Spendenbericht

Leben 490 – Samstag, 19.09.09

Jetzt will ich frei von der Leber vom Spenden schreiben, und merke, dass ich gar nicht so richtig weiß, was das ist. Also erst mal Wikipedia gespinxt:

Unter einer Spende versteht man eine freiwillige und unentgeltliche Leistung in Form einer Geld-, Sach-, Leistungs- oder Zeitspende (Ehrenamt) für religiöse, wissenschaftliche, gemeinnützige, kulturelle oder politische Zwecke. Spenden gehen dabei meist an eine Organisation wie z. B. einen gemeinnützigen Verein, eine Stiftung, eine Organisation oder eine politische Partei (Parteispende).

Quelle: www.wikipedia.de; Nutzungsrechte: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Aha. Ich sag mal so, Montag war dreifacher Spendentag für mich.

Spenden Eins

Ich war mal wieder zur Blutspende. Es ist ein tolles Gefühl, dass man da etwas von sich hergeben kann, um anderen zu helfen. Und meine Ängste, dass ich aus Altersgründen bald schon nicht mehr darf, sind jetzt auch ausgeräumt. Man darf jetzt wohl bis zum 71. Lebensjahr spenden. Das ist höher als die statistische Lebenserwartung von Männern. 🙂

Spenden Zwei

Jürgen Tesch hat meine Spende für sein Buch durch die Übersendung der ersten beiden Kapitel honoriert. Und ist wahrscheinlich gerade voll unter Dampf, um sein Werk einer initial finalen Version zuzuführen. Ich habe auch schon mit dem Lesen angefangen, und stecke gerade in einer witzigen Übung, durch die erst „durch muss“, bis ich weiterlesen will. Auch wenn ich noch nicht viel gelesen habe von diesem Buch, alleine aufgrund dessen, was ich bisher von Jürgen wahrgenommen habe, kann ich nur sagen: KAUFEN. Nein. Halt. SPENDEN! 🙂

Spenden Exkurs

Bevor ich mit dem dritten Spendenthema fortfahre, noch eine kurze Frage an Dich. Hast Du auch einen Organspenderausweis?

Nicht? Aus Überzeugung nicht? Okay. Dann ist das wohl gut so.

Nicht? Weil Du bisher nicht darüber nachgedacht hast? Dann würde ich mich freuen, wenn Du Dich auch dazu entschließt.

So, und nun zum letzten Spenden…

Spenden Drei

Ich rufe zu Hause an, ich sei bei unserem Koffein-Dealer vorbeigegangen, ich guck ja jede Woche eine neue Woche dort rein, in der Hoffnung, endlich fündig zu werden. Und ich sei heute fündig geworden! Du hast doch nicht? Höre ich das andere Ende der Leitung staunen. Doch. Sage ich. Ungläubiges Schweigen.

Aber der Reihe nach.

In unserem Haushalt gab es lange Zeit genau eine Händewaschflüssigseife. Mit Säureschutzmantel und richtigem pH-Wert. Da ich aber noch empfindlicher als empfindlich war, bin, sein werde, wer weiß, als normale Menschen, zumindest was die Haut angeht, habe ich vor längerer Zeit auf Duschöl umgestellt. Das ich bei einem Süd-Deutschen Discounter einkaufe. Leider gibt es dieses Duschöl nicht im Spender. So wie die Säureschutzmantelseife.

Nun wollte ich aber für mein Duschöl auch so einen Spender haben.

Meine Versuchsreihe beginnt damit, dass wir mal zufällig eine andere NIVEAuvolle Flüssigseife hatten. Als die Spenderflasche leer war, nahm ich mein Duschöl und füllte die Flasche auf. Das ging auch ganz gut so. Während allerdings meine Hände voll auf Duschöl stehen, kann ich das für diese NIVEAuvolle Spenderflasche nicht sagen. Irgendeine physikalisch-chemisch-psychische Reaktion bewog diese Flasche, sich nach innen zu beulen. Was in der naturwissenschaftlichen Messtechnik auch gerne als das Phänomen der autosuggestiv-spontanen Volumenverminderung bezeichnet wird. Will sagen, als die Flasche leer war, hat sie fast überhaupt nicht akzeptiert, noch mal ein paar Tropfen Duschöl in sich hineinzulassen. Fiel stattdessen lieber laufend um, wenn man sie benutzenderweise anfasste. Was sich sogar dahingehend steigerte, dass diese Flasche schon beim Angucken umfiel. Die Flasche landete relativ im Wertstoffmüll und ist heute vielleicht eine Kontaktlinse. Egal.

Und dann wurde ich zum ersten Mal bei meinem Koffein-Dealer fündig. Irgendwie muss ich mir gedacht haben, gib Schöner Wohnen und Feng Shui eine Chance, und ich habe gleich zwei Seifenspender gekauft.

Die hatten sogar, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre, High-Tech. Will sagen, einen optischen Sensor. Du kommst mit der Hand vorbei und die Spende geht los.

Bevor ich das im Detail vertiefe noch ein kleiner Exkurs. Wir haben, glaube ich, ein geschmackvolles Badezimmer, dessen Einzelheiten ich hier gar nicht weiter beschreiben möchte. Und dann bringe ich zwei Faust-ins-Auge-Seifenspender mit, man könnte sie plump und potthässlich nennen, aber ich bin voller Stolz, weil: nun sind Duschöl (links) und Säureschutzmantelseife (rechts) in gleichartigen Gefäßen untergebracht. Zugegebenerweise hässlich, aber ausgewogen.

Der Rest des Haushalts teilt meine helle Freude über diese praktischen Dinge des Lebens nicht wirklich. Zum einen haben die Sensoren bisweilen ihre eigene Meinung, ob denn nun eine waschenswürdige Hand um eine Spende fuchtelt. Diese Meinung äußert sich entweder in Arbeitsverweigerung, was zum Weiterfuchteln und sogar Streicheln des Spender-Sensors führt, manchmal mit Erfolg. Oder in warnstreikähnlicher Preisgabe winziger Säureschutzmanteltropfen.

Oder in sogenanntem Autopilot-Betrieb. Aber nur beim Duschöl. Das heißt, Du betrittst das Badezimmer und die Kiste fängt an zu tropfen. Ohne dass da eine Hand vorm Sensor wäre. Oder noch besser. Der Spender hat bereits eine halbe Stunde lang getropft, Du hörst das nichtendenwollende Pumpgeräusch, und merkst, der Duschölvorratsbehälter ist leer. Da hilft dann schon auch mal, einfach nur die Batterien rauszunehmen.

Was soll ich sagen? Diese überzeugenden Beispiele deutscher Ingenieurskunst waren ein voller Erfolg. Der letzte Rest an wahrgenommener technischer Kompetenz, den Frauen schon gerne mal Männern entgegen bringen, der war, was meine Person angeht, nachhaltig angekratzt.

Eines Tages stand rechts neben dem Verweigerungsspender wieder eine Originalflasche Säureschutzmantel. Ich verstand das Zeichen. Der rechte Spender wurde entsorgt.

Aufgrund des exponentiell gestiegenen Duschöl-Konsums, flog dann über kurz oder lang auch Potthässlich Nummer 2 raus.

Seitdem war ich am Streunen, wie die Rheinländer sagen. Samstags graste ich die Haushaltsabteilung diverser Supermärkte ab. Vergebens. Werktäglich trollte ich mich am Schaufenster des Koffein-Dealers vorbei. In der Hoffnung, er würde mal wieder. Aber ohne Sensor. Nur so. Du drückst drauf. Und es kommt was.

Und wie gesagt, Montag war es so weit: Ich entdeckte den Gegenstand meiner oben angerissenen Telefonbotschaft. Seit Wochenbeginn bin ich stolzer Besitzer eines sensorfreien Seifenspenders. Fürs erst habe ich mal nur einen gekauft.

Ja, was soll ich sagen. Ein langes Warten ging zu Ende. Und ich bin glücklich.

P.S.:

Vier Tage und ein paar Stunden später betrete ich nichtsahnend und sorglos das Badezimmer. Was muss ich da sehen? Der batterie- und sensorfreie Spender spendet heimlich Duschöl. Tropfen für Tropfen. Riesenqualität. Leonardo da Vinci hat es erdacht, das Perpetuum mobile, das Dingens, das immer tut, ohne das jemand was dazutut. Er also hat es erdacht. Ich aber, ich HABE es…

Da bleibt mir nur eines: Einfach ein bisschen beobachten. Vielleicht mal nachts um drei unverhofft aufkreuzen, und ihn zur Rede stellen, was er hier denn jetzt tue, er, der Seifenspender…

Ob ich ihm die Geschichte seiner Sensor-Vorfahren erzählen solle…

© Ulf Runge, 2009

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s