Bitte lächeln

Leben 479 – Freitag, 28.08.09

In dem Gebäude, in dem ich seit einigen Monaten arbeite, gibt es eine kleine Cafeteria, die von einem typisch „Frankfurter Bub“ betrieben wird. Zu ihm gehe ich nicht nur wegen irgendetwas Ess- oder Trinkbarem, nein, es sind die unterhaltsamen Gespräche, die wir mitunter haben. Er ist ein Schelm, und ich bin’s auch, so haben wir oft viel Spaß. Und der Tag ist gerettet!

Er kokettiert auch gerne damit, dass man halt früher kommen müsse, wenn man was bei ihm kaufen wolle, wenn etwa die Käsebrötchen alle sind. Aber was macht er dann? Er schmiert einem „live“ ein Käsebrot, fragt was drauf soll, etwa Tomaten oder Ei, und während er dann so beschäftigt ist, haben wir wieder viel Gelegenheit, miteinander rumzualbern. Bei diesen individuellen Dienstleistungen kann man sogar über den Preis mit ihm verhandeln. Aber nur verhandeln.

Soweit so gut.

Das Gebäude, in dem ich seit einigen Monaten arbeite, liegt einer bunten Gegend. Abends dominiert rot, tagsüber ist multi-kulti angesagt. Indische, thailändische, japanische und türkische Restaurants, sogar ein Australier und eine Pizzeria unter pakistanischer Leitung.

Und dann gibt es natürlich auch jede Menge Geschäfte, in denen man Spezialitäten aus diesen Ländern kaufen kann, und selbstverständlich frisches Obst und Gemüse.

Irgendwann bin ich zum ersten Mal in eines dieser Geschäfte gegangen. Und habe meinen Kollegen von den freundlichen Menschen in diesem Laden gegangen. Und dass die Ware wirklich gut und sehr preiswert sei. Einmal hat mich dann auch ein Kollege zu diesem Türken mitbegleitet. Um mir anschließend die Illusion zu rauben, dass das „ein Türke“ sei. Er häbe jede Menge arabische Schriftzeichen entdeckt. Seitdem ist dieser Laden „mein Iraner“. Warum nicht? Soll ich fragen, bloß um mich einer weiteren Illusion zu berauben?

Ich wollte eine Melone kaufen, und mein Iraner hatte keine. Da bin ich in die Parallelstraße gegangen, zur Konkurrenz sozusagen. Unheimlich freundlich und unheimlich zuvorkommend wurde ich dort bedient. Als ich auf die Plastiktüte verzichtete, sagte mir mein Gegenüber, dass ich aber besonders freundlich sei. Ich genoss es und ging melonenbestückt von dannen.

Ich habe dieses Geschäft, nach weiteren Melonenkäufen, „meinen Griechen“ getauf, hundertpro wissend, dass es da noch nicht mal griechische Schriftzeiten hat. Egal.

Vorgestern war ich wieder bei meinem Griechen. Während ich warten musste, bis die kleine Schlange vor mir abkassiert war, habe ich meine Blicke durch den Raum schweifen lassen und einfach vor mich hingelächelt. Wieder habe ich auf meine Tüte verzichtet. Da sagt der Grieche zu mir: „Sie sind so nett, für Sie kostet die Melone heute nur einen Euro!“ Was ich gerne annahm und was mir eine Ersparnis von 49 Cent brachte. Ja, wer freundlich ist, dem gehört die Welt, dachte ich mir! Ach ja, ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn nun doch nach der Herkunft seiner Eltern zu fragen. Er sei Marokkaner. Aha! Nix Grieche, dachte ich bei mir. Wir lächelten einander noch einmal zu, dann entschwand ich mit meiner Melone.

Die Begebenheit vom Vortag noch im Gedächtnis, tauchte ich dann gestern früh in der Cafeteria auf. Bei meinem „Frankfurter Bub“. Kurz vor Ende der morgendlichen Öffnungszeit. Ich würde doch nicht erwarten, jetzt noch ein Käsebrötchen kaufen zu können, flapste mich der Traum aller Kunden an.

Während der freundliche Herr ganz speziell für mich ein Käsebrot komponierte, erzählte ich ihm, dass ich aufgrund meiner Freundlichkeit gestern 49 Cent gespart hätte. Beim Marokkaner.

Und dann frug ich den Broteschmierer, ob er mich eigentlich auch sehr höflich und zuvorkommend finden würde. Spontan und ohne jede Verzögerung entgegnete er nach gefühlten 20 Sekunden, aber ja natürlich, so was wie mich gäbe es nur einmal.

Er solle mal raten, warum ich ihm die Geschichte von der Freundlichkeit und den 49 Cent erzählt habe.

Worauf er dann völlig ratlos entgegnete, er habe noch nicht mal den Hauch eines blassen Schimmers. Und dann grinste er mich vollfett an und meinte nur, dass es bei ihm zwecklos sei, zu handeln…

© Ulf Runge, 2009

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Maria H sagt:

    Lieber Ulf,

    was lehrt uns das? Nicht immer wird Freundlchkeit belohnt 🙂

    Und wer mit sich handeln lässt, hat den möglichen Abschlag schon im Preis einkalkuliert.
    So haben alle Beteiligten ihr Erfolgserlebnis und sind zufrieden :-)=)

    Freundliche Grüße
    Maria

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Maria,

      ich glaube fast, dass das meine erste Brötchenmanngeschichte war. Und Du bist die erste, die sie kommentiert. Lächel.

      Liebe Grüße,
      Ulf

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