Überall

am
Leben 434 – Donnerstag, 21.05.09



Wer Gott suchen will,
findet ihn überall

Novalis

Ich habe das Glück, wahrnehmen zu dürfen, mit vielfältigen Sinnesorganen. Denen, die man im Biologieunterricht vermittelt bekommt. Und mit denen, die uns das vermeintlich Unergründbare erschließen.

Ich habe mir als Jugendlicher die Frage gestellt, auf welches Organ ich denn auf keinen Fall verzichten wollte, wenn ich mich entscheiden müsste. Ich glaube, meine Wahl fiel auf das Hören, weil ich so gerne Musik höre.

Heute bin ich froh, dass ich nie vor diese Wahl gestellt worden bin. Meine Sinnesorgane immer noch recht gut „funktionieren“. Und doch, wenn man mir heute die gleiche Frage stellte wie damals, auf welchen Sinn ich denn auf keinen Fall verzichten möchte, dann ist es wohl dieser allübergreifende Sinn für die Wahrnehmung von Gefühlen und Stimmungen. Dieser Sinn, der uns die Frage nach dem Sinn zu beantworten versucht.

Dass sich die Natur nach nachvollziehbaren Regeln zu reproduzieren vermag, und dabei doch im Sinne der permanenten Anpassung immer wieder neue Individuen erschafft, dieses Wunder kann einen nur atemlos machen.

Das Gefühl, das unser ganzes irdisches Leben, also ALLES, von dem wir wissen, dass es ganz bestimmt real ist, dass das nicht mal ein Wimpernschlag in der Zeit ist. Dass ALLE Materie und ALLES Licht womöglich einmal auf einem, soll ich Ort sagen?, zusammengedampft gewesen ist? Und jetzt in rasender Geschwindigkeit auseinanderdriftet. Dieses Wunder kann einen nur bescheiden, demütig und dankbar machen.

Dass es so viel zu entdecken gibt. In der Weite des Weltraums. Im Mikrokosmos des Lebens unter dem Rastertunnelmikroskop. In der Vielzahl und Andersartigkeit der Menschen. In unserer eigenen Komplexität. Dieses Wunder kann einen nur friedfertig und tolerant machen.

Und dann gibt es in den unterschiedlichen Kulturkreisen Überlieferungen, außergewöhnliche Berichte über ganz besondere Geschehnisse. Über unerklärbare Erscheinungen. Über Übernatürliches.

Nenne es Religion. Nenne es Spiritualität.

Suche Gott. Finde ihn. Überall.

© Ulf Runge, 2009

Novalis. Ich kannte bisher nur seinen Namen. Habe ihn bisher nicht gelesen. Fühlte mich gezwungen, in Wikipedia wenigstens mal nachzulesen, was für ein besonderer Mensch er gewesen ist. Auch da werde ich ganz demütig, wenn ich lese, wie umtriebig dieser Mensch gewesen ist. Kann ich nur empfehlen, hier mal reinzuclicken. Dieser Satz aus Wikipedia über Novalis hat mich sehr beeindruckt:

Nur wenige Jahre hatte er, um seine Fähigkeiten zu entdecken, zu erkennen und weiterzuentwickeln.

Was für mich bedeutet: Wir wissen nicht, wie viel Stunden, Tage, Jahre wir noch haben. Aber wir sollten versuchen, die verbleibende Zeit mit noch mehr Sinn zu füllen.

Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH.

17 Kommentare Gib deinen ab

  1. Holger sagt:

    Lieber Ulf,

    schön, dass du den Herrn von Hardenberg kennen gelernt hast.

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    1. Ulf Runge sagt:

      Lieber Holger,

      es ist mir immer wieder peinlich,
      viele große Literatur nicht zu kennen.

      Novalis bisher nicht gekannt zu haben, finde ich womöglich gar nicht so schlimm.
      Vielmehr beunruhigt mich, nicht gewusst zu haben, dass ich ihn nicht kenne!!!

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  2. Holger sagt:

    Nachtrag:
    Beim heutigen Umblättern des Wochenkalenders, welches ich in der Frühe tat, da er gleich an der rechten Küchenwand, unweit des Kühlschranks hängt, ist neben einem schönen Bild folgender Spruch von Meister Eckhart zu lesen. „Das Auge, in dem ich Gott sehe, das ist dasselbe Auge, darin mich Gott sieht.“

    Liebe Grüße,
    Holger

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  3. Holger sagt:

    Lieber Ulf,

    nein, dir muss nichts peinlich sein. Mir ist mein Halb- oder Nichtwissen auf vielen Gebieten auch nicht peinlich. Aber ich „weiß“ ein schönes Zitat von Platon dazu: „Ich weiß, dass ich nicht weiß.“ Das reicht doch dann.

    Liebe Grüße,
    Holger

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  4. Ulf Runge sagt:

    Lieber Holger,

    das ist wahrlich ein wunderschöner Spruch, den Du da zitierst.

    Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum die Physiker das Gesetz der Umkehrbarkeit des Lichtweges aufgestellt haben.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. Ulf Runge sagt:

    Lieber Holger,

    ich habe Deinen Beitrag zur Ökumene kommentiert.
    Bei Dir. Ebenda.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  6. Ulf Runge sagt:

    Lieber Holger,

    zu Platons Weisheit möchte ich Dir als Ergänzung folgende preisgekrönte „Weisheit“ von Donald Rumsfeld, ja Du liest richtig, anempfehlen:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16227/1.html
    (The Unknown)

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Holger sagt:

    Für diese Zeilen Rumsfeldschen Wissens gehört ja ein neuer Philosophiepreis ausgelobt. Seine Abhandlungen sind ja schon in eine Reihe mit Platon, Aristoteles und Seneca zu stellen.
    philosophierende Grüße,
    Holger

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  8. Ulf Runge sagt:

    Lieber Holger,

    es freut mich, dass Du den abgrundtiefen Un-Sinn des Un-Known dermaßen schätzt, das Du einen neuen Philosophiepreis ausloben möchtest.

    Ob unsere Freunde im schönen Ungarn etwas dagegen hätten, wenn wir ihn den Un-Gar-Preis nennen würden?

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  9. Maria H sagt:

    Lieber Ulf,

    die Wahrnehmung von Gefühlen und Stimmungen ist stark abhängig von unseren Sinnesorganen, also Sehen, Hören, Riechen und Schmecken. Gut wenn man das Glück hat auf keines verzichten zu müssen.
    Den Sinn unseres Irdischen Lebens zu ergründen oder gar zu beantworten halte ich für sehr schwer, wenn nicht sogar für unmöglich.
    Dass es Übernatürliches gibt, daran glaube ich allerdings inzwischen. Es gibt da was, jenseits unseres irdischen Lebens.
    Liebe Grüße
    Maria

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  10. Ulf Runge sagt:

    Liebe Maria,

    danke für diesen schönen Kommentar.

    Liebe Grüße,
    Ulf

    Gefällt mir

  11. Hase sagt:

    Ich habe eine schöne Karte mit dem Text von Dietrich Bonhoeffer:

    Man soll Gott
    in dem finden und lieben,
    was er uns gerade gibt.

    und noch ein Zitat

    Ich glaube, dass Gott kein
    zeitloses Schicksal ist,
    sondern dass er auf aufrichtige
    Gebete und verantwortliche Taten
    wartet und antwortet
    Dietrich Bonhoeffer

    Beidem kann ich aus meiner Erfahrung heraus zustimmen von ganzem Herzen

    Danke, lieber Ulf und liebe Maria ( deinen Kommentar) für diesen mit auch bisher noch unbekannten Beitrag
    liebe Grüße
    Erika

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  12. Ulf Runge sagt:

    Liebe Erika,

    in den Gedichten und in der Lebens- und Leidensgeschichte dieses mutigen Menschen habe ich schon sehr viel Trost erfahren dürfen.

    Danke für diese wertvollen Zitate und den Link.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  13. Maria H sagt:

    Liebe Erika, lieber Ulf,
    es ist in der Tat tröstlich zu erfahren und zu wissen, dass es in schlimmsten Zeiten und Situationen Menschen gibt die sich mutig und unerschrocken dem Bösen entgegenstellen.
    Welche Kraft und Stärke muss jemand haben wenn er im Angesicht des Todes sagen kann
    „Dies ist das Ende-für mich der Beginn des Lebens“
    Aber manchmal ist der Tod auch eine Erlösung.
    Mit dem letzten Absatz, der über Gott, habe ich so meine Probleme. Ich frage mich, warum er so viel Elend, Böses und Leid zulässt.
    Liebe Grüße
    Maria

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  14. Ulf Runge sagt:

    Liebe Maria,

    ob das Elend, Böse und das Leid eine Mahnung sind,
    Gutes zu tun.
    Und zwar jetzt…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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