Redundanz

Leben 473 – Montag, 17.08.09

„Verehrte Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir Beheim auf Gleis Eins. Sie haben dort Anschluss an den Intercity Siebenundzwanzigirgendwas nach Ess-Stadt über Destadt und Effberg. Die Abfahrtszeit ist um Siebenuhrneunundvierzig von Gleis Eins. Achten Sie bitte auch auf die örtlichen Lautsprecherdurchsagen im Bahnhof. Im Namen der Deutschen Bahn AG verabschieden wir uns von den aussteigenden Reisenden und wünschen wir Ihnen noch einen schönen Tag.“

So ungefähr hätte sich das anhören können im Frühzug vor einigen Tagen.

Kommunikation ist bekanntlich die Übertragung von Informationen von einem Sender zu einem Empfänger. Bei diesem Transport treffen wir immer wieder auf ein Phänomen, das Redundanz genannt wird. Redundanz ist, wenn sich der gleiche Sinn aus unterschiedlichen, voneinander womöglich unabhängigen Teilinformationen erschließen lässt.

Machen wir ein Beispiel: Wenn aus dem Klo ein lauter Schrei durch die ganze Wohnung ertönt „Das Klopapier ist ALLLLEEEEE!“, so gewinnen wir die relevante Information sicherlich alleine schon aus dem gesprochenen Text. Aber selbst wenn man selbigen nicht verstanden hätte, so erzählen Herkunft und Lautstärke des Gesagten, dass hier eine eindeutige Notsituation vorliegt, bei der es gilt, das Krisenszenario „Klorolle organisieren“ durchzuführen.

Ich erinnere mich auch noch sehr „gerne“ an die Bistu-doof-oder-was?-Fragen meines Computers, wenn ich – zugegebenermaßen gefährliche – Aktivitäten wie das Formatieren einer Festplatte erst nach Vollzug des Dialogs „Are you sure? (Y/N)“ – „Y“ – „Are you really sure? (Y/N)” – “Y” starten konnte.

Redundanz muss nicht sein. Sie bläht die Kommunikation auf, ohne dass wirklich zusätzlicher Sinngehalt übermittelt wird. Und Redundanz kann auch dazu führen, dass die Kommunikation aufgrund des umfangreicheren Volumens etwas länger dauert.

Beliebte Methoden, die Redundanz nachhaltig zu reduzieren sind Vokalschlucken, „French Connection“ und „Lautsprecher kaputt“.

Vokalschlucken ist eine Form von Abtreibung. Der soeben erzeugte Laut wird die Speiseröhre runtergeschluckt, bevor er an den Lippen den Schall der Welt ertönen kann.

Bei „French Connection“ verbindet man alle aufeinander folgenden Worte solange zu einer Tonwurst, bis einem die Luft ausgeht und man luftjapsenderweise eine größtmöglich (!) kurze Atempause macht, um seinen Singesang fortzusetzen. Warum „French Connection“? Ganz einfach, weil die Franzosen das zu einer phantastisch anzuhörenden Meisterschaft gebracht haben. Ohne dass man als Fremdländler auch nur Wort oder Sinn verstünde.

„Lautsprecher kaputt“ geht z.B. so: „Stiegin Fattung nks!“ [„Ausstieg in Fahrtrichtung links.“]

„French Connection“ und „Lautsprecher kaputt“ habe ich in wahrer Meisterschaft kürzlich in meinem Frühzug erlebt und möchte meiner geneigten Leserschaft eine Kostprobe hierzu wiedergeben, wobei man sich „French Connection“ dazudenken muss.

„Vehrte Damnerren, nwengen Mnutn rreichn wiBeeim fGlasEins . Sie hamdotNschlss ndn Ntasiddi Siemzwanzgendwas nch Esstadt berDestadt ndEffberg. dBfrtzeit sum Siemerneunenvrzeg vnGlasEins. ChtnSe btte achaff dörtlichn Lautsprchdrchsagn im Banneff. MNnam drDeutschenBannagAG vabschiedn wirens vndnaussteigndn Reisndn nd wenschn wa Ihnnoch nschönn Tag.“ (Hinweis: Der von mir vermutete Text, der zu dieser Ansage passen könnte, findet sich am Anfang dieses Artikels.)“

Nachdem es inzwischen „Mann-Frau, Frau-Mann“ und „Hund-Mensch, Mensch-Hund“ gibt, bin ich gespannt, wann Langenscheidt endlich auch „Zugbegleiter-Pendler, Pendler-Zugbegleiter“ herausgibt. WrPendla lrnn teglich dzu!

© Ulf Runge, 2009

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. gabaretha sagt:

    Lieber Ulf,
    vielen Dank für den Lacher zur Nacht. Du gibst mir schon einen kleinen Vorgeschmack auf meine nächste Zugfahrt in der kommenden Woche.
    Übrigens: Während Deines Urlaubs hatte ich richtige Entzugserscheinungen – schön, dass Du wieder da bist.
    Viele liebe Grüße aus dem nächtlichen Isartal,
    besser und besser,
    Gaba

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Gaba,

      treue Nacht-Zug-Begleiterin! Danke für Dein Geständnis mit den Entzugserscheinungen…

      Beim Blutspenden beantwortest Du die Frage „Abhängigkeiten?“ mit „von Ulfs Blog!“.
      Wieölrunterläuft…

      Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche,
      Ulf

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