Tirami Was?

Leben 367 – Montag, 12.01.09

Wir sind mit dem Essen fertig, nur der Nachtisch wartet noch darauf, verspeist zu werden. Wie üblich verzichte ich auf meine Portion, weil ich mir aus Süßspeisen fast gar nichts mache.

Es gibt Tirami Su. Scheint gut zu schmecken. Ich schaue in zufriedene Gesichter. Als sich folgendes Gespräch entspinnt:

Sie1: „Das Tirami Su, das schmeckt heute, ähm. Ja, ein bisschen anders, oder?“

Sie2: „Hm, ja, ich weiß auch nicht. Schon ein bisschen anders als beim letzten Mal. Ob die das Rezept geändert haben?“

Sie1: „Es schmeckt ja nicht schlecht, nö, im Gegenteil, mir schmeckt’s ja, aber eben anders als sonst.“

Ob sie denn wüssten, wie das heute so in einer Massenfertigung ablaufe, greife ich in das Gespräch ein. Zwei Na-wie-denn-Gesichter fordern mich auf, endlich mein Wissen preiszugeben.

„Ihr müsst wissen, ich habe mal einen Studienkollegen gehabt, der hat bei so einer Firma in den Ferien gejobbt. Die machen da alle acht Stunden was anderes. Erst acht Stunden Erdbeerjoghurt, danach dann acht Stunden lang Bananenjoghurt, und das letzte Drittel gehört dem Heidelbeerjoghurt. Nur mal so als Beispiel. Und mein Kumpel hat mir erzählt, dass es beim Schichtwechsel schon mal zu Geschmacksvermischungen kommen kann. Da bekommen die ersten Bananenjoghurts noch etwas Erdbeere mit, und der Heidelbeerjoghurt schmeckt anfänglich noch ein bisschen nach Banane.“

Als sehr, sehr ernste Das-ist-nicht-Dein-Ernst-Blicke strafend auf mir ruhen, gebe ich zu bedenken, dass mein Studienkollege mir das damals sehr glaubhaft geschildert habe. Und außerdem könnten sich die Produktionsmethoden in all den Jahren natürlich verbessert haben.

Damit wird auch klar, dass meine Schilderung nicht wirklich etwas zur Aufklärung der Geschmacksirritation beitragen wird.

Später.

Wir spülen ab. Das meiste ist im Geschirrspüler gelandet, es bleiben noch ein paar Dinge, die nicht in der Maschine gesäubert werden. Und dann liegt da noch die Verpackung vom Nachtisch, die ich in den Papierkorb werfe.

Tirami Was? Was stand da auf der Schachtel? Ich hole sie noch mal heraus, lese, was da steht, um dann, nun laut vernehmlich für alle, ernstzubleibenversuchenderweise vorzulesen, was da steht: „Mousse au chocolat“.

© Ulf Runge, 2009

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ursula sagt:

    Lieber Ulf,

    ich bin ja ein Selbermacher……, daher sind die Verwechslungen in unserem Haushalt nicht so ueberschaubar. Weihnachten 2008 begab sich folgende Geschichte:

    Kurz vor Weihnachten hatten wir ueber die Speisenplanung gesprochen und uns fuer Perlhuhn entschieden. Wie Du ja weisst ist der Dezember absolute Stresszeit in meinem Job, also hatte ich wenig Zeit fuer Einkaeufe und Vorbereitungen. Zudem ist Holland, zumindest, wenn man auf dem Lande lebt, noch immer kulinarisches Entwicklungsland. Kurz und gut, Perlhuhn gabs nicht, aber schoene franzoesische Enten, auch lecker……Ich dachte ja, ich haette es erwaehnt, vonwegen kein Perlhuhn aber auslaendische Ente usw…… Als am erste Feiertag der Vogel aus dem Kuehlschrank geholt wurde gabs die Bemerkung….. ‚das‘ ist aber gross. Ich hatte ein gedankliches Fragezeichen, war aber gerade zu Beschaeftigt um nachzufragen. Nach dem Essen war der Kommentar dann…… ‚hat ja toll geschmeckt aber das Perlhuhn war irgendwie seltsam‘.

    Liebe Gruesse

    Ursula

    PS. ich rufe morgen mal die Jungs in England an

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    1. Ulf Runge sagt:

      Liebe Ursula,

      danke, dass Du meiner Geschichte ein wenig den Touch nimmst, nur packungslebensmittelessende
      können sich beim Verzehr irritieren lassen. Es funktioniert auch bei Lebensmitteln und Speisen,
      bei denen man die natürliche Form und Größe noch erahnen kann.

      Danke für diese schöne Schilderung.

      Liebe Grüße nach Holland,
      Ulf

      Apropos England: Ist der Ärmelkanal schon zugefroren?

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  2. Elisabeth sagt:

    *lach* Jaja, genau, so isses…
    Wie genau schauen wir tatsächlich hin? Was nehmen wir wahr? So wird aus einem Tiramisu schnell ein Tiramischo(c)k *lach*
    Bestimmt ein sehr interessantes Geschmackserlebnis 🙂 Gut, dass wenigstens einer genau geschaut hat… wenn auch (zu) spät… 😉

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    1. Ulf Runge sagt:

      Tiramischo(c)k!
      Das ist mit Sicherheit ein noch würdigerer Titel für diese
      Geschichte, liebe Elisabeth! Danke!

      Zu spät? Es ist niemals zu früh, aber selten zu spät, heißt es doch 🙂

      Mein Lieblingsspruch, wenn ich zum Essen eingeladen bin, lautet:
      „Als was essen wir das jetzt?“

      Liebe Grüße,
      Ulf

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  3. So einfach ist der Mensch zu täuschen! Warum abwechslungreiche Küche? Einfach die Verpackungen tauschen!
    (Ich freue mich schon heute auf die vielen kleinen, grünen Spargel-Kügelchen)

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    1. Ulf Runge sagt:

      Jedes Spinätchen gibt ein Tönchen,
      sagt schon der Volksmund, lieber Christian.
      Und die Prinzessin auf dem Spinatblatt ist uns ja allen auch ein Begriff!

      Aber es ist noch ein weiter Weg vom Verpackungsverwechseln
      zur pillenbasierten Basisernährung. 🙂

      Liebe Grüße,
      Ulf

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    1. Ulf Runge sagt:

      @Astraryllis: 🙂

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