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Archive for August 2009

aus Liebe zur Sache

30. August 2009 14 Kommentare
Leben 481 – Sonntag, 30.08.09


Wer nicht aus Liebe zur Sache arbeitet,
sondern nur um des Geldes willen,
bekommt weder Geld noch Glück

Charles Michael Schwab

Das ist ein wahrer Sinnspruch! Den kann ich nur unterstützen.

Was heißt denn aber „Liebe zur Sache“? Für mich heißt das, eine Aufgabe, eine Dienstleistung, ein Produkt so gut lösen, durchführen, erstellen, als sei ich selbst der Auftraggeber, der Nutznießer, Kunde. Das heißt mich ferner, darüber nachdenken, ob ich überhaupt etwas Sinnvolles mache. Und wenn ich den Sinn entdecke, mich dann zu fragen, wie ich an die Aufgabe herangehe. Ob ich bereit bin, andere um Rat zu fragen, um nicht nur meine Sicht auf die Dinge zu haben. Ob ich mit Muße, Konzentration, ja sogar mit Leidenschaft bei der Sache bin. Ob ich mir bei der Arbeit Gedanken darüber mache, wie sich „mein Kunde“ wohl fühlen wird, ob er sich wohlfühlen wird, wenn er meine Arbeitsergebnis „in Händen hält“. Und selbst wenn ich es mit einem „undankbaren Kunden“ zu tun hätte, dass ich mir darüber klar bin, mein Bestes gegeben zu haben.

Es wird sich herumsprechen, wenn ich anspruchsvoll bin bei dem, was ich tue. „Mein Kunde“ wird mir womöglich noch mehr Arbeit geben. Oder mich weiterempfehlen. Und das, was ich aus Liebe zur Sache tue, wird zu einer Expertise führen, nicht zu verwechseln mit Routine, die noch bessere Arbeitsergebnisse zulässt. Oder besser: zwangsläufig zur Folge hat.

Also: Ich wachse mit der Qualität, die ich abzuliefern bereit bin. Die Quantität der Aufgaben wird dadurch ebenfalls zunehmen. Zunächst für mich. Und wenn es mir zuviel wird, wird mein Team davon profitieren.

Noch etwas stringenter: Ambitioniertes Arbeitsergebnis macht Kunden glücklich. Der zahlt gerne dafür und kommt wieder.

So: Damit wäre die linke Gehirnhälfte bedient. Die Kausalkette vom guten Wirken bis zum Wohlstand aufgebaut.

Schauen wir uns das Thema aber noch einmal mit gefühlvollen Augen an:

Wenn ich mich in der Arbeit verliere, was nichts mit Träumen zu haben muss, aber bisweilen auch sein darf, wenn ich ganz versunken bin in eine zu lösende Aufgabenstellung, dann bin ich ganz im Problem, und das Problem ist ganz in mir.

Das ist ein ganz besonderer Zustand.

Ich grüble, habe wahnsinnig kreative Gedanken, prüfe sie, verwerfe sie, verliere mich mit meinen Gedanken in meinem Leben, im Gestern, im Morgen, und da ist sie dann, die zündende Idee, und dann geht es ganz schnell, ich bin hellwach, und mit großen Eifer werden das Problem und ich zu einer Lösung.

Wie hat das Gorbatschow so unvergesslich – sinngemäß – gesagt: „Ich möchte lieber Teil einer Lösung sein anstatt Teil eines Problems“. Ich weiß nicht, wie sich ein Raketenstart zum Mond oder zum Mars anfühlt, aber ich glaube, dieses Gefühl, wenn eine Springflut zielführender Handlungen über einen kommt, das ist wie so ein Raketenstart. Und danach schwebst Du auf Wolke sieben. Bist glücklich. Fühlst Dich unbeschreiblich reich.

Ich wünsche Dir, dass Du so viel Gründe wie möglich für Dich entdeckst, Deine Arbeit gerne zu machen. Und nicht nur so gut wie es Dir möglich erscheint, sondern mindestens so gut wie von Deinen Auftraggebern erhofft und erwartet.

© Ulf Runge, 2009

Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH.

??? Stöckchen – Sinn – Fehlendes – Ziel – Trinkwasser – Lotto – Frage

Leben 480 – Samstag, 29.08.09

Ich hab es immer wieder vor mir her geschoben, dieses Stöckchen. Weil die Fragen so absolut sind, weil man auf derartige Fragen am besten nur Antworten geben sollte, die ziemlich lange Bestand haben. Soll ich etwa zugeben, dass ich auf diese Fragen keine Antworten habe? Dass selbst eine Annäherung an eine Antwort mir nicht leicht fällt? Doch stopp! Ich bin ja schon mittendrin…

Astraryllis hat mir Anfang Juli ein Stöckchen von großem Tiefgang zugeworfen. Heute nun will ich’s wagen. Mir die Antworten „runterschreiben“, nicht lange fackeln, nicht bis morgen warten und dann noch mal qualitätssichern, nein, ich glaube, nachgedacht ist genug, jetzt ist es Zeit fürs Formulieren. (Ehrlich gesagt, ich hab es doch noch mal drei Tage liegen lassen, um es jetzt ein letztes Mal Korrektur zu lesen…)

Das aufzugreifende Stöckchen ist das ???-Stöckchen. Nicht zu verwechseln mit den „Drei Fragezeichen“, die wohl ins Genre Jugendunterhaltung fallen.

Die Regeln:

JedeR Beworfene überlegt sich drei Fragen, deren Antworten ihn von anderen interessieren. Wenn möglich sollten das keine Fragen sein, die Grundsatzdiskussionen auslösen, es soll ja Spaß machen! (Hm, diese Formulierung habe ich original so von Astraryllis übernommen. Das mit der Grundsatzdiskussion glaube ich nicht ganz, *lach*)

Diese Fragen beantwortet die/der StöckchenwerferIn zunächst selber und wirft den Drei?Stock dann an drei BloggerInnen weiter.

Leserantworten auf die gestellten Fragen per Kommentar sind natürlich ausdrücklich erwünscht!

Wer das Stöckchen zugeworfen bekommt, beantwortet die Fragen bitte erst als Kommentar beim Werfenden und überlegt sich dann selber auch drei Fragen für den eigenen Drei?Stock und wirft es wiederum an drei BloggerInnen weiter.

Und nun die Fragen von Astraryllis:

  1. Etwas sehr Schweres: Worin besteht für Euch selbst der Sinn Eures Lebens?
  2. Was fehlt Euch in Eurem Leben am meisten oder fehlt Euch eigentlich gar nichts?
  3. Welches persönliche Ziel strebt Ihr in Eurem Leben an?

Meine Antworten:

  1. Der Sinn des Lebens? Ich bin in einem nichtendenwollenden Such- und Findungsprozess. Es gibt aber ein paar Dinge, die bleiben. Etwa die Ehrfurcht von der Schöpfung. Vor der verschwenderischen Fruchtbarkeit der Natur. Die Erkenntnis, dass wir soooo klein sind im Universum. Nur ein Punkt auf dem unermesslichen Zeitstrahl von Gestern nach Morgen. Die Erkenntnis, dass wir, so klein wie wir sind, etwas bewegen können. Ein einzelner Mensch, einer von vielen Milliarden. Und doch eine Person, die andere Menschen dadurch glücklich machen kann, dass sie ihnen ihre Aufmerksamkeit schenkt, zuhört, zu verstehen versucht, Beistand gibt, bei der Suche nach Lösungen hilft. Mir helfen bei dieser Suche und diesem Finden vor allem die Bücher von Stephen R Covey „Die 7 Wege zur Effektivität“ und „Der 8. Weg“. Mir helfen dabei die vielen lieben Menschen, die im täglichen Leben um mich herum sind, und auch die lieben Menschen im Netz, die etwa hier meinen Blog besuchen und zum Leben erwecken.
    Ich glaube, dass wir die Verpflichtung haben, das beste von unseren Vorfahren, reflektiert an unseren Überzeugungen, an unsere Umwelt weiterzugeben, noch ein bisschen besser möglichst, was auch immer das sei. Hier zählt alleinig das Wollen.
  2. Was mir fehlt? Ich glaube, mir fehlt nichts. Ich habe Grund zu der Annahme, dass ich gesund bin. Eine etwas größere Wohnung, davon träume ich manchmal schon. Aber im Ernst. Ich gehöre zu den privilegierten Menschen mit mitteleuropäischem Lebensstandard. Ich kenne Krieg und Terror nur von Augenzeugen und aus dem Fernsehen. Ich lebe in einem Rechtsstaat, ich bin frei von Repressalien, ich darf frei entscheiden, was ich mit meinem Leben mache.
  3. Welches Ziel ich anstrebe? „Das Glück muss entlang des Weges gefunden werden“, oder kürzer: „Der Weg ist das Ziel!“ Anders als beim Marathon kann ich mir beim Lebensweg nicht vorstellen, durchs Ziel zu laufen und mich zu fragen: „Und was nun?“
    Statt dessen: Richtung gewinnen, auf dem Weg bleiben, den Kurs überprüfen, auf dem Weg bleiben. Mitnehmen, wer mag.

Meine drei Fragen:

  1. Ich habe jüngst in der „ZEIT“ gelesen, dass wir durch den Import z.B. von Kaffee den Einheimischen in Übersee das Trinkwasser wegnehmen. Meine Frage: Hast Du eine ganz persönliche Strategie, um aus dem Spannungsfeld „Kaufboykott von Überseelebensmitteln“ und „Schaffen von Existenzgrundlagen in Übersee“ herauszukommen?
    Ich für mich habe entschieden, dass ich bei Obst und Gemüse nichts ändern werde. Ob es allerdings ein italienisches oder – wie jüngst getrunken – ein griechisches Mineralwasser sein muss, das aus übertriebener Authentizität hier in Deutschland im Restaurant angeboten wird, das werde ich sicherlich auf den Prüfstand stellen.
    Wenn ich einen Kaffee aus Übersee trinke, eine Papaya aus Taiwan anschneide, eine Melone aus Marokko genieße, dann werde ich mir zukünftig noch mehr zu eigen machen, dass es Menschen aus diesen Ländern waren, die Arbeit haben, weil ich kaufe. Bei Kaffee und Tee gibt es ja bereits Fair-Trade. Einer Melone sehe ich die Arbeits- und Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung nicht an. Was kann man da verbessern?
  2. Was würdest Du mit einem 147 Millionen Euro Lottogewinn tun?
    Ich glaube, ich würde eine Berliner Mauer um mein Grundstück errichten, und all die „neuen Freunde“ rausschmeißen. Ich würde bedauern, dass meine alten Freunde nicht mehr kommen, weil sie es vermeiden wollen, den Eindruck zu erwecken, sie hätten es auf mein Geld abgesehen. Will sagen, ich glaube, es war eine gute Entscheidung, mit dem Lottospielen aufzuhören.
  3. Welche Frage würdest Du am liebsten an mich richten?
    Hm, wenn ich Du wäre, dann würde ich „mich“ mal fragen, warum ich so selten bei Dir vorbei komme. (Erwarte jetzt keine Antwort. Ich möchte ja bloß wissen, was Du mich fragen möchtest. Und vielleicht antworte ich ja *fettgrins*)

Ich gebe dieses ???-Stöckchen weiter an (Astraryllis möge mir die Verletzung der Spielregel verzeihen) alle, die hier lesen und kommentieren.

© Ulf Runge, 2009

Bitte lächeln

28. August 2009 2 Kommentare
Leben 479 – Freitag, 28.08.09

In dem Gebäude, in dem ich seit einigen Monaten arbeite, gibt es eine kleine Cafeteria, die von einem typisch „Frankfurter Bub“ betrieben wird. Zu ihm gehe ich nicht nur wegen irgendetwas Ess- oder Trinkbarem, nein, es sind die unterhaltsamen Gespräche, die wir mitunter haben. Er ist ein Schelm, und ich bin’s auch, so haben wir oft viel Spaß. Und der Tag ist gerettet!

Er kokettiert auch gerne damit, dass man halt früher kommen müsse, wenn man was bei ihm kaufen wolle, wenn etwa die Käsebrötchen alle sind. Aber was macht er dann? Er schmiert einem „live“ ein Käsebrot, fragt was drauf soll, etwa Tomaten oder Ei, und während er dann so beschäftigt ist, haben wir wieder viel Gelegenheit, miteinander rumzualbern. Bei diesen individuellen Dienstleistungen kann man sogar über den Preis mit ihm verhandeln. Aber nur verhandeln.

Soweit so gut.

Das Gebäude, in dem ich seit einigen Monaten arbeite, liegt einer bunten Gegend. Abends dominiert rot, tagsüber ist multi-kulti angesagt. Indische, thailändische, japanische und türkische Restaurants, sogar ein Australier und eine Pizzeria unter pakistanischer Leitung.

Und dann gibt es natürlich auch jede Menge Geschäfte, in denen man Spezialitäten aus diesen Ländern kaufen kann, und selbstverständlich frisches Obst und Gemüse.

Irgendwann bin ich zum ersten Mal in eines dieser Geschäfte gegangen. Und habe meinen Kollegen von den freundlichen Menschen in diesem Laden gegangen. Und dass die Ware wirklich gut und sehr preiswert sei. Einmal hat mich dann auch ein Kollege zu diesem Türken mitbegleitet. Um mir anschließend die Illusion zu rauben, dass das „ein Türke“ sei. Er häbe jede Menge arabische Schriftzeichen entdeckt. Seitdem ist dieser Laden „mein Iraner“. Warum nicht? Soll ich fragen, bloß um mich einer weiteren Illusion zu berauben?

Ich wollte eine Melone kaufen, und mein Iraner hatte keine. Da bin ich in die Parallelstraße gegangen, zur Konkurrenz sozusagen. Unheimlich freundlich und unheimlich zuvorkommend wurde ich dort bedient. Als ich auf die Plastiktüte verzichtete, sagte mir mein Gegenüber, dass ich aber besonders freundlich sei. Ich genoss es und ging melonenbestückt von dannen.

Ich habe dieses Geschäft, nach weiteren Melonenkäufen, „meinen Griechen“ getauf, hundertpro wissend, dass es da noch nicht mal griechische Schriftzeiten hat. Egal.

Vorgestern war ich wieder bei meinem Griechen. Während ich warten musste, bis die kleine Schlange vor mir abkassiert war, habe ich meine Blicke durch den Raum schweifen lassen und einfach vor mich hingelächelt. Wieder habe ich auf meine Tüte verzichtet. Da sagt der Grieche zu mir: „Sie sind so nett, für Sie kostet die Melone heute nur einen Euro!“ Was ich gerne annahm und was mir eine Ersparnis von 49 Cent brachte. Ja, wer freundlich ist, dem gehört die Welt, dachte ich mir! Ach ja, ich konnte es mir nicht verkneifen, ihn nun doch nach der Herkunft seiner Eltern zu fragen. Er sei Marokkaner. Aha! Nix Grieche, dachte ich bei mir. Wir lächelten einander noch einmal zu, dann entschwand ich mit meiner Melone.

Die Begebenheit vom Vortag noch im Gedächtnis, tauchte ich dann gestern früh in der Cafeteria auf. Bei meinem „Frankfurter Bub“. Kurz vor Ende der morgendlichen Öffnungszeit. Ich würde doch nicht erwarten, jetzt noch ein Käsebrötchen kaufen zu können, flapste mich der Traum aller Kunden an.

Während der freundliche Herr ganz speziell für mich ein Käsebrot komponierte, erzählte ich ihm, dass ich aufgrund meiner Freundlichkeit gestern 49 Cent gespart hätte. Beim Marokkaner.

Und dann frug ich den Broteschmierer, ob er mich eigentlich auch sehr höflich und zuvorkommend finden würde. Spontan und ohne jede Verzögerung entgegnete er nach gefühlten 20 Sekunden, aber ja natürlich, so was wie mich gäbe es nur einmal.

Er solle mal raten, warum ich ihm die Geschichte von der Freundlichkeit und den 49 Cent erzählt habe.

Worauf er dann völlig ratlos entgegnete, er habe noch nicht mal den Hauch eines blassen Schimmers. Und dann grinste er mich vollfett an und meinte nur, dass es bei ihm zwecklos sei, zu handeln…

© Ulf Runge, 2009

Regel Nummer 3

26. August 2009 15 Kommentare
Leben 478 – Mittwoch, 26.08.09

Die Jugend zu ermahnen und zu belehren, ist für selbige ätzend. Nun wollte ich also mal wieder etwas Gutes tun, ohne sogleich einen erhobenen oder belehrenden Zeigefinger einzusetzen. Das mal vorab.

Wenn Du joggen gehst, dann macht das umso mehr Spaß, wenn Du eine freie Nase hast. Am besten, Du putzt Dir die Nase noch einmal, bevor Du aus dem Haus gehst.

Wenn Du joggst, ohne dass Du Dir noch mal die Nase geputzt hast, dann kann es schon mal sein, dass es etwas enger wird mit der Luft beim Atmen, weil durch die Nase nichts durchgeht. Wenn Du dann unterwegs ist, was beim Joggen ja absolut normal ist, dann bleiben Dir in Ermangelung Knigge-konformer Werkzeuge (sprich eines Taschentuchs) nur wenige, eigentlich keine appetitlichen Möglichkeiten, die Nase wieder frei zu bekommen. Ich will das hier nicht ausführen. Allein die Tatsache, dass ich das hier nicht weiter ausführen will, hat schon genügend in der Phantasie meiner Leserinnen und Leser angeregt…

Nun ergab es sich, dass auch die Interesse am Joggen fand und so liefen wir gemeinsam. Und es musste kommen, wie es kommen muss. Die Jugendnase war nicht frei.

„Regel Nummer 3!“ fuhr es mir laufenderweise heraus.

„Regel Nummer 3? Was ist das denn?“

„Vor dem Joggen Nase putzen!“

„Aha.“

Wir liefen weiter. Die Jugend hatte das akute Problem erst einmal auf ihre Art gelöst. Wie gesagt, das soll jetzt hier nicht weiter Gegenstand sein.

„Und Regel Nummer 1? Und 2?“

„Gibt es nicht!“

„Wie, die gibt es nicht?“

„Regel Nummer 3 habe ich soeben erfunden. Hört sich doch besser an als ‚Musst Dir halt Deine Nase vorher putzen!‘ Oder?“

Nun, dieser Lauf sollte nicht unser letzter bleiben. Wann immer wir aufbrachen, vernahm ich nun vor dem Start aus jugendlichem Munde: „Regel Nummer 3!“

Warum ich diese Begebenheit gerade heute schildere? Nun. Ich bin mal wieder gejoggt gestern Abend. Tja, und leider hat niemand „Regel Nummer 3!“ zu mir gesagt. Der Rest ist Schweigen…

© Ulf Runge, 2009

Warum es Schmetterlinge gibt

24. August 2009 16 Kommentare
Leben 477 – Montag, 24.08.09

Tagpfauenauge 4514

Tagpfauenauge 4514

Warum es Schmetterlinge gibt?

Schmetterlinge sind dazu da, von Vögeln gefressen zu werden.

Schmetterlinge sind dazu da, damit Blüten bestäubt werden und Früchte wachsen können.

Schmetterlinge sind dazu da, damit jemand (unbekannt) den Spruch erschaffen konnte: „Wer glaubt, dass Zitronenfalter Zitronen falten können, der glaubt auch, dass Projektleiter Projekte leiten können.“

Schmetterlinge sind dazu da, damit man den kleinsten Kiddys die wundervolle Geschichte von der „Raupe Nimmersatt“ (von Eric Carle) vorlesen kann. Und vor allem zeigen. Ganz besonders die Löcher, durch sie sich durchgefressen hat.

Schmetterlinge sind dazu da, den Frühling als wirklich „da“ zu empfinden: „Du glaubst nicht, was ich heute gesehen habe! Den ersten Schmetterling in diesem Jahr!“

Schmetterlinge sind Boten der Schönheit der Natur, um uns in Ehrfurcht vor der Schöpfung zu versetzen. Um unsere Herzen zu erfreuen. Um uns aufzufordern, dass wir doch mit unseren Talenten unseren Beitrag zur Schönheit der Schöpfung leisten mögen. Jede und jeder, wie sie und er kann.

Ist es nicht ein Glück, wenn man einfach nur aus dem Haus gehen muss, um sich an dieser Pracht zu erfreuen?

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der nächste Falter, den Du siehst, ein Gruß von mir ist.

Tagpfauenauge 4520

Tagpfauenauge 4520

© Ulf Runge, 2009

Gute Nudeln

20. August 2009 8 Kommentare
Leben 476 – Donnerstag, 20.08.09

Ob ich wisse, woran man gute Nudeln erkennt, fragt sie mich?

Während die abgekochten, vom Sud befreiten Nudeln noch im Sieb vor sich herdampfen, sage ich natürlich „Nöö“, denn ich will ja wissen, was da auf dem Etikett steht, auf dass wir zukünftig auch in der Lage sein mögen, gute Nudeln zu erkennen.

„Stopp mal!”, sag ich, “Ich weiß es!“

Sie kann gerade noch stoppen mit dem Vorlesen der Gute-Nudeln-Erkennungs-Story auf der Gute-Nudeln-Verpackung, als ich herausplatze: „Am Etikett! Die müssen von der Firma da sein!“ Und grinse frech dazu.

Sie lächelt, sie denkt das gleiche, doch nun verliest sie die notariell beglaubigte Definition für gute Nudeln: „Gute Nudeln klumpen nicht!“

Aha, jetzt wissen wir’s.

Nun sollte man wissen, dass wir eigentlich immer folgenden Trick beherzigen, nämlich etwas Öl ins Nudelwasser, damit sie nicht klumpen.

Eigentlich immer, habe ich soeben geschrieben. Die Nudeln aus der Gute-Nudeln-Definitions-Verpackung scheinen keine guten zu sein, denn sie…

… sie klumpen! Und verschärfend kommt hinzu, dass wir das Öl vorhin vergessen hatten. Aber guten Nudeln hätte das ja nichts gemacht. Auch wenn uns die Verpackung jetzt endgültig die Augen geöffnet hat über gute Nudeln, unser Entschluss steht fest: Die sind nicht gut, die kaufen wir nicht mehr.

Nachtrag: Unsere Geschirrspülmaschine ist zwar einiges gewohnt. Doch sie spült eigentlich immer schön sauber.

Eigentlich. Außer man hat Gute-Nudeln-Nudelreste aus der Gute-Nudeln-Verpackung mitgespült. Grausiges Entsetzen packt mich, als ich das Geschirrsieb herausnehme: Alles überzogen mit Nudelpampe. Sozusagen der letzte Mosaikstein beim Beweis, woran man gute Nudeln erkennt.

Und so wünsche ich allen eine gute Pasta, am besten mit Olio. Basta!

© Ulf Runge, 2009

Engelsbrücke

19. August 2009 Kommentare aus
Leben 475 – Mittwoch, 19.08.09

Du warst heute Abend bestimmt wieder da, auf der Brücke. So wie gestern Abend. Hast mich vermutet. Warst enttäuscht, weil ich nicht da war, wir unser Gespräch nicht fortsetzen konnten. Warst beruhigt, weil Du wohl gehofft hast, dass ich wirklich nach Hause gegangen bin, gestern Abend.

Ja, Brücken. Die sind gemacht um zu verbinden. Ein Ufer mit dem anderen. Oder um Schienen zu überqueren. Brücken. Sind nicht gemacht und gedacht, um zu springen. Aber sind doch dazu da. Wenn man nicht mehr weiter weiß.

Sag! Warum darf man sich Engel, wenn es sie denn schon gibt, nicht aussuchen? Musstest es Du sein? Nach Schweiß riechend? Müssen Jogger denn immer nach Schweiß riechen? Du weißt, wen ich lieber als Dich als „meinen“ Engel gehabt hätte.

Das war übrigens ein starker Eisbrecher von Dir, als Du Dich neben mich gesetzt hast, als Du mir gesagt hast, ich würde hier ja sitzen, weil ich allein sein will. Mit niemandem reden wolle. Und dann hast Du einfach nur geschwiegen.

Um mich dann reden zu lassen. Um alles das rauszulassen, was meine Tränen nicht rausspülen konnten. Um mich dann mitzunehmen von der Brücke. Nein, ich wär nicht gesprungen. Glaube ich. Und ich weiß jetzt ganz sicher, warum ich nie springen würde. Ich hab es gewusst. Und gestern hab ich es auch gesagt, weil Du einfach nur geschwiegen hast. Zugehört.

Sag mal, haben eigentlich alle Engel einen Therapiehund dabei? Ich wollte doch nur traurig sein und dann zaubert Dein Hund ein Lächeln auf mein Gesicht…

Und dann sind wir in den Ort zurückgelaufen. Und Du hast mir noch einen schönen Abend gewünscht. Einen schönen Abend!!! Okay, Du bist sofort in Grund und Boden versunken. Schön, dass Du hast es ja gleich gemerkt hast, wie sehr das daneben war.

Das war ein merk-würdiger Händedruck, den wir uns da gaben beim Abschied. Als wenn er etwas besiegelt hätte. Meinen Willen zum Leben? Mich nicht unterkriegen zu lassen?

Das mein‘ ich nicht böse, das mit dem anderen Engel. Das hat nichts mit Dir zu tun. Aber das weißt Du ja sicherlich.

Ich weiß, dass Du da langläufst, über die Brücke. Immer wieder. Und wenn ich das alles durchgestanden habe, die nächsten Tage, wenn ich langsam kapiert habe, was passiert ist, dann, dann setzen wir unser Gespräch fort…

© Ulf Runge, 2009

Neue Arbeit – Lebenszeichen

18. August 2009 4 Kommentare
Leben 474 – Dienstag, 18.08.09

E-Mail aus Afrika! Er sei gut angekommen. Viertele und Rostbraten stünden weniger auf der Speisekarte. Der dies schreibt, scheint nicht überrascht über Nahrung und Unterbringung, wirkt gut vorbereitet, lässt einen spüren, dass er so manche Einschränkung einem großen Ziel unterordnet.

Und dann schickt er noch einen Link mit, auf einen Blog, den Homes of hope Blog, von dem ich hoffe, dass es dort noch viel zu lesen geben wird die nächsten Tage und Wochen!

Auf der vergeblichen Suche nach „Herzliche Grüße“ in Swahili, der nach Englisch zweitwichtigsten Sprache in Uganda, bin ich auf etwas anderes gestoßen, nämlich dass im Gegensatz zu Bayern die Uhren in Uganda wirklich anders gehen: http://en.wikipedia.org/wiki/Swahili_language (siehe den Abschnitt Swahili time, vor allem mit Abbildung einer Swahili-Uhr).

Herzliche Grüße nach Uganda, herzliche Grüße an alle Menschen, die guten Willens sind!

© Ulf Runge, 2009

Edit1: Er? Ja, ich berichtete über ihn und “sein” Projekt.

Edit2: Jetzt verlinke ich noch auf den Artikel vom 17.08.09, um ein heftiges Backtracking in Gang zu bringen…

Redundanz

17. August 2009 3 Kommentare
Leben 473 – Montag, 17.08.09

„Verehrte Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir Beheim auf Gleis Eins. Sie haben dort Anschluss an den Intercity Siebenundzwanzigirgendwas nach Ess-Stadt über Destadt und Effberg. Die Abfahrtszeit ist um Siebenuhrneunundvierzig von Gleis Eins. Achten Sie bitte auch auf die örtlichen Lautsprecherdurchsagen im Bahnhof. Im Namen der Deutschen Bahn AG verabschieden wir uns von den aussteigenden Reisenden und wünschen wir Ihnen noch einen schönen Tag.“

So ungefähr hätte sich das anhören können im Frühzug vor einigen Tagen.

Kommunikation ist bekanntlich die Übertragung von Informationen von einem Sender zu einem Empfänger. Bei diesem Transport treffen wir immer wieder auf ein Phänomen, das Redundanz genannt wird. Redundanz ist, wenn sich der gleiche Sinn aus unterschiedlichen, voneinander womöglich unabhängigen Teilinformationen erschließen lässt.

Machen wir ein Beispiel: Wenn aus dem Klo ein lauter Schrei durch die ganze Wohnung ertönt „Das Klopapier ist ALLLLEEEEE!“, so gewinnen wir die relevante Information sicherlich alleine schon aus dem gesprochenen Text. Aber selbst wenn man selbigen nicht verstanden hätte, so erzählen Herkunft und Lautstärke des Gesagten, dass hier eine eindeutige Notsituation vorliegt, bei der es gilt, das Krisenszenario „Klorolle organisieren“ durchzuführen.

Ich erinnere mich auch noch sehr „gerne“ an die Bistu-doof-oder-was?-Fragen meines Computers, wenn ich – zugegebenermaßen gefährliche – Aktivitäten wie das Formatieren einer Festplatte erst nach Vollzug des Dialogs „Are you sure? (Y/N)“ – „Y“ – „Are you really sure? (Y/N)” – “Y” starten konnte.

Redundanz muss nicht sein. Sie bläht die Kommunikation auf, ohne dass wirklich zusätzlicher Sinngehalt übermittelt wird. Und Redundanz kann auch dazu führen, dass die Kommunikation aufgrund des umfangreicheren Volumens etwas länger dauert.

Beliebte Methoden, die Redundanz nachhaltig zu reduzieren sind Vokalschlucken, „French Connection“ und „Lautsprecher kaputt“.

Vokalschlucken ist eine Form von Abtreibung. Der soeben erzeugte Laut wird die Speiseröhre runtergeschluckt, bevor er an den Lippen den Schall der Welt ertönen kann.

Bei „French Connection“ verbindet man alle aufeinander folgenden Worte solange zu einer Tonwurst, bis einem die Luft ausgeht und man luftjapsenderweise eine größtmöglich (!) kurze Atempause macht, um seinen Singesang fortzusetzen. Warum „French Connection“? Ganz einfach, weil die Franzosen das zu einer phantastisch anzuhörenden Meisterschaft gebracht haben. Ohne dass man als Fremdländler auch nur Wort oder Sinn verstünde.

„Lautsprecher kaputt“ geht z.B. so: „Stiegin Fattung nks!“ [„Ausstieg in Fahrtrichtung links.“]

„French Connection“ und „Lautsprecher kaputt“ habe ich in wahrer Meisterschaft kürzlich in meinem Frühzug erlebt und möchte meiner geneigten Leserschaft eine Kostprobe hierzu wiedergeben, wobei man sich “French Connection” dazudenken muss.

„Vehrte Damnerren, nwengen Mnutn rreichn wiBeeim fGlasEins . Sie hamdotNschlss ndn Ntasiddi Siemzwanzgendwas nch Esstadt berDestadt ndEffberg. dBfrtzeit sum Siemerneunenvrzeg vnGlasEins. ChtnSe btte achaff dörtlichn Lautsprchdrchsagn im Banneff. MNnam drDeutschenBannagAG vabschiedn wirens vndnaussteigndn Reisndn nd wenschn wa Ihnnoch nschönn Tag.“ (Hinweis: Der von mir vermutete Text, der zu dieser Ansage passen könnte, findet sich am Anfang dieses Artikels.)“

Nachdem es inzwischen „Mann-Frau, Frau-Mann“ und „Hund-Mensch, Mensch-Hund“ gibt, bin ich gespannt, wann Langenscheidt endlich auch „Zugbegleiter-Pendler, Pendler-Zugbegleiter“ herausgibt. WrPendla lrnn teglich dzu!

© Ulf Runge, 2009

schnuppe

16. August 2009 14 Kommentare
Leben 472 – Sonntag, 16.08.09

Ich weiß nicht, ob Du auch gerne an den Himmel schaust. Nachts. Wenn der Wind die Wolken aufgeräumt hat. Wenn die Sterne funkeln. Wenn, so wie heute Nacht, Sternschnuppen-TV angesagt ist.

Ich weiß nicht, ob Du auch gerne an den Himmel schaust und auf Sternschnuppen wartest. Ich weiß nicht, ob Du auch „gelernt“ hast, dass man sich dann was wünschen soll, wenn die Sternschnuppe auftaucht. Um gleich wieder zu verschwinden.

Ich weiß nicht, ob Du auch gerne an den Himmel schaust und auf Sternschnuppen wartest und Dir dann was wünschst, wenn eine auftaucht. Ich werde auf jeden gucken heute Nacht. Und wer weiß, vielleicht sehe ich eine. Und wer weiß, was ich mir dann wünsche.

Aber verraten werde ich’s nicht.

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern eine stabiles Internetz, stabiler als das meinige in den vergangenen Tagen, vor allem aber ein schönes Wochenende und jeder und jedem eine Sternschnuppe zum insgeheim was Wünschen.

© Ulf Runge, 2009

P.S.: Und für ganz romantisch veranlagte Mitmenschen empfehle ich Sergio Bambaren: Die Zeit der Sternschnuppen. Wunderschön!

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