Anrufe von Möhr Phi – Das Passwort

In großen Unternehmen gibt es eine Instanz, die alles weiß. Oder besser: wissen sollte. Nein, ich meine nicht den Vorstand. Gemeint ist der HelpDesk oder ServiceDesk oder was auch immer.

 

Wie schön es ist, wenn man jemanden „kennt“, der alles weiß, erzählt uns die nachfolgende Begebenheit.

 

Leben 330 – Donnerstag, 23.10.08

 

Möhr hat mich angerufen. Mitten in der Nacht. Total aufgelöst. Sie kennen Möhr Phi nicht? Möhr ist ein alter Freund von mir. Seinen richtigen Namen soll ich hier nicht schreiben, hat er mich gebeten. Da erstens kein Tag vergeht, an dem er nicht eine Handvoll Möhren futtert, und weil zweitens sein Leben so „unkompliziert“ verläuft, nennen ihn seine Freunde nur noch liebevoll „Möhr Phi“.

 

Möhr hat mich also angerufen. Um zwei Uhr morgens. Er könne nicht schlafen. „Ich jetzt auch nicht mehr!“ kann ich mir nicht verkneifen.

 

Er habe einen ganz, ganz schrecklichen Traum gehabt:

 

„Du musst Dir vorstellen, ich sitze im Büro und will mit meinem Buchhaltungsprogramm arbeiten, habe aber mein Passwort vergessen.“

 

„Deshalb weckst Du mich mitten in der Nacht?“ frage ich ihn ungläubig.

 

„Das Problem ist, dass ich nicht nur mein Passwort vergessen habe, sondern darüber hinaus auch nicht in meinem Büro sitze, sondern temporär in der Einkaufsabteilung.“

 

„Okay, Du sitzt nicht in Deinem Büro, und Dein Kennwort weißt Du auch nicht. Das war’s?“

 

„Hör mir doch mal bitte zu! Ich rufe also die Hotline an, und bekomme die Auskunft, man werde mich zurückrufen. Okay, sage ich, dann bitte auf meinem Handy, weil ich nicht an meinem Platz bin, und dann gebe ich meine Handynummer heraus.“

 

„Und?“

 

„Kein Rückruf! Statt dessen eine E-Mail, man dürfe mich nicht auf dem Handy zurückrufen. Sicherheitsvorschriften. Ich solle entweder meine Handynummer im Mail-Programm als Zweitrufnummer eintragen oder mein Telefon auf Rufweiterschaltung umprogrammieren.

 

Suuuuper, denke ich. Schreibe dem Herrn von der Hotline zurück, dass ich eigentlich 1 (in Worten „ein“) Problem gelöst bekommen haben wollte, anstatt zwei neue dagegen einzutauschen.

 

Okay, ich nehme den Kampf auf, denke ich. Und…

 

… ja, ich rufe die Hotline an.“

 

„Und?“

 

„Du glaubst es nicht, ich habe den gleichen freundlichen Mann wie vorhin dran. Das passiert sonst nie. Hast immer jemand anderen dran. Aber nein, heute ist alles anders. Er erkennt mich gleich wieder. Ich erkläre ihm, dass ich sein Angebot annehme, meine Rufnummer im Mail-Programm einzutragen. Ich wisse nur nicht wie. Und das soll er mir jetzt bitte sagen. Moment mal, sagt er, ich höre ihn tippen, er sagt mir, ich solle jetzt mal auf Diesda und Dasda clicken, das mache ich und dann, ja Du glaubst es nicht, eine FEHLERMELDUNG! Irgendwas täte nicht tun.

 

Er könne die Rufnummer ja für mich eintippen, bietet er sich an.

 

Ich frage ihn, ob ich nicht zuerst darauf bestehen sollte, dass wir jetzt gemeinsam diese FEHLERMELDUNG beseitigen. Mag sein, dass er meinen Zynismus herausgehört hat: Er lacht!

 

Und dann sage ich zu ihm, ob er sich bewusst sei, dass er nun genau die Telefonnummer ins Mailsystem reinhackt, die er gleich anrufen wird, um mir mein Kennwort mitzuteilen, was er mir nicht mitteilen dürfe, weil die Nummer ja nicht im Mailsystem drinnen sei.

 

Sein Lachen wird lauter…

 

Nachdem er meine Nummer erfasst hat, ist also alles rechtmäßig, er fragt, ob er mir mein Kennwort gleich geben soll, oder formalerweise auflegen und noch mal neu anrufen solle. Schließlich sei das Passwort ja ein anderes Problem als das Eintippen einer Telefonnummer.

 

Das Passwort empfangen habend verabschiede ich mich von ihm, wir brüllen noch mal laut raus vor Lachen. Und Schluss ist.

 

Sag mal bist Du noch dran?“

 

„Doch, doch“, antworte ich, „ich will Dir mal was sagen: Ist es nicht schön, dass Du das nur gealbträumt hast?“

 

© Ulf Runge, 2008

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Dori sagt:

    Lieber Ulf,
    *grins fett*

    hierzu eine selbst erlebte (nicht geträumte Geschichte):

    der Abteilungs-Megafarbdrucker ist kaputt. Der Service-Dienst (so heißt das wirklich) kommt
    und tauscht das defekte Teil aus. Jetzt müsste er eigentlich wieder gehen, sagen sie zu mir,
    und ich nicke vertrauensvoll.
    Schließlich kommt der Mann ja vom Service-Service bzw. vom Dienst-Dienst.

    Er ist wieder weg, der Drucker druckt immer noch nicht. Die Menschen in der Abteilung sind
    schon ganz verzweifelt. Schließlich konnten sie schon zwei Tage nichts mehr in Farbe ausdrucken.

    Ich rufe beim Service-Dienst an und man sagt mir: Also heute wird das nichts mehr.
    Frühestens morgen, wenn überhaupt. Also das hat ja wohl kaum etwas mit Service zu tun.

    Am späten Nachmittag kommt die Putzfrau. Sie leert den Papierkorb, der neben dem Farbdrucker
    steht, in eine Tonne, dann hebt sie ein Kabel auf, hält es mir hin und meint in ihrem kaum
    verständlichen Deutsch: is nix eingesteckt!

    So viel zum Thema Service-Dienst(leistung).

    Sonnige Grüße

    Dori 🙂

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  2. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, herzlich gelacht über diese gealpträumte Geschichte.
    Leider ist einiges nicht nur ein Traum, Du müsstest mal bei E minus
    (räusper, wollte keine Schleichwerbung machen) versuchen,
    Deine Prepaid-Karte aufzuladen, was da für ein Menü läuft, ist der Hammer…
    Liebe Grüsse Andrea

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  3. Ulf Runge sagt:

    Liebe Dori,

    danke für diese schöne Geschichte!
    Und die schönen Wortspiele Service-Service und Dienst-Dienst.

    Wobei: Die Geschichte mit dem Kabel ist mir irgendwie vertraut.
    (Das ist ja fast schon eine Steilvorlage für die nächste Möhr Phi Geschichte…)

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  4. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    danke für den „heißen“ Tipp.
    Hast Du vielleicht auch die Rufnummer,
    wo man da anrufen muss?
    Um maximale Unterhaltung genießen zu dürfen?

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. andrea2007 sagt:

    Also wenn Du SOOO schreibst, denk ich eher an „Ruf mich an….“…:-) Pfui! Liebe Grüsse Andrea

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    ich verstehe ABSOLUT nicht, wie Du DARAUF kommst… 🙂
    Nee, ehrlich, war nicht beabsichtigt.
    Aber trotzdem *grins*.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. andrea2007 sagt:

    …das weiss ich doch, lieber Ulf:-) Die zweideutigen Gedanken waren da eindeutig auf MEINER Seite:-) Grinsende Grüsse Andrea

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  8. Ulf Runge sagt:

    Fettes Grinsen zurück 🙂

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