Der Weg zur Brücke

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Handschlag
Handschlag

Foto: © PIXELIO Stephanie Hofschlaeger

Leben 290 – Samstag, 09.08.08

Wo denn die Friedensbrücke sei? Fragte sie mich. Sah ziemlich verloren aus. Und sprach mit Akzent.

Wo der Weg zur Friedensbrücke ist, will sie wissen, sagte ich mir. Und war ratlos. Den Weg zum Fluss könnte ich ihr wohl weisen, dachte ich mir. Und dann müsste sie am Ufer wohl weiter fragen, würde ich ihr sagen.

Und so schlug ich ihr vor, bis zur nächsten Ecke mit mir zu gehen, dort müsse sie dann abbiegen, der Weg führe direkt zu einer der vielen Brücken über den Fluss, sie solle dann dort noch mal andere Menschen befragen.

Ich entdeckte aufkommende Freude in ihrem Gesicht. Auch wenn ich ihr nicht vollständig weiterhelfen konnte, für eine knappe Minute würde sie Richtung haben, Orientierung bekommen.

Und so gingen wir die Straße, bis ich ihr den Weg nach rechts wies. Und sie in einiger Entfernung auch schon eine der Brücken wahrnahm.

Lächelnd bedankte sie sich.

Und wir entschwanden einander.

Und wenn sie den Weg nun doch nicht gefunden hat?

Und wenn sie den Weg nun doch nicht gefunden hat und ein Engel war? Ein Engel, der den Weg zur Friedensbrücke vergeblich sucht.

Vielleicht war sie ja der Friedensengel, der vor der schwierigen Mission in den Kaukasus noch einmal die Friedensbrücke in sich aufsaugen sollte.

Und statt über die Bösen hier und die Bösen da zu schimpfen, denen es nur um Macht geht und die deshalb gewissenlos Kriege führen, auf Kosten der missbrauchten Menschen, frage ich mich, was ich tun kann, damit nicht nur die Engel, sondern auch die Menschen den Weg zur Friedensbrücke finden.

Ach wie sehr wünschte ich mir – anders als heute – eine Boulevardzeitungsschlagzeile, auf Seite 1, mit den größten Buchstaben, die sie überhaupt drucken können, und dem Zauberwort: FRIEDEN!

© Ulf Runge, 2008

17 Kommentare Gib deinen ab

  1. corax sagt:

    Hallo Ulf,

    Friedensdorf – Willkommen

    Glück auf! :–)

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  2. Ulf Runge sagt:

    Lieber Corax,

    schön, dass es so eine Einrichtung gibt.
    Ich wünsche niemandem Arbeitslosigkeit.
    Aber ich würde mich freuen, wenn wegen ewigen Friedens
    diese engagierten Menschen nichts mehr zu tun hätten:

    http://www.friedensdorf.de/wir-ueber-uns-was-wir-tun.html

    Danke für den Hinweis und lass uns für uns alle die Daumen drücken.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  3. Holger sagt:

    Lieber Ulf,
    wieder eine schöne, aber auch sehr traurig stimmende Geschichte von dir. Musste ich doch diese reißerische Schlagzeile gestern öfters über mich ergehen lassen. Das erste Mal am Bäckereingang. Da wusste ich noch nicht, um was es da geht. Bei dieser Berichterstattung kann einem glatt die Frühstückssemmel im Halse stecken bleiben.
    Leider werde ich vergeblich darauf hoffen, dass der Friedensengel sein Ziel findet. Gibt es nicht allzu viele Leute, welche ihm den richtigen Weg weisen. Der nächste, der gefragt wird, wird ihn wohl in die Irre führen ob seines anderen Akzentes und sich einen Spaß daraus machen. Solange die Menschen sich untereinander nicht als Menschen, als Erdenbürger sehen, sondern ethnische Trennungen vollziehen – solange wird der Friedensengel irregeleitet.
    Friedliche Grüße,
    Holger

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  4. Mo sagt:

    @ Holger, warum so ernst sein? Dein Genre ist doch der Humor 😉
    Im Gegensatz zu Ulf, der noch unerbittlich sucht. 😉

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  5. Ulf Runge sagt:

    Lieber Holger,

    ja, es ging mir gestern auch so: Überall, wo diese Boulevardzeitung verkauft wird,
    hat mich in riesigen Lettern das Wort KRIEG angesehen.
    Und in den nächsten Tagen wird statt dessen an gleicher Stelle,
    vielleicht ein bisschen kleiner von GOLD GOLD GOLD oder so die Rede sein.

    Die Andersartigkeit im Gegenüber als gleichwertige Ergänzung zu sich selber zu empfinden,
    das ist die Voraussetzung für einen friedvollen Umgang zwischen Menschen verschiedener
    Herkunft und Kulturen.

    Ebenso friedliche Grüße zurück,
    Ulf

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  6. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    Du verblüffst mich immer wieder.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  7. Mo sagt:

    Lieber Ulf,
    und Du verblüffst mich damit, dass Du an einem Sonntag überhaupt ONLINE bist – anstatt mit Deiner Familie zum Beispiel in einer Eisdiele zu sitzen 😉

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  8. Holger sagt:

    Liebe Mo,
    ich selbst würde mich nicht in die humoreske Ecke stellen. Dachte ich doch immer selbst von mir, ich stünde für Depressivität mit einer Spur Ironie. Aber danke für das fröhliche Kompliment.
    Liebe, humorvolle Grüße,
    Holger

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  9. Ulf Runge sagt:

    Liebe Mo,

    leider hat meine unerbittliche Suche nach einer Eisdiele heute nichts gefruchtet 😉

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  10. andrea2007 sagt:

    Lieber Ulf, eine schöne Geschichte, die sehr nachdenklich macht. Du hast recht, diese Horrormeldungen werden besonders gross geschrieben und noch so richtig angeheizt. Ein weiterer Grund, diese oder diverse andere Zeitungen, die nur aufreisserisch drauf sind, zu kaufen oder zu lesen.

    Friedliche Grüsse Andrea

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  11. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    NICHT zu kaufen, meintest Du, sicherlich 🙂

    Ich habe selber noch NIE so eine Zeitung FÜR MICH gekauft.
    Und dabei bleibe ich.

    Danke und liebe Grüße,
    Ulf

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  12. andrea2007 sagt:

    ups, lieber Ulf, natürlich NICHT zu kaufen…Danke, dass Du das klargestellt hast!!! Liebe Grüsse und einen tollen Start in die Woche, Andrea

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  13. Mamü sagt:

    Lieber Ulf,

    mich erschreckt es immer wieder, wenn irgendwo auf der Welt wieder ein neuer Krieg ausbricht. Und jedes Mal bin ich dankbar dafür, dass ich noch keinen Krieg selbst erleben musste, so wie meine Eltern es erleben mussten. Und jedes Mal hoffe ich, dass ich das niemals erleben muss. Aber wie viele Menschen erhoffen das wohl und erleben es doch… 😦

    Eine Boulevardzeitungsschlagzeile FRIEDEN… ich glaube das wird es so niemals geben. Es gibt viele Länder auf der Welt, wo Frieden herrscht (!) und darüber wird niemals geschrieben. Es ist vielleicht eine Schlagzeile wert, wenn gerade Krieg war und nun endlich wieder Frieden herrscht. Vielleicht. Ich mag schon keine Zeitungen lesen und keine Nachrichten gucken, weil mich all die negativen Berichte runterziehen. Man bekommt den Eindruck, dass die Welt nur schlecht ist, und das ist nicht so. Aber es ist schwer das zu sehen, weil jede Kleinigkeit, die irgendwie Schrecken, Angst und Entsetzen hervorruft, ausgegraben wird und in den Medien publik gemacht wird. Wie sollen die Menschen positive Gefühle entwickeln, die notwendig sind, um Frieden „herzustellen“? So ist es doppelt schwer. Und heutezutage kommt man ja an all den vielen Schreckensmeldungen gar nicht mehr vorbei, man wird förmlich bombardiert damit. Immer und immer wieder mit den gleichen Meldungen. Einmal reicht ja nicht.

    Ich versuche natürlich auch irgendwie informiert zu sein und es gibt Dinge, die müssen auch an die Öffentlichkeit, aber die Balance fehlt einfach, dass es auch mindestens genauso viel Positives auf der Welt gibt. Ich wünschte mir, dass viel mehr, auch auf der ersten Seite und in Großbuchstaben über die positiven Dinge auf der Welt berichtet würde. Stattdessen liegt der Fokus der Reporter und vermutlich auch der meisten anderen Menschen, nur auf Negatives. Wie aber sollte jemals überall Frieden herrschen, wenn der Fokus nicht auf Frieden sondern auf Krieg liegt? Gesetz der Anziehung?

    Aber ich habe noch gar nichts zu deiner schönen Geschichte geschrieben. Sie ist wunderbar. Ist sie komplett erfunden oder auch wahr? Auf jeden Fall wunderschön.

    Ich glaube wir sollten uns alle auf die Suche nach der Friedensbrücke machen und wer sie gefunden hat, sollte den anderen den Weg zeigen. Und irgendwann, wenn dich dann wieder jemand fragt, dann weißt du wo sie zu finden ist. 😀 Jeder kann sich mal verirren, doch je mehr den richtigen Weg kennen, desto größer ist die Chance, dass der Verirrte zurückfindet.

    Liebe und friedvolle Grüße,
    Martina

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  14. Astraryllis sagt:

    In einem Bericht zu diesem Krieg gab es eine große Erklärung über die Hintergründe, dann wurden in einem Nebensatz die Flüchtlinge erwähnt und dass die Hilfe für sie anläuft und dann kam ein ganz besonders langer Beitrag über die Auswirkungen auf den Ölpreis und die Wirtschaft insgesamt.
    Da also liegen die Prioritäten. Wie kann, sich so langes es so ist, jemals etwas ändern?

    Dir noch einen schönen Abend,
    Astraryllis.

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  15. Ulf Runge sagt:

    Liebe Andrea,

    den guten Wünsche für einen tollen Wochenstart gebe ich gerne zurück:
    Ich wünsche Dir eine tolle Wochenmitte! 🙂

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  16. Ulf Runge sagt:

    Liebe Martina,

    Deinen Zeilen zu guten und schlechten Nachrichten ist nichts hinzuzufügen.
    Ich sehe das genauso.

    Die Geschichte ist nicht erfunden bis zu dem Augenblick,
    wo die friedensbrückensuchende Dame sich von mir trennt.
    Der Rest sind Gedanken, die mir nachher gekommen sind.

    Du hast recht, wir sollten alle den Weg zur Friedensbrücke kennen,
    falls wir mal gefragt werden sollten…

    Liebe Grüße,
    Ulf

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  17. Ulf Runge sagt:

    Liebe Astraryllis,

    entlarvend, Deine Analyse.
    Wenn man alle Ungerechtigkeiten dieser Welt zu Ende denkt,
    dann kann man fast nur noch mit schlechtem Gewissen durch
    das Leben gehen.
    Weil man sich als Teil vom Ganzen irgendwie mitversündigt.

    Dir ebenfalls noch einen schönen Abend.

    Liebe Grüße,
    Ulf

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