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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