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Archive for Oktober 2008

Aufzüglich

30. Oktober 2008 6 Kommentare

Fahrstuhl

Fahrstuhl

Foto: © margasch / PIXELIO

Leben 333– Mittwoch, 29.10.08

 

Robin und ich betreten den Aufzug nach oben, um in unser Büro in der 14. Etage zurückzufahren. Der Aufzug ist nicht leer, Frida und Nora kommen von unten, die 14er Taste leuchtet schon. Der Aufzug setzt sich in Bewegung, als ich zusätzlich noch die 13er Taste drücke, um, was nur die wenigsten wissen, meine übliche Extra-Treppe zu laufen.

„Wo willst Du denn hin?“ fragt mich Frida, wohl wissend, dass die 13. Etage derzeit leer steht. Und ich da „nichts zu suchen“ habe.

Wenn sie ein Geheimnis für sich behalten könne, ich würde sie mitnehmen, aber Klappe, raune ich ihr mit ernster Miene zu.

Durch ein Kopfschütteln gibt Frida mir zu verstehen, dass sie nicht mitgehen wird. „Aber neugierig bin ich schon!“ ergänzt sie hastig.

Neugierig? So wie viele Januar-/Februar-Geborene? So wie ich? „Dann bist Du etwa Wasserfrau?“ entlocke ich ihr ein Grinsen. Nicht lange. Auf dass wir alle in der darauffolgenden Sekunde in brüllendes Gelächter ausbrechen, als Frida kontert: „Nein! Jungfrau!“

 

© Ulf Runge, 2008

Lehrreicher Tag

28. Oktober 2008 10 Kommentare

Leben 332– Dienstag, 28.10.08

Gestern ist mein Auto mit mir sozusagen nur noch nach Hause gestolpert. Am Motor war da nichts. Aber knarrende, krächzende Geräusche gleich hinter dem Motor. Getriebe. Oder Antriebswelle. Egal was. Hauptsache ankommen, habe ich mir gestern Abend gedacht.

Und heute? Das Auto bange in die Werkstatt gebracht. „Wollen Sie nicht mal über ein neues Auto nachdenken?“ „Das kann zwei Wochen dauern, bis wir das Ersatzteil haben. Und zu sparen können Sie auch schon mal anfangen.“ So ungefähr stellte ich mir das Telefonat mit der Werkstatt vor.

Es kam nicht ganz so schlimm. Und es war für mich lehrreich.

Ich habe heute zwei Sachen gelernt. Die erste, nicht wirklich überraschend, und für wohl alle irgendwie gültig: Das Geld geht verdammt schnell weg. Ich bin unter 500 Euro geblieben. Aber auch die fehlen mir jetzt woanders. Zunächst einmal auf meinem Konto.

Die zweite erkläre ich gleich. Da gäbe es einen Automechaniker in HBerg, der habe sich auf derartige Aggregate spezialisiert. Die würde er reparieren. Das käme locker mehr als 100 Euro billiger. Und man müsse auch nicht lange warten. „Der hat immer eine reparierte auf Lager!“

Hatte er wirklich. Und heute Abend ist mein Auto schon wieder voll einsatzfähig.

Die zweite Erkenntnis des heutigen Tages lautet für mich: „Immer eins auf Lager haben!“

Etwa, wenn man unbekannterweise beeinander sitzt oder steht, wenn also „Klein-Gespräch“ angesagt ist: Dann ist es gut, wenn man einen Eröffnungssatz auf Lager hat, mit dem man das Eis bricht. (Ich hatte mich jüngst für den originellen Satz „Und wann haben Sie sich entschieden, hierher zu kommen?“ entschieden. Antwort: „Vor zwei Wochen.“ Das war’s dann für die kommenden 90 Minuten…)

Im Ernst: Wer bereit ist, einen Wunsch seines Kunden, seiner Chefin, eines Familienmitgliedes oder einer Freundin, eines Bekannten zu erfüllen, der sollte sicherheitsweise etwas „auf Lager haben“. Am besten, das was vermeintlich gerade gebraucht wird, denn damit kommt am leichtesten „ein Geschäft“ zustande. Und wer nicht hundertpro das parat hat, was gewünscht, dem bleibt zu wünschen, dass sie oder er ein Leckerli für den Hund hat, einen (positiven) Status für seinen Chef, einen Witz für die Kollegen, ein Lächeln für jede und jeden.

Apropos Witz. Zum Schluss noch eine Frage: Was gibt 4 plus 3 plus 2 Nachtwächter?

Morgen werde ich die Antwort hierauf geben. Und übermorgen werde ich begründen, warum denn diese Antwort die richtige ist.

© Ulf Runge, 2008

Hohler geht es nicht – Eine Hommage

24. Oktober 2008 18 Kommentare

Leben 331– Freitag, 24.10.08

Nein, ich bin jetzt nicht total durchgeknallt, dass ich etwa glauben würde, dass das, was ich nun zu berichten habe, irgendwie von mir „verursacht“ sei, oder dass ich das z.B. mit übersinnlichen Kräften produziert hätte. Ich habe es mir ja auch gar nicht gewünscht, dass das so alles passiert. Und trotzdem ist es passiert.

Trotzdem. Für mich ist ein Zeichen. Nämlich dass Wunder passieren können.

Zur Sache.

Ich muss ehrlich gestehen, ich glaube ich habe ihn bisher nicht gekannt. Nicht wahrgenommen. Obwohl er schon 1943 geboren wurde, für mich ist er keine Woche alt.

Heute Abend habe ich darüber hinaus erfahren, dass er mit dem von mir hoch verehrten Hanns Dieter Hüsch auf den Bühnenbrettern dieser Welt gestanden hat.

Moment bitte noch, ich will es noch ein bisschen spannend machen…

Da fahre ich also am vergangenen Sonntag durch das nächtliche NRW-Land, verkehrsfunksenderzappend. Um dann auf einem Sender zu landen, auf dem Sprache kommt. Kultur halt. Weg damit. Denke ich. Tue ich aber nicht. Ich bleibe da. Emil ist zu hören. Emil Steinberger. Zumindest für 60 Sekunden oder 120. Aber dann issers irgendwie auch wieder nicht. Emil ist nicht Emil. Emil ist irgendwie ein Schweizer. Ein mir unbekannter Schweizer. Auf jeden Fall ist dieser Emil sehr unterhaltend. Abstrus. Grotesk. Befremdlich. Will sagen, da höre ich jemanden, der mir den Eindruck vermittelt, dass er auch schon mal die Straßenseite wechselt, um die Dinge anders zu sehen als sonst.

Franz Hohler heißt er. Und bekommt gerade einen Preis verliehen. Wie sich später herausstellt, höre ich sehr wohl den Verkehrsfunktsender WDR2, und ich höre gerade die Aufzeichnung einer Preisverleihung vom Frühjahr 2008, der Verleihung des Salzburger Stiers (was auch immer das sein mag, denke ich mir in diesem Augenblick) für sein Lebenswerk.

Lebenswerk? Also nicht mehr ganz taufrisch, der Herr. 1943 geboren, wie ich später erfahre. Und seit heute weiß ich auch, dass er für Emil geschrieben hat…

So weit, so gut. Ich fühle mich also radiohörenderweise vortrefflich unterhalten durch die witzige Schöpfungsgeschichte „Die Göttin“, durch den „Liederhörer“, den „Briefkasten“ und den sehr nachdenklich stimmenden „Weltuntergang“.

Aus. Vorbei. Wer es hören will (oder auch nicht) erfährt in den folgenden Tagen von mir von dem außergewöhnlichen Reichtum, den dieser Mensch uns anderen Menschen schenkt.

Dann ist aber auch irgendwann genug erzählt. Und aus.

Ich sitze …, es ist ja ziemlich egal wo ich sitze, lese die Tageszeitung, lese das, was gestern Abend druckfrisch war, lese es heute, weil die Zeitung ist bezahlt, dann will sie auch gelesen sein. Durch einen „Fehler“ beim Blättern lande ich nicht beim Sportteil, sondern bei Lokales. Ein gewisser Franz Hohler, wer auch immer das sein mag… FRANZ HOHLER????? Nee, oder? WANN? Am Freitag. WOOOO? Hier! Um die Ecke.

Am nächsten Tag rufe ich im Kartenvorverkauf an. Doch, da seien noch jede Menge Karten da. „Der Franz Hohler ist bei uns im Ort wohl doch nicht so bekannt.“ sagt mir die freundlicherweisekartenzurücklegende Stimme. Ich mache was Werbung.

Heute war dann doch ausverkauft. Ich glaube nicht wirklich, dass meine Werbung auch nur einen einzigen zusätzlichen Platz gefüllt hat. Aber ich habe ganz viele starke positive Gedanken geschickt, dass ausverkauft sein möge. Und es war. Es hat mich sehr gefreut, dass so viele Menschen da waren, Franz Hohler erleben zu wollen.

Da steht er nun vor uns. Er liest aus seinem aktuellen Buch „Es klopft“. Der könnte das Telefonbuch von Wanne-Eickel vorlesen, es ist ein Genuss, diesen Menschen hier vortragen zu hören, denke ich.

Aber seine Story ist darüber hinaus ganz besonders. Seine Wort gewordenen Gedanken ein Meisterwerk der Formulierung. Es ist ein erhebendes Gefühl, diesem außergewöhnlichen Menschen lauschen zu dürfen.

Die Geschichte gewinnt an Fahrt, und in diesem Augenblick wünsche ich mir, er möge das ganze Buch vorlesen und anschließend alle seine Kurzgeschichten und der Abend möge nicht enden.

Und doch macht er auf einmal Schluss. Mit den Auszügen aus „Es klopft“. Nach vielen Lachern und unterhaltsamen Passagen holt er sich seinen wohlverdienten Applaus ab.

Aber dann. Wir haben Gelegenheit, Fragen zu stellen. Originelle Fragen werden ihm gestellt, und Franz Hohler greift diese spontan und zugleich doch wohl formuliert auf, sowohl die Fragenden als auch der Antwortende finden zu einer Wortwahl, die allen Anwesenden, auch Franz Hohler, in wohltuender Erinnerung bleiben werden.

Und dann liest er noch aus seinen Kurzgeschichten. Hurra! Die Liebesgeschichte „Das Blatt“. Die Schöpfungsgeschichte „Die Schöpfung“. Den “Briefkasten”.

Wie gesagt. Ich „kenne“ ihn noch nicht mal eine Woche.

Und ich bin sicher: Hergeben werde ich ihn nicht mehr. Denn:

Hohler geht es nicht!

P.S.: Die Kurzgeschichten finden sich in seinem zauberhaften Band “Die Karawane am Boden des Milchkrugs – Groteske Geschichten”.

© Ulf Runge, 2008

Anrufe von Möhr Phi – Das Passwort

23. Oktober 2008 8 Kommentare

In großen Unternehmen gibt es eine Instanz, die alles weiß. Oder besser: wissen sollte. Nein, ich meine nicht den Vorstand. Gemeint ist der HelpDesk oder ServiceDesk oder was auch immer.

 

Wie schön es ist, wenn man jemanden „kennt“, der alles weiß, erzählt uns die nachfolgende Begebenheit.

 

Leben 330 – Donnerstag, 23.10.08

 

Möhr hat mich angerufen. Mitten in der Nacht. Total aufgelöst. Sie kennen Möhr Phi nicht? Möhr ist ein alter Freund von mir. Seinen richtigen Namen soll ich hier nicht schreiben, hat er mich gebeten. Da erstens kein Tag vergeht, an dem er nicht eine Handvoll Möhren futtert, und weil zweitens sein Leben so „unkompliziert“ verläuft, nennen ihn seine Freunde nur noch liebevoll „Möhr Phi“.

 

Möhr hat mich also angerufen. Um zwei Uhr morgens. Er könne nicht schlafen. „Ich jetzt auch nicht mehr!“ kann ich mir nicht verkneifen.

 

Er habe einen ganz, ganz schrecklichen Traum gehabt:

 

„Du musst Dir vorstellen, ich sitze im Büro und will mit meinem Buchhaltungsprogramm arbeiten, habe aber mein Passwort vergessen.“

 

„Deshalb weckst Du mich mitten in der Nacht?“ frage ich ihn ungläubig.

 

„Das Problem ist, dass ich nicht nur mein Passwort vergessen habe, sondern darüber hinaus auch nicht in meinem Büro sitze, sondern temporär in der Einkaufsabteilung.“

 

„Okay, Du sitzt nicht in Deinem Büro, und Dein Kennwort weißt Du auch nicht. Das war’s?“

 

„Hör mir doch mal bitte zu! Ich rufe also die Hotline an, und bekomme die Auskunft, man werde mich zurückrufen. Okay, sage ich, dann bitte auf meinem Handy, weil ich nicht an meinem Platz bin, und dann gebe ich meine Handynummer heraus.“

 

„Und?“

 

„Kein Rückruf! Statt dessen eine E-Mail, man dürfe mich nicht auf dem Handy zurückrufen. Sicherheitsvorschriften. Ich solle entweder meine Handynummer im Mail-Programm als Zweitrufnummer eintragen oder mein Telefon auf Rufweiterschaltung umprogrammieren.

 

Suuuuper, denke ich. Schreibe dem Herrn von der Hotline zurück, dass ich eigentlich 1 (in Worten „ein“) Problem gelöst bekommen haben wollte, anstatt zwei neue dagegen einzutauschen.

 

Okay, ich nehme den Kampf auf, denke ich. Und…

 

… ja, ich rufe die Hotline an.“

 

„Und?“

 

„Du glaubst es nicht, ich habe den gleichen freundlichen Mann wie vorhin dran. Das passiert sonst nie. Hast immer jemand anderen dran. Aber nein, heute ist alles anders. Er erkennt mich gleich wieder. Ich erkläre ihm, dass ich sein Angebot annehme, meine Rufnummer im Mail-Programm einzutragen. Ich wisse nur nicht wie. Und das soll er mir jetzt bitte sagen. Moment mal, sagt er, ich höre ihn tippen, er sagt mir, ich solle jetzt mal auf Diesda und Dasda clicken, das mache ich und dann, ja Du glaubst es nicht, eine FEHLERMELDUNG! Irgendwas täte nicht tun.

 

Er könne die Rufnummer ja für mich eintippen, bietet er sich an.

 

Ich frage ihn, ob ich nicht zuerst darauf bestehen sollte, dass wir jetzt gemeinsam diese FEHLERMELDUNG beseitigen. Mag sein, dass er meinen Zynismus herausgehört hat: Er lacht!

 

Und dann sage ich zu ihm, ob er sich bewusst sei, dass er nun genau die Telefonnummer ins Mailsystem reinhackt, die er gleich anrufen wird, um mir mein Kennwort mitzuteilen, was er mir nicht mitteilen dürfe, weil die Nummer ja nicht im Mailsystem drinnen sei.

 

Sein Lachen wird lauter…

 

Nachdem er meine Nummer erfasst hat, ist also alles rechtmäßig, er fragt, ob er mir mein Kennwort gleich geben soll, oder formalerweise auflegen und noch mal neu anrufen solle. Schließlich sei das Passwort ja ein anderes Problem als das Eintippen einer Telefonnummer.

 

Das Passwort empfangen habend verabschiede ich mich von ihm, wir brüllen noch mal laut raus vor Lachen. Und Schluss ist.

 

Sag mal bist Du noch dran?“

 

„Doch, doch“, antworte ich, „ich will Dir mal was sagen: Ist es nicht schön, dass Du das nur gealbträumt hast?“

 

© Ulf Runge, 2008

Franz und Martin – Der Pinkel-VV – Abschlepphubschrauber

22. Oktober 2008 2 Kommentare

Leben 329– Mittwoch, 22.10.08

Franz und Martin

Da erzählt mir heute der Franz eine Begebenheit, die er mit seinem Kollegen, dem Martin, erlebt habe. Er, der Franz, sei unzufrieden gewesen über die Firma. Nicht als Mitarbeiter. Sondern als Kunde des eigenen Arbeitgebers. Und das habe er dem Martin erzählt. Und sich dabei immer mehr reingesteiert und laut gefragt, warum „die“ das denn nicht so und so machen würden, dann sei doch alles ganz ihsi. Da habe der Martin erst mal geschwiegen, ihn angelächelt und gesagt: „Mach doch einen Verbesserungsvorschlag. Das kann nur gut sein. Für unsere Firma. Und vielleicht auch für Dich.“

Und dann habe er, der Franz, sich sich gedacht, ja, natürlich, das ist es, früher wäre er von alleine auf sowas gekommen…

Ich werde den Franz demnächst fragen, ob er sich die Mühe gemacht hat, einen Verbesserungsvorschlag zu machen.

P.S.: Ist es nicht toll, wie der Martin „dem Franz seine“ negative Energie umgepolt hat auf PLUS? Auf POSITIV?

Der Pinkel-VV

Und ich? Mein letzter Verbesserungsvorschlag liegt auch schon Jahre zurück. An meinen ersten kann ich mich noch genau erinnern. Als ich seinerzeit erfahren hatte, dass man für den ersten VV (Verbesserungsvorschlag) in meinem damaligen Unternehmen ein Schweizer Taschenmesser bekommt, da habe ich krampfhaft überlegt, was ich denn für einen VV machen könnte.

Egal wo ich war, ich habe nur VV-Gedanken gehegt.

Wieder einmal war es Zeit – keine Angst, die Geschichte bleibt appetitlich! – aufs Klo zu gehen, als ich das Urinal nutzend hin und her zählte und mir bewusst wurde, dass genau hier auf dem Klo Handlungsbedarf bestand.

Man stelle sich vor: Drei Urinale nebeneinander, aber nur zwei Fußschalter, auf die man drauftreten muss, um die Wasserspülung zu bedienen. Von links nach rechts: Urinal1 – Fußschalter1 – Urinal2 – Fußschalter2 – Urinal3. Der Trick bei der Sache: Fußschalter 2 spült die Urinale 2 und 3 gemeinsam. Will sagen. Obwohl in der Regel nur eines benutzt wird. Will sagen: WAS FÜR EINE WASSERVERSCHWENDUNG!

Will sagen: Skizze gemacht, Vorschlag geschrieben, dass jedes Urinal seinen eigenen Fußschalter haben solle, und ab in die Post.

Hurra, ich hatte meinen ersten VV auf den Weg gebracht. Einen ökologisch wertvollen Vorschlag. (1985 war das.)

Kurze Zeit später erhielt ich dann wirklich dieses süße kleine rote Schweizer Taschenmesser der Marke „Eskannnureinesgeben“.

Damit war das Thema für mich erledigt, ich hatte das Messer, und alles war gut.

Bis dann nach Monaten eine schriftliche Stellungnahme des VV-Büros eintraf. Man habe ein Architektenbüro beauftragt, eine Kostenkalkulation für meinen Vorschlag zu erstellen. Mein VV sei wirklich sehr lobenswert, leider würde die Umbaukosten der Toiletten noch nicht mal in zehn Jahren durch die erwartete Wassereinsparung wett gemacht werden.

Ich war echt baff. „Die“ hatten mich ernst genommen. Hatten meine Idee einer ernsthaften Prüfung zugeführt.

Abschlepphubschrauber

Ich bin auf der Autobahn und höre im Radio, dass Stau ist auf meiner Strecke, 6 Kilometer mit wachsender Tendenz. Liegengebliebenes Fahrzeug in Baustelle. Zum meinem Glück ist der Stau in entgegengesetzter Fahrtrichtung…

40 Minuten später bin ich genau da. Sehe einen Kleinwagen auf der anderen Seite, der den Berg hoch einfach liegen geblieben ist. Ein mittlerweile 9 km langer Einfädelstau dahinter.

Wenn es jetzt nicht nur Hubschrauber gäbe für Unfallopfer, sondern wenn die Hubschrauber auch noch einen Lasttransportzusatz hätten, mit dem sie ein Auto bis maximal 2 Tonnen einfach ein paar Meter weiter fliegen können, man müsste sich das volkswirtschaftlich mal durchrechnen…

Und wenn es weder Polizei noch Abschleppwagen schaffen, innerhalb 40 Minuten so einem Liegenbleiber zu helfen, ein Hubschrauber müsste das allemal schaffen.

© Ulf Runge, 2008

Der Tausch – oder Hans im Glück „reloaded“

22. Oktober 2008 10 Kommentare

Leben 329– Mittwoch, 22.10.08

Erste Annäherung:

In Wikipedia.de liest sich zu „Hans im Glück“ in der Zusammenfassung folgende Begebenheit:

Hans tauschte den Lohn für sieben Jahre Arbeit gegen einen kopfgroßen Klumpen Gold, diesen gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans, die Gans gegen einen Schleifstein mitsamt einem einfachen Feldstein – und glaubte jedes Mal, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, weil das neue Gut ihm weniger Schwierigkeiten zu machen scheint als das weggegebene. Zuletzt fallen ihm noch, als er trinken will, die beiden schweren Steine in einen Brunnen. „‚So glücklich wie ich, rief er aus‚ gibt es keinen Menschen unter der Sonne‘. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war.

Das lasse ich jetzt hier mal stehen. Einfach so.

Zweite Annäherung:

Transsibirische Eisenbahn. Seit Stunden rollt der Zug durch die unwirtliche Landschaft, als er auf offener Strecke unverhofft zum Stehen kommt. Als die Reise nach zwei Stunden immer noch nicht weitergeht, begibt sich einer der Fahrgäste auf die Suche nach einem Zugbegleiter. Auf die Frage, warum es denn nicht weitergehe, antwortet der Bahnmitarbeiter: „Wir tauschen die Lok!“ Warum das denn so lange dauere, will unser Reisender nun wissen. Darauf der Bedienstete: „Nastrovje! Wir tauschen gegen Wodka!“

Der Tausch

Ich habe auch getauscht. Am Wochenende. Negative Emotionen getauscht. Gegen positive. Das klingt wie Geldwechseln. Oder Lok-Tauschen. Und ist womöglich genauso einfach. Wenn man eine Idee hat, wie das denn gehen könnte.

Ich hatte das Glück, genau so eine Idee vermittelt zu bekommen. Am Wochenende. Und ich bin zuversichtlich, dass das bei mir nicht nur mal eben funktioniert hat. Sondern dass dieser Tausch nachhaltig ist.

Und ich habe noch mehr über mich erfahren, ich Linkshirniger, Anhänger der Ratio, und doch zugleich Rechtshirnfühldenkender. Habe erfahren, welche Kraft ich besitze, wie mich meine Vorstellungskraft nach Morgen entführt. Wenn ich will und bereit bin.

Was ich dieses Wochenende nicht gemacht habe: War nicht auf dem Markt. War nicht im Supermarkt, im Getränkemarkt. Nicht beim Schuhmacher. Metzger. Oder Lotto-Toto-Laden. War nicht in der Hundegruppe. War nicht für meine Lieben da. Habe auch nicht geschrieben. Nicht genetzt.

Was ich dieses Wochenende gewesen bin: Ich war da. Nur für mich. (Und für viele andere, die ebenfalls nur für sich da sein wollten. Und es wiederum für viele andere waren, die ebenfalls nur für sich da sein wollten. Und für mich.)

Am vergangenen Wochenende habe ich wie selten zuvor die Chance genutzt, mich mit mir selbst zu beschäftigen.

Während ich mich in den vergangenen Jahren schon unterwegs glaubte und wusste, habe ich am Samstag und Sonntag erfahren dürfen, wie sehr ich noch mit Barrieren im Kopf herumlaufe und zu welchen Ufern ich aufbrechen kann, wenn ich zu Ende denke, was bisher an den selbstgesteckten „Du kannst das nicht“-Grenzen gescheitert ist.

Als wenn ich nicht vorher schon gewusst hätte, dass Visionen und Ziele gedacht und formuliert sein wollen, dass man sie operationalisieren muss, dass es einer Selbstverpflichtung bedarf, dass man das in Herz und Blut übergehen lassen muss, wenn man ankommen will.

Seit diesem Wochenende weiß ich wie nie zuvor, dass es an mir liegt, meine Träume, welcher Art sie auch sein mögen, Wirklichkeit werden zu lassen. Und dass ich die Kraft dazu habe, den Weg dorthin zu finden.

Keine Angst: Ich bin weder einer Sekte beigetreten. Noch habe ich mein Gehirn waschen lassen. Und erst recht arbeite ich jetzt nicht für einen Strukturvertrieb. Es ist alles wie vorher. Äußerlich.

Und innerlich?

Ich höre schon die Planierraupen anrollen. Ich vernehme das Geräusch der Macheten im Dschungel. Ich weiß noch nicht, WO und WIE die Wege verlaufen werden. Aber sie werden. Verlaufen. Und ich werde sie gehen.

Mehr hierzu zu gegebener Zeit.

Hans im Glück „reloaded“

Nach mehr als fünf Jahrzehnten lief Hans immer noch gebeugten Oberkörpers herum. Bisweilen schweratmig. Voller Barrieren in seinem Kopf, die zum Glück niemand sah. Da kam einer des Wegs, um ihm anzubieten, die Barrieren gegen schöne Bilder zu tauschen. Freudig nahm Hans an.

Dass es schwere Barrieren waren, auf die er nun verzichtete, wurde ihm klar, als sein Kopf nun auf einmal so leicht wurde. Dafür nahm er sogar in Kauf, dass die eingetauschten Bilder keine Fotografien waren, auf Papier. Sondern nur in seinem Kopf.

Als er dem Fremden ein zweites Mal begegnete, wollte dieser von Hans wissen, ob er sich denn nicht von seinem schweren Atem trennen wolle und von den Bleigewichten in seinem Rückgrat. Aber gerne, entfuhr es dem Hans, der auf einmal nicht nur schöne Bilder in seinem Kopf sah, sondern auf einmal auch eine unbeschreiblich intensive Wärme in seinem Bauch und seinen Gliedmaßen spürte, die der Andere „Kraft“ und „Energie“ nannte.

Auf einmal hatte Hans nicht nur seinen schweren Mühlstein im Brunnen verloren, sondern auch die gewichtige Last ungelöster Lebensknoten.

So glücklich wie ich, dachte er ganz leise bei sich, gibt es keinen Menschen im Universum“. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last folgte er dem noch unbekannten Weg zu diesen Bildern in seinem Kopf.

© Ulf Runge, 2008

Organe

16. Oktober 2008 8 Kommentare

Leben 328– Donnerstag, 16.10.08

Früher starb man. Wenn ein lebenswichtiges Organ nicht mehr wollte, konnte.

Und dann ging eine sensationalle Nachricht um die Welt. Dem südafrikanischen Arzt Dr. Christiaan Barnard gelang am 3. Dezember 1967 die erste erfolgreiche Transplantation eines Herzen. Erfolgreich zumindest für 18 Tage. Den seinerzeit empfundenen eiskalten Schauer auf meinem Rücken kann ich heute noch spüren. Etwas Ungeheuerliches war passiert. In der Hoffnung, Menschen ohne Hoffnung zu helfen.

Heutzutage sind Organtransplantationen nichts Sensationelles mehr. Aber doch immer noch ein sehnsüchtig erhoffter Glücksfall für die Person, die ein Spenderorgan implantiert bekommt.

Und es gibt natürlich auch hier skrupellose Menschen, die nur ans Geschäft denken.

Für mich ist gestern wieder etwas vergleichbar Sensationelles in den Nachrichten gekommen. Ein mitwachsendes Spenderorgan! Eine mitwachsende Herzklappe. Für Kinder. Damit nicht immer wieder neu operiert werden muss. Da bin ich für Sekunden ganz still geworden und habe mir gedacht, dass da auf einmal Kinder Hoffnung schöpfen können, Kinder gemeinsam mit ihren Eltern, die bisher mutlos waren, ohne jede Perspektive. Nachzulesen hier.

Seit vielen Monaten habe ich auch einen Organspenderausweis. Wer noch keinen hat, sollte sich dazu auf jeden Fall eine Meinung bilden. Ein Verkehrsunfall kann täglich auf uns warten.

Zum – nicht guten – Schluss will ich nicht verschweigen, dass ich bei meinen Recherchen zu diesem Artikel auf eine sehr traurig und nachdenklich Homepage gestoßen bin, die sich mit zu leichtfertigem Einverständnis zur Organspende für Kinder auseinandersetzt: hier.

Ich wünsche uns allen, dass wir nie vor Entscheidungen gestellt werden bezüglich unserer Lieben und uns selber, die überhaupt etwas mit Organspende zu tun haben. Und wenn doch, dass wir sie später nicht bereuen.

© Ulf Runge, 2008

Hausnummer

14. Oktober 2008 4 Kommentare

Leben 327– Dienstag, 14.10.08

Ich saß neben Marion. Wir besprachen die Planung, als die beiden anderen ins Büro hereinstürmten zu uns. Ob wir Lisas Hausnummer hätten, wollten sie wissen.

Marion schaute mich fragend an. Nein, die sind nicht vom anderen Stern, dachte ich zu ihr zurück. Ohne dass ich mir selber etwa die befremdliche Frage hätte erklären können.

„Die Hausnummer von Lisa?“ spielte ich ein bisschen Eliza.

Ja, die sei schon weg und jetzt bräuchten sie ihre Hausnummer. Belustigt warf ich ein, meine sei „11“. Mehr würde ich aus Datenschutzgründen nicht verraten. *augenzwinker*

Marion, von der man wissen sollte, dass sie alles weiß, etwa wer wo sitzt, und man deshalb gerne zu ihr kommt, um sie alles nur Erdenkliche zu fragen, verstand ebenfalls nur Bahnhof und murmelte nur „Hausnummer? Hausnummer! Was wollt ihr mit der Hausnummer?“

„Anrufen natürlich!“ sprachen die beiden anderen unisono.

Der Rest ist fröhliches Gelächter im ganzen Büro. Und der Hinweis, dass die beiden anderen vermutlich nicht zu 100% in Deutschland aufgewachsen sind. Und dass die Privat(telefon)nummer natürlich auch irgendwie die zuHausnummer ist…

© Ulf Runge, 2008

IHR SEID ALLES ARSCHLÖCHER!

14. Oktober 2008 7 Kommentare

Leben 326– Dienstag, 14.10.08

Während Fleetwood Mac den „Albatross“ durch mein Schreibezimmer fliegen lässt, dank meines Lieblingssenders, von dem ich jetzt nicht schon wieder erwähnen will, dass es sich um SWR1/RP handelt, während also dieser stolze, grazile Vogel mich seinen Flügelschlag spüren lässt, denke ich mir, es muss raus, man kann das nicht einfach so für sich behalten.

Irgendwie waren die Nachbarkinder doof. Brav waren sie sowieso. Vorzeigebrav. „Nimm Dir mal ein Beispiel“ fingen einige dieser Sätze an, die ich bis zum Gehtnichtmehr hasste. Die blöden Sätze endeten meist mit den Namen der Nachbarkinder.

Peter und der Wolf haben die andauernd gehört. Wenn ich mal zu Besuch war, wurde ich gefragt, ob ich nicht Peter und der Wolf hören wolle. Wahrscheinlich ist das sogar was „Gutes“, aber die Nachbarvorzeigekinder haben es geliebt. Darum ich nicht.

Wir spielen hinter dem Haus, zwischen den Wäscheaufhängestangen. Fußball. Handball. Irgendwasball. Es kommt zum Streit. Die anderen ärgern mich. Oder umgekehrt. Egal. Die Sache eskaliert. Irgendwas passiert. Vielleicht werden wir sogar handgreiflich.

Die Nachbareltern lassen sich auf dem Balkon blicken. Da oben auf dem Nachbarbalkon. Und es reicht nicht, dass ihre Balgen Stress machen, jetzt vernehme ich vom Balkon auch noch Lebensweisheiten, die ich verächtlich mit Nichthingucken quittiere.

Der Redeschwall nimmt kein Ende, da sorge ich für die einzig angemessene Antwort: „IHR SEID ALLES ARSCHLÖCHER!!!“ rufe ich nach oben, so laut ich kann. Oh, wie ging’s mir da gut, als es raus war.

Minuten später taten mir einige Körperteile weh, unverhofft würde ich mal sagen. Mein Vater hatte kein direktes Verständnis über mein Urteil bezüglich der Nachbarn.

Egal, mir war klar, dass das hier keine Zukunft hatte. Ich wollte dieser dekadenten Welt eine letzte Chance geben, bevor ich nach Amerika auswandern würde. Als blinder Passagier auf einem leeren Bananendampfer. Soviel war sicher. So riss ich ein Kalenderblatt ab aus einem Taschenkalender, holte meine Buntstifte, krakelte unbeholfen „Ich klage an!“ und schmiss diesen Zettel in den Nachbarbriefkasten.

Das kam nun auch nicht unbedingt gut. Weder bei den Nachbarn. Noch bei meinem Vater. Über Details schweige ich jetzt mal.

Und das Auswandern? Ich glaube, ich wurde beim Schreibwaren-Lotto-Toto-Laden aufgegriffen, als ich mein gesamtes Ersparte in Reiseproviant tauschen wollte…

Peter Green’s Musik schwebt immer noch durch meine nächtliche Schreibwerkstatt und mit ihm und seiner grandiosen Musik lasse ich diese Begebenheit descressendo ausklingen.

© Ulf Runge, 2008

 

Sonne, Spicken, Schwarzfahren

11. Oktober 2008 7 Kommentare

Leben 325– Samstag, 11.10.08

Heute wusste ich nicht so recht, was ich schreiben will.
Und so ist jetzt auch das Ergebnis. :-)

Ich wollte was über die Sonne schreiben, dass wir noch ein paar Minuten länger haben auf der Erde, bevor wir merken, dass sie nicht mehr da ist, habe dann aber in Wikipedia gelernt, dass das wohl noch eine Weile dauert und dass vorher sowieso die Erdoberfläche reichlich lavaig werden wird.

Und dann! Ja dann fiel mir dieser fantastische Kurzfilm ein, den ich vor Jahren im Fernsehen gesehen hatte. Vom Straßenbahnfahren, Schwarzfahren, Fahrkartenessen, Farbigsein.

Das Ergebnis meiner Gugelei war dann nicht nur das, worauf ich gleich jutjubig zurückkommen werden, sondern auch ein Kurzfilmportal: Kurzfilme im Internet. Und ich habe mich hier köstlich amüsiert über das Spicken: Die Kunst des Spickens. Empfehlenswert! Am besten mit schulpflichtigen Kiddies gemeinsam gucken!

So, und nun zum Höhepunkt meiner Kurzfilm-Recherche: Hier isser, der Film, den ich seinerzeit umwerfend gut fand. SCHWARZFAHRER.

Und demnächst: Wieder was Textliches von mir.

© Ulf Runge, 2008

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