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Archive for März 2009

Meine Blog-Erde – ergänzt

30. März 2009 2 Kommentare

Leben 411 – Montag, 30.03.09

So ganz vollständig ist mein vorheriger Beitrag ja leider doch nicht geworden. Ich hatte es in Gedanken schon antizipiert und mich sicherheitshalber auch an die aus Versehen Vergessenen gewandt. Jetzt kann ich nur hoffen, dass denn diese Ergänzung vollständig ist.

Anna Nuehm lebt! Totgeglaubt, hatte ich sie aus meiner Blogroll vorsichtig herausgenommen, den Link noch sorgsam aufbewahrend. Sie schreibt wieder. U.a. warum sie so wenig Zeit hat für ihren Blog.

Tshalinas Server war leider auch heute nicht erreichbar. Ich hoffe nur, dass die Störung rein temporär ist.

Ele habe ich definitiv vergessen! Das passiert, wenn man assoziativ springt und nicht immer hundertpro systematisch vorgeht. Sorry. Einen bösen Brief schreibt er an die Regierung. Seinen Zorn werden viele nachvollziehen können.

Bonafilia gehört zu denen, die ich leider aus den Augen verloren habe. Sie unterhält ihre LeserInnen aktuell mit einem Bücherrätsel. Schöne Idee. Da die Kommentare erst beim zweiten Click sichtbar sind, hat jedeR die Chance, sich selber zu beweisen, ob der Text einem bekannt vorkommt.

Auch wenn das jetzt den nicht-kommerziellen Bereich verlässt, möchte ich doch auf Christines Homepage hinweisen. Ihre Neugründung ist von IHK Darmstadt 2006 als „Beste Geschäftsidee“ ausgezeichnet worden. Bei soviel Einfallreichtum kann’s einem nicht bange werden um den Standort Deutschland.

Und dann möchte ich mich auch noch ganz herzlich bei meinen bloglosen Kommentatorinnen Mo und Ursula bedanken, bei Euch stellvertretend für alle die hier kommentieren: Anmerkungen sind das Salz in der Blogsuppe. Danke dafür.

© Ulf Runge, 2009

Meine Blog-Erde

30. März 2009 26 Kommentare

Leben 410 – Montag, 30.03.09

In den vergangenen Wochen und Monaten verspürte ich immer wieder einen großen Drang zu schreiben. Selbst dann, wenn wenig Zeit übrig war.

In den knapp zwei Jahren des Bloggens habe viele liebe Menschen meinen Weg im Netz gekreuzt. Stille Leserinnen und Leser, Kommentiererinnen und Kommentierer, Bloggerinnen und Blogger. Die Lektüre der mir verbundenen Blogs kam entschieden zu kurz. Das weiß und wusste ich schon „immer“.

Bestätigt worden bin ich erst recht gestern und heute wieder, als ich mich endlich mal zu einem Spaziergang rund um meine Blog-Erde gemacht habe. Wundervolle Gedanken, wertvolle Schilderungen, eine Fülle lesenswerter Texte, auf die aufmerksam zu machen mir heute ein Riesenbedürfnis ist:

Andrea zitiert aus der Engadiner Post das Märchen „Trais Fluors“, das uns bewusst macht, dass wir Menschen mit Demut und Dankbarkeit der Schöpfung begegnen müssen.

Anne gibt uns ihre Gedanken zu Hören, Sprechen und Sehen preis.

aprikose ist seit dem 51. Januar 2009 (!) nicht mehr auf ihrem Blog aktiv. Was ich aber als ein gutes Zeichen deute. Bei 200% Auslastung.

seelenworte zitiert Sören Kierkegaards Gedanken zum Thema „Wie kann man anderen helfen“. Dieser Text kommt mit Sicherheit in meine Kladde mit nachlesenswerten Gedanken, eine Abhandlung die man gar nicht oft genug lesen kann, wenn es mit der Kommunikation vielleicht mal wieder schief gelaufen ist. Ich empfehle auch, den Verweis zu Roland Kopp-Wichmanns „Der Persönlichkeits-Blog“ anzuclicken.

Und zu seelenwortes Gedanken „Jede Sekunde meines Lebens …“ kann ich ergänzend nur sagen, dass ich aktuell die deutsche Übersetzung des Buches „Fish!“ gelesen habe, das genau jetzt in meine Spur passt. Und dass ich diesem sehr illustrativen Märchen u.a. den wichtigen Satz entnommen habe: „Der Lehrer kommt, wenn der Schüler bereit ist.“

Und dann schreibt sie ganz persönlich über ihre Erfahrungen und Entscheidungen zur äußeren und inhaltlichen Bloggestaltung: „Ich bin ich“ ist ihr Fazit.

„Ich bin ich“ schreibt auch Sunny und diskutiert den gut gemeinten Ratschlag „Bleib so, wie du bist“. Und fragt sich, wie es möglich ist, zum einen sich selbst treu zu bleiben und doch stetig an Veränderung zu arbeiten.

Auch Berend beschäftigt sich mit dem Thema Veränderung. Er gibt uns 9 Tipps, wie man besser mit dem Wandel umgehen kann.

Und Dori macht uns ebenfalls Mut zur Veränderung. Und dass es auf dem Weg zu einem veränderten Bewusstsein keinen Weg zurück zum Davor gibt. Ein Beitrag, der so schön zu den Aktivitäten und Erlebnissen passt, die ich gerade bei mir und in meinem Umfeld wahrnehme.

Gaba beschreibt eine sehr hilfreiche Meditation, um sein eigenes Charisma weiterzuentwickeln. Sich selber zu sehen, eingehüllt in goldene Licht, in Liebe. Probier es selber aus. Gabas Hinweise sind ganz einfach und ganz praktisch anwendbar!

Und zur Zeitumstellung, liebe Gaba, kann ich nur sagen, dass ich zu den 45% Menschen gehöre, die mehrheitlich (!!!) die Sommerzeit beibehalten wollen. Ich bin sozusagen eine Sommerzeit-Nachteule.

Astraryllis beschäftigt sich mit der Frage, ob was dran sein kann an Gerüchten, die ihr zu Ohr gekommen sind. Da läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken.

Doch sie hat auch Schönes zu berichten: Von einer Wetter-Wette und erfolgreicher YouTube-Nutzung.

Elisabeth frägt, wie wir es denn mit der Innovation halten. Ob wir bisweilen auch bereit sind, unsere Gewohnheiten, zumindest temporär durch andere zu ersetzen. Ich für mich kann nur, dass das den Horizont wahnsinnig erweitert.

Und sie lässt uns ihre Liebe spüren. Indem sie eine wunderschöne Weisheit von Martin Luther King zitiert und reflektiert.

In der Blogbibliothek habe ich einen fundierten Artikel von Prof. Miriam Meckel über den Dualismus von Online- und Print-Zeitungen gefunden. Und ziehe für mich den Schluss, dass „DIE ZEIT“ bereits heute kapiert hat, dass ihre Stärke im Print-Bereich auch weiterhin in der Qualität ihrer Recherchen und der dargebotenen Meinungsvielfalt liegt.

Holger sinniert in Humankapital darüber, dass es für ihn unverständlich ist, wie man unverzichtbaren Skill und unverzichtbare Träger des Betriebsklimas wegen der „Krise“ entlässt. Und dass das Wort „Solidarität“ aus dem Sprachschatz der Beteiligten gestrichen zu sein scheint.

Wally löst auf bemerkenswerte Weise ein „Stammtisch-Aufgabe“ und erschafft höchst lebendig, als stünde sie direkt vor mir, vor Dir, erschafft Emilia. Von der wir jetzt noch mehr zu erfahren hoffen.

Anlässlich der Zeitumstellung stellt sie sich die Frage, was noch geht? Eine Frage, der wir uns immer wieder stellen müssen. Je älter wir werden, um so eindringlicher.

Blumeneck hat es geschafft, dem winterlichen Frühling ein hoffnungmachendes Motiv abzuringen. Jetzt braucht es nur mild und trocken werden…

Ob Bücher sich durch die Verwendung von Anglizismen näher an junge Konsumenten befördert werden können, darüber macht sich Anatol Stefanowitsch im „Bremer Sprachblog“ seine Gedanken. Und kommt zu einem anderen Ergebnis als manche Statistik glauben machen will.

Christas Blog schafft in außergewöhnlicher Weise, den Bogen zu spannen zwischen weltanschaulichen Reflexionen und der positiven Begleitung der Firma ihres Mannes. Gerade in ihrem aktuellen Beitrag „Darf ich vorstellen …?“ kommt das sehr schön zum Ausdruck. Was mir besonders gut gefällt, ist ihre Replik auf meine Wortwahl „Mission“. Also: Lesen!

Sehr berührend sind Christas Worte zu einer Weiterbildung, die sie vor kurzem erfolgreich abgeschlossen hat. Besonders gut gefallen mir diese beiden Sätze: „Lehrende und Lernende stehen immer auf der Seite der Freiheit. Ich habe heute auf diesem theologischen Gebiet mehr Fragen als Antworten.“

Barbaras „Digitale Sinnbilder“ sind zeitlos schön! Immer wieder ein Grund, reinzuclicken, tiefgehende Texte und ergreifend Bilder aufzunehmen.

Gabriele lässt uns ihre Kraft spüren, ihre Sicherheit, ihre Gewissheit, im wörtlichesten Sinne des Wortes ihre Aufgabe zu kennen, mit der sie hier für uns da ist.

Mamü nimmt Abschied. Nicht von einem geliebten Hundespielzeug. Nicht von einem geliebten Kinderspielzeug namens Sams. Nein, eine weitere Möglichkeit gibt es noch. Mehr hier.

Claudia fragt sich und uns, wer denn bitte Pablo Neruda kennt? Und zitiert ihn. Ohne dass sich leider der Sinn des Zitates für mich erschließt. Ich, der ich weder des Spanischen noch des Portugiesischen mächtig bin. Bevor ich aber die Bollywood-Frage beantworten kann, möchte ich lieber Pablo Neruda verstehen…

Ulrike verlinkt in ihrem Glückshaus auf die „neueste“ Ausgabe „DER ZEIT“. Eine ZEITreise sozusagen.

Donkys Freund schreibt auf Donkys Welt über „Heutzutage“. Und dass sich der aktive Wortschatz wohl doch mit den Jahren ändert. Dass er heutzutage ein anderer sei als damals…

zentao beglückt uns mit frühlingshaften Fotos. Da spürt man die einen Hauch von wärmender Sonne im Gesicht, auf der Haut.

Dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Jahreszeitenwechsel Herbst-Winter und Winter-Frühling, das illsutriert auf markenzeichenhafte Weise der Kopfschüttler.

Auf Franz Hohlers Blog entdecke ich, dass er seine gesammelten Kindergeschichten unter dem Titel „Das grosse Buch“ veröffentlicht hat. Und hier und da vorliest.

Janice weist darauf hin, dass das Vertreten eines eigenen Standpunktes in einer Welt voller Vorurteile und Vorverurteilungen dazu führen kann, dass man auf einmal in eine Schublade gesteckt wird zusammen mit Menschen und Meinungen, von denen man sich selber definitiv distanziert.

Renate (alternativer Link)hat auch ihren Standpunkt. Zum Küssen. Zum Bussi-Küssen. Ihre Ansicht kann ich nachvollziehen. Ich könnte auch nicht jemanden Bussi-Küssen, den ich verabscheue…

Und wer bis jetzt geglaubt hat, dass das Essen von Tierischem gefahrlos sein könne, der lese doch bitte nach, was Ralph über Annegret zu berichten weis.

Nachdem ich von Sergio Bambaren sehr angetan bin aufgrund seines Buchs „Die Zeit der Sternschnuppen“ denke ich ernsthaft darüber nach, mir nun endlich sein Werk „Der träumende Delphin“ anzueignen. Andrea, Elisabeth, Dori (ich hoffe, ich habe niemand vergessen) und nun auch Barbara, machen mir Appetit.

Zu NITYA SEVA kann ich nur sagen: Es stimmt mutig, dass es Menschen gibt, die die Ärmel hochkrempeln und in den Gesichtern hilfsbedürftiger Menschen das Lachen hervorzaubern.

Sabine führt uns sehr liebevoll an eine alltägliche Sitzgelegenheit heran, an eine Bank. Auf die auch mich gedankenlos gesetzt hätte, wenn Sabine uns nicht den historischen Hintergrund nahe gebracht hätte.

Ernie ist mit langem Atem dabei, voraussichtlich per April 2009 „unser Buchprojekt“ zu Ende zu bringen. Ich freu mich, wenn es so weit ist.

Sicht-Feld schildert sehr amüsant (oder empfinde nur ich das so?) ihre jüngsten Erfahrungen mit Online-bestellter Kleidung.

Liebe stille Leserinnen und Leser, liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren, liebe Mitbloggerinnen und Mitblogger, liebe von mir jetzt aus Versehen Vergessene, ich danke Euch, dass wir einander verbunden sind.

© Ulf Runge, 2009


Was braucht es zu einer guten Erzählung?

27. März 2009 13 Kommentare
Leben 409 – Freitag, 27.03.09

Was braucht es zu einer guten Erzählung?

Seit zwei Jahren stelle ich mir diese Frage vornehmlich unbewusst. Weil ich ein Drauflosschreiber bin. Heute nun möchte ich einen bewussten Annäherungsversuch an eine Antwort wagen.

Erst mal: Lassen wir mal das “gut” weg. Dann bleibt: Was braucht es zu einer Erzählung?

Eine Handlung. Einen roten Faden. Vielleicht sogar ein Bündel Fäden. Mit Knoten drin.

Einen Protagonisten. Mehrere Protagonisten. Sympathieträger. Bösewichte, die vom Guten besiegt werden wollen. Vielleicht.

Einen Ort. Einen Ankerpunkt, an dem ich mich in Gedanken immer wieder mit den Handelnden treffen kann.

Eine Zeit. Jetzt. Gestern. Gedachtes Morgen. Gewesenes Morgen. Mehrere Jetzts.

Perspektiven. Auf die Protagonisten, Orte und Zeiten. Nach dem Motto: Wer berichtet hier eigentlich? Und wann und was? Über wen?

Soweit „meine“ Zutaten zu einer Erzählung.

Wann ist die Erzählung denn nun „gut“?

Ein Text ist nicht gut an sich, sondern immer nur für die Person, die ihn gelesen hat.

Und zwar zu Ende. Weil das Interesse der Leserin oder des Lesers geweckt wurde, die Phantasie angesprochen wurde, weil die lesende Person selbst zum Teil der Handlung wurde, als Beobachter oder, besser noch, als eine oder mehrere der handelnden Personen.

Das Geheimnis hier heißt Spannung.

Zuguterletzt. Stil. Das ist der sorgsame Umgang mit Sprache. Das Formen der Gedanken in eine unverwechselbare Gestalt, auf dass die Leserin, der Leser sich „zu Hause“ fühlen möge.

Vielleicht bist Du ja beim Lesen dieser Zeilen in die Rolle „Ich schreibe selber“ hineingeschlüpft.

Deshalb: Ein Text ist nicht gut an sich, sondern immer auch nur durch die Person, die ihn gelesen hat. Durch Deine Fantasie, die Dich aus meinem Text Deine gedachte Wirklichkeit erschaffen lässt.

Ich mache mal ein Beispiel.

Die Handlung muss nicht zwangsläufig eine spannende Begebenheit sein. Das kann sogar eine sachliche Abhandlung sein. Wie diese hier.

Der Protagonist. In seiner sparsamsten Form beschränkt sich eine LiteratIn auf die Ich-Form. Wie in diesem Essay.

Ort. Hier.

Zeit. Jetzt.

Perspektive: Ich.

Stil. Du kennst meinen Stil. Dein Wohlgefallen sowie das meine an selbigem möchte ich nicht beschädigen durch unnützes Herumanalysieren.

Spannung. Wie so oft kommt bei mir dann doch noch eine überraschende Wende. Die die womöglich vorliegende Erwartungshaltung der begierig Buchstaben, Silben und Wörter aufsaugenden Person enttäuscht, dafür aber mit einer Überraschung zum Schluss noch für ein Lächeln sorgt.

So auch hier. Weil, auch diesmal gibt es erwartungsgemäß ein unerwartetes, weil jähes ND.

© Ulf Runge, 2009

Bürotisches

24. März 2009 26 Kommentare

Leben 408 – Dienstag, 24.03.09

Ich schreibe ja prinzipiell nichts zu meinem beruflichen Alltag. Wer meinen Blog kennt, weiß das. Wer meinen Blog nicht kennt, ist selber schuld, grins.

Heute breche ich dieses Tabu ein klein wenig. Nenne die nun geschildert werden wollende Begebenheit „Bürotisches“. Und wer weiß, vielleicht ist das ja der Auftakt für eine neue Facette meines Schreibetagebuches.

Ich war neu in der Firma. Und mein Arbeitsplatz war im 11. Stockwerk eines Hochhauses. Dann gab es da noch das 9. und 10. Stockwerk, die mein Betrieb ebenfalls angemietet hatte.

Also. Ich war neu in der Firma. Saß an meinem Großraumarbeitsplatz, ein Gefühl, das ich seit 15 Jahren nicht mehr gehabt hatte. Davor immer nur Einzelhaft oder Zweibett-/Dreibettzimmer. Jetzt also links und rechts Kolleginnen und Kollegen. Und hinter und vor mir auch.

Also. Ich war neu in der Firma. Saß an meinem Großraumarbeitsplatz und erhielt einen Anruf, dass am Empfang, also ganz unten, eine eilige Kurierpost für mich abgegeben worden sei.

Okay, ich zog mir mein Jacket an, überprüfte, dass ich meinen Betriebsausweis dabei hatte, begab mich zum Aufzug, fuhr hinab, begab mich zum Empfang, grüßte freundlich, nahm den Umschlag in Empfang, quittierte und lief zum Fahrstuhl zurück.

Der war auch prompt da, ich drückte die „11“, betrachtete die Absenderadresse auf dem Kuvert und war auch schon auf meiner Etage angekommen, wollte raus, und wurde beinahe von einer stürmischen Dame überrannt, die dann aber doch ein Einsehen hatte, und mich erst aussteigen ließ.

An meinem Arbeitsplatz angekommen öffnete ich den Brief, ein wenig unprofessionell ohne Schere, weil selbige sich wohl von meinem Schreibtisch entfernt hatte. Meinem Kollegen zur Rechten, rief ich, ohne ihn anzugucken, ein kurzes „Bin wieder da!“ zu, überflog das Anschreiben und ging zurück zur vorher unterbrochenen Arbeit.

Drückte Strg-Alt-Entf und wollte mich wieder an meinem PC anmelden, als dieser meine Zugangsdaten nicht annehmen wollte. Hm, dachte ich.

Hm, dachten auch meine Kollegen. Der zur Rechten. Die zur Linken. Alle um mich rum. Die sahen so anders aus!!!

Hochroten Kopfes erhob ich mich von „meinem“ Stuhl, nahm den Brief, murmelte noch was „in der Etage geirrt“ und entschwand wie selten gesehen.

P.S.: Liebe Leserin, lieber Leser meines Blog, hier geht es erst am Wochenende weiter. Ich hoffe, wir lesen uns bald wieder. Herzlichst, Ulf Runge

© Ulf Runge, 2009

Merkwürdige Post

21. März 2009 6 Kommentare

Leben 407 – Samstag, 21.03.09

Ein A4-Umschlag ist in der Post. Der Absender fehlt. Der Empfänger, also wir, ist handschriftlich aufgebracht. Merkwürdig.

Merkwürdig im wahrsten Sinne des Wortes ist dann der Inhalt. Ist doch heute nicht Donnerstag, und doch halten wir die neue ZEIT in der Hand. Ein bisschen dünne, weil, eine ZEIT passt nicht in einem A4-Umschlag.

Erstaunlich, was diese Ausgabe der ZEIT zu berichten weiß: Dass Herr Mehdorn sich auf einen Beiratssitz im Klimarat der Vereinten Nationen beworben habe. Den Grund seiner Ablehnung kann man hier unter Prominent ignoriert nachlesen.

Aber jetzt mal langsam. Was ist passiert?

Wir halten in Händen: Ein Plagiat der Wochenzeitung DIE ZEIT, das von der Non-government-organization (NGO) Attac heute in Papierform und im Internet unter viele Menschen gebracht worden ist.

Ich glaube, dass die für eine gute Sache unterwegs sind. Was allerdings in dieser Fake-Ausgabe der ZEIT zu lesen ist, wird mit Sicherheit Nachspiele haben. Vorm Gericht. Ich denke hier vor allem an eine „Anzeige“ auf Seite 5.

Erstens. Ein Plagiat der Papier-ZEIT wurde heute „unter die Leute“ gebracht.

Zweitens. Es gibt ein Plagiat der Online-ZEIT. Und das ist hacke gut gemacht. Wer das Plagiat der Papier-ZEIT downloaden möchte, kann es hier tun.

Drittens. DIE ZEIT zeigt Größe. Will auf juristische Maßnahmen verzichten. Schreibt selber einen Artikel hierzu und weist unbescheiden und zu recht darauf hin, dass sie die von Attac adressierten Themen schon seit langem und wiederholt adressiert hat.

Zeit zum ZEIT-Clicken, oder?

© Ulf Runge, 2009

Gefährlicher Beitrag

21. März 2009 2 Kommentare

Gefährlicher Beitrag

Dies hier ist ein gefährlicher Beitrag, weil es möglich ist, dass Du anschließend etwas anderes tun wirst, als Du bis eben noch vorgehabt hattest

Leben 406 – Samstag, 21.03.09

 

Was ich hinter mich bringe,
das muss ich nicht mehr
vor mir herschieben

Wolfgang Letz

 

Was für ein kluges Wort! Der, der diese Weisheit hier zu kommentieren versucht, ist absolut kein Musterknabe im Dinge-Rechtzeitig-Tun. Mein Handycap ist ein zuwenig an Ordnung, weil ich so manche Aktivität, die ich eigentlich zu meiner Zufriedenheit, aber auch zur Zufriedenheit anderer durchgeführt habe, nicht immer bis ganz zum Schluss bringe.

 

Beispiele gefällig?

Ich komme nach Hause, alles ist fein, aber ich lege meine Schlüssel nicht an ihren Platz. (Ja, sie haben einen!) Um dann des Morgens ungelassen nach ihnen zu fahnden und prompt einen Zug zu verpassen.

Und bei so manch anderer Aufräumaktivität ist es in Wirklichkeit die fehlende Festlegung eines Platzes, die letztendlich zu Suchstress führt. Nur wer weiß, wohin tun, der weiß auch, wo finden.

Oder es ist eine Auftragsbestätigung gekommen. Ich lege sie irgendwo hin. Wenn die Ware kommt, geht die Suche los. Seit geraumer habe ich deshalb für noch offene Vorgänge einen Ordner. Da kommen diese Sachen rein. Und gut ist.

Viele Menschen reizen die Abgabe ihrer Steuererklärung bis zum letztmöglichen Termin aus. (Ich denke da an eine mir sehr vertraute Person…) Dabei geht es hier nicht wirklich ums Steuerklärungmachen, sondern schlicht und ergreifend darum, alle Belege beisammen zu haben.

 

Wolfgang Letz könnte diese kleinen Alltäglichkeiten gemeint haben. Es sind aber auch bedeutendere Dinge, die wir bisweilen vor uns herschieben, die sich vor uns ansammeln, weil wir sie nicht aufgreifen. Die sich vor uns anhäufen, uns den Blick nach vorne nehmen. Die sich uns in den Weg stellen.

Ganz bedeutsam finde ich, dass wir sehr oft unerklärlich lange brauchen, um von einer Erkenntnis zum folgerichtigen Handeln zu finden. Wir müssten dann nämlich, wie man heute gerne sagt, unsere „Komfortzone“ verlassen.

Wir müssten damit rechnen, dass unsere lieben Mitmenschen nach Erklärungen für unsere Verhaltensänderung verlangen. Beim Mit-dem-Rauchen-Aufhören sehe ich da weniger eine Gefahr. Wer aber von heute auf morgen auf ziemlich radikal auf tierisches Eiweiß verzichtet, der muss gute Antworten haben und aushalten, dass man sich über ihn wundert.

 

Anderes Beispiel: Einen Nachbarn, der einen seit ewigen Zeiten nicht grüßt (ja, so was soll’s geben; ja, ER grüßt nicht; ja, ich würde schon grüßen, wenn er…), nicht nur freundlich grüßen, sondern ansprechen und in ein Gespräch verwickeln.

 

Mit Wolfgang Letz frage ich Dich jetzt:

 

Hast Du ein persönliches Lebensziel? Hast Du dieses Dein Ziel schon aufgeschrieben? Hast Du schriftlich festgehalten, bis wann Du dieses Ziel erreicht haben willst? Weißt Du schon den Weg, wie Du an Dein Ziel kommen willst? Hast Du Dir einen Plan gemacht? Hast Du Dir überlegt, welche Hindernisse Du auf diesem Deinem Weg voraussichtlich wirst ausräumen müssen?

 

Ich sehe, dass Du gerade etwas in Deinen Terminkalender einträgst. Und zwar unter „MORGEN“. Bist Du Dir sicher, dass Du nicht JETZT anfangen möchtest?

 

© Ulf Runge, 2009

 

Wolfgang Letz wurde am 1.3.1950 in Kirchheim/Teck geboren. Er ist deutscher Studienrat und Dichter.

 

Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH .

 

 

Kaminfeuer

19. März 2009 6 Kommentare

Leben 405 – Donnerstag, 19.03.09

Besuch ist da. Lieber Besuch. Wir genießen das köstliche Essen, reden über den Job, berichten über die jüngst gelesenen Bücher. Erwachsenenthemen. Die Kids sind friedlich, die Tomatensaucenudeln munden ihnen offensichtlich. Gefräßiges Schweigen, sozusagen.

Da entsteht eine Pause, für einen Augenblick übernimmt tellerklappernde Stille die Regie.

Sie wolle einen Witz erzählen! Die 9jährige Tochter unseres Besuchs blickt uns verschmitzt an, eine Widerrede zu ihrem Vorschlag nicht zulassend.

„Sitzen zwei Pferde vorm Kamin. Sagt das eine zum anderen: ‚Feuer doch mal den Ofen an.‘“ Die junge Witzeerzählerin springt auf und ruft laut in den Raum: „OOOfennn! OOOfennn! OOOfennn!“

Grinst uns mit einem Wie-war-ich-Blick an. Wir lachen.

„Stopp! Geht ja noch weiter! Sagt das erste Pferd zum zweiten: ‚Sorry, das habe ich nicht gemeint. Du solltst doch nur den Ofen anmachen!‘“ Das eben noch unschuldige 9jährige Mädchen setzt einen provozierenden Teenie-Blick auf und haucht eine Oktave tiefer als eben noch gehört und so verrucht es nur geht: „Sag mal Ofen, hast Du heute Abend schon war vor?“

Lachen. So ein schönes Wortspiel! Und so phänomenal pointiert vorgetragen. Die junge Dame heimst das Lob und die Anerkennung aller Anwesenden ein. Es wird nicht der letzte Witz gewesen sein, den wir zu uns dieser schönen Stunde erzählt haben…

© Ulf Runge, 2009

Green“spam“

17. März 2009 6 Kommentare

Leben 404 – Dienstag, 17.03.09

Ich weiß nicht, ob man sie dingfest gemacht hat. Oder nur ihre Personalien aufgenommen. Vielleicht sind sie ja unerkannt entkommen. Dann werden sie mit Sicherheit sie erkennungsdienstlich gesucht.

Hausfriedensbruch. Störung der öffentlichen Ordnung. Das wird man ihnen vorwerfen können. Man wird sie von Staats wegen nicht ungeschoren davon kommen lassen dürfen. Oder wollen.

Das Haus, in das sie eingedrungen sind, sei ja gerade nicht bewohnt, werde ja renoviert, werden sie womöglich zu bedenken geben. Und dass ja nicht wirklich was passiert sei.

Nichts passiert?

Doch es ist was passiert!!!

Menschen jeden Alters, Menschen mit unterschiedlicher Herkunft haben es mitbekommen. Und die, die es noch nicht erfahren haben, lesen es vielleicht hier. Mutige Menschen haben das Risiko der körperlichen Versehrtheit auf sich genommen, um ein Signal zu setzen. Zumindest für wenige Stunden. Auf dass sich die Öffentlichkeit die Augen reibe. Ins Grübeln komme.

Womöglich als letzte Meldung vorm Wetter wäre gestern folgende Nachricht im Radio zu hören gewesen, wenn es ein öffentliches oder privatwirtschaftliches Interesse an dieser Meldung gegeben hätte:

„Frankfurt am Main. Wie soeben bekannt wird, haben Greenpeace-Aktivisten an einem Hochhaus im Bankenviertel ein überlebensgroßes Plakat mit der Aufschrift ‚Wenn die Umwelt eine Bank wäre, dann wäre sie jetzt gerettet’ befestigt. Das für derartige Delikte vorgesehene Strafmaß reicht bis zu einer Gefängnisstrafe von nicht unter Jahren.“

Hinweis: Straftaten, erst recht jene, bei denen Menschen zu Schaden kommen, lehne ich ab. Für die mutigen „Greenpeace-Aktivisten“ wünsche ich, dass ihr Idealismus und ihr, nein, unser Anliegen „Umwelt“ ein stärkeres Gewicht haben bei der formaljuristischen Würdigung ihrer Aktion.

© Ulf Runge, 2009


Unbeobachtet

16. März 2009 15 Kommentare

Leben 403 Montag, 16.03.09

 


Charakter ist das,
was man hat, wenn
niemand zuschaut

Siegfried Lowitz

 

 

Dezember. Ich halte den neuen Leitspruch-Wochenkalender für 2009 in der Hand. Blättere neugierig durch. Viele kluge Sprüche. Weisheiten. Bei dieser hier verweile ich länger. So treffend finde ich Siegfried Lowitz‘ Definition für „Charakter“.

 

Sich unbeobachtet fühlen.
Und dann trotzdem das zu Boden gefallene Papiertaschentuch aufheben.
Die Bananenschale nicht in die Büsche werfen, sondern zum nächsten Abfalleimer tragen.
Den 5-Euro-Schein auf dem Schreibtisch eines leeren Büros liegen lassen.
Das offene Tagebuch einer anderen Person einfach ignorieren.
Nachts um drei an einer menschenleeren Ampel auf Grün warten.

Ich glaube jede und jeder von uns hat seine ganz persönlichen Situationen, in denen man schwach geworden ist.
Und ebenso erinnern wir uns sehr gerne an all die Begebenheiten, an denen wir die Prüfung bestanden haben. Mit uns selber gewachsen sind.

 

Es ist nicht der hehre Kampf mit unserem Gewissen, den wir plakativ in der Öffentlichkeit breit treten. Statt dessen ist es die Überzeugung, dass wir zu unseren Prinzipien, Glaubenssätzen, Überzeugungen auch dann stehen, wenn genau diese Öffentlichkeit nicht gegeben ist.

 

Oder umgekehrt. Dass wir bitte nur das zu den von uns vermittelten Werten erheben, zu denen wir auch stehen können, wenn’s keine Zeugen gibt.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir wissen, wozu wir stehen, wofür wir stehen. Und dass wir alleine mit uns selber dementsprechend handeln.

 

(Es könnte ja doch jemand zusehen.)

 

(Es sieht immer jemand zu.)

 

(Gott. Wenn Du an ihn glaubst.)

 

(Ich mir. Du Dir. Egal, ob ich an mich, Du an Dich glaubst.)

 

Ich danke dem unvergessenen Schauspieler Siegfried Lowitz, der mehr als nur „Der Alte“ war, für diese wunderbaren Worte.

 

© Ulf Runge, 2009

 

Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH .


 

Stink-Tier-Zeit

14. März 2009 2 Kommentare

Leben 402 – Samstag, 14.03.09

Ich will jetzt nicht lange hier um den kalten Brei herumschreiben, sondern komme gleich zur Sache: Wann hast Du das letzte Mal lauthals gelacht? So spontan und frei, dass die Menschen im Nebenraum Dich großäugig betrachten, wenn Du unter Tränen wieder bei Ihnen aufkreuzt. Also wann?

Ich hoffe, Deine Antwort ist „heute“. Schlechtestenfalls gestern.

Meine Antwort ist definitiv „heute“.

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass ich bei bestimmten Wartesituationen gerne etwas Sinnstiftendes dabei habe. Ein Buch, in dem ich durch das Lesen der nächsten zwei Seiten vielleicht schon heute ein noch besserer Mensch werde. Merke allerdings beim Betreten besagten „Warte“raumes, dass ich genau dieses mein Büchlein nicht dabei habe. Will andererseits aber auch nicht noch mal rausgehen, weil ich recht dringend…

Entdecke dann aber dankbar eine Hinterlassenschaft der vor mir ge“wartet“ habenden Person. Das ZEITmagazin der vergangenen Woche. Lese die Inhaltsübersicht. Entscheide mich für einen Bericht über Menschen, die schreiben.

Dort lese ich dann, dass es darum geht, „Stinktiere“ zu erkennen und entweder aus seinem Leben auszusortieren oder mit ihnen angemessen, sehr bewusst umzugehen. Stinktiere? Das seien ziemlich üble Zeitgenossen, die immer alles besser wüssten oder die jede noch so beschauliche Stimmung durch ihre Einwürfe kaputt machen. 7 Spielarten werden in diesem Artikel beschrieben.

Die von mir geplante Verweilzeit im „Warte“raum wird nicht ausreichen, den kompletten Text zu lesen. So will ich denn nur eine Leseprobe nehmen und lande bei folgender Passage, die ich mit freundlicher Genehmigung des S. Fischer Verlages und der Zustimmung der Autoren hier wiedergeben darf:

„Ja, warum, was machst du denn?“

„Morgens um sechs geht’s los. Zementsäcke schleppen, unfassbar schwer, vom Keller hoch in den fünften Stock, kein Aufzug, keine frische Luft, heiß, Kollegen sind scheiße, nur eine Pause am ganzen Tag, zehn Minuten, so geht das bis sieben Uhr abends. Und morgens wieder hoch …“

„Du lieber Himmel“, sagt der Freund erschrocken, „wie lange machst du das denn schon?“

„Morgen fang ich an.“

Brüll! Genial! Es zerreißt mich fast vor Lachen, ich beende meinen Aufenthalt im „Warte“raum ordentlich und sehe beim Öffnen der Tür in zwei fragende, amüsierte Gesichter.

Hinweis: Dieser locker geschriebene Artikel von Andreas Lebert und Stephan Lebert ist äußerst unterhaltsam. Danke dafür an die beiden Autoren!

Nicht mehr aktueller Tipp: (Auch) diese Woche DIE ZEIT kaufen, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Tipp: DIE ZEIT zu kaufen, lohnt sich immer.
Noch’n Tipp: Und auch wirklich lesen. Incl. ZEITmagazin.

Ganz heißer Tipp: DIE ZEIT abonnieren.
DIE ZEIT, eine besonders gelungene Form der Vergänglichkeit.

Wer nun traurig ist, dass wir, wie jede Woche, (tchibomäßig) eine neue Woche haben und das besagte ZEITmagazin nicht mehr beim Zeitungshändler käuflich erworben werden kann, der findet hoffentlich Trost im Copyright: Das dort aufgeführte Buch von Andreas und Stephan Lebert vermag bestimmt, die Tränen zu trocknen.

© Auszüge aus dem Buch „Der Ernst des Lebens. Und was man dagegen tun muss“ von Andreas und Stephan Lebert. S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2009

© Ulf Runge, 2009

Kategorien:Leben
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