Macht

Leben 510 – Montag, 26.10.09

Was Macht ist, weißt Du, oder?

Etwa im Überholverbot die vorgeschriebene Geschwindigkeit fahren. Obwohl die Straße, die Witterung und die Verkehrslage Dich und die riesenlange Schlange in Deinem Rückspiegel dazu einladen würden, etwas schneller zu fahren.

Etwa im Aufzug stehen, und die Aufzug-Schließen-Taste drücken, obwohl Du siehst, dass da noch jemand heraneilt und gerne mitgefahren wäre…

Über Macht also soll dieser Beitrag handeln.

Wir sitzen im Restaurant. Die Speisen sind geordert, der einzige, der eine Suppe möchte, bin ich. Die Getränke sind serviert, als recht bald schon meine Suppe vor mir steht.

Ob sie wüssten, was Macht sei, frage ich meine Tischnachbarinnen? Höflicherweise ermutigen sie mich durch Achselzucken, doch meine Erklärung bezüglich der Macht zum Besten zu geben.

„Macht ist zum Beispiel, wenn ich meine Suppe jetzt gaaanz gaaanz laaangsam esse. Wenn Ihr deshalb mit Eurem Essen warten müsst, bis meine Suppentasse abgeräumt ist.“

Die eine Tischnachbarin gibt mir zu bedenken, dass ich mich darauf mal nicht verlassen solle, die würden hier servieren, wie es kommt.

Ja, und es kam. Es kam so, dass mir meine Augen fast ausfielen. Während ich meine Markklöschenkraftbrühe stolz wie Oskar und im festen Glauben, ich hätte Macht haben können, wenn ich nur gewollt hätte, Löffel für Löffel sichtlich und sichtbar genoss, währenddessen also ergab es sich, dass auf einmal alle meine sieben BegleiterInnen eine Suppenterrine vor sich stehen hatten. Eine freundliche Geste des Gastgebers. Tagessuppe für alle.

Nur für mich nicht. Ich hatte ja „meine“ Suppe.

Macht. Was mir dazu einfällt? Nun, Macht ist vergänglich. Und zwar ganz schön schnell…

© Ulf Runge, 2009

21 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bredenberg sagt:

    Macht macht machtlos, früher oder später. Gruß Bredenberg

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  2. Mo sagt:

    Lieber Ulf,
    Macht ist vergänglich – aber leider dauert das immer viel zu lange. 😛

    Gruß – Mo

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  3. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, herrlich zu lesen, diese Machtspielchen…:-) Ich bin übrigens kein grosser Fan Vorspeisenessern, weil ich meist nur ein Hauptgericht bestelle und dann immer warten muss… Also fühlte ich mich am Anfang ganz besonders angesprochen:-)und hab mich sehr über den Ausgang der Geschichte gefreut…Jetzt frag ich mich nur noch leise, was Du mit 7 FRAUEN am Tisch gemacht hast…*grins-frech*, liebe Grüsse Andrea

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  4. Sabine sagt:

    Da fällt mir spontan ein – kleine Sünden straft der liebe Gott sofort :mrgreen: – eine wahrhaft putzige Geschichte 🙂
    Die Geschichte von der „Macht“ 🙂
    Ulf-mit-Suppe gegen sieben-ohne-Vorspeise
    Das konnte sich nur auf diese Weise ausgehen 🙂

    Liebe Grüße
    aus der agnostischen Spinnenpause von
    Sabine

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  5. Lieber Ulf,

    so langsam kommt mir das merkwürdig vor und ich bin am Grübeln was es mit dem „Gesetz der Anziehung“ auf sich hat. Nämlich genau mit deinem Thema habe ich mich vergangene Woche während eines Seminars befassen müssen. Nur war das Thema „Macht“ dort leider nicht lustig.

    „Wenn Menschen zu Bestien werden – der Lucifer Effekt“, war der Arbeitstitel. Der Leiter eröffnete das Seminar mit einem Zitat von „Eric Hoffer“:

    – Verbündet sich Macht mit chronischer Angst wird sie gigantisch -.

    Es war ein sehr bewegendes Seminar. Aber ich denke die Inhalte sind unter deinem Beitrag unpassend.

    Macht hat viele Gesichter. Es hat mir gefallen, sie einmal von der humorigen Seite kennen zu lernen.

    Vielen Dank für diesen Beitrag und liebe Grüße aus Mannhei-Sandhofen – Christa

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  6. Jürgen sagt:

    Einmal wurde Buddha von einem Räuber mit dem Tode bedroht. „Sei bitte so gut, und erfülle meinen letzten Wunsch“, sagte Buddha. „Schlag den Zweig dieses Baumes ab.“ Ein Schwertschlag, und es war getan! „Was nun?“ fragte der Räuber. „Füge ihn wieder an“, sagte Buddha. Der Räuber lachte. „Du musst verrückt sein, wenn du denkst, irgendjemand könnte das.“ „Im Gegenteil, du bist verrückt, dass du denkst, du seist mächtig, weil du verwunden und zerstören kannst. Das tun Kinder. Die Mächtigen können erschaffen und heilen.“

    Und Deine Geschichte war wie immer sehr heilsam, lieber Ulf,

    Jürgen

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  7. Ulf Runge sagt:

    Lieber Bredenberg,

    Macht macht machtlos?
    Was für ein schönes Wortspiel!

    Ja, Macht ist uns nur für Zeit gegeben.
    Und sind wir mit ihr achtlos, sind wir die Macht schon bald los.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  8. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    Macht wird uns gegeben, Macht wird uns genommen.
    Ob die Entmachtung der einen dazu führt,
    dass die nachfolgend Mächtigen uns glücklicher machen,
    das wissen erst oft, wenn wir deren Nachfolger kennen.

    Das Schöne: Es bleibt immer die Hoffnung, dass es besser wird…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    da freu ich mich aber, dass Du Dich bei dem Suppenthema angesprochen gefühlt hast.

    7 BegleiterInnen? Nun das ist „I“ ist groß geschrieben und lässt (leider – lach) alles über das Geschlecht offen. Im Ernst: Die Runde war „paritätisch“ besetzt.

    Frechfettrückgrinsende liebe Grüße,
    Ulf

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  10. Ulf Runge sagt:

    Liebe Sabine,

    danke für die Aufforderung, mal nach „agnostisch“ zu clicken.
    Das hat mir die Begrenztheit meines Wisses schön illustriert 🙂

    Manchmal frage ich mich, warum mir solche Geschichten nicht „einfallen“?
    Warum ich sie „erleben“ muss / darf?

    Ist das, was die „großen Autoren“ schreiben, wirklich alles ausgedacht?
    Oder haben die nur viel mehr „Verrücktes“ erlebt als ich?

    Altweibersommerliche (und das ist jetzt kein Zufall, dass ich dieses Eigenschaftswort wähle, und hat ausschließlich was mit Deinem Blognamen zu tun, kicher) Grüße,
    Ulf

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  11. Ulf Runge sagt:

    Liebe Christa,

    ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendetwas noch so Ernstes und Ernsthaftes hier deplaziert sein könnte.

    Clown sein kann man nur wohl so richtig, wenn man eine tiefgehenden Affinität zur Melancholie hat. Was sich bei mir lustig und witzig liest, hat oft genug einen tief-ernsten Kern, den entdecken mag, wer möchte…

    Ich liebe es, wenn meine Denkanstöße durch ein Lächeln provoziert werden.

    Lächelnde Grüße,
    Ulf

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  12. Ulf Runge sagt:

    Lieber Jürgen,

    danke für diese wunderbare Begebenheit über Buddha und den Räuber.
    Ich kannte sie noch nicht.
    Ich wäre so manches Mal schon froh gewesen, wenn ich dieses Bild über die Macht hätte erzählen können…

    Dass Du meine Schilderung, gerade in diesem Zusammenhang, „heilsam“ nennst, dafür bedanke ich mich in aller Demut.

    Wenn Hippokrates die Weisheit „Lasst das Essen Eure Medizin sein …“ nachgesagt wird, so will das mal wie folgt adaptieren: „Lasst Eure Lieblingsblogs Eure Herzen- und Seelenmedizin sein…“

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  13. Elisabeth sagt:

    Lieber Ulf,
    schöne, wertvolle, heilsame Geschichten, die ich hier bei dir und in den Kommentaren lesen darf. Danke!
    Wenn das denen, die glauben, Macht zu haben, und denen, die dadurch unterdrückt werden, nur bewusst würde…
    Sonnige Grüße zu dir, Elisabeth

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Elisabeth,

      danke für Dein Kompliment an all die, die sich mit ganz Persönlichem hier in den Kommentare einbringen.
      Und an das Leben, das mich immer wieder Dinge erleben lässt, an deren Schilderung Du und Ihr Gefallen findet.

      Macht, Sachzwänge, Termine, das sind Erfindungen von Menschen. „Für“ Menschen.
      Dass es selbst gegen vermeintliche Bedrohung und Gewalt möglich ist, die Machtverhältnisse zu ändern,
      das haben uns die mutigen Menschen in der damaligen DDR vor zwanzig Jahren eindrucksvoll gezeigt.

      Die sonnigen Grüße schicke ich Dir gerne zurück.
      Trocken. Sonnig. Frische Luft. So mag ich den Herbst. Und den Winter.
      Liebe Grüße,
      Ulf

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  14. Mamü sagt:

    Lieber Ulf,

    ja, so kann es gehen. 🙂 Im einen Moment glaubt man noch der mächtigste Mann am Tisch zu sein und im nächsten Moment ist es mit der Macht aus und vorbei. 😉
    Ich hoffe, das hat dir die Suppe nicht versalzen und sie hat dir trotzdem noch geschmeckt. :mrgreen:

    Liebe Grüße,
    Martina

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Martina,

      ich habe mir mächtig einen gegrinst.
      Und dann dachte ich nur noch: Das „meine heutige Geschichte“.
      Da mach ich was draus. Die schreib ich auf.

      Aufzugfahren. Da ist immer gut, wenn noch jemand draußen bleibt. Der Hilfe holen kann.
      Außer ich habe diese Person gerade mal eben verärgert…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  15. Mamü sagt:

    Bei dem Aufzug muss ich gerade dran denken… wenn der jetzt stecken bleibt… so viel zur Macht. 😉

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  16. Wally sagt:

    Lieber Ulf

    Sich im Gefühl der Macht zu sonnen und im nächsten Moment mit aller Macht entmachtet zu werden – war sicherlich ein mächtig schockierendes Erlebnis 😯 *grins*

    Gern gelesen!

    Amüsierte Grüße
    von Wally

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Wally,

      wenn Du bergab fährst, auf eine Kreuzung zu, und die Bremsen Deines Autos „tun“ nicht mehr,
      und das mit viel Glück überlebst, dann kann Dich eine Suppen-Entmachtung absolut nicht mehr beeindrucken 🙂

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  17. Dori sagt:

    Lieber Ulf,

    ich habe festgestellt, dass viele Menschen mit dem Thema MACHT nicht umgehen können. Weil sie Macht für etwas Negatives halten. Oder aufgrund ihrer Machtposition andere Menschen unvorteilhaft behandeln, quasi ihre Macht „ausspielen“. Als ob das etwas mit Spielen zu tun haben könnte. Und wenn ich dann so nachdenke, haben diese Menschen vielleicht nur Macht über vermeintlich Schwache?
    Diese Thema regt aber sehr zum Nachdenken an.

    Sonnigste Grüße
    Dori 🙂

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Dori,

      ich finde es wunderschön, wenn Menschen über andere Menschen „Macht“ haben, weil letztere den ersten etwas freiwillig zubilligen, was die einzig wahre Legitimation für Macht ist: Autorität, Kompetenz, Veranwortung.

      Alles andere „funktioniert“ nur auf Zeit. Und es werden sich immer wieder Enttäuschte und Zurückgesetzte finden, die am Fundament rücksichtsloser Machthaber sägen werden. Gut so.

      Sonnige Grüße an den wolkenverhangenen Niederrhein,
      liebe Grüße,
      Ulf

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