Geheimnis

am
Leben 511 – Mittwoch, 28.10.09

Was ein Geheimnis ist? Als Kind habe ich gelernt, dass ein „richtiges“ Geheimnis etwas ist, das nur einer weiß. Wenn zwei es wissen, dann sei es keines mehr.

Nun, so „päpstlich“ will ich „jetzt“ mal nicht sein.

Heute habe ich ein Geheimnis erfahren. Ich müsse es die nächsten zwei Tage für mich behalten. Dürfe mit niemandem darüber reden. Solle dies sozusagen als besonderen Vertrauensbeweis auffassen. Da sage ich natürlich erst einmal „Danke!“.

Was fange ich jetzt an mit diesem Geheimnis? Es ist glücklicherweise nichts Schlimmes, Sittenwidriges, Trauriges. Ja, was fange ich jetzt mit meinem Wissensvorsprung an? Niemand sieht mir selbigen an…

Also, erst einmal für mich behalten! Sowieso! Natürlich werde ich nichts ausplaudern. Ehrensache!

Bis übermorgen, dann, wenn es „alle“ erfahren. Und dann ist es ja auch kein Geheimnis mehr. Interessiert niemanden mehr so richtig brennend. Weil nicht geheim.

Und jetzt grüble ich darüber, ob ich überhaupt darüber schreiben darf, dass ich ein Geheimnis weiß. Aus diesem Grund werde ich diesen meinen Artikel erst übermorgen veröffentlichen. (Wenn Du dies liest ist übermorgen. Oder noch später. Und dann ist das hier alles gegenstandslos. Weil nicht mehr geheim.)

Wobei, dann stellt sich immer noch die Frage, ob ich „danach“, also wenn es „alle“ wissen, ob ich dann einräumen darf, dass ich es „schon vorher“ gewusst habe. Oder ob selbst das geheim ist?

Weil es vielleicht nicht okay ist, dass andere erfahren, dass man für Stunden zu denen gehört hat, die „es schon gewusst“ haben.

Und dann wird es womöglich diejenigen geben, die sagen, dass ich mit dem, was ich erfahren habe, dass ich mit diesem Wissen im Gepäck hätte handeln müssen. Eskalieren. An die Presse gehen. Um unter allen Umständen zu verhindern, was da geplant sei. (Das ist nun ein bisschen dramatisiert, okay, okay.)

Es ist ziemlich schwierig, Geheimnisse anvertraut zu bekommen. Und diese dann mit sich herumzutragen. Also, ich werde nichts verraten. Bleibt die Frage, ob ich diesen Artikel veröffentliche. Nicht um damit anzugeben, dass ich für Stunden Geheimnisträger war. Sondern um den Konflikt aufzuzeigen, in den mich das mir anvertraute Geheimnis gebracht hätte, wenn ich es nicht mit meinem Gewissen hätte vereinbaren können.

Wissensdurst, bisweilen auch Neugierde genannt, liegt in der menschlichen Natur. Ich vermute mal, dass Du schon ganz gerne wüsstest, welches Geheimnis ich mit mir herumgetragen habe. Aber behalte ich lieber für mich.

So, DAS also ist mein Geheimnis . Und ich vertraue es Dir nicht nur für zwei Tage an. Sondern für immer.

© Ulf Runge, 2009

20 Kommentare Gib deinen ab

  1. gabaretha sagt:

    Lieber Ulf,
    Geheimnisse haben die magische Eigenschaft, Neugier zu entfachen und zur Enthüllung zu reizen. Ich wüsste zwar gern, welches Geheimnis Du zwei Tage lang getragen hast, andererseits weiß ich, dass es bei Dir sicher und gut aufgehoben ist…
    Ich wünsche Dir viele schöne und süße Geheimnisse,
    besser und besser,
    Gaba

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Gaba,

      wenn Du Dinge „unter die Leute“ bringen willst, dann schreibe dick und fett „Vertraulich“ drauf,
      schicke das Ganze zum Netzwerkdrucker und lass das mal ne stunde dort liegen.

      Ich glaube, Du erfährst auf Deinen Seminaren erst recht sehr viel Persönliches,
      das mit Sicherheit bei Dir besonders Gut aufgeboben istl

      Liebe Grüße, Ulf

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  2. Bredenberg sagt:

    Hah, will ich gar nicht wissen, hah, paah.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Bredenberg,

      in „unserem“ Alter ist das sowieso eine Frage, ob wir es nicht irgendwann vergessen, bevor wir es ausplaudern können…
      *lach* 🙂

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  3. Elisabeth sagt:

    Lieber Ulf,
    ich kann mir Anvertrautes sehr gut für mich behalten, aber wenn einer mit einem sogenannten Geheimnis kommt und auch ganz geheimnisvoll tut, dann kann ich so gut wie sicher sein, dass genug andere auch schon eingeweiht sind. Denn so wie du schreibst, ein Geheimnis ist nur dann eines, wenn nur ICH davon weiß. Und auch ICH habe meine Geheimnisse, von denen ich denke, dass ihre Wirkkraft umso stärker ist, wenn sie niemand erfährt 🙂
    Allerliebste Grüße zu dir, Elisbeth

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Elisabeth,

      ach wie gerne wüsste ich Deine Geheimnisse! Vielleicht können wir ein bisschen „tauschen“?

      Lege ein Stück Papier mit dem Vermerk „GEHEIM“ an einen öffentlichen Ort, etwa auf einen Tisch in einem Café.
      Das verbreitet sich schneller als Werbung, für die man noch Geld bezahlen muss….

      Lachende und liebe Grüße,
      Ulf

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  4. Ralph sagt:

    Hallo Ulf,

    irgendwie scheint meine eMail nicht bei dir angekommen zu sein.

    Darin hatte ich nämlich eine konkrete Frage an dich :

    […] heute war ich wieder einmal seit langem (mir geht so Vieles durch den Kopf) auf deinem Blog.

    Nicht, dass ich bei deinem älteren Blog-Design keinen Überblick hatte, aber mir gefällt momentan doch sehr deine platzsparende und gut gegliederte Menü-Leiste.
    Könntest du mir den Link zu diesem PlugIn zumailen. Wäre echt nett.

    Viel Spass und Erfolg bei all deinen weiteren Projekten.

    Beste Grüße,
    Ralph

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Ralph,

      sorry sorry sorry, ich war arbeitsmäßig und gesundheitsmäßig ein wenig „abgestürzt“. Und zu guterletzt war ich noch „auf Party“.
      Jetzt aber: Es handelt sich um das WordPress-Theme „INove“ von „mg12“.

      Ich hoffe, dass wir uns mal wieder sehen, auf einer Poetry Slam; ich werde meine Pause spätestens nach dem Februar 2010 beenden wollen.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  5. elisabeth sagt:

    Lieber Ulf,
    Du bist also einer, dem man gerne Geheimnisse anvertraut.
    Das spricht für Dich immerhin.
    So schwer Du Dir auch tust mit dieser großen Last.
    So wie Du es beschreibst, ist es eher gemein das jemanden anzutun, das mittragen zu müssen und irgendwie vergeht einem da auch die ureigene Neugier.
    Manchmal ist es besser die Dinge nicht zu wissen, wenn man es aushält, daß da was ist, was ich nicht weiß……
    liebe Grüße
    und frohes keltisches Neujahr
    elisabeth

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe elisabeth,

      ach, Du hast mein Leid voll erkannt 🙂

      Es ist doch so: Wir wollen alles wissen. Vor allen anderen. Und wenn wir wirklich mal vor allen anderen was wissen,
      dann sind wir auf einmal Mitwisser, Mittäter. Und können mit unserem Wissensvorsprung nicht wirklich was anfangen.
      Außer ausplaudern. Und dafür sind wir nicht entsprechen gestrickt…

      Keltisches Neujahr? Ist das ein Geheimnis? Wohl für mich. Aber nicht für Gugel…

      Ich wünsche Dir ein ebenso gutes neues Jahr. Wann auch immer Du es anfangen lassen möchtest.
      Jeden Tag können wir ein neues Jahr anfangen…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  6. Sabine sagt:

    Hey Ulf!
    Geheimnis ist toll!
    Ich habe Nachbarn, denen muss man nur was im Vertrauen erzählen, dann weiß es das ganze Viertel :mrgreen: Das ist wirklich toll! Da kann man sich drauf verlassen, denn jeder im Viertel weiß das …
    Ich finde es noch viel schöner, dass es Menschen gibt, denen man wirkliche Geheimnisse anvertrauen kann – Menschen wie dich …

    Liebe Grüße
    Sabine

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Sabine,

      danke für die Blumen.
      Was mich quält, ist natürlich die Frage, ob ich hätte sagen dürfen, dass ich was weiß.
      Ohne bereit zu sein, preiszugeben, was ich weiß…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  7. Mo sagt:

    Lieber Ulf,
    Du schreibst:

    *Wobei, dann stellt sich immer noch die Frage, ob ich „danach“, also wenn es „alle“ wissen, ob ich dann einräumen darf, dass ich es „schon vorher“ gewusst habe. Oder ob selbst das geheim ist?*

    Lieber Ulf,
    ich finde es sehr mutig von Dir, so einen Satz zu schreiben.
    Und die Frage: „Oder ob selbst das geheim ist?“, würde ich persönlich mit Ja beantworten.

    Gruß – Mo

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Mo,

      danke, dass Du meine Frage als Mut einstufst. Und nicht als Dummheit. 🙂

      Danke für Deine Einschätzung, dass man über die Mitwisserschaft an längst eröffneten Geheimnissen ebenfalls nicht reden sollte.
      Dass Du der Meinung bist, dass es ein Geheimnis ist, ein Geheimnis gehabt zu haben.

      Das bringt mich auf die Idee, zu meinem heutigen Beitrag… 🙂

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  8. Ralph sagt:

    Hallo Ulf,

    kein Problem wegen der Verspätung …
    Vielen Dank für deinen Hinweis bezüglich des Plugins.

    Übrigens, NEIN, ich besuche keine Poetry-Slams mehr, weder aktiv noch passiv.

    Beste Grüße,
    Ralph

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  9. Ulf Runge sagt:

    keine poetry slams mehr? bist du ps-satt, ralph?

    lg, ulf

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  10. Ralph sagt:

    Ja, es ist nicht meine Stilrichtung, thematisch geht es auch oft unter die Gürtellinie.
    Poetry-Slams widersprechen u.a. dem diagolischen Prinzip zuzuhören und den anderen ohne Zeitnot ausreden zu lassen 😉

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Ralph,

      ich kann auch nicht sagen, dass Slammen meine Stilrichtung ist.
      Es ist eine Ausdrucksform, bei der ich eigentlich nicht wirklich was verloren habe, weil ich eher der Vorleser bin und weniger der Darsteller.
      Ich möchte trotzdem nicht ausschließen, dass ich da noch weitere Gehversuche unternehmen möchte.

      Geschmacklosigkeit und Unter-die-Gürtellinie-gehen ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal von Poetry Slams.
      Das gibt es in Blogs genauso wie bei Laden-Werbung.

      Das dialogische Prinzip, ach ja: Das ist der Grund, warum ich mich in einem Gottesdienst bisweilen unwohl fühle, weil es keinen Dialog, keinen Meinungsaustausch gibt. Das gleiche gilt auch fürs Fernsehen. Oder Kino. Oder Museum. Während dagegen im sog. Frontalunterricht sehr wohl massive Auseinandersetzungen zwischen Lehrer und Schülern entstehen können.

      Aber Du hast vollkommen recht: Da werden ein paar Kandidaten im Ex-und-Hopp-Verfahren in jeweils 7-Minuten-Auftritten durchgewunken. Ohne zu hinterfragen, wie und warum denn nun gerade dieses Kleinkunstkunstwerk entstanden sei. Es könnte eine Bereicherung sein, nach dem Auftritt und womöglich noch vor der Abstimmung mehr zu erfahren über Intention und Inspiration des Kunstwerkes sowie des Künstlers.

      Wer weiß, vielleicht machen wir mal was in Sachen „Lese-Abend“…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  11. Mo sagt:

    Hallo lieber Ulf,
    nun bin ich ja mal gespannt auf den Kommentar,
    den Du dem Ralph auf seinen Kommentar geben wirst – hoffentlich wird es ein geistreicher 😛

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Mo,

      jetzt antworte ich erst einmal Dir und dann dem Ralph:
      Ich schließe mich Deiner Hoffnung an…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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