Wahllos

Leben 495 – Freitag, 25.09.09

Stell Dir vor, Du könntest am kommenden Sonntag wählen. Und so wie Du, so wählen die meisten anderen auch. D.h. Ihr habt die Mehrheit. Es sind keine weiteren Koalitionsgespräche notwendig. Keine Abstriche von einem Wahlprogramm. Kein Posten-Geschachere, etwa um den Außenministerposten.

Das kannst Du Dir nicht vorstellen? Du hast genug vom Verrat an Parteiprogrammen und Koalitionsaussagen? Gehst deshalb also nicht zur Wahl? Willst wahl-los bleiben. Ja, dann gratuliere ich Dir. Dann wählst Du ja wie die meisten: Nämlich gar nicht.

Weißt Du, dass, wenn Ihr, die Nichtwähler, eine Partei gründen würdet, dass Ihr dann die Dinge ändern könntet? Etwas bewegen statt zu schimpfen?! Eure Träume von einer schöneren, gerechteren Welt, was auch immer das sein mag, gestalten! Mensch, Ihr hättet die Mehrheit!

Ihr könntet Atomkraftwerke abschalten und aus Afghanistan abziehen. Oder auch nicht. Je nachdem, was Ihr im Parteiprogramm festlegt.

Ja, und Du könntest endlich dafür sorgen, dass man nicht nur alle vier bis fünf Jahre ein demokratisches Beliebigkeitsbündel (Deutschland kann mehr, kann’s besser; und bitteschön Reichtum für alle!) wählt, sondern dass im Zeitalter von SMS und Twitter ein ganzes Volk bei politischen Debatten mitfiebert, seine Meinung zum Ausdruck bringt, zeitnah mitentscheidet.

Solange wir ein Parlament für die Dauer einer Legislaturpersiode in den Stellvertreterkrieg gegen Brüssel, die Lobbies und die Medien schicken, statt selber in die laufende Mitgestaltung unserer Zukunft involviert zu sein, solange läuft was schief.

Ich geh’ wählen am Sonntag. Was und wen, weiß ich noch nicht. Der Wahl-o-mat mit seinen 20 38 Schlüsselfragen zu Themen, die uns was angehen, hat mir eine Idee gegeben, welche demokratische Partei ich wählen werde. Aber ich werde wählen.

Ich geh’ wählen am Sonntag. Ich werde niemandem die Chance geben, meine Trägheit, meine Unentschlossenheit oder meinen Frust dazu auszunutzen, dass wir eines Tages nicht mehr zu einer freien, gleichen und geheimen Wahl gehen dürfen.

Ich geh’ wählen am Sonntag. Werde nicht wahl-los bleiben. Und nicht wahllos wählen.

Ich geh’ wählen am Sonntag. Kommst Du mit?

© Ulf Runge, 2009

12 Kommentare Gib deinen ab

  1. gabaretha sagt:

    Lieber Ulf,
    ich komm mit und bin dabei.
    Auch mir hat der Wahl-O-Mat bei meiner Meinungsbildung sehr geholfen und ich denke, dass bei dieser Wahl viele Menschen diese Chance auf Mitreden erkennen werden. – Ich stells mir einfach vor…und hoffe, dass viele die Mitmach-Schwingung auffangen.
    Sonnige Nachtgrüße in die schöne Bergstraße,
    besser und besser,
    Gaba

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Gaba,

      danke für Deinen Beistand, sprich Dein Mitkommen.
      Selbst wenn wir was anderes wählen, wir wählen zu wählen.
      Wir wählen unsere selbstbestimmte Zukunft.

      Sonnige altweibersommerige Grüße in das wunderschöne Isartal,
      besser und besser, ja ganz bestimmt,
      Ulf

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  2. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, sehr sehr gut geschrieben, ich kann leider nicht mehr in Deutschland wählen, ich hätte es aber auf jeden Fall getan, wenn ich könnte…Der Gedanke, was all die Nichtwähler zusammen erreichen könnten, der ist supergut…Ich hoffe, mit diesem Beitrag erreichst Du ganz viele Menschen… Einen schönen Samstag, liebe Grüsse Andrea

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Andrea,

      dann gehst Du halt in der Schweiz zum Kreuzerlmachen…
      Schön, dass Du Dich trotzdem als Ich-wäre-gegangen positionierst…

      Sonnig-liebe Grüße ins Wallis,
      Ulf

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  3. Bredenberg sagt:

    Ich komme mit. Ich weiß auch schon, was ich nicht wähle. – Guter Aufruf an die Nichtwähler.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Rolf,

      schön, dass Du mitkommst. Wir treffen uns morgen zwischen 9 und 18 Uhr an der Urne?
      Was ich nichtwähle weiß ich schon. Was Du nichtwählst, lässt Dein Blogbanner ahnen 🙂

      Ich arbeite gerade noch mal den Wahl-o-mat (http://www.wahl-o-mat.de/) durch, und entscheide, wen und was ich morgen wähle…

      Wahlhaftig-gute Grüße,
      Ulf

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  4. Mo sagt:

    Und lieber Ulf?
    Hast Du inzwischen gewählt?
    Ich habe auch gewählt.
    Für mich waren es diesmal – die längsten Minuten in einer „Wahlkabine“ überhaupt.

    LG – Mo

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Mo,

      ja, ich habe gewählt. War nach einer Minuten wieder draußen.
      Weil ich es mir vorher gründlich überlegt hatte.

      Und unser Wahlgeheimnis, das behalten wir beide für uns, oder?

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  5. Dori sagt:

    Lieber Ulf,

    ich war auch dabei. Ich fand es soooooo wichtig, wählen zu geben, und den Wahl-O-Maten hatte ich schon auf Gabas Blog entdeckt. Meine Kinder sind auch dabei, basteln sie doch gerade an der Zukunft meiner Enkelkinder 🙂
    Allerdings bin ich mit dem Ergebnis nicht so wirklich zufrieden.
    Ich warte auf den „Ruck, der durch Deutschland“ gehen muss.

    Sonnige Grüße, Dori 🙂

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Dori,

      ja, der Wahl-o-mat ist richtig gut, um näher an das heranzukommen, was uns die Parteien koalitionsverhandlungsfrei versprechen.

      Tja, und zur Zufriedenheit kann ich nur sagen: Da schlummert womöglich in jederfraus und jedermanns Bekanntenkreis ein Riesenpotenzial von Nichtwählern. Wir haben ja jetzt etwas Zeit, dieses Potenzial „aufzuwecken“.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  6. Sabine sagt:

    Lieber Ulf,

    ich war auch dabei.
    🙂
    Wenn ich mir vorstelle, dass Menschen in anderen Ländern unter Einsatz ihres Lebens für etwas kämpfen, das zuviele in diesem Land zuwenig beachten 😐
    Nichts ist perfekt – auch Demokratie nicht; schließlich bleibt immer ein unzufriedener Teil übrig – aber deshalb auf dieses Grundrecht verzichten 🙄

    Nachdenkliche Grüße,
    Sabine

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Sabine,

      klasse!
      Ja, wenn man bedenkt, dass bis 1989 in Deutschland ein totalitäres Regime geherrscht hat,
      dann kann man nur sagen: Wir vergessen verdammt schnell.

      Zuversichtliche Grüße,
      Ulf

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