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Archive for Februar 2009

Was ist für mich ein spiritueller Mensch?

26. Februar 2009 8 Kommentare

Was ist für mich ein spiritueller Mensch?
Beitrag zu Dori’s Blogparade

Leben 392 – Donnerstag, 26.02.09

Dori hat in Ihrem wundervollen Chakrablog dazu aufgerufen, darüber nachzudenken, was es denn mit der Spiritualität auf sich hat, da der Begriff „spitituell“ derzeit in aller Munde, oder besser Auge, sei.

Bis heute darf man teilnehmen an Dori’s Blogparade, und dazu habe ich jetzt mal gerade noch gut sechzig Minuten Zeit. Niemand, der mich kennt, kann darüber verwundert sein, dass ich jetzt „schon“ das Thema aufgreife. :-)

Was ist für dich ein spiritueller Mensch?

Ich glaube, jeder Mensch ist spirituell. Jeder Mensch hat eine tiefe Sehnsucht, seinem Leben einen übergeordneten Sinn zuzuschreiben. Eine Bedeutung, die das Phänomen der Sterblichkeit überwinden soll.

Leider werden wir in unseren Schulen und in unserer Gesellschaft nicht wirklich dazu angehalten, diese Spiritualität auszuleben. Heutzutage ist es modern, sich von den traditionellen Glaubensgemeinschaften loszusagen. Das liegt wohl an der Schwierigkeit, Traditionelles, Überliefertes aus der Erlebniswelt alter Schriften in die Gegenwart zu transformieren.

Spirituell, ich wiederhole mich, ist für mich jeder Mensch. Ein „spiritueller Mensch“ im engeren Sinn ist allerdings jemand, der sich dazu bekennt, im Rahmen einer Glaubensgemeinschaft oder auf einem individuellen Weg nach mehr Erkenntnis zu streben, das Gute zu suchen, und in Harmonie mit seiner Umwelt zu leben. Ein Mensch, der weiß (!), dass alles rationale Wissen unsere Welt nicht ausschließlich erklären kann, der weiß, dass es da noch Kräfte und Phänomene gibt, für die viele Menschen noch kein sehr ausgeprägtes Sinnesorgan besitzen.

Meine Antwort?
Jede und jeder. Vor allem wenn sich jemand auf den Weg gemacht, immer noch neugierig ist, mehr zu erfahren.

Empfindest du dich selbst als spirituell?

Ja, im ersteren Sinn. Und ja, auch im zweiten Sinn. Will sagen, dass das, was bei mir über viele Jahre latent darauf gewartet hat, aufgeweckt zu werden, nun aufgebrochen ist, Fragen zu stellen, Antworten zu finden, Veränderungen zu leben. Und dass ich gerne versuche, diese Energie mit anderen Menschen zu teilen. Und dass ich erlebe, dass dieses Teilen nicht wirklich ein Weggeben ist, sondern im Gegenteil ein Empfangen zusätzlicher Kraft.

Meine Antwort?
Ja!

Welche Bedeutung hat Spiritualität für dich und dein Leben?

Eine zunehmende, wie ich gerade schon angedeutet habe.

Wichtig für mich war der Besuch des Sprungbrettseminars von Eugen Simon (Dank an Ulrike Sennhenn!). Impulse haben mir gegeben sowohl „Das Geheimnis“ als auch die ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklungsbücher von Stephen R. Covey. Meine mentale Kraft, Veränderungen auszuprobieren und bei ihnen zu bleiben, ist durch die Lektüre von Steve Pavlina’s Artikeln z.B. über die Disziplin gewachsen (Dank an Berend Lange!). Über Ulrike Sennhenn und Berend Lange bin ich auf „The Master Key System“ aufmerksam geworden. Und durch Zentao habe ich das ultimative Buch über Ernährung (Stopp! Die Umkehr des Alterungsprozesses) gefunden, bei dem es absolut nicht nur ums Essen geht, sondern um den ganzheitlichen Menschen. Sehr radikal, der Herr Campobasso, und ich bin bereit, ihm sehr weit zu folgen, auch wenn ich so manche radikale Ansicht (noch?) nicht teile. Und seine Meinungen, die ich für mich nicht adaptieren kann, sind für mich doch so provokant, dass ich sehr viel darüber nachdenke. Eins ums andere an Impulsen fliegt mir entgegen, so zuletzt der Hinweis auf die „Bestellungen beim Universum“.

Meine Antwort?
Eine zunehmende!


Lebst du deine Spritualität?

Im Kopf. Vor allem im Kopf. Durch Dankbarkeit über vermeintlich Selbsverständliches. Durch Achtsamkeit für die vermeintlich Unwichtigen Dinge. Durch Aufmerksamkeit für meine Umwelt.

Im Denken. Im Fühlen. Im Schreiben. Im Tun.

Meine Antwort?
Sie wächst von innen nach außen.


Glaubst du von dir selbst, ein spirituelles Vorbild für andere Menschen zu sein?

Die Menschen, die mir begegnen, sind ein Spiegel meiner selbst. Und ich für sie. Ich wünschte mir, dass man an mir Vorbildhaftes und Vorbildliches entdecken könnte, aber das ist gar nicht der Anspruch. Vielmehr ist mir darum, dass das, was ich bewirke, dass das, wie ich wirke, dergestalt ist, dass ich damit zurecht kommen kann.

Meine Antwort?
Ich hoffe, dass ich bewirken kann, andere Menschen für die Aspekte der Spiritualität mit zu entflammen. Und ihnen Anregungen geben kann. So, wie ich in gleicher Weise auf immer wieder neue Impulse von anderen Menschen, spirituellen Menschen, hoffe.

© Ulf Runge, 2009

Unfair!

26. Februar 2009 2 Kommentare

Leben 391 – Donnerstag, 26.02.09

„Eigentlich ist das unfair!“

„Was?“

„Dass wir Pflanzen essen.“ [Damit sind wohl Obst und Gemüse gemeint; Anm. d. Red.]

„Warum?“

„Weil die im Gegensatz zum Fleisch [Damit sind wohl lebendige Tiere gemeint; Anm. d. Red.] nicht weglaufen können!“

© Ulf Runge, 2009

Warum es sich manchmal lohnt, bis um 01:22 Uhr aufzubleiben.

24. Februar 2009 16 Kommentare

Leben 390 – Dienstag, 24.02.09

So gegen Null Uhr Dreißig wollte der Moderator Wolfgang Messer bei meinem Lieblingssender (ja, nerv, es ist immer noch SWR1 Rheinland-Pfalz, der zu tiefer nächtlicher Zeit übrigens aus Baden-Baden für BW und RP gemeinsam sendet) wissen, warum der Veilchendienstag (so heißt der Fastnachtsdienstag wohl vielerorten in Rheinland-Pfalz) so heißt wie er heißt.

Weiß der Geier, woher soll ich das wissen.

Man könne anrufen oder „Mail ins Studio“ anclicken.

Mache ich. Letzteres.

Nicht wirklich, aber doch ein klitzekleines Bisschen, hoffend, ich würde dran kommen.

Ich bin gerade dabei, den PC runterzufahren. Ins Bett zu gehen. Es ist 01:22 Uhr.

Als ich vernehme, dass auch meine Erklärung für wert gefunden wird, über den Äther zu gehen:

Weil sich manche am Rosenmontag ein Veilchen im Auge zugezogen haben,

das am darauffolgenden Fastnachtsdienstag so richtig aufblüht.

Danke, liebes Lieblingsradio! Und jetzt aber: Gute Nacht!

© Ulf Runge, 2009

Edit: Herr Messer heißt Wolfgang mit Vornamen. Sorry…
Edit: Nachts wird gemeinsam gesendet für BW und RP, und zwar aus Baden-Baden.

Herr Umbach kommt

24. Februar 2009 2 Kommentare

Leben 389 – Montag, 23.02.09

„Du weißt, dass morgen Dienstag ist?“

Hm, ja, morgen ist Dienstag, was will sie mir damit sagen?

„Clubabend sag ich nur. Aber wenn dieser Umbach kommt, dann ist meine Stimmung im Eimer!“

Warum das jetzt? Warum so destruktive Gedanken? Ich sollte ihr sagen, dass sie endlich mal positiv denken soll.

So, jetzt bin ich gespannt. Der Umbach ist ja ein Reizthema bei uns. Gleich wird er hoch gehen. Und den Umbach verteidigen.

Ich sag besser nichts. Sonst geht sie gleich wieder hoch.

Er sagt ja gar nichts. Bestimmt steigert er sich jetzt rein. Um gleich zu explodieren. Ist doch wahr. Dieser arrogante Umbach, der soll sich zum Teufel scheren.

Ziemlich lange Pause, die wir hier machen. Aber ich hab keine Lust, den Umbach schon wieder in Schutz zu nehmen.

Jetzt ist er sprachlos. Wahrscheinlich hat er noch nicht einmal gemerkt, dass ich ein Späßchen gemacht habe. Stattdessen seh ich doch, dass er sich ärgert.

Wenn sie das auch nur einmal mit Humor nehmen würde. Stattdessen ruft sie mir bierernst „Der Umbach kommt“ zu. Ich tu einfach mal so, als hätte ich es gar nicht gehört.

„Liebling, hast Du gehört? Wenn der Umbach morgen aufkreuzt, gibt’s Tote!“

„Schön, dass Du das so humorvoll siehst!“

??!!

??!!

© Ulf Runge, 2009

Annäherungen an den Schlemmerlachs

22. Februar 2009 6 Kommentare

Leben 388 – Sonntag, 22.02.09

Erste Annäherung:

Ich bin auf dem Weg, eine Packung Viennetta zu holen, aus dem Tiefkühlschrank. Ich öffne dessen Tür und neben dem Speiseeis erkenne ich eine Verpackung tiefgefrorenen Fisches, auf der in roter Schrift „Schlemmerlachs“ geschrieben steht. Ich nehme den Nachtisch. Schließe die Tür. Der Fisch bleibt drin.

Zweite Annäherung:

Bei zusammengesetzten Hauptwörtern ist ja nun üblich, dass das erste einen attributiven Charakter bezüglich des zweiten beschreibt, will sagen, eine Eigenschaft des zweiten illustriert. Es geht also bei jener Packung in der Tiefkühltruhe um einen Lachs von der Gattung „Schlemmer“.

Ein schlemmender Lachs also. Nun fahnde ich also nach weiteren Informationen über diese Spezies. Da die Pflanzen und Tiere alle Latein sprechen, wenn man mehr über sie erfahren will, dank Darwin – richtig wir haben ja Darwin-Jahr – hinterfrage ich in einem Online-Latein-Lexikon den Begriff „schlemmen“ und erhalte als Übersetzung „abligurrio“ für „verschlemmen“. „Schlemmend“ sollte dann „abligurrens“ sein. Oder „abligurriens“. Hoffe ich mal.

Wikipedia verrät mir, dass der atlantische Lachs sich „Salmo salar“ schimpft. Andere Lachse heißen schon mal „Stenodus irgendwas“ oder „Oncorhynchus irgendwas“. Lustig ist der Name des Donaulachs: „Hucho hucho“. Wahrscheinlich, weil sich einSchwabe, Bayer oder Österreicher beim Erstkontakt ganz heftig erschreckt haben muss: „Huch, ich habe Kontakt mit einem Donaulachs!“

Nein, eine Salmo abligurrens geschweige eine der anderen denkbaren Varianten verweigert mir das Netz. Von wegen „Das Netz weiß alles.“. Aber warum heißt dieser Fisch nun Schlemmerlachs?

Dritte Annäherung:

Backofen auf Umluft bei 180°C vorheizen. Schlemmerlachs auf ein mit Dauerbackfolie bedecktes Backblech legen und 40 Minuten auf mittlerer Schiene heizen.

Warum er Schlemmerlachs heißt, weiß ich immer noch nicht…

© Ulf Runge, 2009

Der Rattenfänger

21. Februar 2009 6 Kommentare

Leben 387 – Samstag, 21.02.09

Wir fahren Auto. Hören Radio. Weiß der Teufel, warum uns das Thema der Sendung auf den Rattenfänger von Hameln gebacht hat, ist auch egal (das wäre hier die Stelle, wo man heute „keine Ahnung“ sagt?!), ich sage zur Jugend: „Wie beim Rattenfänger von Hameln!“

Aha. Verständnislose Augen blicken mich an, lassen mich mein Alter spüren. Wieder so eine olle Kamelle von damals, höre ich die Person neben mir denken.

„Rattenfänger von Hameln! Den kennst Du nicht?“ In einer Mischung aus „Da habe ich was versäumt beim Märchenvorlesen“ und aus „Die Jugend von heute kennt die grundlegendsten Dinge nicht mehr“ spreche ich zur unwissenden Person: „Das ist ein Märchen. Der Rattenfänger hat damals, weiß ich auch nicht, der hat irgendwas gutes getan für die Bürger von Hameln. Auf seiner Flöte. Hat’n Konzert gegeben und die wollten ihm nix zahlen. Oder ihm nix zu essen geben. Was weiß ich?! Und dann hat er mit seiner Flötenmusik die Kids so betört, dass die ihm in einer langen Reihe hinterhergelaufen sind, raus aus der Stadt. Und da hat der Rattenfänger sie dann irgendwo versteckt. Im Wald vielleicht. Mittelalterliches Kidnapping sozusagen.“

Bin ich froh, dass ich die Geschichte noch irgendwie zusammengekriegt habe. „Und wie es ausgegangen ist, weiß ich nicht mehr so genau, wahrscheinlich gut, hamse ihm was gezahlt vermutlich und er hat die Kids wieder zurückgebracht. Glaube ich wenigstens.“

Pause. Die junge Person neben mir sieht mich immer noch mit großen Augen an, um dem Geschichtenerzähler schließlich folgende Frage zu stellen: „Und warum Rattenfänger?“

Au ja boah richtig, ja Mensch nochmal, denke ich, richtig, so war’s, den Anfang muss ich ein bisschen umbauen.

„Stimmt! Ich fang noch mal an. Nicht alles, nur was wichtig ist. Also, im Mittelalter oder wann auch immer das gespielt hat, da gab es Ratten in den Städten. Und in Hameln war das wohl ganz schlimm. Kommt der Rattenfänger vorbei, die sind damals sozusagen von Stadt zu Stadt auf Livetour gewesen, bietet seine Dienste an, und dann lockt er die Ratten mit seiner zauberhaften Flötenmusik aus der Stadt. Aus ist. Plage vorbei. Will er Geld haben, oder was auch immer. Kriegt er nicht. Ja, und den Rest kennst Du ja bereits.“

Moral: Rechtzeitig den jungen Menschen diese Märchen vorlesen oder erzählen, dann braucht man sich später nicht dabei ertappen zu lassen, dass manselber – sag ich mal – mindestens die Hälfte vergessen hat.

© Ulf Runge, 2009

Großes und Kleines

21. Februar 2009 7 Kommentare

Leben 386 – Samstag, 21.02.09


Um große Aufgaben zu erfüllen,
musst Du entschlossen sein.
Um kleine Aufgaben zu erfüllen,
musst Du aufmerksam sein.

Sprichwort aus China

Große Aufgaben können so leicht sein. Wenn man sie nur nicht als zu groß ansieht, auf dass man sie doch besser noch ein wenig aufschiebt. Doch große Aufgaben müssen erst einmal sauber geplant sein. Es sind ja schließlich große Aufgaben! Passen in einen normalen Tag gar nicht hinein. Werden also für die ferne Zukunft geplant. Ist selbige dann da, so gibt dann bestimmt etwas Wichtiges und Dringenderes zu erledigen, als das penibel terminierte, große Thema.

Ob ich, der so klug jetzt daher schreibt, mit den großen Dingen denn anders verführe, willst Du wissen. Ehrlich gesagt: Nein. Nicht wirklich. Auch ich schiebe meine großen Anstrengungen gerne vor mir her. Wann immer ich aber allen Mut gefasst habe, den ersten Schritt zu wagen, die Aufgabe anzugehen, dann war alles auf einmal ganz einfach. Besonders wenn ich es geschafft habe, mal länger als eine halbe Stunde ungestört zu arbeiten.

Wenn ich mich aber (viel zu oft, vielleicht auch viel zu gerne) stören lasse bei der Konzentration auf die große Sache, dann habe ich inzwischen ein probates Mittel gefunden, der Unterbrechung nicht die Chance zu geben, das bisher Erreichte zunichte zu machen: Ich schreibe mir spätestens in diesem Augenblick auf, welche weiteren Schritte ich unbedingt noch zu tun gedenke. Und: Einen dieser weiteren Schritte markiere ich mir als den allernächsten, den ich aufgreife, wenn ich weitermachen will. Wo ich früher das Papier durchgekramt habe, was für einen Status das Thema denn gerade hat und womit es nun weitergehen kann, da betrachte ich mir nun statt dessen die zuvor getätigte Notiz, nehme den Vorgang und bin in Nullkommnix wieder in der Aufgabe drin. „Geklaut“ habe ich diese Technik aus dem Werkzeugkasten „GTD Getting Things Done“, von dem ich in Zukunft noch mehr Aspekte für mich zu übernehmen gedenke.

Das Entschlossensein, eine angefangene Aufgabe möglichst wirkungsvoll zu erledigen, hat mich also dazu gebracht, so konsequent wie möglich immer wieder die Frage „What’s next?“ zu stellen, bevor einen Vorgang aus der Hand lege.

Kleine Aufgaben. Routineaufgaben. Schnürsenkel binden. Mülleimer runter tragen. Nur das Unterbewusstsein führt Regie. Die immer gleiche Fahrt mit dem Auto zur Arbeit.

Aufmerksam sein? Warum? Um bei der 300hundersten Fahrt am Kindergarten vorbei noch rechtzeitig das Kind zu entdecken, das sich los reißt und fast ins Auto rennt. Um beim Trepperunterlaufen sich nicht zu sicher zu fühlen, und hoffentlich rechtzeitig zu entdecken, dass selbige frisch gewischt ist und zu halsbrecherischen Gleichgewichtsoperationen führen kann. Um hoffentlich zu bemerken, dass der eine Schnürsenkel heute zu ungleich gebunden ist und man sich selber schon mit dem nächsten Schritt einen wochenlangen Krankenhausaufenthalt einfangen kann.

Um ungefähr eine halbe Stunde nach Verlassen der Wohnung auch weiterhin sicher zu sein, dass die Herdplatten ausgeschaltet sind. Das Licht gelöscht. Die Kerzen ausgeblasen.

Dass man beim Schreiben eines Blogartikels den Text noch einmal kritisch durchliest. Rechtschreibfehler korrigiert. Oder den Unsinn entdeckt, den man geschrieben hat, so wie ich jüngst mit der Begebenheit „Weinkauf 1“. Ich werde sie gleich noch korrigieren.

Die Achtsamkeit ist eine enge Verwandte zur Aufmerksamkeit. Die Achtsamkeit enthält für mich in ihrem Sinn noch zusätzlich den Respekt von dem Gegenüber, egal, ob es sich um einen Mensch, ein Tier, eine Pflanze oder einen Gegenstand handelt. Oder einen Vorgang oder Ereignis.

Und so nehme ich mir immer wieder vor und tue es dann auch, unbewusste Handlungen einmal bewusst zu hinterfragen. Um dann anschließend ganz sicher zu sein, dass ich so wie jetzt gerade auch immer wieder zukünftig agieren möchte. Oder Handlungsbedarf für eine Verhaltensänderung entdecke. Zum Thema Verhaltungsänderung habe ich gute Erfahrungen mit Steve Pavlina’s Idee gemacht, einfach mal dreißig Tage lang konsequent ein bisheriges Verhalten bewusst durch ein vielleicht wünschenswerteres zu ersetzen. Und nach den 30 Tagen zu entscheiden, wie man weiterhin verfahren möchte.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern, dass sie jetzt und hier mit „ihrem“ großen Thema, das sie schon lange vor sich her schieben, einen Starttermin vereinbaren. Und dann wirklich zum vorgesehenen Termin beginnen. Etwa mit dem Skizzieren eines Planes. Und erst dann wieder mit etwas anderem fortzufahren, wenn man sich vorher entscheieden hat, was bei der Wiederaufnahme des Themas als Nächstes ansteht.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Wiederentdecken der kleinen Dinge, die wir einfach so automatisch tun. Ich sag mal, durchs Fernsehprogramm zappen. Ich sag mal, durchs Leben zappen. Und dann zu entdecken, wo wir uns jetzt schon wohl fühlen. Und wo wir uns noch wohler fühlen wollen.

© Ulf Runge, 2009

Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH.

Freud.

19. Februar 2009 4 Kommentare

Leben 385 – Donnerstag, 19.02.09

Weiberfastnacht. In einer Stadt am Rande der Fassenacht. Oder sogar eher außerhalb? Egal.

Das Mittagessen hat gemundet, wir verlassen die Cafeteria, benutzen für die Stockwerke nach unten das Treppenhaus. Es riecht. Ich rieche. Ich sage: „Alkohol! Hier riecht‘s nach Alkohol!“ Eine Halbtreppe weiter unten werden wir eines Handwerkers gewahr. Der die Wand streicht. Mit Farbe. „Kein Alkohol. Das ist der Anstrich, der hier riecht.“ korrigiere ich mich. Darauf mein Kollege: „Das war dann wohl ein Freud’scher Verriecher!“

Die Freud‘ an seiner kreativen Wortschöpfung lässt uns einander anlächeln. Später meint mein Kollege dann ganz beiläufig: „Vielleicht war es aber doch Alkohol…“

© Ulf Runge, 2009

Hin. Zurück.

18. Februar 2009 20 Kommentare

Leben 384 – Mittwoch, 18.02.09

Hin.

Ob da noch frei sei, frage ich, obwohl ziemlich offensichtlich ist, dass drei der vier Sitze hier unbelegt sind. Ich werde angenickt. Ich versuche, den ausdruckslosen Blick durch mein Lächeln aufzuwärmen. Was mir nicht gelingt. So verkrieche ich mich in meine Kopfhörer, in meinen Laptop, höre was, schreibe was. Entrücke dem Hier. Und meinem unnahbaren Gegenüber.

„Was will der Typ? Sieht doch, dass da frei ist. Blöde Anmache, gleich am frühen Morgen. Nirgendswo hat man seine Ruhe. Jetzt grinst er auch noch blöd. So eine doofe Anmache. Gut, dass ich am Fenster sitze, da kann ich wenigstens raus schauen. Wenn sich der Idiot nur nicht in der Scheibe spiegeln würde! Wo ich auch hingucke, glotzt mich seine Fratze an. Ah, jetzt hat er aufgegeben. Auch so ein Laptop-Fuzzi, der sich überall zur Schau stellen muss. Als wenn er im Zug einfach nichts tun könnte. Oder ein Buch lesen. Nene, ich bin wichtig, muss der da sagen. Worüber hatte ich mich eigentlich bis eben geärgert, als der Heini eingestiegen ist. Jetzt weiß ich’s nicht mehr. Das ist aber blöd.“

Zurück.

Ob da noch frei sei, frage ich, obwohl ziemlich offensichtlich ist, dass drei der vier Sitze hier unbelegt sind. Ein lächelndes Nicken aus lachenden Augen weist mir den Sitz zu. Bis ich endlich mal sitze und meine Siebensachen endlich verstaut habe, störe ich mein Gegenüber noch ein paar Mal beim Lesen, streife unabsichtlich ihr Knie, was auch zu gar keiner Irritation führt, stöpsle meine Ohren über die Kopfhörer, klappe das Notebook auf, bin ganz bei mir. Aber: Entrücke weder dem Hier noch dem Jetzt. Spüre, dass sie mich buchlesenderweise in Gedanken anlächelt. So, wie ich auch. Ohne dass wir uns mehr als mitteleuropäisch üblich anblicken, liegt über unserem Abteil eine Stimmung des Einanderwohlwollens.

Sie steigt aus. Ohne dass wir drüber geredet hätten, bin ich sicher, dass wir beide diese Minuten des friedvollen Gegenübers geschätzt, ich glaube sogar genossen haben.

© Ulf Runge, 2009

Beziehungsglück

15. Februar 2009 10 Kommentare

Leben 383 – Sonntag, 15.02.09

Für eine glückliche Beziehung
gibt es keine Rezepte.
Jede braucht andere Zutaten

Ernst Ferstl

Jeder Mensch ist anders. Und folglich ist jede Beziehung zwischen zwei Menschen anders.

Aber so ganz möchte ich Ernst Ferstl doch noch nicht folgen.

Wenn im Wirtschaftsleben eine folgenreiche Investionsentscheidung ansteht, dann ist es ein probates Verfahren, die verschiedenen Alternativen zu bewerten. Nach verschiedenen Kriterien. Wie schnell oder wie leise oder wie stromsparend eine Maschine arbeitet. Was auch immer.

(Damit das vorher vom Bauchgefühl formulierte, gewünschte Ergebnis bei dieser objektiven Methode dann doch herauskommt, gewichtet man die verschiedenen Kriterien mit einem Faktor. Stromsparender kann dann wichtiger werden als leise. Zum Beispiel. Und die Gewichte lässt man nicht vom Verstand, sondern vom Gefühl festlegen…)

(Falls das immer noch nicht ausreicht, führt man eine weitere Unterscheidung bei den Kriterien ein: Musskriterien und Kannkriterien. Ein Musskriterium, das nicht erfüllt ist, führt automatisch dazu, dass die entsprechende Alternative nicht weiter verfolgt wird. Und es wird sich doch ein Musskriterium finden lassen, dem nur die favorisierte Alternative gerecht wird…)

Spass beiseite. Auch in Beziehungen gibt es Musskriterien, finde ich. Eines der bedeutendsten ist für mich die Achtung, der Respekt vor der anderen Person. Wenn in einer Beziehung die Achtung vor dem anderen abhanden kommt, dann bleibt nicht mehr viel übrig vom Miteinander.

Das besondere an einer glücklichen Beziehung ist sicherlich die dauerhafte Anziehung der beiden Partner zueinander. Sympathie, Zärtlichkeit, Vertrautheit, Erotik, Esprit, Sex, gleiche Interessen, all das sind unterschiedliche Facetten, auf die sich die Anziehungskraft kaprizieren kann. Mal stärker, mal weniger. Einander Trost spenden zu können und eine gegenseitig akzeptierte Streitkultur runden eine Partnerschaft ab.

Stopp!

Eine Beziehung kann nicht glücklich sein, sorry, Herr Ferstl. Glücklich (oder unglücklich) können nur Menschen IN EINER BEZIEHUNG sein. Und da Glück ja – profan ausgedrückt – ein selbst erzeugtes Gefühl ist, muss man sich die Frage stellen: „Bin ich in meiner Beziehung glücklich?“ (Und wenn beide in einer Beziehung sagen, ja, ich bin jetzt glücklich, okay, dann ist also auch eine Beziehung glücklich. Und fünf Minuten später?)

Das Spannende am Leben an sich und in einer Partnerschaft im Speziellen ist ja, dass wir uns ungewollt (das wäre schade) oder absichtlich (gut so) verändern. Weil wir unserer Ziele immer wieder neu definieren, unsere Ausrichtung neu kalibrieren. Und in einer Beziehung heißt das: Immer wieder akzeptieren, dass sich mein Gegenüber ändert. Immer wieder neu entscheiden, ob man diese Veränderung für sich selber auch mitgehen will, oder einfach nicht.

Und immer wieder hinterfragen, ob die Menge der Gemeinsamkeiten so groß ist, dass man zufrieden ist miteinander. Glücklich.

© Ulf Runge, 2009

Ich bedanke mich beim Bellaprint-Verlag , Hinterbrühl, Österreich, für die freundliche Genehmigung, den Sinnspruch des Original-Leitspruch-Wochenkalenders als Thema für Beiträge in meinem Blog verwenden zu dürfen. Der Original-Leitspruch-Kalender wird in Deutschland vertrieben von der Impuls-Kalender GmbH.

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