Organe

am

Leben 328– Donnerstag, 16.10.08

Früher starb man. Wenn ein lebenswichtiges Organ nicht mehr wollte, konnte.

Und dann ging eine sensationalle Nachricht um die Welt. Dem südafrikanischen Arzt Dr. Christiaan Barnard gelang am 3. Dezember 1967 die erste erfolgreiche Transplantation eines Herzen. Erfolgreich zumindest für 18 Tage. Den seinerzeit empfundenen eiskalten Schauer auf meinem Rücken kann ich heute noch spüren. Etwas Ungeheuerliches war passiert. In der Hoffnung, Menschen ohne Hoffnung zu helfen.

Heutzutage sind Organtransplantationen nichts Sensationelles mehr. Aber doch immer noch ein sehnsüchtig erhoffter Glücksfall für die Person, die ein Spenderorgan implantiert bekommt.

Und es gibt natürlich auch hier skrupellose Menschen, die nur ans Geschäft denken.

Für mich ist gestern wieder etwas vergleichbar Sensationelles in den Nachrichten gekommen. Ein mitwachsendes Spenderorgan! Eine mitwachsende Herzklappe. Für Kinder. Damit nicht immer wieder neu operiert werden muss. Da bin ich für Sekunden ganz still geworden und habe mir gedacht, dass da auf einmal Kinder Hoffnung schöpfen können, Kinder gemeinsam mit ihren Eltern, die bisher mutlos waren, ohne jede Perspektive. Nachzulesen hier.

Seit vielen Monaten habe ich auch einen Organspenderausweis. Wer noch keinen hat, sollte sich dazu auf jeden Fall eine Meinung bilden. Ein Verkehrsunfall kann täglich auf uns warten.

Zum – nicht guten – Schluss will ich nicht verschweigen, dass ich bei meinen Recherchen zu diesem Artikel auf eine sehr traurig und nachdenklich Homepage gestoßen bin, die sich mit zu leichtfertigem Einverständnis zur Organspende für Kinder auseinandersetzt: hier.

Ich wünsche uns allen, dass wir nie vor Entscheidungen gestellt werden bezüglich unserer Lieben und uns selber, die überhaupt etwas mit Organspende zu tun haben. Und wenn doch, dass wir sie später nicht bereuen.

© Ulf Runge, 2008

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wow… was ein Thema, vor allem vor dem Hintergrund, dass ich ein Kind habe.
    Ich bin mir nicht sicher, ich bin mir nicht sicher.
    Will mir aber sicher sein!

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  2. Sabine sagt:

    Lieber Ulf,

    und was stimmt jetzt nun?
    Wer weiß denn schon, was hinter dieser Grenze liegt?
    Wem kann ich vertrauen?

    Kinder … sterbende Kinder, die auf ein Organ warten …

    Kinder … sterbende Kinder, bei denen die Ärzte schon dezent im Hintergrund warten …

    Nachdenkliche Grüße
    von
    Sabine

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  3. Mamü sagt:

    Lieber Ulf,

    ich hatte irgendwo die Zeile gelesen, dass eine mitwachsende Herzklappe eingesetzt wurde. Es war nur so nebenbei, aber ich dachte schon, was für ein Glück für diese kranken Kinder, wenn das möglich ist. Jetzt habe ich den Artikel gelesen, den du verlinkt hast… wow superinteressant. Was die Medizin immer wieder hervorbringt ist schon erstaunlich.

    Das Thema Organspende, Hirntod… hmmm… da bin ich auch immer wieder verunsichert, hin- und hergerissen. Wir haben erst letztens darüber gesprochen und mein Schatz weiß, dass ich bereit bin, meine Organe zu spenden. Doch ein wenig Angst bleibt auch bei mir, dass die Ärzte mich zu früh aufgeben.

    Deinem letzten Absatz kann ich nur zustimmen. Hoffen wir, dass wir von solchen Dingen verschont bleiben.

    Liebe Grüße,
    Martina

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  4. Ulf Runge sagt:

    Lieber Christian,

    danke für Deine Anmerkung.
    Überall sind Ärzte, Schwestern, Pfleger, Rettungsfahrer unterwegs, das Leben derer zu retten,
    die man hoffentlich noch retten kann.
    Überall sind Ärzte, Schwestern, Pfleger, Rettungsfahrer unterwegs, das Leben derer zu retten,
    die man hoffentlich noch mit Organen Toter retten kann.
    Alles Menschen, denen ich unterstelle, dass sie nicht leichtfertig Entscheidungen über Leben und Tod
    herbeiführen.
    Und dann steht man womöglich zwischen allen diesen Helfern.
    Und wünscht sich, dass die Würde der Sterbenden und Gestorbenen angemessen berücksichtigt werde,
    wenn man sich daran macht, durch Organentnahme anderen zu helfen.

    Sicherheit? Ich glaube, in diesen grenzwertigen Situationen gibt es viel Ermessen, das mit großer Ernsthaftigkeit zum Zuge kommt.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  5. Ulf Runge sagt:

    Liebe Sabine,

    ich habe versucht, Deine Fragen in meiner Antwort an Christian
    aufzugreifen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Martina,

    danke für Deine Anmerkungen.
    Beileibe ein unangenehmes Thema.
    Wenn man die aktuellen Nachrichten zum Thema Patientenverfügung
    hört, dann wird klar, wie schwer es ist, im Rahmen einer
    Güterabwägung eine unumkehrbare Entscheidung zu treffen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Hallo Ulf,

    Die Ärzte, Schwestern, Pfleger, Rettungsfahrer sind nicht die Entscheidungsträger für die Organspende aus Spendersicht. Das sind Gesundheits-Politiker und Ethik-Kommissionen mit Richtlinien zur Feststellung des „korrekten“ Todes (unter Einflussnahme von Pharma-Lobbyisten?). Ich glaube, die „Würde der Organspender“ spielt eher eine Nebenrolle, wenn man auf couragierte Ärzte trifft.

    Das heißt nicht, dass ich gegen eine Organspende bin. Bei meinem Sohn zweifle ich aber.

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  8. Ulf Runge sagt:

    Lieber Christian,

    Deine Argumentation ist für mich nachvollziehbar.
    Mag sein, dass die (bösen) Politiker nach Deiner Einschätzung da was verbockt hat.
    Egal wie, die Last der Verantwortung ruht letztendlich auf denen, die vor Ort sind
    und situativ entscheiden müssen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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