Sauerstoff? Vakuum?! Stickstoff?! Sauerstoff!

Leben 484 – Sonntag, 06.09.09

Das neue Sauerstoffgerät ist noch kein Jahr alt, da gibt es erste Probleme. Wofür ist eine Garantie gut? Richtig! Man nimmt das Gerät und bitte um kostenlose Reparatur.

Nun muss man wissen, dass ich mich damals sehr lange mit dem Neukauf des Gerätes beschäftigt hatte. Und dann durch glückliche Umstände fern der Heimat sozusagen ein Schnäppchen gemacht habe. Allerdings in einem Fernderheimat-Sauerstoffladen.

Jetzt ist neue Gerät also kaputt und ich will nicht 150 Kilometer fahren wegen der Reparatur. Gut, dass es ein paar Ortschaften weiter auch einen Sauerstoffladen gibt. Also hingefahren. Der Verkäufer sieht sich den Schaden an und schlägt vor, das Gerät in die Fabrik einzuschicken. Ob ich die Rechnung dabei häbe?

Alles, außer der Rechnung, habe ich dabei. Fahre heim. Suche die Rechnung. Finde sie. Ist zu spät, um noch mal hinzufahren. Hat bestimmt schon zu.

Stelle wenige Tage später fest, dass in meinem Supermarkt auch ein Sauerstoffladen aufgemacht hat. Na prima. Nehme kaputtes Gerät, mit Rechnung, gestehe, in der Fremde gekauft zu haben, ergänze, dass das Gerät wohl eingeschickt werden müsse, das habe der Kollege in der Nachbarschaft jüngst festgestellt.

Das muss man sich mal vorstellen! Da unterhalten sich eine Sauerstofffrau und ein Sauerstoffmann in diesem kundenleeren Sauerstoffladen! Die beiden sind mit sich selber so beschäftigt, dass sie mich 30 Sekunden wie Luft, nein, wie Sauerstoff, nein, eher wie Vakuum, behandeln. Ich erzähle also meine Geschichte, und was ist das erste, was meinem männlichen Gegenüber einfällt?

Nein, es ist nicht: „Oh, Sie haben eine Krawatte an, es könnte sein, dass ich Ihnen bald ein neues teures Handy verkaufe, ich möchte Sie unbedingt als Neukunden gewinnen, ich möchte alles für Sie tun, um Sie glücklich zu machen.“

Nein, es ist auch nicht: „Ich bin Dienstleister aus Überzeugung. Und wenn ich Augenoptiker wäre, würde ich Ihnen jetzt kostenlos die Brille putzen!“

Statt dessen: „Ich muss (MUSS sagt er, er, der selbstständig ist, er, der Herr in seinem Sauerstoffladen ist) da 10 Euro Bearbeitungsgebühr verlangen, weil das Sauerstoffgerät nicht hier gekauft worden ist.“

Ich bedanke mich für die überschwängliche Begrüßung und rufe ihm noch zu, dass ich seinen Sauerstoffladen weiterempfehlen werde. Was ich ja hiermit tue. Und beschließe, dass ich soeben zweimal in diesem Stickstoffladen gewesen sein will: Das erste Mal. Und das letzte.

Mache mich auf in die Nachbarstadt zu dem kompetenten Sauerstoffladen. Zu dem Herrn, der mich zuvor schon mehrfach kompetent beraten hatte. Diesmal habe ich die Rechnung dabei. Er sagt nichts von 10 Euro extra. Ich frage auch nicht danach. Selbst wenn er 20 Euro verlangen würde, wäre das okay für mich. Weil, er ist „alteingesessen“. Hat jeden Tag „die Bude voll“. Weil er so gut ist. Er braucht keine neuen Kunden mehr. Handelt aber, weil er Profi ist, genau so, als hätte er es nötig. Ist höflich, zuvorkommend, hört zu, ist bemüht, seine Interessenten und Kunden „glücklich“ zu machen.

Ich werde sehen, ob und wieviel Bearbeitungsgebühr er verlangen wird.

© Ulf Runge, 2009

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mo sagt:

    Lieber Ulf,
    ich weiß gar nicht, was ein „Sauerstoffladen“ ist.

    LG – Mo

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Mo,

      nun, für einen Schlüsselroman fehlen ein paar Seiten bei dieser Begebenheit.
      Aber in der Tat bringst Du mich in Schwierigkeiten:
      Da schreibe ich – womöglich – etwas Verschlüsseltes.
      Und Du fragst mich nach dem Schlüssel.

      Ich lehne mich mal ein bisschen aus dem Fenster.
      In einem längst untergegangen Staat hätte man sich vorstellen können, dass es dort Wassersauerstoff-Läden gegeben hat. Oder?

      Falls ich für Dich nur in Rätseln spreche, dann schicke ich Dir auch gerne eine Nachricht.
      Lass es mich – z.B. hier – wissen.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Mo sagt:

    Hallo lieber Ulf.
    Nein, ich möchte nicht, dass Du mir eine Nachricht schickst – womöglich wird die dann ellenlang, damit könnte ich bestimmt nicht umgehen. 😛
    Wenn ich mir vorstelle, jeder Blogger versteckt einen Schlüssel in seinen Texten, dann könnte ich ja davon ausgehen, wenn ich den Schlüssel nicht finde, dass der Schlüssel nicht für mich gedacht war.
    Ich muss nicht jeden Schlüssel finden, das ist nicht mein Anliegen.
    Ich versuche mich aber gerne an weiteren Texten von Dir, irgendwann könnte es mit der Findung ja mal klappen.
    Ich bin nicht Eile, bei der Suche nach verborgenen Schätzen. 🙂

    LG – Mo

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Mo,

      danke für Deine Geduld. Ich glaube schon, dass Texte wie Bilder auch zum Suchen – und Finden – anregen dürfen.
      Und manchmal ist auch gar nicht gut, wenn der „Künstler“ verrät, was er sich denn dabei gedacht habe…

      Liebe Grüße,
      Ulf

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